Nach einem Schiffsunglück strandet der Seefahrer Robinson Crusoe zusammen mit seinem zerstörten Schiff auf einer einsamen Insel. Das Überleben in der Wildnis erfordert viel Einfallsreichtum, Geduld und harte Arbeit, doch es gelingt ihm über Monate und Jahre, sein ganz eigenes Reich zu schaffen. Er zähmt Tiere, baut Unterkünfte und wird ein echter Überlebenskünstler. Bis er eines Tages unerwartet Gesellschaft bekommt.
Hier haben wir es wahrscheinlich mit einem der bekanntesten Abenteuerromane aller Zeiten zu tun. Doch ganz unkritisch ist diese Geschichte aus heutiger Perspektive nicht zu sehen.
Defoe beschreibt vor allem zu Beginn sehr detailliert, wie genau Robinson sein Leben auf der Insel gestaltet und wie er es schafft, zum Meister der Eigenversorgung zu werden. Mir war es teilweise etwas zu detailliert und langatmig beschrieben, am Ende gehört dieser Stil aber wohl zur Geschichte dazu. Am Ende gibt es doch die ein oder andere spannende Stelle in seinem Überlebenskampf auf der Insel.
Aber: Robinson Crusoe ist nicht nur ein Klassiker, sondern auch ein Produkt seiner Zeit – und das merkt man. Crusoe betrachtet die Insel sofort als seinen Besitz und richtet sich entsprechend ein. Diese Denkweise spiegelt die Ideologien des 18. Jahrhunderts wider, als europäische Länder wie selbstverständlich fremde Gebiete eroberten und ausbeuteten. Seine Beziehung zu "Freitag" zeigt das besonders deutlich: Crusoe behandelt ihn wie einen Untergebenen, bringt ihm seine Sprache und Kultur bei und sieht sich dabei als zivilisierende Instanz. Kolonialismus lässt grüßen.
Für uns heute sollte der Roman neben seiner literarischen Komponente auch einen Denkanstoß geben und uns erinnern, wie stark der Einfluss von Kultur und Zeitgeist auf Geschichten sein kann. Und daran, dass es wichtig ist, diese im Kontext ihrer Zeit zu betrachten und den Inhalt entsprechend einzuordnen.
Rudolf Mast
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Quelle: Verlag / vlb
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Diese wahre Geschichte, die ihren Anfang mit Auslaufen des Kriegsschiffs WAGER nahm, nimmt einem beim Lesen mit. Die 2000 Engländer, die gegen Spanien segeln, sind ein dem Tod geweihter Haufen müder, wenig professioneller Seeleute. Das Kap Hoorn zu umschiffen ist an und für sich schon ein Himmelfahrtskommando, da der Pazifik sich dort mit 20.000 km Anlauf leicht zu 30-Meter-Wellen türmt. Überdies treiben noch Eisberge am Wasser. Zuerst bricht Fleckfieber aus, danach Skorbut aus Vitamin-C-Mangel, dem leicht mit Zitronen & Sauerkraut beizukommen gewesen wäre. Nachdem die WAGER an einigen Felsen zerschellt ist, rettet sich die Crew auf eine Insel, die jedoch weder von Tieren noch von Nutzpflanzen besiedelt ist. Eisiger Wind, Regen & Schnee sorgen unter den Männern für Unmut, es kommt zur Meuterei, Diebstahl, Gewalt & Kannibalismus. Zwei verfeindete Gruppen fliehen in zu kleinen Booten. Eines strandet in Brasilien, das andere in Chile. Und dann beginnt der Kampf um die Wahrheit.
Dem Autor gelang anhand von Logbüchern, Briefen & Gerichtsakten das Kunststück, diese Tour de Force so geschickt zu rekonstruieren, dass man meint, man befände sich inmitten der Unglücklichen. Man spürt Hunger, Not & Todesangst sowie die Hierarchie damaliger Zeit und die blinde Königstreue. Außerdem erfährt man, wie viel der von Mut beseelte Mensch auszuhalten imstande ist. Absolute Leseempfehlung!
Ein gelungenes Werk. Es zeigt, wie man mit wenig lange Zeit überleben kann, wenn man es geschickt anstellt und die gegebenen Mittel geschickt einzusetzen weiß. Spannend und mitfühlend geschrieben. Und auch hier wird, wie in "der Ruf der Wildnis" oder auch in "Lassie", klar geschildert, dass der Hund auch in solchen Situationen ein treuer Begleiter sein kann. Ein toller Klassiker, der von mir gerne wieder gelesen werden könnte.
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