Ruth Johanna Benrath Wimpern aus Gras

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Inhaltsangabe zu „Wimpern aus Gras“ von Ruth Johanna Benrath

Anna ist tot. Und Rena will wissen, warum. Seit Anna mit 19 Jahren Hals über Kopf in die USA ausgewandert ist, um Reiko zu heiraten, hat Rena ihre Schulfreundin nicht mehr gesehen, Briefe und Postkarten kommen immer seltener, Annas Mann hat Rena nie kennengelernt. Als eines Tages ein Paket mit Annas Tagebuch und der Todesanzeige bei ihr abgegeben wird und Reiko immer hartnäckiger den Kontakt mit ihr sucht, lassen Rena die Erinnerungen an die Freundin nicht mehr los. Und bald gibt es kein Zurückweichen mehr vor jenen Fragen, die Rena so lange von sich geschoben hat: Woher kam die Entfremdung zwischen ihnen nach langer, ungetrübter Freundschaft? Und was bedeutet Annas letzter rätselhafter, fast feindseliger Brief?

In packenden, schnell wechselnden Szenen erzählt Ruth Johanna Benrath vom Wunsch nach Nähe und Liebe und der fatalen Wirkung von Abhängigkeit und Unterwerfung: die Geschichte einer jungen Frau, der jene Menschen immer fremder werden, denen sie sich am nächsten fühlt.

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  • Rezension zu "Wimpern aus Gras" von Ruth Johanna Benrath

    Wimpern aus Gras

    parden

    01. May 2012 um 01:06

    EHER VERSTÖREND ALS BERÜHREND... Anna ist tot. Und Rena will wissen, warum. Seit Anna mit neunzehn Hals über Kopf in die USA ausgewandert ist, um Reiko zu heiraten, hat Rena ihre Schulfreundin nicht mehr gesehen. Als eines Tages ein Paket mit Annas Tagebuch bei ihr abgegeben wird und Reiko, den sie nie kennengelernt hat, immer hartnäckiger den Kontakt mit ihr sucht, lassen Rena die Erinnerungen an die Freundin nicht mehr los. Bald schon gibt es kein Zurückweichen mehr vor jenen Fragen, die Rena so lange von sich geschoben hat: Woher kam die Entfremdung zwischen ihnen? Und was bedeutet Annas letzter rätselhafter, fast feindseliger Brief? Das Tagebuch von Anna bietet jedoch kaum Antworten. Von jeher nicht mit der Begabung gesegnet, die richtigen Worte zu finden und Texte zu verfassen, begnügte sich Anna damit, jeweils passende Verse aus Gedichten oder Liedern in ihr Tagebuch zu schreiben, um ihr Befinden auszudrücken. Ohne das Wissen um den passenden Kontext jedoch gerät der Versuch des Entzifferns der Hintergründe zu einem reinen Ratespiel, das Tagebuch entpuppt sich als Poesiealbum. Rena verzweifelt schließlich: "Ich komme nicht an sie heran (...) Ich verstehe sie nicht. Je näher man ihr kommt, desto mehr verflüchtigt sie sich. Wie eine Fata Mogana. Liegt das an Anna oder an mir? Als würde ich sie nur von hinten sehen. Ich erkenne sie nicht..." (S. 173) R. J. Benrath schreibt die Geschichte in prägnanten, kurzen Sätzen. Dabei wechselt sie oft schon nach wenigen Sätzen immer wieder die Perspektive, was den Leser dieselbe Situation zeitweise fast gleichzeitig aus der Sicht Annas, Reikos und Renas erleben lässt. Dadurch ergibt sich für den Leser ein halbwegs erschöpfendes Bild, nicht so aber für Annas Umfeld, das nicht begreifen kann, weshalb diese so sehr am Leben verzweifelte: "My soul is tired of life." Schön fand ich persönlich auch die immer wieder eingestreuten englischen Einsprengsel von Texten und Versen, doch könnte ich mir vorstellen, dass das nicht jedem Leser Vergnügen bereitet, zumal kaum Übersetzungen zu den Textstellen angeboten werden. Insgesamt finde ich die Idee sowie die Gestaltung des Buches gelungen, die Ausführung dagegen gefällt mir teilweise nicht so sehr. Die Charaktere sind allesamt blass geblieben, niemand kam mir wirklich nahe, und letztlich ist für mich die große Kernaussage des Romans: Einsamkeit. Liebe, Gefühle, Nähe, Interesse - alles letztlich eine Illusion. Und so lässt mich das Buch eher verstört als berührt zurück.

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  • Rezension zu "Wimpern aus Gras" von Ruth Johanna Benrath

    Wimpern aus Gras

    The iron butterfly

    17. August 2011 um 19:17

    "Wimpern aus Gras" von Ruth Johanna Benrath...erzählt wird aus unterschiedlichen Perspektiven die Geschichte der zwanzigjährigen Anna, die sich immer mehr in sich zurückzieht und schließlich den Freitod sucht. Zum einen erzählt Renate, genannt Rena, Annas beste Freundin. Rena und Anna waren seit ihrer Kindheit befreundet, aber seit den Studienzeiten haben sie sich immer mehr aus den Augen verloren, letzte Kontaktversuche per Weihnachtspost von Seiten Rena wurden barsch zurückgewiesen. Im Grunde war die Freundschaft im Alltag versickert. Dann ist da der 39-jährige Reiko, Annas amerikanischer Ehemann und frischberufener Professor in der Krebsforschung. Anna und Reiko lernten sich rund ein Jahr vor Annas Tod auf der italienischen Insel Ponza kennen. Ihre Zuneigung entflammte nach einem romantischen Abend am Strand und für Reiko war spontan klar, dass Anna die Lücke an seiner Seite schließen sollte. Die Lücke, die der Tod seiner Frau Amy entstehen ließ. Nach einem weiteren Treffen in Deutschland bittet Reiko die schüchterne Anna um ihre Hand und sieht in Gedanken bereits das gemeinsame Baby im Garten auf einer Decke strampeln. Annas Blickrichtung wird mittels Tagebucheinträgen und diversen Erinnerungsfragmenten erzählt. Ihre Kindheit unter der schützenden Hand der gläubigen "Granny", die zerrüttete Ehe ihrer Eltern, ein Bruder, der kaum in Erscheinung zu treten scheint. Anna wirkt extrem introvertiert und stark verunsichert durch alles Leben um sie herum. Der frühe Tod der Großmutter trägt dazu wesentlich bei. Jugendliche Späße, wie ein oben-ohne Sonnenbad von Rena verschüchtern Anna sichtlich. Ohne Erfahrung und jegliche eigene Sehnsüchte, Anna ist noch ungeküsste Jungfrau, scheint sie sich dem erfahrenen Mann Reiko anzuvertrauen, ganz in der Hoffnung alles richtig zu machen. Aber alles kommt anders als geplant... Benrath hat sich ein für mich absolut interessantes Thema ausgesucht, konnte mich aber schlussendlich mit ihrer Umsetzung nicht wirklich überzeugen. Ihr Erzählstil, der blitzlichtartig die Perspektiven wechselt, lag mir von Anfang an nicht besonders. Genausowenig habe ich echten Zugang zu den Protagonisten gefunden. Rena wirkt nicht wirklich ergriffen vom Tod ihrer "besten Freundin", ihre Aufarbeitung scheint aufgesetzt bemüht. Reiko, der als Professor über eine dementsprechende Bildung verfügen sollte, kommt bei mir nur hormonverblendet und extrem amerikanisert an. Als Mediziner sollte er frühzeitige Warnsignale einer tiefen Depressivität erkennen und fachkundigen Rat suchen. Hier steckt für mich keine Logik in Benraths Geschichte. Anna selbst ist ein kindlich unbeholfener Charakter, der mir zwar leid tat, jedoch für ein intensives Thema, wie Depression und religiöse Psychose reichlich eindimensional und statisch bleibt. Bei allen Dreien fehlen mir die emotionalen Ebenen. Schade, ich hatte mir wirklich mehr erhofft!

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