Ruth Landshoff-Yorck

 3.5 Sterne bei 4 Bewertungen
Autor von Sixty to Go, Roman einer Tänzerin und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Ruth Landshoff-Yorck

Sixty to Go

Sixty to Go

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Erschienen am 22.09.2014
Roman einer Tänzerin

Roman einer Tänzerin

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Erschienen am 01.01.2002
Die Vielen und der Eine

Die Vielen und der Eine

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Erschienen am 01.08.2001
In den Tiefen der Hölle

In den Tiefen der Hölle

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Erschienen am 15.09.2010
Das Mädchen mit wenig PS

Das Mädchen mit wenig PS

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Erschienen am 19.08.2015
Die Schatzsucher von Venedig

Die Schatzsucher von Venedig

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Erschienen am 01.08.2004

Neue Rezensionen zu Ruth Landshoff-Yorck

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Rezension zu "Sixty to Go" von Ruth Landshoff-Yorck

Sixty to go
rallusvor 2 Monaten

10. Juli 1940. Ganz Frankreich ist besetzt? Nein, das Vichy Regime löst nach dem Waffenstillstand mit dem Deutschen Reich die Dritte Französische Republik ab. Es herrscht eine verräterische Ruhe in Frankreich. Die provisorische französische Regierung ist nur auf dem Papier souverän, die nach Frankreich geflüchteten Juden müssen sich nach einer neuen Bleibe umschauen. Besonders in den Küstenregionen blüht der Menschenschmuggel. Überfahrten nach Amerika, dem verheißenen Land, sind begehrt. Die Cote d’Azur ist ein Sammelsurium von Geheimagenten, Spitzeln und Menschen die sich die Notlage der Flüchtenden zu Nutze machen. Es gibt auch Gruppen, die selbstlos handeln und versuchen Lücken in der Nazi-Überwachung zu finden.

Dies ist die Geschichte einer losen Gruppe, die um Nizza agiert. Noch sechzig sind zu schaffen, Sixty to go um die Flasche feinsten Brandy zu leeren. Sechzig Menschen in Sicherheit zu bringen. Die Arbeit ist schwer, die Widerstände sind deren viele, ein Scheinleben ist aufrecht zu erhalten, Kontakte zu knüpfen – und ja nicht auffallen. Den Intriganten, den Kollaborateuren, den Nazi-Häschern. Das Anfang der 40er Jahre geschriebene Buch von Ruth Landshoff-Yorck, das 1944 im Exil der Autorin in Amerika herausgegeben wurde, liegt hier erstmals in einer deutschen Übersetzung vor. Es ist insofern beeindruckend, da zu der Zeit, als das Buch entstand, ein Ende des Krieges noch nicht in Sicht war.

„Es war einmal eine Zeit, da war die halbe Welt verrückt geworden. Da gab es einen Verrückten, der zu großer Macht gelangte, während seine Zeitgenossen wegsahen. Ach, es war nicht so wichtig. Es dauerte nur ein paar Jahre. Und danach war alles besser als zuvor. In beiden Teilen der geretteten Welt hatten die Menschen wieder gelernt, dass man aufpassen muss, was der Nächste tut. Man muss auf seinen Nachbarn achten, denn Verantwortlichkeit ist nicht teilbar. Sie muss von allen getragen werden.“

Und dieser Verantwortung nehmen sich die Widerstandskämpfer um Johannes Tarner und der Comtesse de Roseraye an. Es ist eine Gruppe, die aus Menschen verschiedener Nationalitäten und sozialer Klassen besteht. Einen Anführer haben sie nicht, das gemeinsame Ziel schweißt sie zusammen. In diesem Untergrundkampf geht es um ein großes Ziel, das so manches Mal Opfer fordert. Doch was ist das Schicksal eines Einzelnen in diesem Kontext?

„Seine Augen gingen umher. Rechts ein Zug und links auch, ein paar Leute und kein Entkommen. Die beiden Männer in Zivil behielten die Papiere. Das wäre vielleicht der Zeitpunkt gewesen, den einen zu treten und den anderen zu schlagen. Aber man beherrschte sich. Man verhielt sich logisch. Man hatte eine Aufgabe zu erfüllen, und die war größer als die Rettung eines einzelnen Mannes.“

So ganz im Untergrund handeln die Antifa-Kämpfer um Tarner nicht. Geld ist zu besorgen, auch durch normale Arbeit. Kontakte zu höheren Stellen und zu einfachen Polizisten sind zu knüpfen, Bestechungsgelder zu verteilen und ja nicht zu sehr in den Vordergrund kommen.. Doch auch das Lachen soll ihnen nicht nur im Halse steckenbleiben und so gibt es auch Tänze und durchzechte Nächte.

„Und der alte Onkel tanzte ganz ausgezeichnet und führte sich auf wie ein junger Mann. Er küsste Darlings schöne Ohren, nachdem er ihr etwas zugeflüstert hatte, das sie erröten ließ. Dann tanzte Tarner mit Esther und sie sagte: ‚Es scheint alles so unwirklich, nicht wahr? Das Leben ist nicht ernst, oder?'“

Die Autorin versteht es gekonnt, die damalige Zeit und die Atmosphäre einzufangen, obwohl sie schon 1937 nach Amerika auswanderte und somit die Verhältnisse gar nicht aus eigenem Erleben kannte. Geschrieben ist das Buch im typischen 30er Jahre Steno-Stil, der aber meinen Genuss nicht schmälerte, nachdem ich mich an den Schreibstil gewöhnt hatte. In die Handlung flicht die Autorin auch viele historische Figuren ein, die den Roman noch näher an die Vergangenheit heranbringt. Die Figur des Amerikaners Bills ist sicherlich auch der Tatsache geschuldet, dass der Roman in Amerika zuerst erschien. Amerika verhielt sich unerträglich lange neutral und so ist auch Bill angelegt, der zwar den Widerstandskämpfern hilft, bei politischen Fragen auch gegen die Nazis eintritt, aber ansonsten eine eher undifferenzierte Haltung an den Tag legt. Die Atmosphäre der Geschichte wird noch mit vielen Originalfotos der beschriebenen Szenarien untermalt. Ein wunderschönes Buch als Zeitzeuge, im Aviva Verlag aus Berlin erschienen, der es sich mit seinem Katalog zur Aufgabe gemacht hat, gegen das Vergessen einzutreten.

Komplettiert wird das Buch durch einen Anhang, der verwendete Begriffe im Buch erklärt und einem fundierten geschichtlichen Nachwort von Doris Hermanns, die Hintergründe der Geschichte und der Autorin beleuchtet.

„Dies war eine wunderbare Geschichte, darüber waren sich alle einig. Sie wussten genau, dass Begebenheiten wie diese die Nazis nicht zur Strecke bringen würden. Bei weitem nicht. Aber sie halfen, die Moral bei Hitlers gefährlichsten Feinden aufrechtzuerhalten, den Menschen ohne Waffen.“

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Beusts avatar

Rezension zu "Sixty to Go" von Ruth Landshoff-Yorck

Mischung aus Seghers "Transit" und Greenes "Der dritte Mann"
Beustvor 2 Jahren

Der Roman spielt 1941 an der Riviera des Vichy-Regimes. „Sixty to Go“ sind die 60 Flüchtlinge, die der plötzlich aufgetauchte Amerikaner Bill versprochen hat, über die französisch-spanische Grenze zu bringen. Damit wird er Teil der Fluchthelfer-Clique um die Comtesse de Roseraye, genannt „Darling“, und den taffen Österreicher Jo Tarner, die in Nizza/Marseille der Gestapo und der kollaborierenden französischen Geheimpolizei ein Schnippchen schlagen.

Mit Bills Auftauchen - er ist auf der Flucht - verstärkt sich die Bande einerseits, andererseits gerät die Sache mit seinen Eskapaden außer Kontrolle. Der sinistere Tausendsassa ist kaum zu fassen: Was will er? Woher kommt er? Wohin geht er? Was kann er? ist er wirklich Trapezkünstler? Mit Bill ist Landshoff-Yorck eine ähnlich aufreizende Figur gelungen wie Graham Greene mit Harry Lime in „Der dritte Mann“. Die Stimmung an der Riviera fühlt sich an wie eine Mischung aus eben dem „dritten Mann“ und Anna Seghers „Transit“. Die Verhaftung Frantiseks, die Auftritte vorgeblicher Verbündeter aufseiten der Geheimpolizei, die Konfrontation mit goldbetressten Nazischergen erzeugen eine Spannung, die nur Bill mit seinen tollkühnen, unbekümmerten Aktione durchbrechen kann.

Was den Roman aber besonders lesenswert macht, ist sein Erscheinungsjahr: 1944. Hier wird eine Geschichte unmittelbar aus dem zeitgenössischen Kontext heraus erzählt, die noch nichts von den Vernichtungslagern weiß und die das Kriegsende noch nicht kennt. „Sixty to Go“ beschert ein Leseerlebnis wie Irène Némirovskys „Suite Française“, die ebenfalls das Ende noch nicht kannte.

Als den Handlungsfluss etwas störend empfand ich den Erzählstil, der etwas Episodenhaftes, Aufgereihtes hat. Dennoch: lesen!

 

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