Ruth Ozeki

 4.1 Sterne bei 24 Bewertungen

Lebenslauf von Ruth Ozeki

Ruth Ozeki ist eine sehr vielfältige Frau. Neben ihrer Arbeit als Autorin, ist sie auch als Filmemacherin und Zen-Priesterin tätig. 1956 kam sie in Connecticut zur Welt, als Tochter eines Amerikaners und einer Japanerin. Heute lebt Ruth Ozeki in New York und auf einer kanadischen Insel. In ihrem herzzerreißenden Roman „Geschichte für einen Augenblick“ erzählt sie die Geschichte von Nao und Ruth: Nao, ein japanisches Mädchen, das in seinem Tagebuch von seinem Leben, seinen Sorgen und seiner Urgroßmutter erzählt und Ruth, die das Tagebuch am Strand findet und dem Geheimnis Naos auf den Grund geht.

Alle Bücher von Ruth Ozeki

Ruth OzekiGeschichte für einen Augenblick
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Geschichte für einen Augenblick
Geschichte für einen Augenblick
 (20)
Erschienen am 27.03.2014
Ruth OzekiA Tale for the Time Being by Ruth Ozeki (2013) Paperback
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
A Tale for the Time Being by Ruth Ozeki (2013) Paperback
Ruth OzekiA Tale for the Time Being
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
A Tale for the Time Being
A Tale for the Time Being
 (1)
Erschienen am 01.03.2013
Ruth OzekiMy Year of Meats
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
My Year of Meats
My Year of Meats
 (0)
Erschienen am 01.08.2013
Ruth OzekiAll Over Creation
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
All Over Creation
All Over Creation
 (0)
Erschienen am 01.08.2013
Ruth OzekiW poszukiwaniu istoty czasu
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
W poszukiwaniu istoty czasu
W poszukiwaniu istoty czasu
 (0)
Erschienen am 01.01.2014

Neue Rezensionen zu Ruth Ozeki

Neu
Nespavanjes avatar

Rezension zu "Geschichte für einen Augenblick" von Ruth Ozeki

Japanische Gegenwartsliteratur per excellence
Nespavanjevor 3 Jahren

„Geschichte für einen Augenblick“ ist wohl einer dieser Romane, die mir lange nach dem Lesen, noch in meinen Gedanken herum gespukt sind und die es mir nicht gerade einfach machen, eine anständige Rezension zu schreiben ohne zu viel zu erzählen, gerade wenn ein Buch so von der Sprache und den Details lebt, wie es eben diesem der Fall ist. Erzählt wird die ganze Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln und Ruth wäre dann auch eine der zentralen Figuren. Sie lebt mit ihrem Mann Oliver und ihrem Kater Schrödinger auf einer Pazifikinsel, und versucht ein Buchprojekt über die Memoiren ihrer Mutter, die an Alzheimer verstorben ist, zu Ende zu bringen. Geschichte für einen Augenblick, der auf der Shortlist des Man Booker Prize 2013 stand und der erste ist, der von Ruth Ozeki in deutscher Sprache erschienen ist, beginnt mit einer anderen Frauenfigur: Nao, die eigentlich Naoko heißt und ein sechzehnjähriges Mädchen ist, das sich in Japan nicht sehr wohl fühlt. In der Schule wird sie entweder ignoriert, oder bis auf das Äußereste gedemütigt und gemobbt. Den einzigen Halt findet sie bei ihrer hundertvierjährigen buddhistischen Urgroßmutter, die trotz ihres unglaublich hohen Alters einen Computer bedienen kann und mit ihrer Urenkelin auch mal per SMS in Kontakt tritt. Ruth weiß nur deswegen von Naoko, weil sie bei einem Spaziergang am Strand, ihr wasserdichtverpacktes Tagebuch findet, dass höchstwahrscheinlich während des Tsunamis ins Meer gefallen und nun an die kanadische Insel, auf der Ruth wohnt, gespült worden ist.

In einem Interview des S. Fischer Verlages sprach die talentierte Schriftstellerin über ihre erste Fassung des Romans und darüber, wie sie sich selbst in diesen Roman eingeschrieben hatte. Der Vorschlag kam von ihrem Mann Oliver der meinte, dass sie unmittelbar auf die Katastrophe in Fukushima reagieren könnte und den Rahmen des Romans dadurch aufbrechen und der Realität mehr Raum geben würde. Das ist ihr auch sehr gut gelungen und auf diese Weise wurde Rutz Ozeki ein ganz eigener Teil des Romans und schließlich hat auch Oliver, genauso wie ein wenig Surrealismus, einen Platz in „Geschichte für einen Augenblick“ erlangt. Als Naoko im ersten Kapitel gleich darüber schreibt, dass sie ihre Tagebucheinträge aus einem bestimmten Grund vor ihrem Tod macht, wurde in mir die Befürchtung wach, dass diese Geschichte vielleicht nicht gut ausgehen könnte. Tatsächlich hat der Tod in dieser Geschichte viele Gesichter und dennoch bleibt die Erzählung leichtfüßig, was sich aber gegen Mitte und Ende des Romans verändert und einer Bedeutungsschwangeren Atmosphäre Platz macht. Wenn man die Erzählweise und den Stil bedenkt, die vielen Anekdoten und Querverweise, könnte man sehr wohl sagen, dass dieser Roman sehr wohl anspruchsvoll ist. Geht man aber mit Geduld an das Lesen heran, entfaltet sich meiner Meinung nach ein großer Teil der japanischen Seele. Belletristisch gesehen, habe ich bisher nur eine sehr karge und einseitige Sicht auf die japanische Gegenwartsliteratur, aber spätestens mit Ruth Ozeki hat sich das verändert und sie bekommt in meinem Bücherregal, neben Haruki Murakami einen Ehrenplatz und wird wahrscheinlich nicht die Letze sein die bei mir Einzug hält.

Kommentieren0
11
Teilen
Buchstabenliebhaberins avatar

Rezension zu "Geschichte für einen Augenblick" von Ruth Ozeki

ein japanischer Teenager, Mobbing, Selbstmorde, Tsunamis, Fukushima und Zen!
Buchstabenliebhaberinvor 4 Jahren

Was für eine Geschichte! Bin immer noch völlig begeistert von dem Gedanken, dass Leserin und Romanheldin in Beziehung zu einander treten. und sich gegenseitig berühren. verändern. die ältere Schriftstellerin und der mobbing-geplagte japanische Teenager, Plastikmüll der sich als Tagebuch vom anderen Ende der Welt entpuppt, Quantenphysik, Schrödingers Katze, Wölfe, Prostitution und Gewissensbisse, was für ein buntes Potpourri!

liebevolle skurille Gestalten - ich liebe den Ehemann der Protagonistin und den Kater Pesto. Nao und ihre Oma sowieso! Ich hätte noch endlos von den beiden weiterlesen können. Ruth blieb für mich ein wenig auf Distanz, aber da konnte ich sie gut stehen lassen, genauso wie die dauerarbeitende Mutter von Nao. Vielleicht macht das auch den Zauber des Buches aus, dass jeder sich seine Lieblingsgestalten aussuchen kann? 

Ich fand das Buch bis fast zur letzten Seite spannend, auch wenn ich auf die Mystik am Schluss hätte verzichten können. Stört mich aber nicht weiter, dafür wurde ich mit einer Wendung überrascht, die mir sehr gut gefallen hat. Ich hab mit Ruth und Nao mitgefühlt, als ob auch ich Teil der Geschichte geworden wäre...

Für wen sich das Buch wohl eignet? Für alle Menschen, die sich für Zen-Buddhismus interessieren, die einen Einblick in den japanischen Alltag der heutigen Zeit gewinnen wollen, die sich für entwurzelte Teenager, die in Amerika großwerden und dann nach Japan ziehen (müssen), interessieren. Vom erfolgreichen amerikanischen Traum zum armseligen japanischen Alptraum - eine traurige Geschichte voller Herz und Weisheit, die anders ausgehen als erwartet... (mehr verrate ich nicht!)

Kommentieren0
34
Teilen
Alexandra_vom_Buecherkaffees avatar

Rezension zu "Geschichte für einen Augenblick" von Ruth Ozeki

Ein Buch, dass noch lange nachhallt, eine wahre Perle!
Alexandra_vom_Buecherkaffeevor 4 Jahren

Meine Gedanken zu dem Buch:

Ich muss gestehen, dass die Covergestaltung dieses Romans mich im ersten Moment nicht so recht angesprochen hat und ich dadurch dieses grandiose Werk beinahe "übersehen" hätte. Aber ich wurde von mehreren Buchliebhabern, deren Meinung mir sehr wichtig ist, darauf aufmerksam gemacht und so wurde ich richtig neugierig. Zum Glück, kann ich da nur sagen, denn jetzt weiß ich: ich hätte eine wahre Buchperle verpasst! Hieran sieht man wieder einmal, wie wichtig die Kommunikation von Buchmenschen untereinander ist.
Und so habe ich das Lesen begonnen und war schon nach wenigen Seiten vollkommen überzeugt. Ich wollte mehr! Und ich habe mir für dieses 559 Seiten dicke Werk ausgiebig Zeit gelassen und jede Seite genossen.

"Ich greife durch die Zeit und berühre dich ... Du greifst zurück und berührst mich." ~ Zitat Seite 54

Die Halbjapanerin Ruth Ozeki greift in ihrem Werk viele Themen auf und verarbeitet sie geschickt. Zen-Philosophie, japanische Kultur und Alltag, Mobbing, Arm-Reich-Konflikt, Zweiter Weltkrieg bis hin zu aktuellen brisanten Themen wie Klimawandel durch Umweltverschmutzung (Müllkrise im Pazifik) und Fukushima samt der verheerenden Tsunami-Katastrophe.

"Ist die Halbwertszeit von Informationen mit dem Zerfall unserer Aufmerksamkeit verknüpft? Ist das Internet eine Art zeitlicher Wirbel, der Geschichten in seine Umlaufbahn zieht wie Trift? Was ist sein Wirbelgedächtnis? Wie misst man die Halbwertszeit seiner Trift?" ~ Seite 155

So breit gefächerte Themen - da denkt man erst einmal: wie kann das alles angemessen verarbeitet werden? Man kann! Besser gesagt: Frau Ozeki kann! Und dies ist ihr auf so eindringliche, intensive Weise gelungen, dass es mich fast sprachlos gemacht hat. In der Tat suche ich schon eine ganze Weile nach den richtigen Worten, um dieses Buch zu umschreiben / beschreiben und dabei dem Werk auch gerecht zu werden. Und so habe geschrieben - wieder gelöscht und das Ganze noch einmal von vorne begonnen. Nur um dann erneut zu löschen... Und zuletzt bin ich soweit, dass ich über den Inhalt gar nicht mehr sagen möchte, als tatsächlich in der Kurzbeschreibung steht. Denn einmal begonnen, kann man sich einfach schlichtweg nicht kurz fassen. Zu viel Gedanken, zu viele wirbelnde Emotionen, die ich so gerne  mitteilen möchte - und mit denen ich doch zuletzt so viel verraten würde, euch vielleicht sogar um diese wunderbare Magie berauben würde, die von mit Besitz ergriffen hat während des Lesens.

Ozeki weiß ihre Leser definitiv in ihren Bann zu ziehen. Ihr Schreibstil ist so einvernehmend und fesselnd - und nach wenigen Seiten fühlt man sich selbst beinahe in diesem Strudel, dem Trift, den sie so ausführlich beschreibt. Ihre Charaktere sind stark und voller individueller Persönlichkeit und ich fühlte mich ihnen die ganze Zeit über sehr, sehr nah und ja, ich fühlte mich mittendrin - ich litt und kämpfte mit Naoko Yasutani, kurz Nao, dachte viel über sie nach und genoss besonders die Zeit, als sie ihre Sommerferien im Tempel ihrer Uroma Jiko in Miyagi verbringt. Diese Ruhe ging direkt auf mich über, so kam es mir vor.
 Nao's Art zu erzählen - die zynisch-ernsthafte und doch unterhaltsame Art, wie sie ihr Tagebuch führt - faszinierte mich ungemein. Sie verwendet auch viele japanische Wörter, die in Fußnoten erklärt werden. Die ganze Zeit kam es mir so vor, als spricht sie mich direkt an, als sitzt sie mir gegenüber und erzählt mir ihre Geschichte persönlich.Ich kam mir fast vor, als hätte ich ihr Tagebuch selbst gefunden!
Die gelungene Verknüpfung unterschiedlicher Erzählebenen, der ständige Wechsel zwischen Naos und Ruths Welt, fordert ganze Aufmerksamkeit und die Geschehnisse regen zum Nachdenken und Mitdenken an. Nach dem lesen dieses Werkes habe ich mich dann auch noch einmal eingehender mit der Cover-Gestaltung befasst - und kann nun mein eigenes anfängliches Zögern nicht mehr nachvollziehen. Wenn man die Geschichte kennt, dann ist es ... einfach völlig stimmig!

"Also, was soll ich machen? Ich kann doch gegen Dads psychologische Probleme nichts tun oder gegen die Dot-Com-Blase oder die miese japanische Wirtschaft oder dass mich meine sogenannte beste Freundin in Amerika im Stich gelassen hat oder dass ich in der Schule gemobbt werde oder gegen Terrorismus oder Krieg oder die Erderwärmung oder das Artensterben, oder?" ~ Seite 229

Kurz & gut - mein persönliches Fazit

Ozekis "Geschichte für einen Augenblick" inspirierte und berührte mich tief. Jede Seite wurde zu einem kostbaren Augenblick für mich. Ein Buch, dass noch lange nachhallt und definitiv noch ein weiteres Mal gelesen wird. Eine wahre Buchperle, die ich in meinem Regal nicht mehr Meine absolute und ganz klare Leseempfehlung!

"Du musst ein bisschen verrückt sein. Verrückt sein ist der Preis, den du für deine Vorstellungsgabe bezahlst. " ~ Seite 423


© Rezension: 2014, Alexandra
buecherkaffee.de

Kommentieren0
8
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 64 Bibliotheken

auf 21 Wunschlisten

von 1 Lesern aktuell gelesen

von 1 Lesern gefolgt

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks