weiter leben

von Ruth Klüger 
4,1 Sterne bei78 Bewertungen
weiter leben
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Positiv (62):
gsts avatar

Dieses Buch zeigt, wie das Leben durch Kindheit und Jugend beeinflusst wird und wie schwer es manchmal ist, diese Zeit zu verarbeiten.

Kritisch (3):
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Anfangs sehr spannend zum Schluss zog es sich jedoch ziemlich und wurde eher langweilig

Alle 78 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "weiter leben"

Mit MP3-Hörbuch, komplett gelesen von der Autorin

'weiter leben' ist kein Holocaust-Buch, das ein weiteres Mal das Grauen der KZs vor Augen bringt. Hier wird nicht das brutale Detail geschildert, sondern es werden die Auswirkungen des Erlebten auf die Entwicklung eines Menschen beschrieben und reflektiert. Erinnerung und Bewältigung zweifacher Rechtlosigkeit – als Jüdin und als Frau – sind zentrale Anliegen dieses Buches.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783835302983
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:286 Seiten
Verlag:Wallstein
Erscheinungsdatum:06.03.2008

Rezensionen und Bewertungen

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    dominonas avatar
    dominonavor 3 Jahren
    Reflektion

    Jedes Buch über das Leben in einem Konzentrationslager ist wichtig, aber dieses hier ist noch dazu anders. Die Autorin spricht hier von Kindheitserinnerungen und die unterscheiden sich stark von erwachsenen. Es lohnt sich, über das nachzudenken, was heute für uns zum Allgemeinwissen gehört, auch die eigene Haltung zu reflektieren und dieses Buch hat mir dabei geholfen.

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    gsts avatar
    gstvor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Dieses Buch zeigt, wie das Leben durch Kindheit und Jugend beeinflusst wird und wie schwer es manchmal ist, diese Zeit zu verarbeiten.
    Wie Kindheit und Jugend das Leben beeinflussen

    Ruth Klüger, 1931 in Wien als Kind von Juden geboren, lebte nie im Glauben; trotzdem wurde sie bereits als 7jährige mit dem Beginn der Naziherrschaft aus der Gemeinschaft ausgegrenzt. In diesem mehrfach preisgekrönten Buch erzählt die Autorin in verschiedenen Zeit- und Erfahrungsebenen über ihre Kindheit und Jugend, die sie zum Teil in Lagern (Theresienstadt, Ausschwitz-Birkenau und Christianstadt) verbringen musste. Mit Lyrik versuchte sie sich über Wasser zu halten und den Verlust von Bruder und Vater zu verarbeiten. Erst auf der Flucht (zusammen mit ihrer Mutter und der Nennschwester) ließ der physische Hunger nach. Doch der Hunger nach Leben blieb, denn die Erlebnisse prägten sie und ihre Einstellung zum Leben.

    Drei Stufen der Verachtung hatte sie in ihrer Jugend kennengelernt: Erst die der arischen Kinder für die jüdischen, in Theresienstadt die der tschechischen Kinder für die Deutschen und nach dem Krieg die der Männer für die Frauen. In Amerika, wo die Frau, die kaum Gelegenheit hatte, die Schulbank zu drücken, sondern von Privatlehrern nach dem Krieg als 15jährige auf ihr Notabitur in Straubing vorbereitet wurde, bekam sie später ein Professorenamt angeboten. Vorher musste sie noch erleben, wie die ihr eintätowierte KZ-Nummer Menschen aggressiv machte. Das führte auch dazu, dass sich die einst selbstbewusste junge Frau abwertete und in der Freiheit depressiv wurde: „Ich kam mir wertlos vor, sah mich durch fremde Augen, und es gab Stunden, da hatte ich das Gefühl, ich sei nicht befreit worden, sondern ich sei davon gekrochen, wie eine Wanze, wenn das Haus ausgeräuchert wird.“

    Erst relativ spät lernte sie durch Freundschaften, „sich die eigenen Lasten vom Buckel zu nehmen und sie zu verwandeln … zu Werkzeugen, mit denen man greift und begreift“. Der Mangel an Freundschaften in der Jugend erschwerte ihr als Erwachsene den Umgang mit anderen. Da sie immer mit der Mutter zusammen lebte, wurde die eifersüchtig, als sie endlich Freundinnen gefunden hatte. So wird das Buch auch zur Abrechnung mit der Mutter, die sie nicht freigeben wollte. Zum Beispiel wirft sie der Mutter vor, dass deren Sprache nicht dem Gedankenaustausch diente, sondern der Manipulation. „Ihre Sprache ist wie die Garderobe der Schauspieler, sie sucht sich aus, was gerade in ihre Rolle passt. Sie verwendet die Wörter wie Schminke.“

    Beeindruckt hat mich das Zitat: „Eine Beziehung kann man nicht aufräumen wie eine Küche, wenn die Mahlzeit beendet, das Geschirr gespült ist.“ Genauso ist es wohl nicht möglich, ein Leben aufzuräumen. Wie in diesem Buch deutlich wird, trägt jeder erlebte Lebensabschnitt zu einem Gesamtbild bei. Nichts lässt sich einfach ausradieren, jeder Mensch muss lernen, mit seinen Erlebnissen klar zu kommen. Insofern ist dieses Buch nicht nur eine Beschreibung der Judenverfolgung, sondern beinhaltet Lebensweisheiten, die auch für uns heute Lebenden, die in dieser schrecklichen Zeit noch nicht auf der Welt waren, Gültigkeit haben.


    Kommentare: 1
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    Sve-n-jas avatar
    Sve-n-javor 7 Jahren
    Rezension zu "Weiter leben" von Ruth Klüger

    Beim Lesen dieses Buches merkt man schnell, welch hohes geistiges Niveau die Autorin ihr Eigen nennen darf. Die Geschichte ist sehr anspruchsvoll geschrieben, hebt sich in ihrer Art stark von anderen Büchern zu diesem Thema ab und der scharfsinnige Verstand der Autorin macht es interessant, zuweilen aber auch anstrengend, der Geschichte zu folgen. Besonders schwierig fand ich jedoch die extremen Gedankensprünge, die die Autorin auf jeder Seite vornimmt und den permanenten Wechsel von Szenario, Zeit, Ort und Handlung. Alles in allem ist "Weiter leben" ein sehr empfehlenswertes Buch, keine leichte Kost und ein Buch, das man gelesen haben sollte, wenn man sich für diese Epoche der Geschichte interessiert.

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    Schmettalings avatar
    Schmettalingvor 7 Jahren
    Rezension zu "Weiter leben" von Ruth Klüger

    „Erst als ich selbst Kinder hatte, erkennte ich, daß es sich vertreten läßt, seine Kinder in Auschwitz selber zu töten, anstatt zu warten“ . Mit diesen nüchternen und ehrlichen Worten beschreibt die Autorin Ruth Klüger in ihrer Autobiografie „weiter leben“ ihre Erinnerungen an die Kinder- und Jugendjahre zum Zeitpunkt des Nationalsozialismus. Im Alter von acht oder wird ihr untersagt ein Kino zu besuchen oder im Park spazieren zu gehen. Ein Mädchen, das schon kurze Zeit später entwurzelt und die wichtigsten Jahre ihrer Kindheit und Jugend in den Konzentrations- und Arbeitslagern Theresienstadt, Auschwitz- Birkenau und Christianstadt (Außenlager von Groß- Rosen) verbringt muss. Neben der Belastung, die ihre Mutter darstellt, da sie sich zu einer Zwangsneurotikerin entwickelt, die von Paranoia gefährdet ist, prägen auch viele Schicksalsschläge, wie der Verlust des Vaters oder der Tod des Bruders, die junge, gebürtige Wienerin. Um die Transporte in die verschiedenen Lager und die schlechten Bedingungen, darunter Hungernot und Platzmangel ertragen zu können, verfasst Ruth zahlreiche Gedichte. Diese haben einen emotionalen Stellenwert während der Gefangenschaft und dienen ihr als Stütze, Zeitvertreib und als Verarbeitung grausamer Erlebnisse. Die Aussage „Ich würde nicht hier umkommen, ich bestimmt nicht“ zeigt den stetigen Überlebenswillen des Mädchens und lässt den Leser zu keinem Augenblick an ihrem außergewöhnlichen Mut und der Stärke zweifeln.
    Die Handlung der Geschichte ist linear angelegt und dementsprechend für den Leser gut überschaubar. Da es sich um eine Autobiografie handelt, wird das Geschehen ausschließlich aus der Perspektive der Autorin dargeboten. Diese schildert ihre persönlichen Erlebnisse und ist auf ihre unmittelbare Umwelt fixiert, dabei verwendet sie immer wieder Einschübe, um ihre Meinung und Gedanken zum späteren Zeitpunkt darzustellen. Der Leser erhält die Möglichkeit einen Einblick in die prägendsten Lebensjahre und den Entwicklungsprozess der Autorin zu bekommen. Die Darstellung ist kontinuierlich spannend und kann somit durchaus die Bereitschaft des Lesers zur weiteren Auseinandersetzung mit dem Thema wecken. Im Bezug zum Nationalsozialismus sind einige Handlungsfelder oder Situationen, wie die Darstellung des Konzentrationslagers oder die Selektionen exemplarisch für den deutschen Nationalsozialismus und allgemein bekannt. Trotzdem können viele Informationen, wie der Buchstabe A vor den Ziffern bei der Tätowierung der Häftlinge, für den Leser als neu und interessant gewertet werden. Die Distanz von Erzähler und Leser ist vor allem bei Autobiografien gering, da der Autor von sehr persönlichen und emotionalen Geschehnissen berichtet. Ruth Klüger versucht hingegen die Distanz mithilfe einer nüchternen, rationalen und sachlichen Sprache, die sich zum Teil der Fachtermini bedient, zu überbrücken. Es werden in der Lektüre oftmals Informationen über die Zusammenhänge des Nationalsozialismus vermittelt und die Konsequenzen der NS- Diktatur für das Alltagsleben verdeutlicht. Zum größten Teil erklärt und beurteilt der Erzähler das Verhalten der Figuren und die Handlung, dennoch kann der Leser seine eigene Meinung entwickeln und über die Geschehnisse reflektieren. In dieser Lektüre begeistert die Autorin Ruth Klüger den Leser nicht nur mit ihrer ergreifenden Überlebensgeschichte, sondern auch mit ihrem anspruchsvollen und wortgewandten Schreibstil. Die poetischen und gleichzeitig authentischen Worte dieser Zeitzeugin offenbaren ein großes Talent und ihre Liebe zur Literatur.

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    Huebners avatar
    Huebnervor 8 Jahren
    Rezension zu "Weiter leben" von Ruth Klüger

    Wer kennt nicht Ruth Klüger, die große Literaturwissenschaftlerin, die ein Leben in Wien begann und es in den USA fortsetzte.
    Ruth Klüger, geb. am 30.10.1931 in Wien, wird als Jüdin nach Theresienstadt, Auschwitz-Birkenau und Christianstadt deportiert und erzählt ihre erschütternden Erfahrungen und ihren Überlebenskampf so poetisch und trotzdem authentisch, dass einem das Herz beim Lesen schmerzt. "Der Tod, nicht Sex war das Geheimnis, worüber die Erwachsenen tuschelten, wovon man gern mehr gehört hätte." Eine Aussage so allumfassend und prägnant, mit der die Erinnerungen an eine Jugend beginnen, dass man das, was folgt, kaum glauben mag. Ruth Klügers Jugend ist geprägt vom Verlassenwerden und Verlassenmüssen. Sie erinnert sich an einen Charakter, der Gedichte aufsagte, einer Angewohnheit, die bei ihr "bis zur Manie gedieh" und die Gedichte aus Auschwitz mitbrachte. Rasch wird die Jugendlichen eine unabänderliche Liebe zur Literatur entwickeln und sie brauchen wie ein Stückchen Brot und doch nie satt werden. Philosophisch und unangefochten intensiv wird uns Ruth Klüger eine Zeitzeugin bleiben.

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    Shopgirlvor 9 Jahren
    Rezension zu "Weiter leben" von Ruth Klüger

    Ruth Klügers autobiographisches Buch nimmt kein Blatt vor dem Mund. Die in Wien geborene Autorin, die seit früher Kindheit den Antisemitismus, die systematische Ausgrenzung der Juden aus dem öffentlichem Leben in ihrer Heimatstadt und schließlich auch den Holocaust in ihrer eigenen Familie miterleben musste, überlebte zusammen mit ihrer Mutter selbst drei Konzentrationslager, darunter auch Auschwitz. Klüger beschreibt mit klarer und eindringlicher Sprache, wie sie bei Kriegsausbruch unter ihrer Einsamkeit in Wien litt, Theresienstadt wegen dem etwas Kontakt zu anderen Kindern schon fast als dankbar/ ja lebensrettend empfand und wie ihr die deutsche Sprache in Form von Gedichten und Versen half, die nie enden wollenden Stehapelle bei Wind und Wetter in den Lagern zu überstehen. Im Zentrum des Buches steht auch die Beziehung der Autorin zu ihrer Mutter. Eine unglückliche Verbindung, die auch Jahrzehnte später - nachzulesen in „Unterwegs verloren“ - kein glückliches Ende nah. Bei Todesmarsch gelingt die Flucht und ein Neuanfang zunächst unter anderer Identität in Bayern, dann in Amerika. Die Anfänge einer großen Literaturwissenschaftlerin...ein Buch für Jeden, der Sprache liebt und Autoren, die sensibel und bewusst ihre Umwelt wahrnehmen, kritisch hinterfragen und geradeaus ihre Meinung sagen.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 10 Jahren
    Rezension zu "weiter leben" von Ruth Klüger

    Dieser Text von Ruth Klüger über die Nazidiktatur mit all ihren Schrecken. Ich bin verunsichert, wenn ich jetzt schreibe: er hat mir gefallen. Dieses Thema! Es ist beklemmend, es macht traurig, es macht wütend, es macht ratlos...aber gefallen? Mir ging es aber so. Mir gefiel die Sprache, der Erzählrytmus, mir gefiel der trotzige Ungehorsam Gott gegenüber, der wenns drauf ankommt, nicht da ist. Ich habe eine Menge Gefühle kennengelernt, die entstanden sind in der Auseinandersetzung mit dem Holocaust, mit dem Nationalsoziallismus. Trauer die sich mit unbändiger Wut abwechselte. Fassungslosigkeit die mit Hilflosigkeit wechselte. Spröde Wut die man sich anfacht in erdachten Gesprächen mit heutigen Nazis. Man möchte sie leise fragen: Hey du, komm tue mir den Gefallen, und zähl langsam mal bis zehn, weil man die Bestätigung sucht: in dem Hirn ist einfach kein Platz für solch ein einfaches Rechenexempel. Beim Lesen dieses Buches kam ein für mich neues Gefühl, oder besser Eindruck, dazu. Ich als Mann, bin vieleicht gar nicht erwüncht als Leser oder zumindest rechnet man nicht mit mir. Das ruft nach Streit, und das schlägt Ruth Klüger ausdrücklich vor. Für mich ein neuer und unerwarteter Aspekt. Auf den Gedanken mit wem auch immer über dieses Thema zu streiten bin ich nie gekommen, wieso auch? Es geht um unmenschliche Verbrechen, bösartige Gesinnungen die Ausmaße erreicht haben, die man mit Denkstrukturen nicht rationalisieren kann. Hierzu gibt es doch nur eine Sichtweise. Nur, überlegt man eine Weile genauer, stellt man fest, dass zumindest Ansätze zu anderem Denken immer noch überall zu finden sind. Ich hoffe, dass sich alle Leser dieses Buches in Zukunft streiten werden, wann immer die Gelegenheit sich bietet und ich hoffe, dass dieses Buch zur Schullektüre gehört, am besten zur freiwilligen...

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    Julia_Schafleitners avatar
    Julia_Schafleitnervor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Anfangs sehr spannend zum Schluss zog es sich jedoch ziemlich und wurde eher langweilig
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    Pidrays avatar
    Pidray
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    alisa

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    'Über Auschwitz ist immer noch nicht alles gesagt, wenn man es so sagen kann wie Ruth Klüger - lakonisch, ohne Pathos, mit unbedingter Aufrichtigkeit, Gefühlsgenauigkeit und Schonungslosigkeit, auch gegen sich selbst.' (Sigrid Löffler, Die Zeit

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