Ruta Sepetys Salz für die See

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Inhaltsangabe zu „Salz für die See“ von Ruta Sepetys

Die letzten Kriegstage des Jahres 1945: Tausende Menschen flüchten aus Angst vor der Roten Armee nach Westen. Darunter Florian, ein deutscher Deserteur, Emilia, eine junge Polin, und Joana, eine litauische Krankenschwester. Eine Notgemeinschaft, in der jeder ein Geheimnis hat, das er nicht preisgeben will. Denn der Krieg hat sie Misstrauen gelehrt.
Im eiskalten Winter wählt der kleine Flüchtlingstrek den lebensgefährlichen Weg über das zugefrorene Haff. In Gotenhafen, so heißt es, warte die Wilhelm Gustloff, um sie nach Westen zu bringen. Doch auch dort sind sie noch lange nicht in Sicherheit.

Dramatisch und mitreissend von der ersten bis zur letzten Seite. Große Leseempfehlung!

— Literaturchaos

Eine emotionale, fesselnde und berührende Geschichte über den Untergang der Wilhelm Gustloff!

— Kaetzin

Dieses Buch hat mich wirklich tief berührt; sollte man definitiv gelesen haben.

— annaleeliest

Absoluter Lesemuss!

— Booksarehome

Ein bewegender, packender Roman. Unbedingt lesenswert.

— meppe76

Salz für die See - allein der Titel weckt in mir nach dem Lesen einen überwältigenden Strom von Emotionen. Ein Buch, das erinnert.

— Büchernische

Eine Geschichte, die wohl niemanden kalt lässt!

— wunderliteratur

Wow. Dieses Buch ist kein Sonntagnachmittagspaziergang. Es zeigt die Schrecken von Krieg und Flucht unheimlich nah.

— Katzenkind

Ein hochaktuelles Jugendbuch, das jeder - auch Erwachsene unbedingt gelesen haben sollte.

— FelisBuecherregal

Ein Buch über eine historische Katastrophe, die eher unbekannt ist. Interessant geschrieben und sehr bedrückend.

— Luiline

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Das Buch kommt zwar nicht ganz an Das Schicksal ist ein mieser Verräter heran, konnte mich aber dennoch sehr berühren.

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  • Lesehighlight 2017 - Ein intensives, aufrüttelndes Leseerlebnis

    Salz für die See

    Büchernische

    13. October 2017 um 09:57

    Heute möchte ich euch ein Buch vorstellen, das mich vollkommen aufgewühlt im Lesesessel zurück ließ.Kennt ihr diese Sorte Geschichten, die einen Schwall intensiver Emotionen hervorrufen, welche euch tagelang beschäftigen und nicht loslassen? Geschichten, die so tief und lange nachwirken, dass man kein neues Buch beginnen kann, sondern erst das Gelesene verdauen muss? »Salz für die See« von Ruta Sepetys ist so ein Buch. Jetzt gerade, beim Schreiben meiner Besprechung zu diesem meiner Meinung nach noch viel zu wenig beachteten Jugendbuch frage ich mich, wie ich angemessene Worte für dieses wortgewaltige Schmuckstück aus dem Programm des Königskinder Verlags finden soll.Ich versuche es nun also. Zu allererst: Ich schreibe hier über mein erstes Lesehighlight 2017, zugleich mein zweites gelesenes Buch in diesem Jahr, das mich unwiderstehlich zwischen die Seiten zu ziehen wusste.Die Königskinder & ihr GestaltungskonzeptBevor ich nun näher auf die Story eingehe, möchte ich wie immer gern ein paar Worte zum grafischen Konzept des Verlagsimprints schreiben. Die Covergestaltung des Königskinder Verlages ist nämlich etwas ganz Besonderes und besonders Beachtenswertes. Jedes der bisher erschienenen Frühjahrs- und Herbstprogramme wurde unter einem bestimmten Motto herausgegeben. Während die ersten sieben Königskinder-Bücher eine schwarz-weiß-goldene Farbgestaltung gemeinsam hatten und unter dem passenden Titel ‚Ouvertüre‘ im Herbst 2014 starteten, gehört Ruta Sepetys‘ wunderbare Geschichte zum Herbstprogramm 2016, das aus insgesamt sechs Büchern besteht und dessen Gestaltungskonzept den klangvollen Namen ‚Kaleidoskop‘ trägt. »Salz für die See« trägt ein schlichtes, in dunklen maritimen Farbtönen gehaltenes und damit zum Inhalt wunderbar passendes Coverkleid, das mir auf den ersten Blick gefiel. Suse Kopp, welche sich für die Buchgestaltung der Königskinder verantwortlich zeichnet und bereits für zahlreiche Verlage gelungene Cover gestaltet hat, hat auch hier wieder hervorragende Arbeit geleistet. Nach einem Blick auf den Klappentext stand fest, dass das Buch der Amerikanerin zu 100% in mein literarisches Beuteschema passte und unbedingt gelesen werden musste.Mein erster Eindruck enttäuschte mich nicht.Normalerweise mache ich einen großen Bogen um historische Romane – es sei denn, deren Handlung spielt zur Zeit des zweiten Weltkriegs. Schon als Teenager habe ich Anne Franks Tagebuch mehrmals gelesen und beschäftigte mich während der Schulzeit im Rahmen meiner Facharbeit vor dem Abitur intensiv mit dem Thema ‚Justiz im Nationalsozialismus‘. Bis heute lese ich Zeitzeugenberichte, schaue mir häufig Dokumentationen an und tauche in fiktive Geschichten ein, die sich mit dieser dunklen Epoche in der Geschichte der Menschheit beschäftigen.„Das Schicksal ist ein Jäger.Über mir dröhnen Motoren. Der Schwarze Tod, so wurden die Flieger genannt.[…] Eine Bombe explodierte. Der Tod pirschte sich an, griff mit Fingern aus Rauch nach mir.Ich rannte los.“ – Seite 11Was damals geschah, darf niemals wieder geschehen. Wie oft gehen mir solche Gedanken dieser Tage durch den Kopf, in einer Zeit, die menschlich wie politisch derart unruhig und aufgewühlt ist. Um ehrlich zu sein, hatte ich etwas Bedenken, zu diesem Roman zu greifen. Ich ahnte, dass die Geschichte nicht spurlos an mir vorüber gehen würde. Oh, wie recht ich damit hatte. Doch diese Lektüre war jede einzelne Sekunde wert!Ein intensives, aufrüttelndes LeseerlebnisWie sehr habe ich mit den Charakteren gelitten, geweint und gebangt! Wort für Wort, Zeile um Zeile. Als ich vor ein paar Tagen die letzte Seite inklusive Nachwort umgeblättert habe, verspürte ich eine tiefgreifende Traurigkeit, die mich zunächst auch nicht mehr losließ. Es vergingen drei Tage, bis ich mich aus diesem Gefühlschaos etwas befreit hatte und beschloss, meine Gedanken zum Buch nieder zu schreiben. Natürlich hatte ich schon beim ersten Blick auf den Titel und die Prägung auf dem Buchrücken selbst geahnt, wohin die Reise mit »Salz für die See« gehen würde, denn der Name Wilhelm Gustloff sowie die Geschehnisse am 30. Januar 1945 waren mir bereits vor dem Lesen geläufig. Leider ist das nicht die Regel, denn dieses Unglück, bei dem Ende Januar 1945 beinahe 10.000 Menschen in der eiskalten Ostsee starben, ist in Vergessenheit geraten.So sehr mich dieses Buch mitnahm, so sehr hat mich gleichzeitig nachhaltig beeindruckt, wie intensiv sich die Autorin mit den historischen Geschehnissen rund um das tragische Unglück, die Flucht Tausender Menschen und das Schicksal so vieler Menschen auseinander gesetzt hat. Ruta Sepetys trägt selbst litauische Wurzeln in sich und verbrachte eine lange Zeit mit der Suche nach ihrer eigenen Familiengeschichte, welche sie ebenfalls in Büchern verarbeitet hat. Sie reiste kreuz und quer durch Osteuropa, interviewte Überlebende, sprach mit Historikern und Journalisten und ließ mich auf jeder Seite spüren, wie wichtig ihr als Mensch die Botschaft des Buches ist: Wir dürfen nicht vergessen. Diese Beweggründe formuliert sie auch noch einmal im Nachwort, daher sollte man sich dafür unbedingt Zeit nehmen und ihre abschließenden Worte lesen.Während ich diesen Roman schrieb, belastete mich der Gedanke an die hilflosen Kinder und Jugendlichen am stärksten, weil sie unschuldige Opfer von Grenzverschiebungen, ethnischen Säuberungen und rachsüchtigen Regimen waren. Während des Zweiten Weltkriegs wurden Hunderttausende Kinder zu Waisen. […] Über diese Kinder wollte ich schreiben, […]“ – NachwortDamals, auf der Flucht…Ich erinnere mich gut an die Momente in meiner Kindheit, als meine eigene Oma von ihrer Flucht vor der russischen Armee sprach, welche Entbehrungen sie auf sich nehmen musste, was sie erlebt und gesehen hat. Einschneidende Erlebnisse, die man auch nach Jahrzehnten nicht vergessen kann und Tränen in die Augen treiben. Mit diesen Gedanken im Hinterkopf saß ich in meinem Lesesessel, blätterte Seite um Seite um, inhalierte die kurzen Kapitel, las weiter und weiter, atmete zwischendurch kurz durch. Ruta Sepetys‘ oft geradezu schmerzhaft detaillierten Beschreibungen rissen mich tief in die Geschichte hinein – so tief, dass ich oft geschockt war, zu welch grausamen Handlungen Menschen im Krieg gezwungen werden. So viel Verzweiflung, Tod, Angst und Leid ist schwer zu ertragen. Es gab viele Szenen, die meinem Herz einen Stich versetzten, die Hand erschrocken zum Mund fahren ließen und mich zwangen, zwischendurch das Buch kurz pausieren zu müssen. Ja. Krieg ist grausam. Damals wie heute.Der Schreibstil der Autorin ist gnadenlos mitreißend, intensiv, direkt, schonungslos und gleichzeitig mitfühlend. Ruta Sepetys hat eine ganz eigene, eindringliche und packende Art, die damaligen Geschehnisse mit den Einzelschicksalen ihrer Charaktere zu verweben und damit den Eindruck zu erwecken, als befände man sich mitten im Geschehen. Ich fühlte mich innerhalb kürzester Zeit mit jeder dieser drei Figuren tief verbunden. In kurzen, maximal sechs Seiten umfassenden Kapiteln wechselte die Erzählperspektive chronologisch fortlaufend zwischen diesen drei auf der Flucht befindlichen Protagonisten hin und her, während der Handlungsstrang eines vierten Charakters eine zusätzliche Kontrastfigur einführte, welche sich bereits an einem festen Ort befand und in Gedanken Briefe an einen zurückgelassenen Menschen formulierte. So konnte ich mich bereits nach wenigen kurzen Kapiteln an dieses Erzählen aus multiplen Perspektiven gewöhnen und las atemlos weiter und weiter. Die Tatsache, dass alle Charaktere ihre Sichtweise aus der Ich-Perspektive schildern, intensiviert den Bezug zwischen Figuren und Leser und ließ bis tief in die Seele der Flüchtenden blicken. Einblicke, die nur allzu oft bis ins Mark schmerzten.„Die Verzweiflung der auf dem Kai zurückgebliebenen Menschen kannte keine Grenzen, sie versuchten panisch an Bord zu gelangen. Sie schrien und flehten mit verzerrter Miene.“ – Seite 312Bis zum Schluss hoffte und bangte ich um lieb gewonnene Figuren und bin bis zu diesem Augenblick auch noch nicht wirklich in der Lage, mich von Florian, Emilia und Joana vollständig zu verabschieden. Genau das wollte die Autorin mit Sicherheit bezwecken. Ruta Sepetys hat sich mit ihrem Jugendroman Salz für die See, das in seinem thematischen wie auch schriftstellerischen Anspruch aus dem breiten Angebot der Jugendliteratur deutlich hervorsticht, nachdrücklich in mein Gedächtnis geschrieben und erinnert mit Nachdruck an all die Seelen, die seit dieser schicksalhaften Nacht auf dem Grund der polnischen Ostsee ruhen.Mein Fazit: Ich habe größten Respekt vor der Leistung der Autorin, der es fabelhaft gut gelungen ist, das furchtbare Unglück der Wilhelm Gustloff in diesem Jugendroman mit unglaublich viel Einfühlungsvermögen für Charaktere und Schicksale sowie intensiver Recherchearbeit zur historischen Grundlage zu einer intensiven Geschichte zu verweben. Bei aller Tragik und Traurigkeit entfachte die Autorin wiederum Hoffnung in meinem Herzen und sorgte inmitten des Leids für den Lichtstreif am Horizont: Hilfsbereitschaft, Liebe, Aufopferung, Zusammenhalt – Werte, die gerade heute wieder mehr Stellenwert in der Gesellschaft haben sollten, umschlossen die Eiseskälte und Strapazen der Flucht wie ein wärmendes Band. Danke liebe Ruta Sepetys für dieses fabelhafte Buch. Ich werde es von Herzen weiterempfehlen, denn es gilt mehr als jemals zuvor, sich mit diesem Kapitel unserer Zeitgeschichte zu beschäftigen und dafür zu sorgen, dass es nicht in Vergessenheit gerät. Uneingeschränkt empfehlenswertes Lesehighlight 2017.

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  • Über den Untergang der Wilhelm Gustloff....und was davor geschah..

    Salz für die See

    Literaturchaos

    12. September 2017 um 20:58

    Seit langer Zeit, genauer gesagt seit 105 Jahren, sind die Menschen gleichermaßen entsetzt und fasziniert vom Untergang der "Titanic". Jedem ist dieser Name ein Begriff und man denkt unweigerlich sofort an Eisberge und an das Drama, als dieses Schiff bei seiner Jungfernfahrt sank und tausende Menschen in den Tod riss. Als bekanntestes und vermeintlich größtes Schiffsunglück aller Zeiten überschattet es jedoch eines, das weitaus mehr Menschenleben forderte: Der Untergang der "Wilhelm Gustloff".   Zugegeben: Auch ich war bisher immer davon ausgegangen, dass die "Titanic" die Spitze aller Schiffsunglücke anführt und der Name "Wilhelm Gustloff" war mir zwar ein Begriff, ich wusste jedoch nicht, dass es sich hierbei um ein Kreuzfahrtschiff der nationalsozialistischen Organisation "Kraft durch Freude" handelte, das im zweiten Weltkrieg als Flüchtlings- und Lazarettschiff zweckentfremdet wurde und von Torpedos getroffen sank. -  Mit etwa 10.000 Menschen an Bord und somit gut 8000 mehr als ursprünglich vorgesehen.   Und genau davon handelt diese Geschichte....   "Salz für die See" ist ein Jugendbuch, welches ich jedoch eher in die Sparte All Age einordnen würde, denn ich persönlich würde es jeder Altersgruppe empfehlen. Die Autorin beschreibt in einer klaren und eingängigen Sprache die Grauen des Krieges - ohne jedoch zu sehr ins grausame Detail zu gehen. Die Angst der Menschen, die Angst davor, entdeckt, getötet oder verschleppt zu werden, der allgegenwärtige Hunger und die Kälte, die in diesem letzten Kriegswinter 1945 herrscht - die beschreibt Ruta Sepetys allerdings so bildlich, dass man als Leser ins Buch kriecht und an den vielen vielen Schicksalen hautnah teilnimmt.   Drei Schicksale sind es jedoch, die den Leser bis zur letzten Seite gefangennehmen und mitfiebern lassen. Drei Menschen, die zu normalen Zeiten nie etwas miteinander zu tun gehabt hätten und nun im Krieg notgedrungen eine Zweckgemeinschaft bilden müssen. Denn alle haben etwas zu verbergen, alle haben Geheimnisse, die sie das Leben kosten könnten. Und alle erhoffen sich ein gewisses Maß an Schutz durch eben diese Zweckgemeinschaft: Der junge Deutsche Florian ist ein Deserteur, gibt sich aber als Soldat mit Spezialauftrag von höchster Stelle aus. Denn er trägt etwas von unschätzbarem Wert mit sich, etwas dessen Geheimnis bis heute nicht geklärt ist... Emilia ist als Polin auf der ständigen Flucht, da sie sowohl für die Rote Armee, die von Osten her anrückt, als auch für die Deutschen eine Feindin ist. Um nicht aufzufallen gibt sie sich als taubstumm aus. Zudem ist sie schwanger.... Joana, die Krankenschwester aus Litauen, hat ein Helfersyndrom...und gleichzeitig allen Grund, niemandem mehr trauen zu können...   Diese drei Personen treffen sich im eiskalten Winter 1945, als tausende Menschen auf der Flucht vor den Russen nach Westen fliehen, auf dem gefährlichen Weg über das zugefrorene Frische Haff mit dem Ziel Gotenhafen. Immer in Alarmbereitschaft, immer müde, hungrig, frierend und am Ende aller Kräfte.   Am Ziel jedoch, so sagt man ihnen, wartet die Wilhelm Gustloff auf sie, jenes Schiff, das die Flüchtlinge nach Kiel in einen sicheren Hafen bringen soll...   Fiktion und Realität werden in diesem Buch sehr gekonnt miteinander vermischt und man saugt als Leser die geschichtlichen Fakten in sich auf, vergisst dabei aber auch nicht, dass es tausende verschiedener Schicksale in dieser Zeit gab, von denen vielleicht einige ähnlich denen der Protagonisten waren.   Ja, dieses Buch ist traurig und macht sehr betroffen. Es regt jedoch auch zum Nachdenken über eine vergangene Zeit an und es ist vor allem spannend, dramatisch und mitreissend von der ersten bis zur letzten Seite. MEIN FAZIT lautet hier 5/5 STERNEN, denn "Salz für die See" gehört definitiv zu meinen Bücherhighlights 2017.

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  • Wertvolles Stück Zeitgeschichte

    Salz für die See

    Literaturliebe

    19. June 2017 um 19:50

    "Das Schicksal ist ein Jäger. Es drückte mir eine Waffe gegen die Stirn. [S. 364]Die Schuld ist ein Jäger. Ich war ihre Geisel. [S. 366]Die Schande ist ein Jäger. Und ich war von meiner Schande umzingelt. [S. 368]Die Angst ist ein Jäger. Sie umzingelt uns, wenn wir wehrlos sind und am wenigsten damit rechnen, dass sie uns angreift." [S. 370]Nein, eigentlich lese ich keine historischen Romane. Woran das liegt, kann ich nicht mal sagen. Sie liegen mir einfach nicht. Die wenigen Annäherungsversuche mit diesem Genre scheiterten immer wieder, weil ich es langweilig fand und/oder nicht in die Geschichte kam. Und trotzdem habe ich mit „Salz für die See“ einen erneuten Versuch gewagt.Es ist das Ende des zweiten Weltkrieges im Jahre 1945. Viele Leute müssen fliehen, um ihr eigenes Leben zu retten. Unter diese tatsächlich geschehene Handlung mischt Ruta Sepetys drei fiktive, aber sehr liebe Charaktere: Florian, Joana und Emilia. Drei Personen unterschiedlicher Herkunft. Alle auf der Flucht und alle mit einem Geheimnis. Jeder von ihnen will nach Gotenhafen um mit der "Wilhelm Gustloff" Richtung Westen zu fahren. Jeder der drei Protagonisten kommt dabei abwechselnd in sehr kurzen Kapiteln, die im Schnitt nur zwei bis drei Seiten lang sind, zu Wort. Sind sie Beginn noch Einzelkämpfer und voller Misstrauen, werden sie zu einer Gemeinschaft und vertrauen sich gegenseitig an. Eine vierte Perspektive wird durch den Matrosen Alfred geboten, der auf der Gustloff arbeitet, jedoch im Gegensatz zu Florian, Joana und Emilia eher zu der unsympathischen Sorte gehört. Die einzelnen Charaktere und deren Schicksal werden immer weiter miteinander verflochten, sodass sich ein gutes Gesamtbild ergibt.Ruta Sepetys gewährt mit „Salz für die See“ gute Einblicke in die letzten Kriegstage und in das Flüchtlingsleben. Als Leser merkt man dabei auf jeder einzelnen Seite, wie gut sie diesen Roman recherchiert hat. Im Verlauf wird ein immer erschreckenderes und beängstigenderes Bild geboten. „Salz für die See“ ist spannend und mitreißend und ich hätte ehrlich gesagt nicht erwartet, dass mich dieser Roman so fesseln wird. Dabei ist dieser Roman hoch emotional. Angst, Verzweiflung, Trauer und Einsamkeit sind deutlich spürbar. Zwischen diesem ganzen Grauen blitzt aber auch die Hoffnung, Zuneigung und der Zusammenhalt durch. Das Buch hat mich bewegt und berührt, ganz tief in mir drin einen Punkt getroffen und sehr lange nachgewirkt. Nicht nur, weil vieles auf Tatsachen beruht, sondern auch, weil dieser Roman trotz vergangener Ereignisse eine unglaubliche Aktualität an den Tag legt. Denn seien wir ehrlich – wir schalten die Nachrichten ein und hören fast täglich von einem erneuten Terroranschlag. Der Krieg ist immer noch alltäglich und gegenwärtig.ABSCHLUSSWORTE"Machte der Krieg die Menschen böse oder weckte er nur das Böse, das sowieso in uns steckte?" S. 89„Salz für die See“ ist ein wertvolles Stück Zeitgeschichte. Geschichte, die zu keiner Sekunde langweilig ist, sondern in einen wunderbaren Roman mit starken fiktiven Charakteren gepackt wurde. Und ganz ehrlich – ich habe auf diesen 400 Seiten fast mehr erfahren, als in einem halben Jahr Geschichtsunterricht. (Ich habe in meinem 24-jährigen Leben z.B. noch nie etwas von der Wilhelm Gustloff und deren Schicksal gehört.) Dieser Roman berührt und bewegt und hat in mir noch sehr lange nachgewirkt. Insofern sei nur eins zu sagen: Lest dieses Buch!

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  • Meine persönliche Meinung

    Salz für die See

    Nobody_S

    06. May 2017 um 10:30

    Ich habe das Buch "Salz für die See" zu meinem Geburtstag geschenkt bekommen und am gleichen Abend angefangen es zu lesen. Hier muss ich anmerken, dass ich ein großer Fan von Büchern aus dem zweiten Weltkrieg bin, aber dieses Buch hat meine Erwartungen übertroffen und wird mir wohl noch länger im Kopf bleiben.Das Buch fesselt einem von vorne bis hinten, der Schreibstil ist mein absoluter Favorit und die Protagonisten sind mir ans Herz gewachsen.  Der Wechsel der Perspektiven ermöglicht uns, uns in jeden Protagonisten rein zu versetzen und ermöglicht uns ein Einblick in deren Gefühle und Gedanken.Ich empfehle "Salz für die See" an Jugendliche ab 14 Jahre, da der Inhalt, meiner Meinung nach, für Jüngere nicht verständlich sein wird, da sie diese Themen noch nicht in der Schule hatten.

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  • Flüchtlingsschicksale auf der Wilhelm Gustloff

    Salz für die See

    meppe76

    27. April 2017 um 21:22

    Kurz vor Ende des 2. Weltkrieges fliehen tausende vor den nahenden russischen Truppen an die Ostsee und versuchen, sich auf eines der Schiffe zu retten, das sie über’s Meer in den sicheren Westen bringt. Die letzten Tage und Wochen vor Erreichen des Hafens wird aus der Sicht einiger Akteure beschrieben. Es sind Florian, ein junger Mann, der ein Geheimnis in seinem Rucksack mit sich herumträgt. Joana, die Krankenschwester. Emilia, die 16-jährige schwangere Polin, die in der Angst lebt, als Polin enttarnt und von den Nazis als ‚unwert‘ eliminiert zu werden und Alfred, naiv, eitel und in seinem Glauben an die Nazi Ideologie gefangen bis zum Schluss. Sie alle finden sich gemeinsam auf der Wilhelm Gustloff wieder, die sie nach Kiel bringen soll. Ein Schiff, völlig überladen und dennoch zunächst der ‚sichere Ort‘ für alle, die unfassbares Grauen auf ihrer Flucht erlebt haben. Dass alles noch schlimmer kommen kann und das vermeintlich sichere Schiff zum Grab für Tausende wird, ahnt am Anfang niemand.  Ein bewegender, packender Roman. Unbedingt lesenswert.

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  • Ein Muss für jeden!

    Salz für die See

    Booksarehome

    27. April 2017 um 17:39

    Meine Meinung:Zuerst einmal möchte ich mich beim Carlsen bzw Königskinder Verlag für dieses wundervolle Rezensionsexemplar bedanken.Das Buch wird aus der Sicht von 4 verschiedenen Protagonisten erzählt. Von Joane, der hilfsbereiten Krankenschwester, Florian, ein deutscher Deserteur, Emilia, die junge Polin und Albert, ein engagierter Matrose. "Salz für die See" spielt gegen Ende des zweiten Weltkriegs,viele Menschen müssen aus ihrem Heimatland fliehen unddie meisten fliehen nach Westen. Am Anfang vom Buch findet Florian, die junge Polin wie sie von einem russischen Soldaten bedroht wird und er rettet sie. Ab diesem Zeitpunkt folgt sie ihm überall hin, denn er ist ihr Ritter, wie sie ihn nennt. Anfangs will er sie los werden, aber er kann es nicht übers Herz bringen sie einfach irgendwo alleine zu lassen, weil sie ihn zu sehr an seine kleine Schwester erinnert. Gemeinsam stoßen sie auf eine Gruppe, die denselben Plan hat wie Florian, sie wollen nach Gotenhafen und mit einem Schiff nach Westen fahren. In einer Hütte, wo die zwei Gruppen aufeinander stoßen, lernen sich Joane und Florian kennen und man merkt, dass es zwischen den beiden anfängt zu knistern. Zuerst will Florian nicht bei der Truppe bleiben und verschwindet mit Emilia wieder, doch sie finden wieder zusammen und ab da an, begleiten Emilia und Florian die Truppe mit ihren verschiedenen Leuten. Es stellt sich herraus, dass die junge Polin schwanger ist und vor allem Joane macht sich Sorgen um sie und steht auch komplett hinter ihr als sich eine ältere Frau aus der Truppe anfangs etwas weigert, dass sie Emilia aufnehmen, denn mit einer Polin müssen sie sich alle sowohl vor den Deutschen als auch vor den Russen in acht nehmen. Alle haben ihre Geheimnisse und nach und nach werden sie gelüftet. Die meisten schaffen es auf eins der Schiffe, doch sind sie dort wirklich so sicher?Das Buch wird immer aus der Ich-Perspektive erzählt. Der Schreibstil ist sehr flüssig und man wird schnell damit fertig, das liegt aber nicht nur am Schreibstil sondern auch daran, dass das Buch einen total fesselt. Jeder Charakter ist sehr einzigartig. Manche mag man überhaupt nicht und manch andere (z.B. Emilia) schließt man sofort ins Herz.Man merkt, wieviel Zeit die Autorin alleine für das recherchieren des Buches investiert hat. Denn das Schiff Wilhelm Gustloss gab es wirklich und doch ist es recht unbekannt. "Salz für die See" ist wirklich ein lesemuss für jeden. Man fühlt wirklich mit den Protagonisten mit und kann sich gut in ihre Lage versetzen. Fazit:Mein Fazit ist, ihr müsst dieses Buch lesen. Es ist wirklich eines der besten Bücher, welche ich gelesen habe und absolut empfehlenswert. Zwei der schönsten Zitate:"Machte der Krieg die Menschen böse oder weckte er nur das Böse, das sowieso in uns steckte?" S.89"Ein Mädchen, das die Mutter verloren hatte, gliech einem winzigen Boot auf einem zornigen Ozean. Manche Boote gelangten schließlich an Land. Andere Boote, so auch meines, trieben immer weiter auf See hinaus" S.167Das Buch bekommt verdiente 5 von 5 Sternen von mir.

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  • Flüchtlingsschicksale auf der Wilhelm Gustloff

    Salz für die See

    meppe76

    19. April 2017 um 19:07

    Kurz vor Ende des 2. Weltkrieges fliehen tausende Menschen vor den nahenden russischen Truppen an die Ostsee und versuchen, sich auf ein Schiff zu retten, das sie über’s Meer in den sicheren Westen bringen soll. Die letzten Tage und Wochen vor Erreichen des Hafens wird aus der Sicht einiger Akteure beschrieben. Es sind Florian, ein junger Mann, der ein Geheimnis in seinem Rucksack mit sich herumträgt. Joana, die Krankenschwester. Emilia, die 16-jährige schwangere Polin, die in der Angst lebt, als Polin enttarnt und von den Nazis als ‚unwert‘ eliminiert zu werden und Alfred, naiv, eitel und in seinem Glauben an die Nazi-Ideologie gefangen bis zum Schluss. Sie alle finden sich gemeinsam auf der Wilhelm Gustloff wieder, die sie nach Kiel bringen soll. Ein Schiff, völlig überladen und dennoch zunächst der ‚sichere Ort‘ für alle, die bereits unfassbares Grauen auf ihrer Flucht erlebt haben. Dass alles noch schlimmer kommen kann und das vermeintlich sichere Schiff zum Grab für Tausende wird, ahnt niemand.  Ein bewegender, packender Roman. Unbedingt lesenswert.

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  • Ihr müsst dieses Buch lesen, selten hat mich eine Geschichte so mitgenommen

    Salz für die See

    bookbliedling_

    29. March 2017 um 17:48

    Meine Meinung: Ich habe dieses Buch schon vor über einem Monat beendet, aber bis jetzt konnte ich meine Gedanken dazu nicht wirklich in Worte fassen. Ob es mir jetzt allerdings gelingt weiß ich nicht. Auf das Buch bin ich dadurch aufmerksam geworden, dass es bei goodreads eines der Bücher des Jahres 2016 gewesen ist. Ich bin wirklich froh darüber, denn sonst wäre mir eine wirklich einzigartige Geschichte entgangen. Das Cover und das Buch selbst sind schlicht, aber sehr schön gestaltet. Es passt einfach sehr gut zu der Geschichte, und dem Titel des Buches. Die unruhige See, die Ungewissheit vermittelt und dann dazu der Rettungsring, der ein wenig Hoffnung gibt, aber dennoch gibt es keine Sicherheit auf der stürmischen See. Zudem hat es diesen typischen Königskinder Charme, besonders trifft dies auf den Einband zu, in welchen der Name des Schiffes gestanzt ist, dass die Menschen in dieser Geschichte in eine sichere und friedliche Zukunft übersetzen soll. Was die Charaktere angeht, so treffen wir hier auf viele verschiedene Personen, die auf den ersten Blick nicht viel mit einander zu tun haben. Aber sie haben alle ein Ziel, nämlich zu überleben, in einer Zeit wo es kaum noch Hoffnung gibt und am Ende eines Krieges wie es ihn vergleichbar noch nie gegeben hat. Sie sind durch ihr leid verbunden, aber auch dadurch, dass ein jeder von ihnen seine eigene Geschichte und damit seine eigenen Geheimnisse hat. Nach und nach versteht man die Personen immer mehr, weiß weshalb sie handeln wie sie eben handeln, auch wenn man dieses Handeln im ersten Augenblick vielleicht nicht immer allzu nachvollziehbar erscheint.Dabei wird die Geschichte aus den unterschiedlichen Perspektiven der beteiligten geschrieben. Zum einen haben wir her die Lettische Krankenschwester Joana, die eine kleine Gruppe von Flüchtlingen begleitet und zumindest ansatzweise etwas für deren gesundheitliche Versorgung tun kann. Auf ihrem Weg trifft die Gruppe, die einen schnell ans Herz wächst auf den vermeintlichen Deserteur Florian, welcher in der Begleitung eines kleinen Mädchens namens Emilia ist.Neben dieser Gruppe gibt es aber auch noch den jungen Alfred. Er ist auf einem jener Schiffe stationiert, die die Gruppe zum Ziel hat. Meine Gefühle zu Alfred sind mehr als zwiespältig, zum einen empfinde ich ihm gegenüber so etwas wie Hass, aber andererseits bemitleide ich ihn auch. Sein Charakter steht stellvertretend für all die jungen deutschen Männer, die in dem Glauben aufgewachsen sind, das Hitler Regime und seine Ideale seien das einzig wahre, Männer wie ihn gab es so viele, sie dachten sie tun das Richtige, erfüllen ihre Pflicht und wollen sich beweisen. Alfred kommt dem allerdings auf eine sehr naive Art nach, er scheint gar nichts zu hinterfragen und er jagt einem lang vergangenen Traum hinterher. Ruta Sepetys schafft es diese vielen verschiedenen Charaktere auf eine ganz eigene Art zusammen zu bringen, ihre Begegnungen scheinen zufällig zu sein, aber die Art wie sie sich gegenseitig helfen und jeder seine Aufgabe hat, wirken gleichzeitig so, als sei es Schicksal gewesen, dass sie aufeinander treffen. Und man hat beim Lesen einfach den Wunsch immer mehr über die Charaktere zu erfahren, um sie zu verstehen und um hinter ihre Geheimnisse zu kommen.Die Geschichte packt einen von Anfang an und lässt einen auch nicht mehr los, nicht einmal wenn man das Buch an sich schon beendet hat. Die Erlebnisse der fiktiven Charaktere im Zusammenspiel mit der wirklich gesehenen Realität bilden eine einzigartige und gleichzeitig schockierende Handlung. Für mich als Studentin der Geschichte und somit angehende Historikerin waren gerade die historischen Fakten die in die Handlung eingebunden sind sehr interessant. Besonders weil ich bis ich dieses Buch gelesen habe noch nie von der Wilhelm Gostloff gehört habe. Zum Glück hat sich das jetzt aber geändert und sobald ich Zeit habe, werde ich im Historischen Seminar die Bib nach noch mehr Informationen durchforsten.Der Schreibstil ist wirklich mehr als nur gelunge. Je nachdem aus welcher Perspektive die Geschichte gerade erzählt wird, variiert er ein wenig und untermalt dadurch die verschiedenen Charaktere. Zudem ist er an den richtigen Stellen mal sachlicher und dann wieder spannend oder dramatisch, so dass beim Lesen definitiv keine Langeweile aufkommt.Allerdings ist es nicht zuletzt wegen der Handlung kein Buch, das man mal eben so zwischendurch weg lesen kann, weil einen alles daran auf eine gewisse Art und Weise mitnimmt. Ich empfehle deswegen sich Zeit dafür zu nehmen, obwohl man es an sich schon schnell lesen kann, aber das Buch fordert einen quasi dazu auf darüber nachzudenken.Was mich besonders fasziniert und auch ein wenig überrascht hat ist die Tatsache, dass es obwohl es ein historischer Roman ist, die Geschehnisse doch brandaktuell sind. Wie oft hat man in den letzten Monaten in den Medien die Schicksale von Kriegs-Flüchtlingen mitbekommen? Wie viele verlassen momentan ihre Heimat, mit der Hoffnung auf ein besseres und sicheres Leben?Dieses Buch ist wieder einmal ein Beweis dafür, dass Geschichte nicht trocken und staubig ist, sondern spannend und beeindruckend, ja sogar aktuell sein kann. Deswegen lege ich es auch gerade jenen ans Herz, die sonst eigentlich sagen, dass sie sich nicht so für historische Bücher begeistern können. Dieses Buch sollte aber generell jeder gelesen haben und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass ich es auch später meinen Schülern empfehlen, wenn nicht sogar zur Pflichtlektüre machen werde.  Mehr Rezensionen gibt es unter: bookbliedling.blogspot.de

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  • Puh. Krieg. Flucht. Tod. Unglück. Ein bisschen Hoffnung.

    Salz für die See

    Katzenkind

    26. March 2017 um 23:01

    Ruta Sepetys oder auch Rūta Šepetys ist eine US-amerikanische Schriftstellerin mit litauischen Wurzeln. Sie veröffentlichte bislang nur drei Romane, doch bereits ihr Debütroman „Und in mir der unbesiegbare Sommer“ erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Sie beschäftigt sich vor allem mit den ungesehenen, zu wenig beachteten Kapiteln der Geschichte. In „Salz für die See“ schreibt sie über die Wilhelm Gustloff, ein Kreuzfahrtschiff der nationalsozialistischen Organisation Kraft durch Freude, das jedoch vor allem bekannt ist (oder sein müsste!), da es in der Evakuierungsaktion „Hannibal“ durch das sowjetische U-Boot S-13 vor der Küste Pommerns am 30. Januar 1945 versenkt wurde. An Bord zwischen 5.000 und 10.000 Flüchtlinge, größtenteils Kinder. Eine der verlustreichsten Katastrophen in der Geschichte der Seefahrt. Und ich hatte noch nie davon gehört. Offiziell gilt das Buch als Jugendbuch, da es aus der Sicht von vier jungen Menschen geschrieben ist. Es beschreibt die Schrecken des Krieges, der Flucht und den Untergang des Schiffs aber so detailliert und emotional nah an den tatsächlichen Grausamkeiten des Krieges, dass ich mich der Verlagsempfehlung, das Buch an Leserinnen und Leser ab 14 Jahren zu geben, nicht anschließen kann. Mir scheint dies eher ein historischer Roman mit sehr gut recherchiertem Hintergrund als in Jugendbuch zu sein. Zur Geschichte: Wir erleben aus vier verschiedenen Perspektiven die Flucht aus Ostpreußen. Die Kapitel entsprechen kurzen Erzählepisoden der Protagonisten Joana, Florian, Emilia und Alfred. Wir begegnen der mitfühlenden, hilfsbereiten bis hilfssüchtigen, litauischen Krankenschwester Joana, als sie ihren Treck durch den eiskalten Winter und Schnee in Richtung des hoffentlich sicheren, noch unbesetzten Teils Deutschlands bringen will. Zu ihr stoßen Klaus, ein mutterseelenalleiner 6-jähriger, und später der verschlossene und durch Schrapnelle verletzte Florian, dem Emilia, eine schwangere Polin, die aufgrund ihrer Herkunft sowohl Russland als auch Deutschland fürchten muss, folgt. Er hatte sie vor der Vergewaltigung durch einen russischen Soldaten gerettet und da sie nun in ihm ihren Ritter, wie sie ihn nennt, sieht, wird sie ihm weiterhin folgen. Sehr viel später stößt Alfred zur Gruppe, eher als Gegenspieler, da er überzeugter Nazi und Matrose auf der Wilhelm Gustloff ist. Dennoch bereichert auch seine Sicht das Buch; er wirkt zunehmend soziopathisch. Da oft dieselben Szenen aus den unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden, entsteht ein Gefühl der Gleichzeitigkeit. Als Leser*in erfahre ich mehr, als die einzelnen Figuren wissen, dennoch fehlt mir immer der Gesamtüberblick, den nur eine auktoriale Erzählinstanz geben kann. Erst nach und nach, teilweise erst in den letzten Kapiteln, erkennt die Leserin oder der Leser die Geheimnisse hinter den Protagonist*innen. Šepetys schafft eine starke, emotionale Nähe zu den Figuren, während wir sie kennen lernen, und damit auch zu den Schrecken des Krieges und der Flucht, den wir durch diese vier miterleben. Besonders bewundernswert ist meiner Meinung nach, dass die Figuren in ihren Kapiteln ihre ganz eigene Stimme haben. Selbst, wenn ich nicht die Überschriften, immer bestehend aus dem Namen des Protagonisten, aus dessen Sicht das Kapitel erzählt sein wird, gelesen hätte, könnte ich erkennen, wer dieses Kapitel gerade schreibt. Darüber hinaus ziehe ich meinen Hut vor der Rechercheleistung Šepetys: Sie hat, wie sie im Anhang schildert, die Orte der Handlung besucht und mit Zeitzeugen gesprochen. Mit diesem Buch gibt sie Opfern eine Stimme, leuchtet auf bislang zu wenig Beachtetes und fordert auch auf, über Themen wie dieses zu sprechen, damit sie nicht in Vergessenheit geraten. Ich musste während des Lesens, besonders am Ende als die Wilhelm Gustloff sinkt und so viele Menschen ertrinken, an die aktuelle Brisanz dieses Buchs denken: Jetzt gerade ertrinken Flüchtlinge. Nicht in der Ostsee, sondern im Mittelmeer.

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  • Ein grandioses und hochaktuelles Jugendbuch

    Salz für die See

    FelisBuecherregal

    23. March 2017 um 18:31

    Inhalt:„Die letzten Kriegstage des Jahres 1945: Tausende Menschen flüchten aus Angst vor der Roten Armee nach Westen. Darunter Florian, ein deutscher Deserteur, Emilia, eine junge Polin, und Joana, eine litauische Krankenschwester. Eine Notgemeinschaft, in der jeder ein Geheimnis hat, das er nicht preisgeben will. Denn der Krieg hat sie Misstrauen gelehrt.Im eiskalten Winter wählt der kleine Flüchtlingstrek den lebensgefährlichen Weg über das zugefrorene Haff. In Gotenhafen, so heißt es, warte die Wilhelm Gustloff, um sie nach Westen zu bringen. Doch auch dort sind sie noch lange nicht in Sicherheit.“ (Quelle: Verlag)Meine Meinung:Ich bin ehrlich. Ich lese wirklich selten Geschichtliches und vor allem wenn es darum um den zweiten Weltkrieg geht. Aber nicht, weil es nicht wichtig wäre. Gerade jetzt ist Ruta Sepetys Buch sogar wahnsinnig wichtig. Also habe ich mich rangewagt an ihr Werk, das auf kurzen 400 Seiten so viel Inhalt vermittelt.Das Buch begleitet die fiktiven Charaktere Joana, Emilia und Florian auf der damals ziemlich realen Flüchtlingsroute Richtung Gotenhafen. Sie lernen sich auf der Flucht kennen und sind zusammen mit den unterschiedlichsten anderen Begleitern auf dem Weg Richtung Hafen, wo sie die rettenden Schiffe nach Kiel bringen sollen. Weg von der russischen Bedrohung, die ihnen dicht auf den Fersen ist.Sepetys schreibt kurze Kapitel, in jedem davon kommt ein anderer Protagonist zu Wort. Komplementiert wird das ganze von Briefen des Matrosen Alfred an ein Mädchen in seiner Heimat, die er allerdings immer nur formuliert – aber nie abschickt.Am Anfang war diese Aufteilung noch sehr verwirrend und ab und zu musste ich noch einmal eine Seite zurückblättern, um noch mal genau nachzulesen, wer denn nun wer ist. Aber schon nach wenigen Seiten ist man drin im Buch und Kapitel und Kapitel treffen die einzelnen Geschichten und Schicksale immer mehr zusammen.Auf dem Weg der Flucht begegnen wir immer wieder ganz unterschiedlichen Emotionen. Angst, Verzweiflung, Einsamkeit und Trauer – aber auch Hoffnung. Zusammenhalt, Freundschaft, Zuneigung und Freude.Diese Gefühle sind so mitreißend, dass man dem Roman sofort anmerkt, wie viel aufwendige Recherche in den Seiten steckt, wie persönlich betroffen die Autorin von der Thematik ist.Die Geschichte ist so gut in die reale Begebenheit eingeflochten, dass man beim Lesen manchmal vergisst, dass nur ein Teil davon tatsächlich so passiert ist.Wahnsinnig spannend fand ich auch die Charakterentwicklung. Haben wir am Anfang noch einen ganzen Haufen von Einzelkämpfern und Geheimniskrämern, so wachsen die Charaktere zum Ende hin immer mehr zusammen, kehren den guten Teil ihrer Selbst raus, den der Krieg so tief in ihnen allen verborgen hat.Und letztendlich bringt das Buch auch eine ganze Menge Spannung mit sich, denn jeder der Mitreisenden trägt sein ganz eigenes Geheimnis mit sich und Sepetys lässt sich bis zum Ende Zeit, sie Stück für Stück zu enthüllen. Gerade wenn man glaubt, eine der Personen vollkommen durchschaut zu haben, wartet schon die nächste Offenbarung.„Wir dürfen nicht zulassen, dass die Wahrheit mit dem Tod der Überlebenden und Zeitzeugen verschwindet.Bitte gebt ihnen eine Stimme.“(S. 398)Fazit:„Salz für die See“ ist ein großartiges Jugendbuch – vielleicht eines der besten, das der Buchmarkt zur Zeit zu bieten hat. Diese Geschichte ist so wertvoll und berührend und passend für diese Zeit, in der der Krieg so alltäglich geworden scheint.In ihrem Nachwort bittet Ruta Sepetys darum, die Stimmen der Zeitzeugen nicht zu vergessen und mit ihrem Roman hat sie einen ganz großen Schritt dazu beigetragen, dass genau das hoffentlich nicht so bald passieren wird.Sepetys neues Jugendbuch ist ein Aufruf zu mehr Menschlichkeit, ein Aufruf gegen das Vergessen.Dieses Buch sollte jeder gelesen haben!

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  • Historisches Jugendbuch

    Salz für die See

    Luiline

    13. March 2017 um 12:22

    Heute gibt es eine Rezension zu dem Buch "Salz für die See" von Ruta Sepetys. Verlag: Königskinder (Carlsen) / Seitenzahl: 416 / Erscheinungsjahr: 2016 / Originaltitel: "Salt for the sea" / Übersetzung: Henning Ahrens / ISBN: 978-3-551-56023-0/ Preis: 19,99€ (Hardcover) Inhalt:Die letzten Kriegstage des Jahres 1945: Tausende Menschen flüchten aus Angst vor der Roten Armee nach Westen. Darunter Florian, ein deutscher Deserteur, Emilia, eine junge Polin, und Joana, eine litauische Krankenschwester. Eine Notgemeinschaft, in der jeder ein Geheimnis hat, das er nicht preisgeben will. Denn der Krieg hat sie Misstrauen gelehrt. Im eiskalten Winter wählt der kleine Flüchtlingstrek den lebensgefährlichen Weg über das zugefrorene Haff. In Gotenhafen, so heißt es, warte die Wilhelm Gustloff, um sie nach Westen zu bringen. Doch auch dort sind sie noch lange nicht in Sicherheit. Meine Meinung: Bei dieser Geschichte handelt es sich um eine fiktive Erzählung, aber die Handlung ist an eine wahre Begebenheit angelehnt. Das Buch wird aus der Sicht von vier verschiedenen Personen erzählt und nach jedem Kapitel wechselt die Sichtweise. Ein Kapitel ist dabei oft nur zwei Seiten lang. Gerade am Anfang ist es etwas schwierig in die Geschichte hereinzukommen, da die Sichtweisen so schnell wechseln. Das gibt sich aber mit der Zeit und durch die Perspektivwechsel bekommt das Buch auch eine gewisse Dynamik und ist sehr schnelllebig. Durch die verschiedenen Protagonisten bekommt man als Leser einen guten Eindruck in das Schicksal der Menschen von damals, da jeder Protagonist und jede Protagonistin eine andere Lebensgeschichte und ein anderes Schicksal hat. Der Schreibstil der Autorin ist sehr eingängig und flüssig zu lesen. Sie beschreibt relativ nüchtern einzelne Situationen, wodurch meiner Meinung nach aber die Grausamkeit der damaligen Zeit noch mehr verdeutlicht wird. Es dauert relativ lange, bis die Protagonisten in Gotenhafen ankommen um auf das Schiff zu gelangen. Der Fokus hätte meiner Meinung nach noch viel mehr auf diesem Teil der Geschichte liegen können. Die Episode auf dem Schiff selbst ist dann eher kurz gehalten.  Besonders gut gefallen hat mir auch die Aufmachung des Buches. Es gibt zwei Landkarten, einmal zur Zeit des Buches und einmal zur heutigen Zeit. So kann man beim Lesen den Weg der Protagonisten nachverfolgen. Im Anhang sind dann noch historische Ereignisse genauer erklärt.  Fazit:  Dieses Jugendbuch konnte mich sehr berühren und der Aufbau des Buches ist für mich einzigartig gewesen. Gerade weil die Geschichte an eine wahre Begebenheit angelehnt ist, die meiner Meinung nach viel zu wenig Beachtung bekommt, sind die Schicksale der Protagonisten sehr eingängig dargestellt. Eine klare Leseempfehlung! Daher gibt es von mir 4 Sterne!

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  • Ein beeindruckendes und berührendes Buch. Lesen!

    Salz für die See

    Damaris

    22. February 2017 um 15:58

    Ich mache keinen Bogen um Bücher über den Zweiten Weltkrieg. Sie sind für mich ein Stück Geschichte und Erinnerung, aber und auch Mitgefühl und Entsetzen. Ich finde diese Romane wichtig, denn erinnern heißt wachsam bleiben. Im Fall von "Salz für die See" fällt es mir zunehmend schwer, meine Gefühle in Worte zu fassen. Sie lassen mich nicht mehr los. Ich weiß nicht recht, was ich sagen soll, außer: Lies dieses Buch! Der Geschichte liegt eine Episode des Zweiten Weltkriegs zugrunde, über die nie vordergründig gesprochen wird. Nach dem Lesen fragt man sich alleine aufgrund der Brisanz, warum der Allgemeinheit darüber so wenig bekannt ist. Es geht um die letzten Tage des Krieges, die Evakuierung von Soldaten und Zivilisten über die Ostsee, um sie vor den anrückenden russischen Truppen in Sicherheit zu bringen. Dafür wurden Schiffe bereitgestellt, die Menschen mit deutscher Abstammung nach Hause holen sollten. Es waren jedoch viel zu wenige, um alle zu retten. Daraus resultierte die größte Katastrophe in der Geschichte der Seefahrt. "Salz für die See" ist also ein fiktiver (Unterhaltungs-)Roman, der auf historische Tatsachen aufgebaut ist. Das Buch verlangt vom Leser eine große Portion Mut, gehört aber zu den allerbesten Geschichten - das behaupte ich jetzt einfach mal ganz frei heraus. Drei Menschen treffen mehr oder weniger zufällig aufeinander und bilden einen kleinen Flüchtlingstreck, der es bis zur Küste und auf ein Schiff schaffen will. Der Deutsche Florian ist ein Deserteur und verfolgt private Rachepläne. Emilia, ein junges polnisches Mädchen, muss wegen ihrer Abstammung verdeckt flüchten. Und Joana, eine deutschstämmige Krankenschwester aus Litauen wird von tiefen Schuldgefühlen gegenüber ihrer Familie geplagt. Die Geschichte wird in einzelnen, kurzen Kapiteln aus der Sicht dieser drei Hauptcharaktere erzählt. Sie offenbaren nach und nach die Hintergründe, Geheimnisse und Beweggründe ihrer Flucht. Ein vierter Charakter ist der Matrose Alfred, der der Wilhelm Gustloff, eines der Rettungsschiffe, zugeteilt wurde. Seine Sicht der Dinge ließ mich sofort die Stirn runzeln, manchmal sogar laut lachen (vor Irritation?), und wurden zu einer solchen Wut, dass ich kaum wusste wohin damit. Das Buch entwickelt ab den ersten Seiten einen Lesesog der Extraklasse. Es ist schriftstellerisch perfekt! Vor der Jahre andauernden Recherchearbeit der Autorin kann man nur den Hut ziehen. Der Ausdruck ist so punktgenau, dass die Gefühle beim Lesen schnell aus der Bahn geraten können. Krieg ist schrecklich! Die Umstände, mit denen man im Buch konfrontiert wird, sind schwerwiegend, einzelne Szenen kaum auszuhalten. Sie gehen sehr zu Herzen. Die Frage, wie so etwas jemals mit der Menschheit passieren konnte - verschuldet von wenigen, befolgt von vielen - nagte während der ganzen Geschichte an mir und ließ mich auch danach nicht los. Die Handlung lässt Schlimmes vermuten, man setzt es sogar voraus. Trotzdem konnte ich mich nicht stoppen zu lesen, war gebannt, berührt, beeindruckt und erschüttert. Das Ende ist wunderschön, auch wenn dieser Ausdruck bei aller Dramatik nicht angebracht scheint. Danach muss man sich sammeln, vielleicht beruhigen ... und wird "Salz für die See" als einen Schatz ins Regal stellen. Das Fazit Viel mehr bleibt nicht zu sagen. "Salz für die See" ist ein Herzensbuch und damit Pflichtlektüre für alle, die perfekt geschriebene Geschichten lesen möchten, die zutiefst bewegen und für immer nachklingen werden. Für alle, die sich beim Lesen gerne herausfordern lassen, mit einem Thema, aktueller denn je, vielleicht sogar über den persönlichen Komfortbereich hinaus. Es ist ein beeindruckendes Buch, das rundum begeistert und das Herz berührt. Lesen! Niemals weniger als 5 von 5 Sterne.

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  • Emotional und schonungslos ehrlich.

    Salz für die See

    Niccitrallafitti

    19. February 2017 um 02:04

    Lange habe ich überlegt, wann und wie ich meine Gefühle und Gedanken zu diesem Buch ausdrücken soll. Ich habe auf den Zeitpunkt gewartet, der mir als geeignet erscheint. Somit werde ich nun versuchen, eine angemessene Rezension zu verfassen, zu einer Geschichte, die meiner Meinung nach jeder lesen sollte. Es ging um vier Personen, die ihre dramatische Situation während des zweiten Weltkrieges schilderten. Diese wurden jeweils in der Ich-Perspektive erzählt, aber keine Sorge, man kommt nicht durcheinander. Die Kapitel sind mit den Namen gekennzeichnet, auch erfährt man direkt zu Beginn die aktuellen Umstände der einzelnen Protagonisten inklusive persönliche „Jäger“. Bei den Protagonisten handelte es sich um die litauische Krankenschwester Joana, den deutschen Deserteur Florian, der jungen Polin Emilia und den Soldaten Alfred. Alle verfügten über verschiedene Abstammungen, und doch besaßen sie alle einen gemeinsamen Nenner: Ungewissheit. Auch trugen alle ein Geheimnis mit sich. Vor allem aber hatten Joana und Florian viel mehr gemeinsam, als man zunächst annehmen würde. Sie kämpften und hofften beide für ihre Familie und zeigten sich dabei unerschöpflich. Außer den genannten Personen gab es ein paar wichtige Nebencharaktere, allen voran der Schuh-Poet. Er gehörte zu meinen Favoriten der Geschichte, er war wahrlich ein Poet. Durch seine passenden, teilweise sehr erfrischenden Äußerungen und seine interessante Weltansicht war er mir auf Anhieb sehr sympathisch. Der kleine Klaus war hingegen der kindliche Lichtblick für mich. Auch Eva mochte ich sehr gerne. Sie war unfassbar ehrlich, direkt und schlagfertig. Sie fand immer die richtigen Worte. Schlussendlich war aber Emilia meine Heldin. Sie war unglaublich stark und reflektiert. Alfred fand ich sehr unsympathisch. Seine Erzählweise trat hauptsächlich in Briefform an seine Hannelore auf. Er verfügte über keinerlei Empathievermögen und Situationsüberblick. Das Brett vor seinem Kopf war gebaut aus Egoismus und Arroganz, anteilig aus dümmlicher Naivität.     „Die Mutter war ein Anker. Die Mutter bedeutete Trost. Die Mutter war das Zuhause. Ein Mädchen , das die Mutter verloren hatte, glich einem winzigen Boot auf einem zornigen Ozean.“ (S. 167) Es gab einige Wendungen, die meistens für Dynamik innerhalb der Gruppe sorgten (wer mit wem inwiefern zu tun hatte möchte ich an dieser Stelle nicht verraten) und oftmals gravierende Auswirkungen hatten. Ein zentraler Aspekt, der gleichzeitig Angst aber auch Hoffnung machte, war die Liebe, auf verschiedenen Ebenen – freundschaftlich, partnerschaftlich, familiär. Je rasanter die Handlung, desto kürzer wurden die Kapitel, die übrigens grundsätzlich schon nur aus 1-4 Seiten bestanden. Zum Ende hin erfuhr man teilweise nur einen Satz pro Seite, pro Erzähler. Gelungen fand ich insbesondere den Vergleich der betroffenen Gebiete durch zwei dargestellte Karten auf der Innenseite des Einbands von 1945 und Heute. Beeindruckt haben mich vor allem auch das Nachwort sowie das Recherche- und Quellenverzeichnis. Dort wird nochmal deutlich, was dazu führte, dass Sepetys dieses Buch schrieb und wie vielfältig und aufwendig ihre Recherche ausfiel.     „Immer, wenn man glaubt, der Krieg hätte einem alles genommen, was man liebt, begegnet man jemandem, der einem zeigt, dass man doch noch etwas zu geben hat.“ (S. 333) Bereits zu Beginn äußerte ich, dass ich die literarisch wirklich gelungene Darstellung der Thematik als bedrückend empfand. Trotzdem bin ich wahnsinnig froh, diesen Buchschatz entdeckt zu haben. Meiner Meinung nach ist das Thema auch heute noch präsent und die Auseinandersetzung damit sehr wichtig. Die beschriebene punktuelle Grausamkeit einzelner Personen und die thematisierten fanatischen Ideen führten dazu, dass ich das Buch zwischendurch zur Seite legen musste. Der emotionale und schonungslos ehrliche Schreibstil, der oftmals nicht viele Worte brauchte, sorgte dafür, dass ich völlig gefesselt war.

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  • Ein Buch voller Gefühle...

    Salz für die See

    LiveReadLove

    09. February 2017 um 09:01

    Inhalt Aus Angst vor der roten Armee flüchten tausende Menschen 1945 in dne Westen. Darunter drei junge Menschen: Emilia, eine junge Polin, Joana, eine litauische Krankenschwester und Florian, ein Deutscher. Alle drei haben Dinge erlebt, über die sie nicht sprechen. Haben Geheimnisse, die sie nicht teilen. Denn eines hat der Krieg sie alle gelehrt: du kannst niemandem trauen. Die kleine Notgemeinschaft entscheidet sich im eiskalten Winter dazu den gefährlichen Weg über das zugefrorene Haff zu wagen. Der Weg ist beschwerlich und voller Schrecken, doch in Gotenhafen wartet die Wilhelm Gustloff und mit diesem Schiff können sie in den Westen gelangen, um endlich sicher zu sein. Doch ist es in diesem Krieg überhaupt noch möglich von Sicherheit zu sprechen? Ein Buch das mir tief unter die Haut gegangen ist. Absolutes Highlight. Vor allem durch die liebe Dani von Brösels Bücherregal habe ich „Salz für die See“ wieder auf dem Radar gehabt. Sie hat gemeinsam mit einigen anderen Bloggern „Das Jahr der Königskinder“ gestartet. Jeden Monat stellen sie ein Buch aus dem Imprint von Carlsen genauer vor und animieren andere Leser (und solche, die es noch werden wollen) dazu Bücher aus diesem Verlag zu lesen. Hat wunderbar funktioniert, denn ich habe direkt das Januarbuch gelesen. Vielen Dank dafür! Dieses Buch hat mich vom ersten Augenblick gefangen genommen. Nicht nur, weil ich über die Wilhelm Gustloff und das Schicksal all der Flüchtlinge kaum etwas weiß, sondern auch, weil die Perspektive eine eher ungewöhnlichere ist. Als Kind habe ich zwar die Reihe von Judith Kerr gelesen aber trotzdem war „Salz für die See“ eine sehr viel intensivere Lektüre. Das liegt wahrscheinlich an meinem eigenen Alter und meiner Erfahrung, die ich mittlerweile mit dem zweiten Weltkrieg gemacht habe. Trotz meines recht weit fortgeschrittenen Geschichtsstudiums habe ich mich erst einmal über das Drama um die Wilhelm Gustloff informieren müssen. Die Versenkung dieses Schiffes gilt bis heute als eine der verlustreichsten Katastrophen der Seefahrt, denn es kamen wahrscheinlich um die 9.000 Menschen ums Leben. Die genaue Zahl lässt sich nicht rekonstruieren, denn man ist sich bis heute nicht sicher, wie viele Menschen tatsächlich an Bord waren. Es gibt nur eine gesicherte Zahl: 1.239 Menschen konnten gerettet werden. Mit diesem Hintergrundwissen bin ich an dieses Buch herangetreten und schon nach den ersten wenigen Sätzen hatte ich eine Gänsehaut am ganzen Körper und spürte wie bedrückend, kalt und grauenvoll die Atmosphäre in diesem  Buch sein wird. Die Autorin lässt unterschiedliche Personen in sehr kurzen Kapiteln zu Wort kommen: die 15jährige Polin Emilia, die litauische Krankenschwester Joana, der deutsche Florian und der ebenfalls deutsche Matrose Alfred. Joana ist von Beginn an mit einem kleineren Flüchtlingstreck unterwegs. Von Anfang an spürt man, dass sie ein großes Geheimnis mit sich herumträgt, das ihr das Leben zusätzlich schwer macht. Sie hat den Drang dazu allen Menschen unbedingt helfen zu müssen und durch ihre Fähigkeiten als Krankenschwester ist es ihr möglich, dieses Bedürfnis weitestgehend zu stillen. Emilia und Florian treffen durch das Schicksal auf die Gruppe und schließen sich ihnen an. Vor allem Emilia habe ich fast augenblicklich ins Herz geschlossen. Die Polin hat unwahrscheinliche Angst. Vor den Russen, vor Hitler und davor, dass jemand ihr Geheimnis ans Licht bringt. Das junge Mädchen ist völlig traumatisiert und verängstigt und hängt sich an Florian, als könnte nur er ihr Leben retten. Ich hätte schon nach dem ersten Kapitel, das mich in ihren Kopf tauchen ließ, hemmungslos schluchzen können. Florian ist ein junger Mann der auf der Flucht ist. Doch wovor, erfährt man erst im Laufe der Geschichte. Er hat große Schwierigkeiten sich anderen anzuvertrauen, was in Kriegszeiten natürlich keine Seltenheit ist. Nicht einmal seinen Namen möchte er verraten und er will schon gar nicht, dass Emilia ständig an ihm klebt, denn er muss so schnell wie möglich verschwinden und andere Menschen würden ihn nur aufhalten. Sein großes Geheimnis hat mich sehr interessiert und es war wunderbar von der Autorin gelöst, wie sie die Spannung in seinen Kapiteln aufrecht erhalten hat und gleichzeitig auch vor Augen geführt hat, dass jeder, der in diesem Krieg auf der Flucht ist, ein Geheimnis hat. Egal welcher Art. Über Alfred möchte ich eigentlich nicht viel sagen. Er ist sehr speziell und wenn ihr euch dazu entschließt das Buch zu lesen, könnt ihr auch auf ihn gespannt sein. Er bringt etwas ganz anderes mit in die Geschichte ein, das mich fast schon verstört hat. Letztlich läuft alles auf den Tag hinaus, an dem die Wilhelm Gustloff ausläuft und durch ein sowjetisches U-Boot versenkt wird. Mit Grauen habe ich darauf gewartet, dass es passiert. Und selbst jetzt, nachdem einige Zeit vergangen ist, habe ich eine Gänsehaut, wenn ich nur darüber nachdenke. Die Art, wie Ruta Sepetys schreibt, ist auf ihre ganz eigene Weise berührend. Sie hat die Gabe mich das fühlen zu lassen, was ihre Charaktere fühlen und genau dabei zu sein. Ich war mitten in der Geschichte. Mitten in all diesem Grauen und Leid. Ich habe gelitten, geliebt, geweint und manchmal auch gelacht. Fazit Salz für die See hat mich ins Herz getroffen. Mit all diesen Eindrücken, die Sepetys auf unwahrscheinlich einfühlsame und gleichzeitig auch irgendwo sachliche Weise niedergeschrieben hat, bringt die Autorin ein Ereignis wie die Versenkung der Wilhelm Gustloff zurück in die Gedächtnisse der Menschen. Sie hat unwahrscheinlich gut recherchiert und wer sich für Geschichte interessiert, sollte den Anhang des Buches aufjedenfall auch lesen. Dieses Buch werde ich nicht zum letzten Mal gelesen haben.

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  • Eine erdrückende, fesselnde, traurige und ermutigende Geschichte

    Salz für die See

    Sommermaedchen23

    28. January 2017 um 14:31

    InhaltDie letzten Kriegstage des Jahres 1945: Tausende Menschen flüchten aus Angst vor der Roten Armee nach Westen. Darunter Florian, ein deutscher Deserteur, Emilia, eine junge Polin, und Joana, eine litauische Krankenschwester. Eine Notgemeinschaft, n der jeder ein Geheimnis hat, das er nicht preisgeben will. Denn der Krieg hat sie Misstrauen gelehrt. Im eiskalten Winter wählt der kleine Flüchtlingstreck den lebensgefährlichen Weg über das zugefrorene Frische Haff. In Gotenhafen, so heißt es, warte die Wilhelm Gustloff, um sie nach Kiel zu bringen. Doch auch auf dem Schiff sind sie noch lange nicht in Sicherheit.Sie ist Salz für die See. Seite 731MeinungAm Ende des Buches wusste ich, ich möchte auf jeden Fall eine Rezension dazuschreiben. Dieses Buch braucht viele Leser und viele Leserinnen. Es ist bedrückend, ergreifend und fesselnd. Es berührt mich und lässt mich nicht mehr los, denn eigentlich sollte allen klar sein, dass sich genau so etwas nie wieder wiederholen sollte. Doch genau das tut es jetzt. Anscheinenden ist keiner wirklich schlau aus der Vergangenheit geworden. Zum Ende des 2ten Weltkrieges fliehen Millionen von Menschen aus Preußen, zu Anfang fliehen sie noch illegal, weil es keinen Evakuierungsbefehl von Hitler gibt. Genau auf so einer illegalen Flucht treffe ich Joana. Die junge Frau ist Krankenschwester, Litauin und hat sich einem Tross angeschlossen. Dieser Tross besteht aus dem 6-jährigen Streuner Klaus, dem Schu-Poeten, Ingrid, die blind ist und Eva. Zusammen wollen sie fliehen und ihr Ziel ist ein Hafen egal ob Pillau oder Gotenhafen. Ein bunter, zusammengewürfelter Haufen von Menschen, die nur eines eint die Angst vor den Russen und den Deutschen, sowie der Gedanke schnell zu fliehen. Sich in Sicherheit zu bringen. Wenigsten ihr Leben zu retten. Was an sich schon Ironie pur ist, denn sie müssen mitten im Winter fliehen und es liegt Schnee und es ist furchtbar kalt. Zu Essen haben sie auch nicht genügend und der Weg ist weit. Da es keinen Evakuierungsbefehl gibt können sie auch nicht auf der Straße laufen, sonst würden sie erschossen werden. Ganz besonders ins Herz geschlossen habe ich den Schuh-Poeten. Zu jedem Menschen weiß er etwas, denn das sieht er an den Schuhen, die derjenige trägt. Er hat immer einen Witz auf den Lippen und er kümmert sich rührend um den kleinen Streuner. Auf der Flucht stößt ein geheimnisvoller, junger Mann mit einer Polin zu ihrem Treck. Der junge Mann ist deutscher, ein Deserteur und hat ein Geheimnis genau wie Joana. Etwas widerwillig schließt er sich der Gruppe an. Wie viele Millionen Menschen hatten Zuhause und Familie durch den Krieg verloren? Seite 22Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive von Joana, dem jungen deutschen Deserteur Florian, sowie der jungen Polin Emilia erzählt. Emilia ist noch ein halbes Kind und hat doch schon so viel erlebt. Alle drei Schildern ihre gemeinsame Flucht und dann gibt es da noch eine vierte Perspektive. Alfred. Er ist mir zuwider, ja das trifft es relativ gut. Ich kann ihn nicht leiden. Er ist abstoßend, doch Ruta Sepetys schildert seine Geschichte so eindringlich, wie auch die der anderen und die langsame Auflösung des Ganzen passt doch wieder perfekt in die Geschichte. Jedes Schicksal dieser drei Protagonisten hat mich zu tiefst berührt, ihre Ängste und Sorgen, sowie ihre Wünsche. Ruta Sepetys hat das Schicksal aller miteinander verwoben und den direkten Draht damit zu meinem Herzen gefunden.Durften wir unschuldige entwurzelte Kinder im Stich lassen? Sie waren Opfer, keine Soldaten. Aber manche Leute sehen das natürlich anders. Seite 40CoverSalz für die See hat ein wunderschönes Cover passend zum Inhalt. Der Umschlag und auch die Innenseiten sind liebevoll mit tollen Details ausgestattet.FazitEine erdrückende, fesselnde, traurige und gleichzeitig ermutigende Geschichte, die genau die richtigen Töne gegen das Vergessen trifft. Das Buch zeigt auf wie wichtig das Erinnern ist damit die Vergangenheit nicht in Vergessenheit gerät. 5/5 PunkteDie Brutalität war entsetzlich. Die Unmenschlichkeit überstieg jedes Fassungsvermögen. Niemand wollte dem Feind in die Hände fallen, nur wusste man inzwischen nicht mehr genau wer der Feind war. Seite 29

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