"War dein Plan nicht: irgendwie
alle Menschen gut zu machen?
Morgen wirst Du drüber lachen.
Aber, bessern kann man sie."
Unter diesem Motto hat Kästner sich lyrisch betätigt und das in einer Zeit, in der es bitter nötig war. Als Lärm im Spiegel 1929 herauskommt, kritteln bereits Wirtschaft und Haltung der Weimarer Republik und auch die politische Stabilität ist in Gefahr, die extremen politischen Gruppen haben großen Zulauf. Vielleicht deswegen kommt Kästners zweiter Lyrikband manchmal ein wenig überzynisch daher. Ein Jahr nach der erfolgreichen Publikation von Herz auf Taille , in dem Kästner noch klare Töne anschlug, ist er in seiner Lyrik etwas melancholischer geworden, viele seiner Charaktere wirken sehr verloren. Auch sein Bild von der Rolle des Dichters hat sich nach einem Jahr im Caféhausleben von Berlin gewandelt.
"Wir spielen Harfe auf den eigenen Nerven.
Und wenn wir stöhnen, reimt sich das auch schon.
Wir lassen gern mit Steinen nach uns werfen.
Das klingt so schön. Denn Dichter sind aus Ton."
Das Verlorensein, das Kästner zelebriert - trotz aller zynischen Heiterkeit und aller melancholischen Bedenklichkeit, wird es einem lyrisch einwandfrei serviert. Man kann den Reimen gut folgen, sie sind einfach, sachlich, aber doch immer wieder, meistens in der Endzeile, mit vielen kleinen Funken Genialität geladen.
"Vom Fenster aus konnte man Schiffe winken.
Er sagte, es wäre schon Viertel nach Vier
und Zeit, irgendwo Kaffee zu trinken.
Nebenan übte ein Mensch Klavier."
Da hier schon eine hervorragende Rezension steht, der ich mich bis auf die paar Ergänzungen, die ich gemacht habe, vollends anschließen kann, will ich auch gerne auf sie als Kaufanregung verweisen, sollte es mir nicht gelungen sein, ein klares Bild dessen, was einen erwartet, darzulegen. Gerne kann man auch meine Rezension zu Herz auf Taille zu Rate ziehn, um noch etwas Einblick in Kästners Lyrik zu bekommen.
Zum Schluss: Auch die Mutterpoesie kommt in diesem Band nicht zu kurz und eine der Schlusszeilen die mich doch sehr angerührt hat, soll hier am Ende stehen.
"Ich hab von ihm noch ein paar Kinderschuhe.
Nun ist er groß und lässt mich so allein.
Ich sitze still und habe keine Ruhe.
Am besten wär's, die Kinder blieben klein."
Zynisch und besorgt, bissig und Melancholisch


