„Die schönste Version“ hat mich auf mehreren Ebenen beeindruckt und gleichzeitig auch stellenweise irritiert.
Besonders aufgefallen ist mir die Sprache. Einerseits fand ich sie sehr gelungen, teilweise fast lyrisch. Andererseits hat mich der häufige Gebrauch vulgärer Ausdrücke befremdet. Ich verstehe absolut, dass dies ein bewusst eingesetztes Stilmittel ist und zur Authentizität der Protagonistin beitragen soll, dennoch hat es mich gelegentlich aus dem Konzept gebracht.
Das Buch arbeitet durchgehend mit erweiterter Ellipse, Dialogen fehlen Anführungszeichen und klassische Satzzeichen. An vielen Stellen ist das sehr wirkungsvoll, an anderen scheitert es an der Satzbildung, sodass nicht erkennbar ist, wer gerade spricht. Wenn ein Satz schlecht konstruiert ist, funktioniert die erweiterte Ellipse nicht mehr und der Lesefluss ist gestört.
Inhaltlich hingegen hat mich das Buch voll überzeugt. Ich habe mich an vielen Stellen in der Protagonistin wiedererkannt, sowohl in ihren Gedanken als auch in einigen Verhaltensmustern. Auch die Dynamiken innerhalb ihres Freundeskreises erinnerten mich an reale Situationen aus meinem eigenen Umfeld. Diese Nähe zur eigenen Realität macht die Geschichte für mich besonders eindringlich.
Sehr gelungen fand ich den Umgang mit psychischer und körperlicher Gewalt in toxischen Beziehungen. Die Gedankengänge der Protagonistin sind nachvollziehbar, und ihr innerer Prozess wird sensibel und differenziert dargestellt. Besonders mochte ich die Struktur des Buches, die Einteilung in „Tage nach dem Vorfall“ erlaubt einen intensiven Blick auf den Umgang mit dem traumatischen Erlebnis, während die Rückblenden Schritt für Schritt zeigen, wie es überhaupt zu diesem Moment kommen konnte. Gegenwart und Vergangenheit greifen geschickt ineinander, und erst am Ende schließt sich der Kreis zum Geschehen am Anfang.
Trotz kleiner sprachlicher Schwächen bzw persönlicher Vorlieben bleibt mir das Buch sehr positiv im Gedächtnis. Deshalb vergebe ich vier Sterne.














