Ryan David Jahn Ein Akt der Gewalt

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Inhaltsangabe zu „Ein Akt der Gewalt“ von Ryan David Jahn

Brutal, schockierend, berührend – ein literarisches Meisterwerk Es ist vier Uhr früh, als sich Katrina Marino auf den Heimweg macht. Die Straßen sind menschenleer, trotzdem hat Katrina das Gefühl, beobachtet zu werden. Als sie sich wenig später ihrer Haustür nähert, nimmt sie aus dem Augenwinkel eine Gestalt wahr. Noch bevor sie reagieren kann, ist der Angreifer über ihr und sticht mit einem Messer auf sie ein. Katrina fängt an zu schreien. Katrinas Nachbarn hören ihre Schreie. Alle schauen aus ihren Fenstern, doch wer unternimmt etwas? Auf dem Heimweg von der Arbeit wird Katrina Marino in den frühen Morgenstunden Opfer eines brutalen Überfalls. Der Angriff findet direkt vor ihrer Haustür statt – und unter den Augen ihrer Nachbarn, die fast ausnahmslos untätig bleiben. Jeder hat mit seinem eigenen kleinen Drama zu kämpfen. Der 19-jährige Patrick etwa, der zur Armee eingezogen werden soll, aber für seine kranke Mutter sorgen muss. Oder Diane, die sich mit ihrem Ehemann streitet, weil dieser sie betrügt. Sie hören Katrinas Schreie und sehen, dass vor ihrer Haustür etwas Schreckliches passiert. Katrina spürt die Betrachter und ihre Blicke und hofft auf Hilfe. Und sie kämpft gegen den Tod. „Ein Akt der Gewalt” basiert auf einer wahren Geschichte, dem Mord an Kitty Genovese, der 1964 weltweit für Schlagzeilen sorgte und dessen Umstände später unter dem Begriff Bystander-Effekt in die Kriminalgeschichte eingingen.

Sehr heftig zu lesen, beschäftigt mich noch länger, aber viel Wahres dran, leider...

— lenisvea
lenisvea

Ein echtes Verbrechen als Basis für eine Sozialstudie. Ambitioniert, aber durchaus geglückt.

— Gulan
Gulan

Weniger ein Thriller, mehr eine Art Gesellschaftsstudie, die mich schwer ins Grübeln gebracht hat. Absolute Leseempfehlung!

— AmiLee
AmiLee

Ein brutales Buch mit sehr deutlicher Sprache. Spannend und sehr knapp geschrieben.

— buchhase
buchhase

Ein sehr gut geschriebenes Buch, das mir in seiner Eindringlichkeit keine ruhige Minute gelassen hat.

— Tammy1982
Tammy1982

Schonungslos und brutal, leider aber nicht fesselnd

— Callso
Callso

Fesselt sehr! Hatte einen richtigen Kloß im Hals...

— Miringa_83
Miringa_83

Der abgejackte, telegrammartige Schreibstil spricht mich nicht an.

— sabisteb
sabisteb

Ein - bis jetzt - sehr hilfloses Portrait eines Mordes, das den Leser nicht loslässt. Mir ist das Gefühl des nichts-tun-Könnens immer auf der Spur...

— Ein LovelyBooks-Nutzer
Ein LovelyBooks-Nutzer

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    Ein Akt der Gewalt
    Gulan

    Gulan

    26. July 2016 um 17:55

    Sie sieht sich auf dem Hof um. Er ist ungefähr zehn Meter breit, fünfzehn Meter lang und vollständig betoniert bis auf einen runden Blumengarten in der Mitte und halbkreisförmige Blumenbeete an den Kanten, wo der Beton an die vier Gebäude grenzt, die den Apartmentkomplex bilden. Vier Bänke rahmen den Blumengarten in der Mitte ein. Die Gebäude sind fünf Stockwerke hoch. Kat hat keine Ahnung, wie viele Wohnungen sich in dem Komplex befinden, aber sie weiß, dass ungefähr die Hälfte von ihnen Ausblick auf den Hof haben, und sie sieht, dass hinter einigen Fenstern Licht brennt. So viel Licht in so vielen Wohnungen hat sie noch nie brennen sehen, wenn sie von der Arbeit nach Hause kam. In mindestens einem Dutzend der Wohnzimmer brennt Licht. Es sind bestimmt dreißig oder mehr Menschen, die hinter erleuchteten oder dunklen Fenstern stehen. Sie erkennt Gesichter, die zu ihr hinunterblicken. Bei einigen kann sie das Weiß der Augäpfel sehen. „Hilfe“, sagt sie. „So hilf mir doch jemand.“ (S. 89) Katrina Marino kommt mitten in der Nacht von ihrem Job nach Hause. Sie wohnt im Erdgeschoss eines Apartmentkomplexes in New York. Im Innenhof, direkt vor ihrer Haustür, wird sie von einem Unbekannten überfallen und niedergestochen. Trotz der späten Stunde sind noch viele ihrer Nachbarn wach. Das Verbrechen bleibt nicht ungehört, doch das Unfassbare geschieht: Niemand kommt Katrina zur Hilfe. Ryan David Jahn benutzt für seinen Debütroman aus dem Jahr 2009 als Basis eine wahre Begebenheit: Den Mordfall Kitty Genovese, einen der wohl berühmtesten Kriminalfälle. Am 13.03.1964 wurde die 28 Jahre alte Barmanagerin nachts in der Nähe ihrer Wohnung in einem Apartmentkomplex in New Yorker Stadtteil Queens von ihrem Mörder Winston Moseley niedergestochen und vergewaltigt. Moseley wurde zwischendurch gestört und flüchtete, kehrte aber nach einigen Minuten zurück und vollendete seine Tat. Insgesamt dauerte das Verbrechen mehr als eine halbe Stunde. Kitty Genovese lebte noch bei Eintreffen des Krankenwagens, verstarb aber auf dem Weg ins Krankenhaus. Warum der Fall weltweite Berühmtheit erlangte, ist die Tatsache, dass mindestens 38 Personen Teile des Verbrechens wahrgenommen hatten, aber niemand eingriff. Auch die Polizei wurde erst nach 35 Minuten gerufen. Eine große Diskussion über mangelnde Zivilcourage und Gefühlskälte brach in Amerika los, nachdem die New York Times mit der Schlagzeile aufwartete: „Thirty-eight who saw murder didn't call the police“. Durch den Fall Genovese wurden psychologische Studien angeregt, die sich intensiv mit dem Zuschauer- oder Bystandereffekt beschäftigten, der besagt, dass einzelne Augenzeugen eines Unfalls oder Verbrechens mit geringerer Wahrscheinlichkeit helfend eingreifen, wenn weitere Personen ebenfalls dabei stehen. Das Buch umfasst etwa zwei Stunden erzählte Zeit und wird multiperspektivisch im Präsens erzählt. Zunächst begleitet der Leser Katrina Marino durch den ersten Kapitel bis zur ersten Attacke. Doch dann wechselt Jahn zu mehreren verschiedenen Personen, die mit diesem Verbrechen in Berührung kommen werden. Darunter sind ein korrupter Polizist, ein Nachbar, der bei Katrinas Eintreffen den Parkplatz verlässt und sie knapp zwei Stunden später finden wird, ein Rettungssanitäter, der Mörder, aber vor allem eine ganze Reihe von Nachbarn. Sie alle bekommen etwas vom Geschehen mit, aber unternehmen nichts, zum einen überblicken sie die Tragweite des Verbrechens nicht, zum anderen gehen sie davon aus, dass ein anderer Hilfe verständigt, einige sind auch einfach zu sehr mit sich selbst beschäftigt. So betreibt Jahn über seine Figuren eine Art Gesellschaftsstudie eines Amerika in den 1960ern: Korrupte Polizei, Rassismus, Homosexualität, selbstbestimmtes Sterben, Ehebruch, Kindesmissbrauch. Die Themen werden teilweise nur kurz angeschnitten und können so ihre Wucht nur bedingt entfachen. Obwohl gut gemacht, fand es irgendwie zu viel. Die stärksten Momente hat „Ein Akt der Gewalt“ für mich sowieso bei den Kapiteln mit Katrina. Vor allem da man weiß, dass der Autor hier einen wahren Fall aufgreift. Das Martyrium der jungen Frau, die allein in ihrem Blut liegt und um Hilfe fleht, die leben will und noch schwerverletzt durchhält bis der Krankenwagen eintrifft, um dann doch vorm Eintreffen im Krankenhaus zu versterben – diese Tragik kann der Autor überzeugend transportieren und lässt den Leser durchaus erschüttert zurück.

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    • 11
  • Wenn alle Thriller so sind, werde ich noch zum Fan!

    Ein Akt der Gewalt
    AmiLee

    AmiLee

    04. March 2016 um 18:33

    Weniger ein Thriller als eine Art Gesellschaftsstudie; inspiriert von dem Mord an Kitty Genovese, der Psychologen dazu veranlasst hat, dass "Nichteingreifen von Zeugen" wissenschaftlich zu untersuchen. Der sogenannte "Bystander-Effekt" - zu deutsch "Zuschauereffekt" - ist ja leider auch heute noch zu beobachten und so sorgte das Buch bei mir dafür, dass ich mir oft die Frage stellen musste, was ich selbst in so einer Situation tun würde. Würde ich überhaupt erkennen, dass die Person in Gefahr schwebt? Und wenn ja, würde ich eingreifen? Würde ich die Polizei rufen oder mich darauf verlassen, dass sich einer der anderen Zeugen darum kümmert? Auf jeden Fall ein sehr spannendes Thema, das mich schwer ins Grübeln gebracht hat. Zumal es der Autor dem Leser nicht leicht macht die "Zeugen", mit all ihren verkorksten Leben und tragischen Schicksalen, zu verurteilen. Mir ist es selbst ein paar Mal passiert, dass ich am eigentlichen Thema der Geschichte vorbeigedacht habe, eben weil einige Einzelschicksale unglaublich packend und bewegend erzählt sind. Der Autor hat das wirklich unglaublich clever umgesetzt. Es ist doch so, dass die meisten von uns so sehr mit ihren eigenen Leben beschäftigt sind, dass wir um uns herum kaum noch etwas wahrnehmen. Man wird irgendwie vom Alltag verschluckt, das erlebe ich leider auch bei mir selbst viel zu oft. "Ein Akt der Gewalt" ist jedenfalls ein Buch was mich, trotz des düsteren Themas, sehr begeistert hat: brutal, direkt, interessant und bedrückend, mit einem tollen Schreibstil der schon fast etwas poetisches hat. Wenn alle Thriller so sind, werde ich noch zum Fan! - http://kopfvordemherzen.blogspot.de/ -

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  • Erschütternd

    Ein Akt der Gewalt
    Tammy1982

    Tammy1982

    14. September 2015 um 16:29

    Katrina Marino macht sich nach einer langen Nacht in der Bar, in der sie arbeitet, auf den Weg nach Hause. Sie freut sich nur noch auf ihre Badewanne und ihr Bett. Kurz vor ihrer Haustür tritt ein Mann aus dem Schatten und fängt an auf sie einzustechen. Sie befinden sich im Innenhof von einem Appartmentblock, viele Nachbarn stehen am Fenster und sehen hinaus. Sie sehen sie und den Angreifer, aber wird jemand eingreifen und helfen? Das Buch schildert jeweils in der dritten Person aus verschiedenen Perspektiven die wenigen Stunden von ca. 4 Uhr Früh, bis kurz vor 6 Uhr. So erlebt man als Leser den Schrecken, den Katrina durchlebt mit und erfährt auch gleichzeitig, was die Nachbarn denken oder tun und wieso die Situation sich in so einen Alptraum verwandeln kann. Sogar dem Angreifer kann man als Leser kapitelweise über die Schulter gucken und erfährt somit hautnah welche Gründe ihn dazu bringen diese schreckliche Tat zu verüben. Alle Charaktere sind dabei ziemlich intensiv beschrieben und der Autor schafft es mit wenigen Sätzen dem Leser die jeweilige Figur gut vor Augen zu führen. Ich hatte jedes Mal ziemlich schnell ein Bild von der Person und ihren Motiven und Ängsten vor Augen. Durch die wechselnden Perspektiven und dem Hoffen als Leser, dass die Nacht vielleicht für Katrina doch nicht so schlimm endet, entwickelt das Buch einen unglaublichen Sog und ich hatte es innerhalb kürzester Zeit ausgelesen. Auch wenn es mich zutiefst erschüttert hat und ich oft gar nicht mehr wissen wollte, wie es ausgeht, konnte ich doch nicht aufhören zu lesen. Das Buch ist erschütternd, erschreckend und beschreibt einen für mich absoluten Alptraum, von dem ich hoffe ihn nie selber erleben zu müssen. Ich fragte mich die ganze Zeit, warum keiner eingreift, warum alle sich abwenden, aber die Antwort darauf wird so weit möglich gegeben. Trotz allem blieb bei mir die absolute Fassungslosigkeit zurück, das so etwas wirklich passieren kann. Tragisch ist dabei, dass das Buch wohl auf einer wahren Begebenheit aus dem Jahr 1963 basiert, die sich tatsächlich so zugetragen hat. Alles in allem beschreibt das Buch einen absoluten Alptraum, streift dabei auch noch Ungerechtigkeiten und Rassismus und hat mich zutiefst erschüttert und berührt. Ein sehr gut geschriebenes Buch, das mir in seiner Eindringlichkeit keine ruhige Minute gelassen hat. Definitiv kein leichter Stoff und man kann nur hoffen, dass so ein Fall nicht nochmal passiert. Für mich ein absoluter Buchtipp.

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  • Rezension zu "Ein Akt der Gewalt" von Ryan David Jahn

    Ein Akt der Gewalt
    RudeLady

    RudeLady

    Wenn ich dieses Buch in ein Genre einordnen sollte, würde mir das vermutlich sehr schwer fallen. Der Klappentext suggeriert, dass es sich um einen Thriller handelt. Aber eigentlich ist dieses Buch viel mehr. Es geht vor allem um eine junge Frau – von allen Kat genannt – die nachts um vier Uhr von ihrem Job in einer Bar nach Hause kommt und im Hof des Gebäudekomplexes, in dem sie wohnt, niedergestochen wird. Jedoch ist dies nur der rote Faden, der alle anderen Handlungen miteinander verstrickt. Denn es geht vor allem darum, dass viele der Bewohner des Komplexes die Tat mit ansehen, aber niemand tut etwas. „Jemand wird schon die Polizei gerufen haben. Wir wollen ja die Leitung nicht überlasten.“ Jeder schiebt die Verantwortung auf den nächsten und wie fatal dieser Satz ist, wird klar, nachdem zwei Stunden später immer noch keine Polizei da ist. Was vor allem von Jahn beschrieben wird, sind die Schicksale der anderen Bewohner des Komplexes. Da ist Patrick, der seine totkranke Mutter pflegt. Zwei Pärchen, die es mal mit Partnertausch probieren wollen. Thomas, der in der selben Nacht Selbstmord begehen will und viele andere. Jeder von ihnen hat ein anderes Kreuz zu tragen und vergisst über diese Probleme schnell die Tatsache, dass im Hof grade ein Mord passiert. Und ich habe von oben zugesehen und war fassungslos über so wenig Zivilcourage. Noch fassungsloser war ich, als ich mir klar geworden war, dass dies keine fiktive Geschichte ist, sondern in der Form tatsächlich passiert ist. Allerdings kann ich mir auch jetzt, nach Lektüre des Buchs, einfach nicht vorstellen, dass so etwas tatsächlich passieren kann. „Ich wollte doch nur ein Bad nehmen.“ Am besten beschrieben im ganzen Buch fand ich die Passagen, in denen Kat zu Wort kommt. Der Autor versteht es perfekt, ihren Mut hervorzuheben, mit dem sie auf eigene Faust versucht, sich zu retten, nachdem der Täter sie im Hof zurückgelassen hat. Immer noch schauen Leute aus ihren Fenstern zu, aber keiner hilft. Kat ist übel zugerichtet und kriecht auf ihre Wohnung zu. Immer wieder redet sie sich ein, dass es doch „babyleicht“ ist, sie muss einfach nur die drei Meter bis zur Wohnungstür zurücklegen. Das alles ist von Jahn so eindringlich beschrieben, dass man einfach nur da sitzen und den Kopf schütteln kann. Es zieht sich einem der Magen zusammen, wenn man sich überlegt, dass so viele Menschen da sind, die arme Kat aber alleine klarkommen muss. Denn während dies alles passiert, geht das Leben der anderen Bewohner weiter. Man selbst vergisst darüber nie, was im Hof passiert; die Bewohner scheinbar schon. Ihre eigenen Probleme sind scheinbar wichtiger als das Leben, das gerade langsam im Hof endet. Denn als die Nachbarn zwei Stunden nach der Tat mal wieder zum Fenster gehen und das Blutbad im Hof sehen, überkommt sie das schlechte Gewissen und der Schock, dass wohl scheinbar doch niemand die Polizei gerufen hat. Doch dann ist es zu spät. Ich bin wirklich begeistert von diesem Buch! Selten habe ich eine Geschichte gelesen, in die ich mich so gut hineinversetzen konnte. Dies ist eine Geschichte, bei der man sich im Sessel windet und einfach laut schreien möchte, damit endlich jemand Kat hilft. Eine Geschichte, die einem die Luft abschnürt, weil man die Menschen einfach nicht versteht. Eine Geschichte, die auch eine Mahnung darstellt an alle, so etwas nicht geschehen zu lassen!

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    • 2
    Arun

    Arun

    01. June 2014 um 18:48
  • Eine Gewaltorgie an einem frühen Morgen...

    Ein Akt der Gewalt
    Callso

    Callso

    20. May 2014 um 14:34

    Es gibt so Bücher, die packen ein jetzt nicht so wirklich. Da kribbelt es unter den Fußnägeln halt deutlich weniger. "Ein Akt der Gewalt" ist so ein Fall, wo zwar Spannung, Action und Gewalt das beherrschende Thema sind, man das Geschehen aber trotzdem ganz ruhig und wenig beeindruckt von der Couch aus lesend verfolgt. War das Buch inhaltlich überfrachtet? Waren einzelne Szenen zu unrealistisch? Die Handlung reicht vom bösen, hinterhältigen Messerangriff, vom geplanten Selbstmord, von Partnertausch, von Angriffen, Psycho-Tricks, Misstrauen und einem unverhofften Liebespaar. Auch wenn das Ganze recht kurzweilig anmutet, der Funke ist bei mir nicht übergesprungen, so dass ich mich etwas durch den Thriller gekämpft habe...

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  • Niederschmetternd, brutal, menschlich

    Ein Akt der Gewalt
    burnedeyez

    burnedeyez

    23. June 2013 um 10:54

    Es gibt Bücher, die sind in aller Munde, werden hoch gelobt und bieten nicht unbedingt viel. Und dann gibt es da diese Titel, die kaum jemand kennt, die aber in den wenigen Quellen, die es besprechen ebenfalls durch die Bank gut weg kommen. “Ein Akt der Gewalt” schickt sich nun also als ein Roman, der auf wahren Begebenheiten beruht, an, den Leser mit der Geschichte von Katrina Marino (die tatsächlich nach meinen Recherchen unglaubliche Ähnlichkeit mit der Vorlage hat) mitten ins Gesicht zu treffen. Und, so viel möchte ich gleich vorweg nehmen, das gelingt Autor Ryan David Jahn auch von Anfang bis Ende. Er hält sich nicht lange damit auf, die Charaktere einzuführen, sondern konfrontiert den Leser direkt mit Kats Geschichte und dem Angriff auf sie – und zwar brutal und schonungslos. Umso extremer fällt dann natürlich der Umschnitt auf. In den recht kurz gehaltenen Kapiteln erzählt der Autor die Geschichte aus der Perspektive völlig unterschiedlicher Figuren, die aber alle auf die eine oder andere Art mitbekommen, was draußen auf dem Hinterhof vor sich geht. Jetzt beginnt auch die eigentliche Figureneinführung, denn der Leser wird in “Ein Akt der Gewalt” mit weitaus mehr konfrontiert als nur dem Attentat. Man erlebt hautnah und sehr intensiv familiäre Dramen, man wird in eine Geschichte um Rassismus hinein gezogen und wenn der Leser dann wieder auf den Boden der Tatsachen geholt werden soll, schwenkt die Kamera wieder auf Kat um… es ist also relativ schwer, in diesem Fall von einem konstanten Spannungsbogen zu sprechen, vielmehr geht Jahn noch einen beachtlichen Schritt weiter und verleiht jeder seiner kleinen “Geschichten” einen ganz eigenen Thrill und das jeweils auf eine ganz unterschiedliche Art. Große Erzählkunst, die zu keinem Zeitpunkt langweilig geworden ist. Atmosphärisch schwankt es immer wieder zwischen den unterschiedlichsten Genres hin und her und ergibt am Ende ein so komplexes Gesamtbild, dass man dem Autoren für “Ein Akt der Gewalt” nur seine Hochachtung aussprechen kann. Zum Schluss hin fühlte ich mich tatsächlich wie einer der Zuschauer in ihren sicheren Wohnungen. Ein rundes Gesamtbild kann man auch in Hinsicht auf die Charaktere beschreiben. Jede Figur durchlebt seine eigene kleine Tragödie, die an und für sich vermutlich schon ausreichen würde, um eine eigene Story daraus zu weben und doch verblasst das alles vor dem Hintergrund der Tat, die da gerade in unmittelbarer Nähe passiert. Dennoch bleiben die Akteure in “Ein Akt der Gewalt” zu jeder Zeit präsent, sind gut gezeichnet und in ihren Handlungen und Sichtweisen zu jeder Zeit nachvollziehbar, ich muss nun zu meiner Schande gestehen, dass ich für die meisten durchaus sogar Verständnis aufbringen konnte. Ein toller Kniff des Autoren, denn so wird der Roman in der Nachbetrachtung zu einem noch stärkeren Schlag in den Magen. Ryan David Jahn hat einen recht komplexen und anspruchsvollen Schreibstil, der an einigen Stellen über das hinaus geht, was man von einem normalen Thriller erwarten würde. Dennoch wirkt “Ein Akt der Gewalt” nur äußerst selten einmal sperrig, vielmehr flutscht das Buch gut und entwickelt sich mit Fortschreiten der gerade einmal zwei Stunden beschreibenden Handlung absolute Pageturner-Qualitäten. Nach gerade einmal einem Tag konnte ich den Roman wieder in den Schrank stellen. Fazit: “Ein Akt der Gewalt” ist ein anspruchsvoller literarischer Thriller, der streckenweise niederschmetternd wie auch brutal ist. Viele kleine Dramen zeichnen ein unglaublich homogenes Gesamtbild, was einfach nur stimmig ist. Das Buch wird hiermit in die kurze Reihe meiner Lieblingstitel aufgenommen.

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  • Rezension zu "Ein Akt der Gewalt" von Ryan David Jahn

    Ein Akt der Gewalt
    Medienjournal

    Medienjournal

    10. February 2013 um 22:32

    Ein Akt der Gewalt überzeugt durch die Gegenüberstellung brutaler Gewalt und des banalen Alltags, zeichnet ein schonungsloses Bild menschlicher Abgründe und bedient sich einer ausgefeilten Sprache nebst cleverer Dramaturgie. Ein Debüt, dem hoffentlich noch viele ähnlich großartige Werke folgen werden!

    Mehr gibt es unter:
    http://medienjournal-blog.de/2013/02/review-ein-akt-der-gewalt-buch/

  • Rezension zu "Ein Akt der Gewalt" von Ryan David Jahn

    Ein Akt der Gewalt
    jenna-andres

    jenna-andres

    24. January 2013 um 22:19

    Der Albtraum einer jeden Frau: Gegen 4 Uhr morgens verlässt Katrina Marino, von allen nur Kat genannt, die Sportbar, in der sie arbeitet, und schließt ab. Dass ihr Wagen einen Platten hat, bemerkt sie erst auf dem Weg dorthin. Es ist stockdunkel. Kat ist sauer. Den Leser beschleicht ein eisiges Gefühl... Aber - noch nicht. Kat, jung, selbstbewusst, wechselt den Reifen. Hinter ihr ein Geräusch. Es sind nur Zeitungsseiten, die der Wind über den Asphalt treibt. Spätestens ab dieser Szene fiebert man gebannt mit, was nun alles noch passieren könnte, oder, besser: wie es passiert, denn der Klappentext verrät ja, dass die junge Frau überfallen wird, dass etwas Schreckliches passiert. Und der Klappentexter hält, was er "verspricht". Ich will nicht zuviele Details verraten, denn genau diese machen diesen Roman zu etwas, das man so nicht allzuoft zu lesen bekommt. Nur soviel: Kat gelangt bis an ihre Wohnungstür. Erst dort, in der letzten Sekunde, bevor sie in Sicherheit wäre, stürzt sich der Angreifer auf sie und sticht sofort zu. Das Furchtbare: Es gibt Zeugen. Mehrere Nachbarn, die, jeder aus einem ganz persönlichen Grund, um diese Zeit noch wach sind und aus dem Fenster sehen, bekommen mit, dass etwas geschieht dort draußen, dort drüben, nebenan, im Dunkeln. Sie hören Kats Schreie. Und unternehmen, wiederum aus den unterschiedlichsten Gründen nichts. Oder zögern ... Faszinierend, wie der Autor aus dieser Menge an Einzelschicksalen einen gewaltigen, albtraumhaften Roman komponiert. Begeisternd seine Sprache, sein lakonischer Stil: "Wenn du dreißig Dollar in der Tasche hast und die Miete achtzig Dollar beträgt, ist alle Sparsamkeit sinnlos. Trink, bis du betrunken bist, und zahl für die Taxifahrt nach Hause. Warum den Abstieg nicht auf die bequeme Tour genießen?" Die Geschichte hört sich mächtig einfach an, aber sie ist es nicht. Es gibt Wendungen, die einen erwischen wie ein Fausthieb. Zum Beispiel, wenn der Mörder zuhause bei seiner Frau eintrifft, und es sich dann noch einmal anders überlegt, und erneut zum Tatort zurückkehrt ... Während Kat, mehr tot als lebendig, erneut versucht, in ihre Wohnung zu kommen. - Oder dieser Cop, der locker psychopathischer daherkommt, als sämtliche Psychopathen, die Richard Laymon je geschildert hat. Und einem wirklich Angst einjagt. Ja, dieser Roman - das Debüt von Ryan David Jahn -, 2011 in Deutschland als Hardcover veröffentlicht, Ende 2012 als Taschenbuch, ist düster und fesselnd und überwältigend. Er hat Substanz. Genau wie R.J. Ellory lobte. Und er ist ein Schocker, von der ersten Seite an. Das Allerschlimmste aber war für mich, zu lesen, dass diese Geschichte auf der wahren Geschichte der Kitty Genovese basiert, die 1964 ermordet wurde. Ein Mord, der auch aufgrund der besonderen Begleitumstände damals weltweit für Schlagzeilen sorgte und später unter dem Begrifff "Bystander-Effekt" in die Kriminalgeschichte einging. Das hat mich - neben all der Spannung und präzise gesetzten Schockeffekte - noch lange nachgrübeln lassen: War das jetzt okay, dass ich den Roman mit diesem morbiden Schauder, dieser Faszination genossen habe? Oder war das nun eine besondere Art von Gaffen? War ich - als Leserin - nicht genau wie jene Menschen, die in dieser unheimlichen, scheinbar endlosen Nacht an irgend einem Fenster standen und hinaussahen, auf das, was dort mit mit der schreienden, kreischenden, verzweifelt davonkriechenden und bis zuletzt hoffenden Kat angestellt wurde? Ein echter Pageturner. Böse und faszinierend und absolut fesselnd.

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  • Rezension zu "Ein Akt der Gewalt" von Ryan David Jahn

    Ein Akt der Gewalt
    Buecher-Wahn-Sinn

    Buecher-Wahn-Sinn

    27. August 2012 um 15:27

    Die Geschichte ist in viele kurze Kapitel unterteilt. Der Hauptschauplatz ist ein Wohnkomplex mit einem Innenhof. Der Leser lernt in den anfänglichen Kapiteln unterschiedliche Menschen kennen, die alle in diesen Wohnungen leben. All diese Menschen tragen ihre eigene kleine Geschichte mit sich. Aber alle haben in dieser Nacht eins gemeinsam: Sie hören aus dem Innenhof Schreie. Diese Menschen beobachten, wie eine Nachbarin Opfer einer Gewalttat wird. Alle finden es grausam und wissen, dass sie nicht die einzigen sind, die diese Tat sehen. Doch niemand reagiert. Die Nachbarn der jungen Frau, die im Hof große Qualen leidet, denken es habe bereits jemand anderes die Polizei informiert. Schockierend aber wahr. Bei diesem Phänomen handelt es sich um den "Zuschauereffekt". Erst als die ersten Menschen in den frühen Morgenstunden ihre Wohnungen verlassen, um zur Arbeit zu gelangen (oder aus anderen Gründen), wird ihnen bewusst, wie sehr die junge Frau auf die Hilfe von nur einer Person angewiesen war. Die Aufmachung des Buches gefällt mir sehr gut. Der Inhalt regt deutlich zum Nachdenken an, wie man sich selbst in einer solchen Situation verhalten würde (oder verhalten sollte).

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  • Rezension zu "Ein Akt der Gewalt" von Ryan David Jahn

    Ein Akt der Gewalt
    steffi_schaaf

    steffi_schaaf

    08. June 2012 um 16:05

    Es ist vier Uhr morgens, Kate fährt von der Arbeit nach Hause und freut sich auf ein heißes Bad. An der Laterne vor ihrem Haus steht ein zwielichtiger Mann, der ihr Angst einjagt. Mit der Gefahr im Nacken öffnet sie ihre Tür, doch über die Schwelle schafft sie es nicht. Ein Schrei erschüttert den Innenhof, die Nachbarn blicken aus den Fenstern ihrer Wohnungen. In der Hoffnung, dass ein anderer etwas unternehmen wird, widmen sie sich wieder ihren eigenen Schicksalen. Kate liegt blutend am Boden, sie will nicht aufgeben, versucht mit letzter Kraft, ihre Wohnung zu erreichen und um Hilfe zu rufen. Was sie nicht weiß: Der Täter beschließt seine Tat zu vollenden und zurückzukehren. "Ein Akt der Gewalt" basiert auf einer wahren Geschichte. 1964 erleidet Catherine Genovese in New York dieses Schicksal. Sie starb, weil niemand ihr geholfen hatte. Ryan David Jahn greift die Problematik des Wegschauens in seinem Erstlingswerk auf. Er beschreibt nicht nur den Leidensweg der jungen Frau Kate, die auf Hilfe hofft, sondern auch die Schicksale der Nachbarn, die sich hinter geschlossenen Türen und Fenstern abspielen. Sei es der junge Patrick, der sich um seine kranke Mutter kümmert, Thomas und Christopher, die ihre Liebe zueinander entdecken, Diane, die von ihrem Mann betrogen wird oder Frank, der seine Frau vor dem Gefängnis bewahren will. Sie alle schauen im wichtigen Moment weg und verlassen sich auf die Anderen. In der Psychologie nennt man dieses Phänomen den Bystander Effekt bzw. Zuschauereffekt. Mehrere Zuschauer verfolgen ein Geschehen, z.B. Unfall, und warten, dass einer der Anderen eingreift oder Hilfe leistet. Am Anfang ist das Buch etwas verwirrend, weil sehr viele Charaktere vorgestellt werden, doch man liest sich nach ein paar Kapiteln schnell rein. Das Werk rüttelt wach, ermahnt den Leser nicht wegzusehen, sondern zu handeln und eventuell daran zu denken: Vielleicht komme ich selber einmal in diese Situation. Die Schicksale der Nachbarn sind dramatisch, aber auch alltäglich. So wie wir es jeden Tag erleben. Sie lesen sich fließend und spannend. Man leidet mit Kate, ist erschüttert von dem Drama um Patricks Mutter und verfolgt gespannt die Geschichte des korrupten Cops Alan. Fazit: Ein sehr gut geschriebenes Buch, das eine Problematik anspricht, die zum Nachdenken anregt.

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  • Rezension zu "Ein Akt der Gewalt" von Ryan David Jahn

    Ein Akt der Gewalt
    goldmarie

    goldmarie

    24. January 2012 um 22:39

    Um vier Uhr morgens, als Cat Marino gerade von der Arbeit in einer Bar nach Hause kommt, wird die junge Frau Opfer eines brutalen Überfalls. Ein Mann sticht mehrere Male auf sie ein und lässt sie blutend im Innenhof ihres Appartementkomplexes zurück. Catrina weint und schreit, ruft um Hilfe. Ihre Nachbarn, viele von ihnen stehen an hell erleuchteten Fenstern und sehen zu, hören ihre Schreie - doch keiner unternimmt etwas. Sie alle sehen, dass vor ihrer Haustür etwas Schrecklickes passiert, doch sie haben mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen. Denken, dass bestimmt schon jemand die Polizei gerufen hat. Dass jemand anderes sich darum kümmern soll. Wollen nicht hineingezogen werden. Patrick, der von seinem Vater im Stich gelassen wurde und für seine kranke Mutter sorgen muss. Diane, die von ihrem Mann betrogen wird. Thomas, der Angst hat, sich seinen Gefühlen zu stellen. Oder Peter und Anne, deren Ehe beinahe an einem lustvollen Abenteuer zerbricht. Ein Akt der Gewalt hat mich betroffen, wütend und traurig gemacht. Mitzuerleben, wie die Menschen ignorieren, was vor ihren Augen passiert, welche Gewalt einer jungen Frau angetan wurde, die verhindert hätte werden können, hätte jemand eingegriffen. Die Geschichte basiert auf auf einer wahren Begebenheit und spielt in den 60er Jahren. Themen wie Rassenkonflike, Homosexualität und Sterbehilfe werden aufgegriffen. Abwechselnd erzählt Jahn aus der Perspektive unterschiedlicher Menschen, wie sie die Nacht des Angriffs auf Cat erleben. Sie alle haben Probleme, manche belanglose, manche tiefergehende, doch sie alle können nicht rechtfertigen, weggesehen zu haben, darauf vertraut zu haben, dass ein Anderer sich des Mädchens annehmen wird, die Polizei rufen wird, eingreifen wird. Das Buch lässt sich sehr flüssig lesen, der Schreibstil hat mir gut gefallen, die Charaktere und ihre Geschichten sind vielfältig und interessant. Bei der Beschreibung von Gewaltakten nimmt Jahn kein Blatt vor den Mund, er erzählt die Dinge wie sie passieren, scheut sich nicht, sie detailreich zu beschreiben und löst so beim Leser noch mehr Betroffenheit aus. Zu sagen, mir hat das Buch gefallen, wäre ein falscher Ausdruck für diese Geschichte, denn etwas so Furchtbares kann man nicht mit dem Wort "gefallen" beschreiben. Doch ich finde, dass es ein sehr wichtiges Buch ist, denn die Thematik der fehlenden Zivilcourage ist heute genauso aktuell wie vor 40 oder 50 Jahren!

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  • Rezension zu "Ein Akt der Gewalt" von Ryan David Jahn

    Ein Akt der Gewalt
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    07. August 2011 um 09:15

    Begründet durch eine wahre Begebenheit nimmt der Autor sich dem Schicksal einer jungen Frau an, die urplötzlich Opfer eines Gewaltaktes wird. Nicht das dies schon schlimm genug wäre. So finden sich mehrere Zeugen die jene Tat beobachtet haben aber nicht eingeschritten sind. Damit greift der Autor eines der aktuellen Probleme der zivilisierten Welt auf. Man muss ich als Leser die Frage stellen , wie couragiert man bei solchen Ereignissen sein darf oder muss. Nicht zuletzt haben uns Berichte in der Vergangenheit gezeigt das es auch eine Frage des eigenen Lebens ist ob man einschreitet oder wegschaut. Kann man mit dem Gewissen leben das unweigerlich dadurch belastet wird? Diese und noch andere Fragen werden durch die unterschiedlichen Charaktere die sich im Buch wieder finden beantwortet und dargestellt,. Trotz dessen das dieses Buch nur gut 270 Seiten umfasst gelingt es dem Autor die Personen authentisch und für den Leser bildlich machend zu beschreiben. Man hat die Personen im wahrsten Sinne des Wortes vor Augen. Das macht es auch einfach sich in die Situationen , die Beweggründe hinein zu versetzen, ja man fühlt trotz des düsteren Grundtenors mit. Schön für den Leser ist es auch das die betroffenen Personen, ihre Lebensumstände und Gewohnheiten klar umrissen werden. Man merkt die Zeit und die Liebe zum Detail in jedem Satz. . Dennoch selbst bei der „Vorstellung“ der einzelnen Personen werden nur negative Aspekte erwähnt, Gedanken, Stimmungen, Erfahrungen aus der Vergangenheit, ja selbst Sehnsüchte sind alle geprägt von einer tief greifenden Negativität. Der Erzählstil des Autors ist zunächst sehr abgehakt, ja fast kurzatmig. Daran muss man sich als Leser erst mal gewöhnen. Schnell wird aber klar das der Autor ihn bewusst einsetzt um die düstere Grundstimmung zu unterstreichen. Wörter klar und ungefärbt unterstreichen den realistischen Stil der Erzählung. Dinge werden beim Namen genannt , weder beschönigt noch idealistisch verzerrt. Das Cover welches in schwarz und weiß gehalten ist unterstreicht ebenfalls die negative dezente Stimmung innerhalb des Buches. Ryan David Jahn setzt an zu einem Plädoyer an die Menschlichkeit an, wettert gegen Ungerechtigkeiten jeder Art. Zieht Menschen und ihre Motive heran um deutlich zu machen wie verderbt die Menschheit ist oder geworden ist. Das was dabei herauskommt ist mehr ein Horror-Thriller als ein Thriller im eigentlichen Sinne. Geschockt, entsetzt, benommen , ja fassungslos wird der Leser zurückgelassen mit den Eindrücken die er aus diesem Buch gewinnt. FAZIT: Ein sehr nachdenklich stimmender Roman der für zart besaitete Leser mit Vorsicht zu genießen ist. Dennoch einer der besten authentistischen Romane die ich je gelesen habe.

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  • Rezension zu "Ein Akt der Gewalt" von Ryan David Jahn

    Ein Akt der Gewalt
    Mirka

    Mirka

    06. June 2011 um 20:21

    "Ein Akt der Gewalt" ist eines dieser Bücher, die einen sprachlos zurücklassen, sprachlos darüber, wie ignorant Menschen sein können, welch ausufernde Folgen Wegsehen haben kann, ein Buch, das gleichzeitig ein Plädoyer für Zivilcourage ist. Mir fällt es schwer zu sagen: 'Dieses Buch hat mir gefallen.' Weil es sich einer Thematik annimmt, die frei von jeder Schönheit ist, die ebenso wenig zu rechtfertigen ist. "Ein Akt der Gewalt" ist entlarvend und zeigt das auf, was wir alle nicht sehen wollen, unsere größten Alpträume und unsere verborgensten Ängste. Mich lässt das Werk von Jahn vor allem sehr desillusioniert zurück - viele solcher oder ähnlicher Bücher würde ich vermutlich nicht verkraften. Ich lese durchaus Bücher, die sich mit den Abgründen des Menschseins auseinandersetzen - normalerweise lasse ich die Finger aber eher von Thrillern, außer sie sprechen mich in irgendeiner Form besonders an. "Ein Akt der Gewalt" tat dies, weil es zum einen auf einer wahren Begebenheit beruht und es zum anderen das Schicksal so vieler verschiedener Menschen schildern sollte. Ich liebe Bücher, die in kurzen Kapiteln viele verschiedene Leben beleuchten, diese verschiedenen Leben zu einer großen Geschichte zusammenlaufen lassen. Bei "Ein Akt der Gewalt" habe ich mich an manchen Stellen ein bisschen schwer getan, vor allem, weil viele der Charaktere sich in ihrem Verhalten, ihren Einstellungen und in ihrer Art zu handeln (oder eben nicht zu handeln) sehr ähnelten, ich Facettenreichtum vermisst habe. Trotzdem muss ich zugeben: Ein mit seinen Worten kalte Schauer den Rücken herunterlaufen lassen, das kann Jahn eindeutig. Viele Kapitel ließen einem das Blut in den Adern gefrieren - die Kapitel, in denen es sich um den direkten Mord an Kat drehte. Für meinen Geschmack war das ganze vielleicht schon etwas zu detailliert, aber das Buch erfüllte an dieser Stelle definitiv seinen Anspruch, ist es doch immerhin im Heyne Verlag in der Kategorie Hardcore erschienen. Und, wie zuvor erwähnt, darf man nicht vergessen, dass das Buch auf einer wahren Begebenheit beruht, dem bestialischen Mord an Kitty Genovese. Jahn hat sich, soviel ich beim Vergleich mit dem wahren Tathergang entnehmen konnte, stark an den wahren Geschehnissen orientiert. Als Kitty Genovese starb, taten 38 Zeugen, die in dem gleichen Appartementkomplex wohnten, nichts. Sie riefen nicht die Polzei ("I didn't want to get involved" sagte ein Nachbar später), sie schritten nicht ein. In seinem Buch gibt Jahn einigen dieser Beobachter ein Gesicht, erzählt ihre Geschichte. Ich weiß immer noch nicht genau, was ich davon halten soll. Im Vergleich zu dem, was Kat wiederfährt, wirken ihre Schicksale teilweise ein wenig gezwungen und belanglos, obwohl Jahn gewiss zur damaligen Zeit brisante Themen anschneidet (Homosexualität, Ehebruch, Sterbehilfe), für einen einzigen Abend in einem einzigen Haus irgendwo in Amerika wirkt das ganze insgesamt dann aber doch ein wenig konstruiert. Fazit: Ich empfehle das Buch an alle weiter, die starke Nerven haben und darüber hinwegsehen können, dass gewisse Charaktere viele Stereotype erfüllen. Der Schreibstil Jahns ist sehr angenehm und fesselnd, man will das Buch an manchen Stellen gar nicht aus der Hand legen, obwohl es einen auch sehr, sehr sprachlos macht. Was mir "Ein Akt der Gewalt" auf jeden Fall mit auf den Weg gibt, das ist der leise Appell, die Augen und Ohren immer offen zu halten, Zivilcourage zu zeigen, nicht ein Beobachter zu sein, der Dinge geschehen lässt, die niemals geschehen dürften.

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  • Rezension zu "Ein Akt der Gewalt" von Ryan David Jahn

    Ein Akt der Gewalt
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    03. April 2011 um 10:29

    Dieses Buch wir zwar als Thriller bezeichnet, doch ich finde, dass dies nicht ganz richtig ist. Vielmehr handelt es sich auch um eine sehr gute Sozialstudie. Das Buch handelt von einer wahren Begebenheit, die sich in den sechziger Jahren in Amerika abgespielt hat. Es ist der Mord an der jungen Kitty Genovese, die in den frühen Morgenstunden auf dem Hof eines Wohnkomplexes überfallen wurde. Die Tat wurde damals von sehr vielen Menschen aus ihren Wohnungen beobachtet. Keiner schritt ein. Dieses Verhalten wurde dann als Bystander- Effekt benannt. Der Autor Jahn nimmt sich der Zeugen an, die diesen "Akt der Gewalt" von ihren Wohnungen aus beobachten. Jeder hat mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen, und jeder denkt: Ach der andere wird schon anrufen, man will die Poizeileitung nicht überlasten. Jahn nimmt den Leser mit in die Wohnungen der Zeugen: Zwei Paare die Partnertausch betreiben. ein junger Mann der seine Mutter pflegt. Ein Paar, dass am Ende seiner Ehe steht. Ein homosexuelles Paar. Ein Schwarzer und seine weisse Frau. Schliesslich einen koruppten Polizisten, einen Krankenwagenfahrer, den Mörder. Und das Opfer, die junge Katrina, die um ihr Leben kämpft. Der Leser wird selbst zum Zeugen, unnd beobachtet auch alle diese Menschen, leidet mit dem Opfer, ist wütennd, manchmal genauso hilflos.Ich habe dieses Buch innerhalb eines Tages verschlungen. Selten hat mich ein Buch so in seinen Bann gezogen. Jahn hat ein hervorragendes Debüt abgliefert. Ich bin gespannt, was als Nächstes von diesem Autor folgt.

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  • Rezension zu "Ein Akt der Gewalt" von Ryan David Jahn

    Ein Akt der Gewalt
    gst

    gst

    18. March 2011 um 14:54

    "Der Hof ist eine Leinwand, die den Horror der vergangenen Nacht abbildet wie ein Gemälde", schreibt Ryan David Jahn in seinem ersten Roman, der mit dem renommierten Debut Dagger Award ausgezeichnet wurde und seit Februar 2011 in deutscher Übersetzung vorliegt. Sein Thriller basiert auf einer wahren Geschichte, dem Mord an Kitty Genovese, der 1964 weltweit für Schlagzeilen sorgte und dessen Umstände später unter dem Begriff Bystander-Effekt in die Kriminalgeschichte eingingen. Wie ein Voyeur schaut der Autor den Bewohnern einer Appartementanlage in die Fenster. Der Leser lernt die unterschiedlichsten Lebenshintergründe und Verhaltensweisen von Menschen kennen. Doch Zivilcourage zeigt fast keiner. Jeder hofft auf die Tatkraft des anderen, als Schreie über den Hof hallen... Auch wem Grausamkeiten zuwider sind, kann diesem Buch positive Seiten abgewinnen. Jedes der 50 Kapitel beleuchtet in sekundengenauer Beobachtung die Stunden zwischen vier und acht Uhr morgens und könnte allein für sich als Kurzgeschichte stehen. Leser leiden mit einem Sohn, der seine Mutter pflegt, sehen, wie sich Ehepaare das Leben schwer machen, lernen einen nur auf seinen Vorteil bedachten Cop kennen, begleiten einen traumatisierten Sanitäter bei seiner Arbeit, und finden sich in den tiefsten Abgründen menschlicher Seelen wieder. "Das Leben in einer Stadt wie dieser besteht aus einer zufälligen Begegnung nach der anderen, Fremde, die einander zu Tausenden über Weg laufen, manchmal aufeinander Einfluss nehmen, wenn auch gewöhnlich auf völlig unerhebliche Weise." Mit diesen Worten fasst der Autor kurz vor Ende der 269 Seiten den Inhalt seines lesenswerten Werkes zusammen.

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