Ruth Altenhofer

 4,1 Sterne bei 310 Bewertungen

Lebenslauf

Ruth Altenhofer übersetzt Literatur, Dramatik und Autorencomics aus dem Russischen.  Seit 2015 ist sie im Team von Dekoder. Ihre Übersetzungen von Sasha Filipenkos Romanen wurden mit dem Perewest-Stipendium (2021) und dem Sacher-Masoch-Preis (2025) ausgezeichnet.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Kremulator (ISBN: 9783257248333)

Kremulator

(20)
Erscheint am 25.02.2026 als Taschenbuch bei Diogenes.
Cover des Buches Die Elefanten (ISBN: 9783257073737)

Die Elefanten

Erscheint am 25.02.2026 als Gebundenes Buch bei Diogenes.

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Neue Rezensionen zu Ruth Altenhofer

Cover des Buches Der Schatten einer offenen Tür (ISBN: 9783257071597)
Cornelia_Ruoffs avatar

Rezension zu "Der Schatten einer offenen Tür" von Sasha Filipenko

Cornelia_Ruoff
Eine Welt ohne Empathie


In Sasha Filipenkos Roman „Der Schatten einer offenen Tür“ entfaltet sich eine fesselnde Kriminalerzählung, die zwischen den Schatten der Vergangenheit und den Herausforderungen der Gegenwart wandelt. Filipenko bietet einen Blick in die Tiefen der menschlichen Seele und fragt, inwieweit Heilung und Vergebung möglich sind.

Zusammenfassung/Inhalt „Der Schatten einer offenen Tür“

In einem Waisenhaus haben sich mehrere Jugendliche das Leben genommen. Wie kam es dazu? Moskau schickt Alexander Koslow um die Suizidserie zu untersuchen. Schnell gerät Petja Pawlow in das Visier der örtlichen Polizei, weil seine DNA an den Tatorten gefunden wurde. Aber ist es wirklich so einfach?

Die Handlung dreht sich um die zentralen Figuren, Petja Pawlow, der mit den Folgen traumatischer Ereignisse und den damit verbundenen emotionalen Erinnerungen kämpft und Alexander Koslov. Filipenko beschreibt meisterhaft, wie die Charaktere sich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen und versuchen, ihren Platz in der Welt zu finden. Die Handlung des Romans bewegt sich im ständigen Fluss zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Geschickt hüpft Sasha Filipenko zwischen verschiedenen Zeitebenen, die sich wie einzelne Puzzlestücke zu Erinnerungen der Protagonisten zusammenfügen.

Protagonisten Auf der Suche nach Vergebung „Der Schatten einer offenen Tür“

Filipenko zeichnet keine Stereotype, er erzählt von Menschen, die nicht die Möglichkeit haben, diese Schatten ihrer Vergangenheit abzuwerfen, trotzdem stellen sie sich den Herausforderungen der Gegenwart und hoffen auf eine bessere Zukunft. Die Figuren ringen mit den Konsequenzen traumatischer Erlebnisse, die langsam über Rückblicke und Begegnungen ans Tageslicht kommen.

Die Hauptfigur, Petja Pawlow, als Petak bekannt, steht im Zentrum dieser komplexen Erzählung. Er möchte am liebsten, dass all Menschen, die vorhandenen Regeln befolgen, deswegen eckt er in seinem Umfeld an. Vor allem die Natur liegt ihm sehr am Herzen. Die Menschen halten ihn für etwas einfältig und merkwürdig. Filipenko porträtiert Petak als suchenden Charakter, der, wie viele von uns, einfach nur in Frieden leben möchte.

Schreibstil: Poesie der Erinnerung

Der Autor nutzt einen poetischen und bewegenden Schreibstil, der die psychologische Tiefe des Romans verstärkt. Die narrative Struktur, die statt Kapiteln in „Gesängen“ gegliedert ist, erinnert an ein episches Gedicht. Diese Struktur lässt an Dantes „Göttliche Komödie“ denken und verleiht der Erzählung eine fast musikalische Qualität. Der einfühlsame Stil lässt die Leser, tief in die Gedanken und Gefühle der Charaktere eintauchen.

Und trotz des schweren, traurigen Geschehens, macht es Filipenko mittels humorvollen Akzenten, dem Leser möglich, auch Passagen durchzuhalten, die fast schon unerträglich belastend sind.

Nachtrag am 26.03.2025:
Ich wurde mit einem Kommentar darauf hingewiesen, dass man nicht vergessen dürfe, dass der poetische Schreibstil in der deutschen Ausgabe vor allem durch die gute Übersetzungsarbeit von Ruth Altenhofer zustande kommt. Das stimmt natürlich! Wer mehr darüber wissen möchte: Interview mit Ruth Altenhofer in den Niederösterreichischen Nachrichten.

Hörbuch „Der Schatten einer offenen Tür“

Das Hörbuch wird ungekürzt gelesen von Alexander Gamnitzer. Die Stimme des Erzählers fängt die fein nuancierten Gefühlszustände der Charaktere ein. Man kommt ihnen sehr nah.

Der Titel ist im Bookbeatkatalog enthalten.

Kritik/Fazit: „Der Schatten einer offenen Tür“

„Der Schatten einer offenen Tür“ ist weit mehr als nur ein Roman über Traumata. Filipenkos fesselnde Erzählweise und der poetische Stil entführen den Leser in eine Welt, die ebenso eine psychische Selbsterkenntnis zeigen, wie die dazugehörige Umwelt. Die verschiedenen Zeitebenen und Perspektiven, die geschickt miteinander verwoben sind, bieten einen tief gehenden Einblick in die emotionalen und psychologischen Herausforderungen der Protagonisten.

Filipenko zeigt uns keine schöne oder harmonische Welt. Seiner Welt mangelt es an Empathie. Und sobald diese dennoch sprießt, wie bei der Szene mit dem geretteten Hund, wird sie durch das System verboten und zerstört. In einem Waisenhaus zu leben, ist wahrscheinlich überall auf der Welt, kein Paradies. Aber in Russland scheint es die Hölle zu sein. Vielleicht hat der Autor aus diesem Grund mit der Bezeichnung Gesang die Nähe zu „Dantes Inferno“ erstellt.

Auch die Justiz ermittelt mit Gewalt. Rechtssicherheit ist hier nicht zu finden.

Der Roman hebt die Fragilität menschlicher Erinnerungen und die andauernde Suche nach Sinn und Vergebung hervor. Filipenkos Erzählkunst forderte mich als Leserin heraus, über die Rolle meiner eigenen Vergangenheit im gegenwärtigen Leben nachzudenken. Das Buch bleibt auch nach dem letzten Satz in meinen Gedanken hängen und lässt mich nicht mehr so schnell los.


Zynisch wird im Waisenhaus ein Aufsatz zum Thema „Warum ich das Leben liebe“ ausgerufen. Dabei wird vermerkt:

„Liebe Schüler (!!!), wenn ihr eure Aufsätze aus dem Internet herunterladet, versucht, sie ein wenig abzuändern. In letzter Zeit gab es Fälle, in denen die Pädagogen eure Schularbeiten einer Plagiatsprüfung unterziehen mussten. Viel Glück!“



Cover des Buches Kremulator (ISBN: 9783257072396)
Sanne54s avatar

Rezension zu "Kremulator" von Sasha Filipenko

Sanne54
Erfüllungsgehilfe auf der Anklagebank der eigenen Leute

Pjotr Nesterenko ist der Direktor der Moskauer Friedhöfe und kümmert sich höchstpersönlich um die ihm im Krematorium angelieferten Leichen. Tagsüber sind es die "normalen" Verstorbenen, die er kremiert, nachts kümmert er sich um die Hingerichteten, von denen nicht mehr bleibt als Asche und die Kugel, mit der sie hingerichtet wurden. Sein Leben lang malt er sich seinen eigenen Tod aus, immerhin hat er ihm auch schon vor seiner Arbeit auf dem Friedhof immer wieder in die Augen geblickt. Dann wird er schließlich 1941 verhaftet und lässt sein Leben und damit auch ein Stück Zeitgeschichte, v.a. die Zeit nach der russischen Revolution, Revue passieren. Selbst- und gesellschaftskritisch, durchzogen von Zynismus erzähl er auch von seiner Zeit im Ausland, die ihn natürlich hoch verdächtig macht, als Pilot und Mitglied der weißen Armee, im Kampf gegen die Bolschewiken angeschossen, aber auch als Taxifahrer im Pariser Exil. Davor die. Flucht nach Griechenland, Serbien und Frankreich, später dann Zusammenarbeit mit der Roten Armee, bevor es ihn wieder nach Russland verschlägt. Doch auch von seiner Arbeit im Krematorium erfährt man viel. Ihm gegenüber ein junger, linientreuer Bürgerermittler und Sowjetmensch, dessen einzige Aufgabe ist, die verworrenen, zufälligen Pfade in Nesterenkos Leben zu einem Gesamtbild zu verbinden, dass die Anklage stützt. 


Beide Protagonisten dieses Verhörs sind unsympathisch, nachvollziehbar unsympathisch. Nesteremko schwärmt von seiner großen Liebe, einer Schauspielerin, vom Fliegen, ist dem Theater, der Literatur und der Philosophie zugeneigt, gleichzeitig verrichtet er seine grausame Aufgabe, unfassbar viele zum Tode verurteilte in Asche zu verwandeln, also verschwinden zu lassen, und alles, was ihm dazu einzufallen scheint, ist sich mit seinem eigenen Ableben auseinander zu setzen, lässt kaum etwas an sich heran. 


Als Leser kann man den Inhalten nicht entkommen, weil natürlich die intime Situation des Verhörs/der Tagebucheinträge eine Konfrontation mit den Inhalten fokussiert. Man muss sich in diese Situation, auf der Roman aufbaut, erst einfinden, aber ich finde es sehr geschickt gemacht. Der Schreibstil des Autors ist frei von Drama und fast sachlich. Ich fand es dennoch oder deshalb sehr schwierig dieses Buch zu lesen, weil es unendlich grausam, traurig und deprimierend ist. Unvorstellbar in einem System zu leben, in dem man nie weiß, was einem morgen blühen wird, in dem man sich nie sicher sein kann, selbst wenn man willig der Doktrin folgt.

Cover des Buches Der Schatten einer offenen Tür (ISBN: 9783257071597)
S_Malts avatar

Rezension zu "Der Schatten einer offenen Tür" von Sasha Filipenko

S_Malt
Sprachlich Top - Story: Hmmm

Mein erster Roman des Autors - übersetzt von Ruth Altenhofer. 

Sprachlich war es eine Wonne, die Story (meiner Meinung nach) etwas mau, wenn auch im Grundgedanken sehr interessant.


In der öden Gefängnisstadt Ostrog kommt es zu einer Suizid-Reihe unter Waisenkindern. Der vom Leben enttäuschte Kommissar Alexander Koslow aus Moskau soll nun den Fall untersuchen, da der örtliche Revierinspektor nicht weiterkommt.

Gemeinsam mit dem hippen Leutnant der Ermittlungsbehörde, Fortow, macht er sich also in die Provinzstadt auf, in der er vor Jahren bereits den Bürgermeister - einen ehemaligen Häftling des ortsansässigen Gefängnis - entmachtet und hinter Gitter gebracht hat (warum, wird nie klar). 


Augenscheinlich ein Krimi, in dem etwas aufgeklärt werden soll; doch eher ein Portrait der russischen Gesellschaft. Koslow wird geschickt, um im Sinne Moskaus Klarheit in die Sache zu bringen - und deckt Missstände im Waisenhaus auf, die der Gesellschaft ein Spiegelbild vorhalten; unliebsame Personen werden kategorisiert und weggesperrt. Ab und zu bekommen sie einige Vorteile zu spüren, im Großen und Ganzen ist ihr Leben allerdings eingeschränkt und vorbestimmt.

Um einen Schuldigen zu finden, schreckt der Revierinspektor nicht vor Beweismanipulation und (sehr heftiger!) Folter zurück; doch Koslow erkennt die Wahrheit - und in der Folge kommt es gleichzeitig zu Umbrüchen in seinem Leben und den Zuständen der Waisenkinder; man fragt sich nur, für wie lange - denn das, was dort geschieht, sieht letztlich nach Aktionismus aus, der auch schnell wieder abebben kann.


Wie gesagt, sprachlich hervorragend und von der Grundidee gut; und trotzdem bin ich nicht überzeugt. Koslow ist recht gut gezeichnet, jedoch belastet mit Problemen, auf welche er nicht immer logisch (wenn vielleicht auch menschlich) reagiert. Warum er jedoch - nach Landung bei Ostrog - zunächst die Flughafentoilette aufsucht, um zu ornanierrn, das erschließt sich mir nicht wirklich.

Alle anderen Figuren, insbesondere Fortow, sind sehr dünn gezeichnet, was die Geschichte irgendwie stört, ja unterbricht. Eine löbliche Ausnahme ist da das ehemalige Waisenkind Petja, der Sündenbock des Revierinspektor und mein eigentlicher (tragischer) Held der Geschichte.


Ich war nicht gelangweilt aber auch nicht sehr gespannt - sprachlich gesehen war das Buch angenehm zu lesen und hatte einige sehr interessante Ansatzpunkte. 


Einer meiner Lieblingszitate:

„Dass er mit fünf Jahren Eiszapfen von draußen hereingebracht und die Erzieher gebeten hatte, sie in den Gefrierschrank zu legen, um ihnen das Leben zu retten.“



Von meiner Seite aus 3/5 Sterne und sicher für jeden etwas, der keinen herkömmlichen Krimi, sondern eher eine Gesellschaftskritik lesen mag; und dabei über ein paar „Störer“ hinwegsehen kann.


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