Ruth Berger

 3.9 Sterne bei 93 Bewertungen
Autorin von Eisweihnacht, Gretchen und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Ruth Berger

Ruth Berger ist Historikerin und Autorin der Romane Die Reise nach Karlsbad, Die Druckerin, Miss Lucy Steele und Gretchen, die von der Presse alle begeistert aufgenommen wurden. Ruth Berger lebt in Frankfurt.

Alle Bücher von Ruth Berger

Cover des Buches Eisweihnacht (ISBN: 9783499266676)

Eisweihnacht

 (33)
Erschienen am 01.11.2013
Cover des Buches Gretchen (ISBN: 9783499245442)

Gretchen

 (26)
Erschienen am 01.12.2008
Cover des Buches Die Druckerin (ISBN: 9783688103850)

Die Druckerin

 (10)
Erschienen am 21.07.2017
Cover des Buches Die Reise nach Karlsbad (ISBN: 9783688103874)

Die Reise nach Karlsbad

 (10)
Erschienen am 21.07.2017
Cover des Buches Der Seelenarzt (ISBN: 9783499252563)

Der Seelenarzt

 (6)
Erschienen am 01.03.2012
Cover des Buches Miss Lucy Steele (ISBN: 9783499238437)

Miss Lucy Steele

 (6)
Erschienen am 02.05.2006
Cover des Buches Warum der Mensch spricht (ISBN: 9783821856872)

Warum der Mensch spricht

 (2)
Erschienen am 26.02.2008
Cover des Buches Die erste Verlobte (ISBN: 9783955300524)

Die erste Verlobte

 (0)
Erschienen am 21.12.2012

Neue Rezensionen zu Ruth Berger

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Rezension zu "Eisweihnacht" von Ruth Berger

Eisweihnacht - Eine Wundergeschichte
MarySophievor einem Jahr

Handlung:
Es ist der Eiswinter 1844, einen so kalten Winter hat die Menschheit seit Ewigkeiten nicht mehr erlebt. Und ausgerechnet in diesem Winter steht der kleine Josua als Waise da und ihm wird gesagt, dass in Frankfurt noch Verwandtschaft lebt. Ganz allein macht sich der Junge auf den Weg. Unterwegs wird er von Maire aufgesammelt, die den kleinen Kerl nicht allein lassen will und begleitet ihn nach Frankfurt. Dort treffen die Beiden auf Elise Best, eine Tochter aus guten Verhältnissen. Diese hat ihre ganz eigenen Sorgen. Der Vater will sie mit einem viel älteren Mann verheiraten, außerdem steht sein Geschäft vor dem Bankrott. Trotzdem nimmt sie sich Marie und Josua an und schließt beide schnell in ihr Herz, schließlich steht das Weihnachtsfest kurz bevor. Was die Zukunft wohl für Josua und Elise bereit hält?


Meinung:
Das Cover gefällt mir richtig gut. Es wirkt weihnachtlich, bietet eine wunderschöne Szenerie und ist herrlich altmodisch und der Handlungszeit angepasst. Im Hintergrund befindet sich eine Stadt mit einigen hell erleuchteten Fenstern, dazu ein Dom mit verschneitem Dach. Davor ist eine vereiste Fläche, wo allerhand Menschen Eis laufen und sichtbar Spaß haben. Ziemlich im Vordergrund steht eine junge Dame, die die gesamte Szenerie betrachtet. Hier könnte es sich um Elise handeln, das rote Haar weist darauf hin, aber auch ihr scheinbar wehmütiger Blick auf die Menschen und deren Aktivitäten, die sie aufgrund ihres steifen Beines so nicht ausführen kann. Insgesamt ein wirklich gelungenes Bild!


Wer mir schon länger folgt weiß, dass ich die weihnachtlichen historischen Geschichten aus dem Rowohlt Verlag liebe. Mittlerweile dürfte ich bei dem letzten bisher erschienen Buch aus der Reihe angekommen sein, zumindest habe ich bisher noch nichts von weiteren Teilen gefunden. So habe ich mich einerseits auf das Lesen von dem Buch gefreut, gleichzeitig wollte ich aber auch nicht, dass die Geschichte endet. Ich hoffe, dass es in Zukunft noch weitere Teile davon geben wird.


Auch hier möchte ich wieder die Gestaltung des Buches hervorheben. Es tauchen immer wieder wunderschön gestaltete Illustrationen auf, die einen Teil des gerade beschriebenen darstellen. Eine jede Zeichnung wurde mit viel Liebe auf das Papier gebracht und wirkt nicht zu modern, sondern passt genau in die Handlungszeit des Romans. Die Illustrationen wirken nostalgisch und scheinen direkt aus der damaligen Zeit zu stammen. Mir gefällt die bildhafte Untermalung immer sehr, so wird auch die Möglichkeit geboten, sich ein genaueres Bild von dem Äußeren der Proatgonisten zu machen oder von Dingen, die mittlerweile ziemlich unbekannt sind.


Auch die Schreibweise ist der damaligen Zeit ein ganzes Stück angepasst. Sie entspricht nicht dem genauen damaligen Wortlaut, ich glaube, dass wäre doch noch einen Hauch zu anstrengend zu lesen. Moderne Begriffe wurden komplett herausgehalten, es gibt eine gewisse Steifheit, die damals vorherrschte. Dazu hat die Autorin einige urtümliche Worte eingebunden und auch gewissen Traditionen Raum gegeben. Durch all diese Aspekte entsteht eine wunderbare Schreibweise, die einen angenehmen Anspruch hat und bei der es Spaß macht, der Handlung zu folgen.


Es gibt keine sonderlich detailierte Beschreibung des Settings. Der Großteil der Handlung findet in Frankfurt statt, dort vor allem im Haus der Familie Best. Räume werden nicht sonderlich ausführlich beschrieben, es gibt kleine Anhaltspunkte, die ein vages Bild geben. Viele Orte und Räume bleiben aber blass und etwas geheimnisvoll, gleichzeitig auch eisig. Lediglich die Wohnstube, sowie das Schreib- und Raucherzimmer des Vater erscheinen gemütlich und einladend. Aufgrund der Kürze des Romans will ich mich daran nicht zu sehr stören, das Hauptaugenmerk lag eindeutig nicht auf dem Setting, sondern auf der Geschichte und diese hat mir wirklich gut gefallen.


Die Geschichte bietet auch einen besonderen historischen Aspekt. Ab und an taucht ein äußerst intelligenter und selbstständiger Pudel auf, der einen kleinen Einkaufskorb im Maul hat. Damit geht dieser für seinen Herrn, den Philosophen Arthur Schopenhauer einkaufen und ist in ganz Frankfurt als Schopenhauers Pudel bekannt. Durch so kleine Details erscheint die Geschichte viel lebendiger und authentischer, zudem finde ich das Bild amüsant, wie der Pudel durch die Gassen rennt um die Wünsche seines Herrn zu erfüllen.


Die Anzahl der Protagonisten ist recht beschränkt. Als Hauptcharaktere dienen Elise und Josua, um die beiden jungen Leute dreht sich der Großteil der Handlung. Dazu gibt es noch um die fünf weitere Proatgonisten, die auch regelmäßig auftreten, aber nicht so arg im Mittelpunkt stehen wie die Beiden. Ein jeder Charakter erhielt seine Eigenarten und war gut durchdacht. Es tauchen vollkommen unterschiedliche Typen auf, die angenehm miteinander harmonieren.

Elise steht meiner Meinung nach sogar noch mehr im Mittelpunkt als Josua. Von dem Jungen erfährt man nicht so viel, am meisten Details zu seiner Person gibt es noch am Anfang der Geschichte. Josua ist ein sympathischer kleiner Kerl, mit dem es das Leben nicht immer gut gemeint hat. Die Eltern sind beide tot, von den Geschwistern wurde er getrennt und trotz einer eisigen Kälte und Schneefall in eine andere Stadt geschickt, wo er aufgenommen werden soll. Trotzdem hält er sich unfassbar tapfer und gibt nicht so schnell auf. Für sein junges Alter wirkt Josua erstaunlich erwachsen und reif. Es gibt kaum kindliche Züge zu sehen, somit ist Josua ein authentisches Abbild von Kindern der damaligen Zeit. 

Elise erscheint mir als Charakter anfangs noch etwas blasser und unsicherer. Im Verlauf der Handlung durchlebt sie eine große Wandlung, wird selbstbewusster und nimmt die Dinge selbst in die Hand. Elise ist ein herzensguter Mensch, hat für jeden ein offenes Ohr und handelt spontan, ohne zu viel über manches nachzudenken. Ich fand es an einigen Stellen schade, dass sie so viel auf das Wort anderer Menschen gegeben hat. Ihr eigenes Denken, dass sie aufgrund ihrer roten Haare oder wegen ihres lahmen Beines keinen Mann abbekommt, war falsch. Das zeigt, dass ihr diese Dinge oft genug von anderen Menschen gesagt wurden, damit Elise sie glaubt. Das Schönheitsideal war damals um einiges strenger als heutzutage und bei dem kleinsten Fehler waren junge Frauen für andere Männer nicht mehr interessant. Einerseits finde ich es ganz gut, dass dieser Aspekt in das Buch hereingenommen wurde, weil solche Details früher bei der Brautsuche wichtig waren. Gleichzeitig fand ich es schade, dass Elise sich so stark von den Kommentaren hat beeinflussen lassen.


Fazit:

Mir hat die Geschichte unheimlich gut gefallen und sie konnte mich mit ihrem Ende wirklich überraschen. Ich hatte durchweg keine Ahnung, wie das Buch enden wird, hatte aber mit etwas besonderem gerechnet. Darauf hat schon der Untertitel „Eine Wundergeschichte“ hingewiesen. 

Mir fällt kein Aspekt ein, der mir absolut nicht gefallen hat oder für den ich in meiner Bewertung einen Punkt abziehen würde. Ich war zwar mit Elise ihrer Selbsteinschätzung nicht ganz zufrieden, aber zum einen ist das ein Charaktermerkmal, was einfach zu ihr gehört und gleichzeitig wird das Schönheitsideal der damaligen Zeit dadurch beschrieben. 

Mir hat das Lesen Spaß bereitet, die Handlung war durchweg spannend und die Schreibweise ein Traum. Dazu bietet das Buch wunderschöne Illustrationen, amüsante historische Details wie Schopenhauers Pudel und ein wahres Weihnachtswunder. Eine große Empfehlung meinerseits!

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Rezension zu "Eisweihnacht" von Ruth Berger

Eine wundervolle Weihnachtsgeschichte
Seehase1977vor einem Jahr

Man schreibt das Jahr 1844 und der Winter hat das Land fest im Griff. In diesem Eiswinter wird der Waisenjunge Josua vor den Toren Frankfurts einfach ausgesetzt. Halb erfroren findet die Kaufmannstochter Elise Best den armen Jungen und nimmt ihn mit nach Hause, auch wenn ihr dort ebenfalls die Sorgen über den Kopf wachsen. Das Geschäft ist bankrott und Elise soll nun schnellstmöglich verheiratet werden. Aufgrund ihres lahmen Beines ist der einzig verfügbare Heiratskandidat ein alter Pfarrer…


Meine Meinung:


Es geht doch nichts über die Vorweihnachtszeit. Gemütlich eingekuschelt, Tee und Plätzchen und dazu eine schöne Weihnachtsgeschichte, die zu Herzen geht. Mit „Eisweihnacht“ ist der Historikerin und Autorin Ruth Berger auf knapp 130 Seiten genau das gelungen.


Anschaulich und bildhaft erzählt Berger diese herzerwärmende Geschichte. Ihr gelingt es vortrefflich, Bilder vom historischen Frankfurt vor dem inneren Auge entstehen zu lassen, man hat das Gefühl, selbst durch die Gassen zu spazieren und die eisige Kälte förmlich am eigenen Leib zu spüren. Die liebevoll beschriebenen Details und die etwas altertümlich anmutende Sprache machen die Lektüre kurzweilig und zu etwas Besonderem.


Das Schicksal des kleinen Josua berührt und auch die nicht so rosigen Aussichten für die Kaufmannstochter Elise lassen einem nicht zur Ruhe kommen. Doch es kommt, das ersehnte Weihnachtswunder, sowohl für den kleinen Waisenjungen als auch für Elise Best. Um welches unverhoffte Glück es sich hier handelt, wird natürlich nicht verraten.


Die 30-jährige Elise Best ist eine starke Frau, tapfer und unerschrocken, die für ihr Glück, aber auch für das anderer einsteht.


Mein Fazit:


Eine kurze und schöne, weihnachtliche Erzählung ohne Kitsch und Tamtam, die man gerne liest und sich wunderbar unterhalten fühlt. Perfekt für die ruhigen Stunden in der Vorweihnachtszeit.

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Rezension zu "Gretchen" von Ruth Berger

Interessante Geschichte, unangenehmer Schreibstil
Viv29vor 2 Jahren

In Gretchen erzählt Ruth Berger die Geschichte der Susanna Margaretha Brand (1746 - 1772), indirekt berühmt geworden als Inspiration für Gretchen in Goethes Faust. Durch die Gretchentragödie ist es Goethe gelungen, die jahrhundertealte Sage um Faust um eine wesentliche Komponente zu bereichern und Gretchens letzte Szene im Kerker gehört zu den eindringlichsten des ganzen Stückes. Susanna Margaretha Brand hätte auf diesen Ruhm sicher gerne verzichtet, begründet er sich doch darin, daß sie als Kindsmörderin verurteilt und hingerichtet wurde.

In Ruth Bergers Buch erwacht Susanna zum Leben, wird dem Leser gelungen nahegebracht. Wir lernen eine junge Frau kennen, die sich nicht so leicht etwas sagen läßt, die auch mal Widerworte gibt, einen starken Willen hat. Das ist im späten 18. Jahrhundert schon ausreichend für einen schlechten Ruf und so ist sie auch ständig im kritischen Blickfeld ihrer zwei älteren Schwestern und gleich mehrerer Frankfurter. Susanna arbeitet in einer Herberge und ihr Umfeld, ihr Leben werden detailreich und gut beschrieben. Man bemerkt das fundierte historische Wissen der Autorin und ihre sogfältige Recherche zu Susanna. Zahlreiche Informationen über Arbeit, Lebensumstände und überhaupt das alte Frankfurt werden meist gut in die Geschichte eingeflochten. Manchmal wirken die Informationen leider auch etwas hineingezwungen, als ob nun dieses Detail unbedingt erwähnt werden mußte, auch wenn es mit der Geschichte überhaupt nichts zu tun hat. Im Ganzen aber hat es mir gefallen, wie viel ich hier auch über Frankfurt lernen konnte. Susanna ist ein interessanter Charakter; diese junge Frau, die sich ständig gegen ihren schlechten Ruf beweisen muß, die einerseits hofft, endlich ein wenig zur Ruhe zu kommen, andererseits aber auch von einem aufregenderen Leben träumt. Ruth Berger bringt sie uns gut nahe, und auch wenn man weiß, welch schreckliches Ende Susanna nehmen wird, drückt man ihr gegen besseres Wissen ständig die Daumen, weil sie den Leser anrührt.

Leider aber hatte das Buch einige - jedenfalls für mich so empfundene - Schwächen. Eines ist die Einbindung für die Geschichte nicht relevanter Charaktere, die das eigentliche Geschehen unterbrechen und nichts zum Buch beitragen. Dies sind zum einen die Gebrüder Senckenberg, denen hier viel Raum gewidmet wird, obwohl sie allerhöchstens marginal mit dem Fall zu tun. Lesern, denen die Senckenbergs nicht bekannt sind, werden zudem wesentliche Hintergrundinformationen fehlen, um überhaupt zu verstehen, worum es hier geht. Die Abschnitte gehörten zu den uninteressantesten Passagen des Buches und wie bei manchen historischen Details hatte ich auch hier das Gefühl, als ob die Senckenbergs eben unbedingt erwähnt werden sollten, obwohl sie eigentlich keine Rolle in der Geschichte spielen.
Ähnlich empfand ich ausgerechnet bei den Szenen um die Familie Goethe. Nun lese ich als Goethefan eigentlich immer mit Vergnügen über ihn, und hatte mich auch gefreut, ihm hier als Romanfigur zu begegnen. Leider war dies enttäuschend. Goethe selbst taucht erst zum Ende des Buchs auf, weil er erst in Frankfurt eintraf, als die Ermittlungen gegen Susanna Brand begannen, der Roman aber auch ihre Vorgeschichte behandelt. Um aber die Familie Goethe schon vorher einzubinden, greift Ruth Berger auf nichtssagende Szenen rund um Goethes Schwester Cornelia zurück, die wenig mehr tut, als zu überlegen, welcher der Männer in ihrem Umfeld noch zu haben ist, und auf Spaziergängen nichtssagend mit Freundinnen zu plaudern. Hier erfolgt dann eine konstruierte Szene, in der Susanna Brand an ihr vorbeigeht. Die Szene hat keinen Sinn, außer wohl die Goethes hier schon krampfhaft in die Geschichte einzubinden. Auch nach Erscheinen des künftigen Dichterfürsten bleiben die Goetheszenen eine Schwäche des Buches. Goethes Situation zu dieser Zeit wird in lieblosen Passagen geschildert, seine Erleuchtung, daß Susannas Geschichte sich gut im Faust machen würde, kommt uninspiriert und plötzlich. Weitaus mehr Raum wird Cornelias beginnender Romanze mit ihrem späteren Ehemann gewidmet. Das lenkt von der Geschichte der Susanna Brand ab (sogar in der Hinrichtungsszene geht es immer wieder um Cornelia Goethe).
Es hätte dem Roman wesentlich besser zu Gesicht gestanden, wenn er sich auf die eigentliche Geschichte konzentriert hätte, ohne dauernd auf diese Seitenschauplätze abzuschweifen. Die Inspiration für Goethe hätte man dann auch kurz in einem Nachwort erwähnen können.

Mein anderes Problem mit diesem Buch liegt im Schreibstil. Fast durchweg ist dieser ausgesprochen betulich. Es sollte wohl der volkstümliche Charakter Susannas und ihrer Umwelt widergespiegelt werden. Anstatt dies auf die wörtliche Rede zu beschränken, was ein gelungenes Mittel gewesen wäre, lesen sich die meisten Passagen nun wie von einem Menschen ohne literarisches Können geschrieben. Susanna ist durchweg „die Susann“, sowie ihre Schwester „die Dorette“ ist, der Hausdiener „der Bonum“, und da haben wir dann Sätze wie „Die Dorette redet immer noch auf die Susann ein“. Da geht „das Ännchen“ mit „der Ursel“ und hat Sorge, daß „der Niklaus“ schimpfen wird mit ihr (auch solche etwas seltsame Satzstellungen sind im Text üblich). Ein „sie“ oder „er“ wird häufig unnötig erklärt, so daß man sehr viel „sie, die Susann,“, „sie, die Dorette,“ und ähnliche Einschübe liest, auch wenn aus dem Text ohnehin hervorgeht, wer mit „sie“ gemeint ist. Das ist richtig schlechter Stil. All dies hat mir zumindest das Lesevergnügen ziemlich verdorben. Die Autorin kann es durchaus anders, das klingt immer wieder mal durch. Es gibt sehr schön und eindringlich formulierte Sätze, die mich erahnen ließen, wie gut dieses Buch hätte sein können.

Der Stil und überhaupt die Erzählweise sorgen dann auch an manchen Stellen dafür, daß es sich albern liest. Wenn die Angewohnheit mancher Charakter, Sätze mit „gelle“ zu beenden, dann auch in den Erzähltext einfließt, zieht es den Text ins Alberne. In der doch eigentlich traurigen Szene, kurz bevor Susanna gefaßt wird und ihr Leben verwirkt, wird beschrieben, wie der Wachsoldat Susanna erblickt „…ei, da passt ja glatt die Beschreibung von der gesuchten Mörderin drauf auf das Mädel hier! Eigentlich müsst er die jetzt anhalten, gell. Andererseits, lächerlich will er sich auch nicht machen.“ Und so geht es dann weiter und nimmt der Szene, dem Schicksal Susannas den Ernst. Dies kommt immer wieder vor. Nachdem Susanna ihr Baby bekommen hat, beginnt eine langwierige alberne Szene, in der ihre beiden Schwestern (die ohnehin etwas lächerlich dargestellt werden) wie in einer 70er Jahre Komödie hysterisch immer wieder zwischen drei Schauplätzen hin und her rennen, um herauszufinden, was eigentlich genau passiert ist. Ich hätte von einem guten Buch erwartet, mir nahezubringen, wie Susanna gerade körperlich und seelisch leidet, welche Angst sie hat, welche Sorgen die Schwestern sich um die Implikationen machen. Es sind traurige Geschehnisse um den Tod eines Neugeborenen und einer jungen Frau, die völlig ohne Unterstützung einer bigotten Gesellschaft ausgeliefert ist, aber ihnen wird durch den Stil der Ernst genommen. Später im Buch steht „So mancher allerdings fand die frivole Formulierung dem Anlass nicht angemessen,“ und ich fragte mich, ob die Autorin die Ironie dieser Bemerkung eigentlich erkannt hat. Denn auch hier sehen wir, daß sie es durchaus besser kann - in späteren Szenen wird Susannas Angst, Verzweiflung, Ausweglosigkeit ausgezeichnet geschildert. Die Hinrichtungsszene ist eindringlich und sehr gut. Diese Würde hätte man der Geschichte Susannas das ganze Buch über zugestehen sollen.

So bleibt ein Buch, das uns Susanna als Mensch und in ihrer ausweglosen Situation, die damalige Gesellschaft und Lebensumstände gut nahebringt, dies aber leider an vielen Stellen durch den Stil und Unnötiges wieder verdirbt.

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Ruth Berger wurde am 01. Januar 1967 in Kassel (Deutschland) geboren.

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