Ryan Gattis In den Straßen die Wut

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Inhaltsangabe zu „In den Straßen die Wut“ von Ryan Gattis

Ein Roman wie ein Tarantino-Film, ein Gewaltexzess, ein Experiment, ein Buch ohne Vorbild. Sechs Tage im Jahr 1992. Los Angeles explodiert: Straßenschlachten, überall brennt es; der Tod triumphiert mitten im Herzen der westlichen Welt. Was passiert, wenn die Polizei eine Stadt den Armeen der Gangs überlässt? Rechnungen werden beglichen, noch und noch. Am Anfang ein unmenschlicher Mord: Erzählt wird er vom Opfer. Dann kommen andere zu Wort: skrupellose und weniger skrupellose Gangster, rassistische Polizisten, Krankenschwestern, Junkies, junge Mitläufer. Und es entsteht das Bild einer Gesellschaft, in der der Stärkere den Schwächeren frisst und die sich im Ausnahmezustand gänzlich enthüllt.

Unruhen in Los Angeles...

— mannomania
mannomania

Spannend, hervorragend recherchiert und mitreißend geschrieben. Beim Lesen läuft sofort ein Film ab.

— FrauBloom
FrauBloom

Ein Thriller? Ein Stück Historie? Ein Staffellauf, bei dem der Läufer brennt.

— WolfgangHaupt
WolfgangHaupt

Der Leser wird mitgenommen in das Armageddon der Zivilisation. Ein von teilweise kaum zu ertragender Brutalität geprägter Thriller.

— Buecherherbst
Buecherherbst

17 Berichte aus der Kampfzone - erschütternd und mitreißend. Lesen!

— blauerklaus
blauerklaus

Gewaltig, gewalttätig, erschreckend und schockierend! Ein ganz anderer Thriller als erwartet aber doch gigantisch gut.

— Kerstin_KeJasBlog
Kerstin_KeJasBlog

Präzise beobachtete Miniaturen über das Scheitern von Lebensentwürfen im Vorhof der Hölle, ertränkt in einer Woge von Gewalt

— Pashtun Valley Leader Commander
Pashtun Valley Leader Commander

Dieses Buch lässt einen nachdenklich zurück!

— anie29
anie29

Interessant und total anders als erwartet

— tootsy3000
tootsy3000

Los Angeles in den Unruhen 1992: Intensiver, vielstimmiger Thriller mit beeindruckender Darstellung der Atmosphäre in South Central L.A.

— Gulan
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  • Kalaidoskop einer Stadt im Krieg

    In den Straßen die Wut
    PaulTemple

    PaulTemple

    23. July 2017 um 14:10

    Nachdem die beteiligten Polizisten, die Rodney King minutenlang brutal niederschlugen, freigesprochen wurden, bricht in Los Angeles, im April 1992 die Hölle los. Häuser brennen, Läden werden geplündert, Menschen sterben. Die Polizei, knapp 7000 Leute, ist gegen die über 100.000  Gangmitglieder in South Central vollkommen machtlos. Erst nach fünf Tagen wird mithilfe von Nationalgarde und weiteren Einheiten die Kontrolle zurück erlangt. Von diesem Zeitraum von 5 Tagen berichtet der Autor, stürzt den Leser mitten hinein in den rechtsfreien Raum aus Gangrivalitäten und Mord. So lernt der Leser rund zwei Dutzend Protagonisten unterschiedlichster Herkunft (Gangmitglieder, Krankenschwestern, Feuerwehrmänner, ...) kennen, die allesamt ihre Sichtweise auf die Ereignisse darlegen. Was sich erst einmal unübersichtlich anhört, ergibt ein faszinierendes gesellschaftliches Kaleidoskop  auf die amerikanischen Verhältnisse Anfang der 1990er.Sehr empfehlenswert!

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  • Der Mob tobt in Los Angeles...

    In den Straßen die Wut
    mannomania

    mannomania

    02. March 2017 um 20:00

    In den Straßen die Wut - ein Thriller von Ryan Gattismit 509 Seiten, aufgegliedert in Abschnitte von 6 Tagen aus dem rororo-VerlagDas Cover wirkt traurig, es zeigt die brennenden Palmen, was aber gut zum Titel passt - ebenso gut-lesbares Schriftbild!Zum Inhalt:Ein Afroamerikaner namens Rodney King wird am 3. März 1991 in Los Angeles von 4 Polizisten brutal misshandelt.Das Gerichtsverfahren findet ein Jahr später statt. Durch Urteilsverkündung werden die Polizisten freigesprochen.Da bricht Wut und Verzweiflung in Los Angeles aus. Die Unruhen verteilen sich in Windeseile über die ganze Stadt. Es entsteht ein hilfloses Chaos. Die Menschen protestieren gegen das Urteil. Sie plündern, legen Brände und morden. Die Polizei bekommt diesen Mob nicht mehr unter Kontrolle. Menschenleben zählen nicht mehr. Von Waffen werden rücksichtslos Gebrauch gemacht. Selbst jugendliche Mitläufer, nicht Rassistische und weniger Skrupellose werden mit involviert. Die Gemüter und Charaktere sind aufgeladen. An Einhalt und Versöhnung ist nicht zu denken.Fazit:Der Autor wirkt mit diesem Thriller authentisch. Er hat recherchiert bei Gangmitgliedern, Krankenschwestern und auch Feuerwehrleuten. Man glaubt als Leser gar nicht, dass eine Großstadt sich plötzlich so verändern kann...Das Ergebnis lautet: 53 Tote, tausende Verletzte und die Sachschäden laufen in die Milliarden.Auf jeden Fall ist dieser Thriller lesenswert, spannend und ein einzigartiges Erlebnis, was lange nachwirkt!

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  • Aus dem Innenleben einer gnadenlosen Stadt

    In den Straßen die Wut
    Babscha

    Babscha

    18. January 2017 um 22:05

    April 1992 werden mehrere weiße Polizeibeamte freigesprochen, die den Schwarzen Rodney King zuvor brutal misshandelt hatten. Das war der -vom Leser noch gut erinnerte- Tropfen, der das Fass Los Angeles zum Überlaufen brachte und für eine Woche in einen Hexenkessel der Gewalt mit riesigen Sachschäden und nicht abschätzbaren Verlusten von Menschenleben verwandelte. Gattis bettet seine fiktive, genau in diese Zeit terminierte Geschichte von Gewalt und Rache um eine Gang aus South Central L. A. in das authentische damalige Szenario ein und führt den Leser in die unvorstellbare, maßlos brutale und desillusionierte Welt der Latino-Gangs von Lynwood und Compton, in der ein Menschenleben oder so was wie Anstand und Ehre rein gar nichts zählen, wo die Gangs sich gegenseitig mit Messern und großkalibrigen Waffen gegenseitig abschlachten und die völlig unzureichende Polizeigewalt dem ganzen Treiben mehr oder weniger hilflos gegenüber steht. Die Kapitel werden aus der persönlichen Sicht der jeweiligen Gangmitglieder, der Mitläufer, der Opfer, aber auch der zwangsweise betroffenen Krankenschwestern und Feuerwehrleute erzählt und dabei geschickt vernetzt. Die Figuren selbst bleiben ziemlich gesichtslos und beliebig, aber das ist egal, wichtig ist das Große und Ganze dieser unsäglichen Welt, in die man hier beim Lesen abtaucht und die die Realität eins zu eins widerspiegelt (Gattis hatte zuvor selbst unter Lebensgefahr Kontakt zu Gangs aufgenommen, um deren Leben in seinem Buch wirklichkeitsgetreu abzubilden). Wie bei jedem Autor, der ambitioniert und ehrlich über seine eigene Stadt schreibt, hängt auch hier zwischen den Zeilen eine ganz eigentümliche Traurigkeit und Wehmut, eine selbst empfundene Nähe trotz aller Verdorbenheit dieses Molochs und seiner Bewohner, was sich gut auf den Leser überträgt. Ein ehrliches Buch aus erster Hand zur eigenen Horizonterweiterung, auch wenn´s fast durchgängig voll an die Nieren geht. Man hat ja schon so einiges von den südlichen Stadtteilen L. A.´s raunen gehört, aber das sprengt echt alle Grenzen.

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  • Aktuell, spannend, brisant.

    In den Straßen die Wut
    WolfgangHaupt

    WolfgangHaupt

    28. September 2016 um 11:08

    Internationaler Durchbruch, blutige Recherche, absolut authentisch. Gut. Darauf wird schon im Deckel hingewiesen, was sich dazwischen verbirgt. Es hat mich schnell gefangen, in das L.A. des Jahres 1992 katapultiert, in dem die Cops den schwarzen Rodney King verprügelt haben. Wer die Geschichte des Rassismus in den USA verfolgt, weiß, dass soclh ein Thema nie an Aktualität verliert. Leider. Aber genau das ist der Kern des Buches, diese Bitterkeit der Realität, das Hinsehen, das einen schon in der Eröffnungsszene schaudern lässt. Da wird Ernesto zu Tode gebracht, weil er der Bruder einer jenen ist, die "drin ist". (Im Englischen lautet der Titel "All involved").Die Szene ist grausam, zieht einen mit rein und setzt gleich mit der Schwester des Opfers fort, die nach allem sinnt, nur nicht nach Versöhnung. Das ist der Aufbau des Buches, es wird sich von Schnitzel zu Schnitzel gehangelt, der eine hinterlässts, der andere nimmts, wenn es auch nur eine Begegnung ist. man fibert mit mit den Charakteren, beinahe eine kleine Familie, die sich die Grütze aus dem schädel ballert. Mit den eigenen Leuten teilt man das Barbecue, die anderen werden gnadenlos gegrillt. Es ist ein einziger Rausch, dieses Buch, lässt einen nur wenig zur Ruhe kommen, meine Güte, Vietnam war wohl wirklich nur ein Krieg. (Und das hier die Hölle).Ein Thriller? Wohl kaum, Es ist ein Staffellauf, bei dem der Läufer brennt. Lesen? Auf jeden Fall. Ein Stück Menschheit.

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  • Ghetto außer Rand und Band

    In den Straßen die Wut
    Gwhynwhyfar

    Gwhynwhyfar

    19. August 2016 um 14:39

    »Wenn ihr in so ’nem Viertel aufwachst wie ich, wo der Waffenladen Kugeln für fünfundzwanzig Cent das Stück verkauft, an alle mit üblen Plänen im Kopf und einem Vierteldollar in der Tasche, dann würdet ihr vielleicht genauso werden.«1991 tobte in LA zwei Wochen lang der Ausnahmezustand. Wenn man sich die letzten Zeitungsartikel anschaut, sieht, wie weiße Polizisten Schwarze erschießen, so kann man sich vorstellen, dass sich genau dieses Szenarium demnächst wiederholt. »Keine zwei Wochen nachdem Rodney King zusammengeschlagen wurde, im März 1991, wurde die fünfzehnjährige Latasha Harlins von einer koreanischen Ladenbesitzerin namens Soon Ja Du erschossen. Auch davon gab es ein Video. ... schoss Latasha in den Rücken, wurde wegen Totschlags zu fünf Jahren auf Bewährung verurteilt, ..., obwohl auf die Tat, der sie für schuldig befunden wurde, eine Höchststrafe von sechzehn Jahren Haft steht. Verständlicherweise wurde das in der schwarzen Bevölkerung als Fehlurteil gewertet, und die Leute wurden sehr wütend.«Die Geschichte wird von diversen Icherzählern wiedergegeben. Jeder erzählt in der ihm eigenen Sprache. Gerade das macht die Geschichte lebendig. Es kommen ehrliche Bewohner des Viertels zu Wort, die zur Gewalt greifen, um ihr Eigentum zu beschützen, da die Polizei nicht mehr Herr der Lage wird. Geschäfte werden geplündert, Autos und Häuser werden angesteckt. Drogensüchtige drehen durch. Gangster nutzen das Chaos, um alte Rechnungen zu quittieren. Läden und Lagerräume werden ausgeräumt, Gangs bestehlen sich gegenseitig und es kommt zu einem offenen Krieg der Homeboys. Ein Polizist erzählt, ein Feuerwehrmann. Menschen, deren Aufgabe es ist zu helfen, werden sinnlos angegriffen. Die Bewohner in diesem Viertel sehnen sich nach Recht und Ordnung, fühlen sich verlassen von der Obrigkeit. Gattis Ryan hat gute Kontakte in das Viertel, recherchierte die Ereignisse, interviewte Leute, die sich direkt im Geschehen aufhielten. Herausgekommen ist ein Roman in Form einer Reportage. Es ist aber weit mehr, denn es ist kein sachlicher Bericht. Jeder Protagonist berichtet ehrlich in seiner Wut, mit seinen Ängsten, aus Entsetzen, mit eiskalter Berechnung, mit seinem zugedröhnten Kopf. Ein Zustandsbericht zur Situation in amerikanischen Großstädten, zum Umgang mit er schwarzen Bevölkerung. »Ich muss was beichten. Manchmal weiß ich nicht die ganze Zeit, was ich eigentlich tue. Manchmal tu ich’s einfach. Impulsiv, sagt Clever immer. Ich lebe nach meinen Trieben, irgendwas platzt mir grad so ins Hirn, schon bewegen sich meine Muskeln, und ich tu’s, ehe ich’s richtig merke. Das Ergebnis ist manchmal gut, manchmal scheiße. Hängt davon ab. Bereue ich was? Irgendwie schon. Aber nicht so richtig.« Die Geschichte beginnt mit dem brutalen Tod des rechtschaffenen Tacobäckers Ernesto Cruz: Zur falschen Zeit am falschen Ort. Seine Schwester Payasa, eine Chola, ein weibliches Gangmitglied, plant Vergeltung. Ernesto stirbt vor dem Haus der Krankenschwester Gloria, die später aus dem Krankenhaus berichtet. Hier trifft sie auf den Feuerwehrmann Anthony, mit dem sie eine flirtende Verbindung hat, dessen schwerverletzen Kollegen sie betreut. Wir lernen Gangs kennen, die sich gegenseitig abziehen, sich gegenseitig vernichten wollen. Es fließt sehr viel Blut in diesem Roman, viele Menschen sterben, teilweise auf ekelhaft brutale Weise. Hier geht es Aber nicht ums Abschlachten oder Voyorismus, die Geschichte beschreibt glasklar die Wirklichkeit. Big Fates Latinogang rechnet mit den Homeboys einer anderen Gang ab. Kluge Gangster, belesen, die sich im Rechtssystem auskennen, genauso wie in der Kriminaltechnik. Sie nutzen das System aus, sagen grinsend nur das Wort Anwalt, sonst nichts. Sie verwischen Spuren, verunreinigen sie, legen falsche. Bis heute konnten einige der damals begannen Morde nicht aufgeklärt werden. Spannend, krass, brutal, ein Buch über das reale Amerika. Was passiert, wenn man eine ganze Bevölkerungsschicht ohne Bildung und chancenlos ohne Zukunft heranzieht ... Rassismus an jeder Straßenecke zwischen allen Bevölkerungsgruppen. Eine Gesellschaft ohne Moral, das Gesetz der Straße gilt. Der asiatische Junge bringt dem Vater bei, dass in der Verfassung steht, jeder darf sein Eigentum beschützen. Eine Waffe darf man selbstverständlich besitzen. Was passiert, wenn der kleine Mann das wörtlich nimmt? Was passiert, wenn den Chancenlosen die Hutschnur platzt? Ein Ritt durch sechs Höllentage. Am Ende des Buchs atmet man auf, ist sich aber bewusst, jeden Tag kann diese Apokalypse fortgeführt werden.

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    • 2
  • 17 Berichte aus der Kampfzone - erschreckend aktuell

    In den Straßen die Wut
    blauerklaus

    blauerklaus

    10. July 2016 um 15:56

    3. März 1991: Nach einer Autoverfolgungsjagd wird der alkoholisierte Afroamerikaner Rodney King von Polizisten gestellt und widersetzte sich der Festnahme. Daraufhin setzten die Polizisten des Los Angeles Police Department Schlagstöcke ein und schlagen über 50 Mal auf King ein. Selbst als dieser bereits hilflos am Boden lag, hörten sie damit nicht auf. Ein Augenzeuge filmte den Vorgang aus einer nahegelegenen Wohnung und die anschließende massenhafte Ausstrahlung des Videos in den amerikanischen Fernsehsendern löste eine Diskussion über rassistisch motivierte Gewalt bei der amerikanischen Polizei aus. 29. April 1992: Die vier der Misshandlung beschuldigten Polizisten werden von einem Gericht freigesprochen. Die daraus resultierende Empörung führt zu einem Gewaltausbruch mit bürgerkriegsähnlichen Zuständen, an deren Ende 52 Todesfälle und Tausende Verletzte zu beklagen sind. Es entstand ein Sachschaden von etwa einer Milliarde US-Dollar. Dies sind die Fakten, doch was es für die einzelnen Bürger dieser Stadt bedeutet in diesem Hexenkessel zu leben, beschreibt der amerikanische Autor Ryan Gattis meisterhaft in seinen Roman. Gattis, selber Bürger von Los Angeles, der die umkämpften Gebiete aus seiner Zeit als Graffiti-Künstler sehr gut kennt, wollte die Geschichte hinter den abstrakten Zahlen erzählen. „…52 Tote. Diese letzte Zahl erschien mir immer viel zu niedrig. Bis ich herausfand, dass Todesfälle in Gegenden, in die sich die Polizei damals nicht wagte, gar nicht in die Statistik eingeflossen waren.“ (Ryan Gattis in seinem Vorwort) Der Autor erzählt die Ereignisse in chronologischer Reihenfolge, beginnend am 29.04.1992 und endend mit der Niederschlagung der Unruhen durch Armee und Nationalgarde sechs Tage später anhand der Einzelschicksale von siebzehn Bürgern aus Los Angeles. Aus der Ich-Perspektive nimmt der Leser unmittelbar an den nacheinander erzählten Erlebnissen unterschiedlichster Personen teil, deren Schicksale manchmal zwar locker miteinander verbunden sind, die aber nicht immer in direktem Zusammenhang stehen. Das Buch beginnt mit der Erzählung von Ernesto Vera einem Einwohner von Lynwood, einem Stadtteil von Los Angeles. Ernesto ist, im Gegensatz zu seiner Schwester und seinem Bruder, nicht „All involved“, also kein Mitglied einer Gang, die Großteile der Stadt beherrschen und unter sich aufgeteilt haben. Er versucht sich mit einem Job in einem Imbiss über Wasser zu halten und hat, wie viele andere Bewohner seines Viertels, noch Träume von einem besseren Leben. „Als ich um die Ecke in meine Straße biege, überlege ich gerade wieder, wie zur Hölle ein japanischer Koch wohl darauf kommt, die California Roll zu erfinden , und meine Gedanken kreisen darum, dass sogar aus Avocado was Neues und Schönes entstehen kann, wenn man sie in eine andere Umgebung stellt, und in dem Moment grummelt ein Automotor hinter mir.“ (Seite 17)Anhang Ernestos tragischem Schicksal wird einem schnell klar, dass man sich in einer Stadt wie Los Angeles kaum neutral verhalten kann. Irgendwie ist jeder mit einem Gangmitglied verwandt oder hat Bekannte, Freunde, Arbeitskollegen, die dazugehören. Ernesto wird Opfer eines Rachefeldzugs einer Gang und seine bis zum bitteren Ende geführte Erzählung bringt den Leser näher an das Geschehen, als so mancher aushalten kann. „Es gibt keine Regeln mehr. Keine. Nicht in dieser Lage, bei diesen Ausschreitungen. Mir läuft ein Schauer über den Rücken als mir klar wird, dass jeder verdammte Bulle der Stadt anderweitig beschäftigt ist, und das bedeutet, die Jagdsaison ist eröffnet auf jeden Scheißidioten, der jemals mit irgendwas davongekommen ist.“ (Seite 31) Ernestos Tod führt zu einem Rachefeldzug seiner Schwester Lupe, der wiederum Gegengewalt auslöst. Aber nicht nur die Gangmitglieder erzählen ihre Sicht auf die Erlebnisse, auch eine Krankenschwester, ein Feuerwehrmann und ein Mitglied einer Polizei-Spezial-Einheit kommen zu Wort. So wird der Leser Teil des Geschehens in einer Stadt, die schon vor den Unruhen zu den gefährlichsten Orten der USA zählte, wie man auch aus der Erzählung des Feuerwehrmanns erfährt: „Die SEALs lassen ihre Sanitäter schon seit Jahren Praktika bei uns machen, weil die Marine anscheinend meint, hier könnten sie am effektivsten alles über Kriegsverletzungen lernen: stumpfe Gewalteinwirkung, Schusswunden, Stichwunden, Explosionstrauma – davon gibt es in L.A. mehr als irgendwo sonst in den Vereinigten Staaten.“ (Seite 225) Auf dem Cover des Romans steht zwar „Thriller“, allerdings hat das Buch in meinen Augen sehr viel mehr Gemeinsamkeiten mit einer Reportage oder Dokumentation. Die Einzelschicksale der einzelnen Personen sind zwar locker verbunden, einen richtigen Plot findet man jedoch nicht. Ich empfehle den Roman daher dringend auch Lesern, die normalerweise keine Krimis oder Thriller lesen. Wie im Klappentext nachzulesen beschreibt Gattis selber seine Erzählform als „sourced fiction“, eine erfundene Handlung, authentisch durch das Maß an intensiv recherchierter Information. Ein Buch, das einem die dunkle Seite Amerikas zeigt und einen nach „Die Geschichte der Baltimores“ wieder auf den Boden der Tatsachen holt, denn den so oft gepriesenen amerikanischen Traum werden wohl nur die wenigsten leben können. „ „Das Land der Freien“, sagt sie, „aber nur, wenn man seinen verfickten Beitrag zahlt.“ „ (Seite 479) Am Ende ist der Leser „All Involved“, so der Originaltitel des Romans, und den Ereignissen näher gekommen als ihm vielleicht lieb ist. HBO hat sich bereits die Verfilmungsrechte gesichert und möchte aus dem Stoff eine Fernsehserie machen. Die aktuelle Nachrichtenlage macht auf traurige Weise klar, dass sich an den grundlegenden Problemen in der amerikanischen Bevölkerung nicht viel geändert hat. „Die Leute denken sicher, was mit Rodney King passiert ist, war ein Einzelfall, doch sie wissen nicht, dass jeder hier einen Rodney King in der Nachbarschaft hat, jemanden, den die Cops windelweich geprügelt haben, aus gutem oder schlechtem Grund. Und vielleicht ist er auch nicht schwarz. Vielleicht hat er braune Haut.“ (Seite 494) Ein sehr intensives Buch, das den Leser nachdenklich zurücklässt. Eines meiner Jahreshighlights und sehr zu empfehlen.

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    • 3
  • Lesechallenge Krimi gegen Thriller 2016

    kubine

    kubine

    Die Lesechallenge Krimi gegen Thriller geht auch 2016 weiter! Du liest gerne Krimis und kannst so bekannte Ermittler wie Miss Marple oder Commisario Brunetti locker mit Deiner Spürnase abhängen? Oder liegen Dir eher rasante Thriller, bei denen Du schon mal die Nacht zum Tag machst? Dann mach doch mit bei unserer Teamchallenge Krimi gegen Thriller. Welches Team schafft es, die meisten Bücher zu lesen? Wir sind gespannt. Welche Bücher zählen? Als grobe Einteilung soll dabei die Angabe der Verlage dienen. Hat der Verlag es als Thriller eingeordnet, zählt es als Thriller (auch wenn man nach dem Lesen einen anderen Eindruck hat). Bei Krimis ist es ebenso. Alle Arten von Krimis zählen, egal ob historischer Krimi, Regionalkrimi oder Tierkrimi. Es gibt sicher Bücher, bei denen das am Anfang nicht so klar ist. Im Zweifel würden sie dann bei beiden Teams gezählt. Die Regeln: 1. Entscheide Dich für ein Team!2. Die Challenge beginnt am 01.01.2016 und endet am 31.12.2016. Alle Bücher, die im Zeitraum vom 01.12.2015 bis 31.12.2016 erscheinen zählen, auch Neuauflagen , sofern die 2016 erscheinen.Eine Liste mit Neuerscheinungen 2016 die natürlich auch ergänzt wird, findet ihr hier: http://www.lovelybooks.de/buecher/krimi-thriller/Bestseller-Krimis-und-Thriller-2016-1201869567/#userlistglanzente war so lieb, und hat für jedes Team auch nochmal Listen mit den jeweiligen Neuauflagen erstellt. Ihr findet sie hier: http://www.lovelybooks.de/buecher/krimi-thriller/Krimiliste-Lesechallenge-Krimi-gegen-Thriller-2016-1208200397/ http://www.lovelybooks.de/buecher/krimi-thriller/Thrillerliste-Lesechallenge-Krimi-gegen-Thriller-2016-1210040822/3. Zu jedem gelesen Buch wird eine Rezension geschrieben. So kann sichergestellt werden, dass das Buch auch gelesen wurde. Der Link zur Rezi bei LB muss mit angegeben werden. Um die Spannung aufrecht zu erhalten, bitte den Link zur Rezi per PN an mich! Jede PN wird von mir kurz beantwortet, so dass ihr da eine Bestätigung habt, dass sie auch ankam. 4. Auch fremdsprachige Bücher dürfen für die Challenge gezählt werden. Hier muss nur ebenfalls der Erscheinungstermin in den oben genannten Zeitraum fallen. 5. Man kann zu jeder Zeit einsteigen bzw. aufhören. Gelesene Bücher zählen dann ab dem Einstiegsmonat. 6. Wie viele Bücher das jeweilige Team im Monat geschafft hat, wird jeweils Anfang des Folgemonats bekannt gegeben.  Unter allen, die sich an der Challenge aktiv beteiligen, wird am Ende des Jahres eine kleine Überraschung verlost. 7. Mit dem Beitritt zur Challenge erklärst Du Dich mit den oben genannten Regeln einverstanden. Sie haben sich bewährt und werden nicht mehr geändert. Viel Spaß und viel Erfolg! Auf vielfachen Wunsch darf hier geplaudert werden: http://www.lovelybooks.de/thema/Plauderthread-zur-Lesechallenge-Krimi-gegen-Thriller-1077848718/ Team Krimi:  Athene100776  lesebiene27  krimielse  Mira20  glanzente  hasirasi2  Mercado  Bellis-Perennis  Katjuschka  yari  Talitha  Lesezeichen16  dorli  sommerlese  Antek  clary999  wildpony  ChrischiD  janaka  claddy  danielamariaursula  danzlmoidl  buecherwurm1310  tweedledee  Xanaka  Barbara62  mabuerele  TheRavenking  Postbote  buchratte  DaniB83  Maddinliest  Nele75  Lesestunde_mit_Marie  sansol  bibliomarie  claudi-1963  Schalkefan  mistellor Gela_HK MissWatson76 Leserin71 (Matzbach) LibriHolly Wedma Caroas gaby2707 elmidi susawal81 agi507 Shanna1512 Paulamybooksandme DonnaVivi Bambisusuu Gelesene Bücher Januar: 72Gelesene Bücher Februar: 122Gelesene Bücher März: 163Gelesene Bücher April: 111Gelesene Bücher Mai: 180Gelesene Bücher Juni: 128Gelesene Bücher Juli: 112Gelesene Bücher August: 163Gelesene Bücher September: 111Gelesene Bücher Oktober: 147Gelesene Bücher November: 137Gelesene Bücher Dezember: 145 Zwischenstand: 1591 Team Thriller:  Floh  KruemelGizmo  Kasin  Meteorit  AberRush  Leseratz_8  Nisnis  eskimo81  Mone80  lenicool11  lord-byron  hm65  marinasworld  calimero8169  Buchgeborene  MelE  rokat  Inibini  Thrillerlady  BookfantasyXY  zusteffi  DeinSichererTod  krimiwurm  parden  MeiLingArt  DerMichel  Naden  DieNatalie  kn-quietscheentchen  Bjjordison  Artemis_25  heike_herrmann  Nenatie  Claudia-Marina  MissRichardParker  Landbiene   Janosch79  Filzblume  dieFlo  fredhel  (crumb)  Peanut1984 Anni84 kawaiigurl schuermio LillySymphonie little-hope Frenx51 BeaSurbeck Viertelkind Vreny Buecherseele79 ChattysBuecherblog Queenelyza Igela Ambermoon Insider2199 Buchraettin JuliB Helene2014 chipie2909 LisaMariee JoanStef melanie1984 Lisa0312 Gelesene Bücher Januar: 29Gelesene Bücher Februar: 49Gelesene Bücher März: 79Gelesene Bücher April: 69Gelesene Bücher Mai: 98Gelesene Bücher Juni: 60Gelesene Bücher Juli: 149Gelesene Bücher August: 42Gelesene Bücher September: 193Gelesene Bücher Oktober: 118Gelesene Bücher November: 90Gelesene Bücher Dezember: 99 Zwischenstand: 1075

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    • 3931
  • Erst ein Funken, dann ein Flächenbrand - was ein geniales Buch!

    In den Straßen die Wut
    Kerstin_KeJasBlog

    Kerstin_KeJasBlog

    Los Angeles 1992 - Freispruch der 3 Polizisten die den schwarzen Bürger Rodney King misshandelten. Ein Funken der einen Flächenbrand aus Gewalt und noch mehr Gewalt in dieser Millionenstadt auslöst. "Wir haben hier unser eigenes ziviles Kriegsgebiet, und gerade hat es verdammt noch mal das falsche Opfer gefordert."(S. 225) Der Autor Ryan Gattis muss unwahrscheinlich gut recherchiert haben. Nur so kann ich mir diese Geschichte, dieses Buch erklären."In den Strassen die Wut" erschienen im Rowohlt Taschenbuch Verlag, ist mit seinen 525 Seiten eine gewaltiges Buch voller Gewalttätigkeiten und doch hat es mich so fasziniert. Vielleicht lag es daran dass in dieser Geschichte, unterteilt in den 6 Tages des Aufstandes, alle in der Ichform erzählten.Sind die Protagonisten fiktiv? Egal, sie kamen mir so glaubwürdig rüber. Underdogs, Chicas, Sprayer, Bosse und Oberbosse. Eine Krankenschwester, ein Feuerwehrmann, ein Soldat und viele, viele mehr.Alle erzählen ihre persönliche Geschichte dieser Tage.Jeder auf seine Weise, seine Sprache, seinen Stil und dabei so besonders und eingehend.Stellenweise musste ich höllisch aufpassen in dieser LA- Hölle, denn die Menschen aus dieser Umgebung sprechen Straßenslang.Mitglieder einer 'clica', homies und chicas. Zum Glück gibt es ein Glossar, welches ich aber kaum brauchte, da viele Wörter sich in den Sätzen einfach selbst erklären. Aber mal kurz zur Story:Eingentlich ist ja Ernesto schuld, mit ihm fängt alles an. Ein junger Mann, dessen gesamte Familie und die Freunde in der Gang, der clica, ist, nur er nicht, er ist nicht drinnen, er hat Träume und dann lässt er sich einfach so umbringen.Seine Schwester Lupe will Rache, die Gang steht dahinter und so führt eins zum anderen. "Ich weiß ich bin bloß ein Krieger, kein Häuptling. Ich tue was man mir sagt."(S. 354-355) Es ist so genial geschrieben, die einzelnen Protagonisten die ihren Tagesablauf beschreiben, wie sie zu den einzelnen Gruppen/Gangs kamen und wie sie nach Möglichkeit wieder da raus kommen. Fast alle haben Träume, manche kleine andere riesengroße.Dabei begegnen sich alle im Laufe des Buches hier oder da.Wer aufmerksam liest entdeckt die einzelnen immer wieder in den Episoden.Fast alle hatte schon im Vorfeld Dreck am Stecken, Drogen, Mord, Raub, die Bandbreite der Gangs ist groß und doch hat mich der Autor zu Symphatien geleitet die ich so nie erwartet hätte. "Ich würde ihnen dringend ans Herz legen, kein Mitleid für sie zu empfinden."(S. 384) Da kann ich nur sagen 'Mist, das ist voll daneben gegangen', denn ich habe Mitleid empfunden. Die Geschichte ist ein dauerhaftes rächen und Situationen ausnutzen. Hier werden alte Rechnungen beglichen und Gelegenheiten ergriffen, während LA brennt und die Polizei gar keine Zeit hat. Richtig groß, eingängig und fesselnd. Was eine Geschichte! "Leute. Wacht auf. Wenn ihr schon Scheiß bauen wollt, dann baut richtigen Scheiß. Klotzen, nicht kleckern."(S. 134) Für dieses gigantische Werk vergebe ich 5 von 5 Sternen, plus einen Extra für das Bewusstsein, dass Lupe, Freer, Mikey, Trouble und wie sie alle hießen, mit ihren 16/17 Jahren doch eigentlich noch Kinder waren, damals 1992 in LA, mit all der Wut in ihren Bäuchen.c)K.B. 05/2016

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    • 7
    Gulan

    Gulan

    18. May 2016 um 18:47
  • Eine Stadt versinkt im Chaos

    In den Straßen die Wut
    Havers

    Havers

    29. March 2016 um 18:13

    Am 3. März wird der Afroamerikaner Rodney King in Los Angeles von vier Polizisten fast zu Tode geprügelt. Ein Gerichtsverfahren wird eingeleitet. Die Urteilsverkündung ist ein Jahr später, am 29. April 1992. Die Polizisten werden freigesprochen. Am gleichen Tag. Los Angeles. South Central. Die Wut bricht sich Bahn. Die Unruhen breiten sich aus. Eine Stadt versinkt im Chaos. Vor diesem Hintergrund entfaltet der in Los Angeles lebende Autor Ryan Gattis (zum Zeitpunkt der „Riots“ 14 Jahre alt) seinen zeitgeschichtlichen Roman „In den Straßen die Wut“, basierend auf über zweijähriger Recherchearbeit und unzähligen Gesprächen/Interviews mit Gangmitgliedern und „normalen“ Angelenos, die diese Ereignisse hautnah miterlebt haben. Recht schnell kristallisiert sich heraus, dass die politische Komponente der Unruhen nur eine Nebenrolle gespielt hat. Vielmehr sind die chaotischen Verhältnisse, die in den Vierteln herrschen, bestens dafür geeignet, Rechnungen zu begleichen und die Auseinandersetzungen rivalisierender Gangs zu verschleiern. Dabei sind es nicht, wie man vermuten könnte, afroamerikanische sondern vielmehr Latino-Gangs, die in den Vierteln das Sagen haben und deren Bandenkämpfe der Autor schildert. Gattis lässt die sechs Tage dieses Ausnahmezustand in Los Angeles aus der Perspektive von siebzehn involvierten Beteiligten schildern, die jeweils ihre Sicht wiedergeben. Und da er nicht nur Gangmitglieder sondern beispielsweise auch eine Krankenschwester und einen Feuerwehrmann zu Wort kommen lässt, entsteht aus diesen verschiedenen Sichtweisen ein realistisches Abbild des Lebens und Sterbens in den Ghettos von Los Angeles. Die Bilanz dieser sechs Tage ist erschreckend: 53 Tote, mehrere Tausend Verletzte und Sachschäden in Höhe von ca. einer Milliarde US-Dollar. Gattis’ Reportage-Roman wurde mehrfach ausgezeichnet, und auch die Filmrechte hat sich zwischenzeitlich das amerikanische Time Warner Unternehmen HBO gesichert, um daraus eine Fernsehserie zu produzieren. Man darf gespannt sein!

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  • Einzigartig und spannend

    In den Straßen die Wut
    tootsy3000

    tootsy3000

    01. March 2016 um 20:54

    Verlagstext: Sechs Tage im Jahr 1992. Polizisten misshandeln einen schwarzen Bürger und Los Angeles explodiert. Plünderungen, überall brennt es; ein Bürgerkrieg mitten im Herzen der westlichen Welt. Was passiert, wenn die Polizei eine Stadt den Armeen der Gangs überlässt? Rechnungen werden beglichen, noch und noch. Davon erzählt dieser ungeheuerliche Roman. Am Anfang ein unmenschlicher Mord: Wir erleben ihn aus der Sicht des Opfers. Dann kommen andere zu Wort: skrupellose und weniger skrupellose Gangster, rassistische Polizisten, Krankenschwestern, Junkies, jugendliche Mitläufer. Und es entsteht das Bild einer Gesellschaft, in der der Stärkere den Schwächeren frisst und die sich im Ausnahmezustand gänzlich enthüllt. Ein Roman wie ein Tarantino-Film, ein Gewaltexzess, ein Experiment, ein Buch ohne Vorbild. Mein Eindruck: Nachdem am 29. April 1992 zwei Polizisten vom Vorwurf Rodney King, einen Afroamerikanischen Zivilisten, aufs brutalste misshandelt zu haben freigesprochen werden, brechen in Los Angeles Unruhen aus. Die Menschen gehen auf die Straße und protestieren gegen das Urteil. Die Gemüter werden immer mehr aufgeladen und die Situation gerät außer Kontrolle. Es wird geplündert, angezündet, gemordet. Die Polizei von Los Angeles ist Machtlos gegen den Mob. Die Nationalgarde und andere Spezialeinheiten werden zu Hilfe gerufen. Ein nächtliches Ausgangsverbot wird ausgerufen. All diese Szenarien sind tatsächlich passiert. Ryan Gattis hat diese unfassbaren Tage in der Geschichte Los Angeles zu einem atmosphärischen Thriller umgesetzt. In einem zeitlichen Ablauf über die sechs Tage liest man die Geschichte aus Sicht von siebzehn unterschiedlichen Personen. Jedes einzelne Kapitel ist eine Klasse für sich. Egal ob aus der Sicht diverser Gangmitglieder, Freiwilliger Helfer, Obdachloser oder anderen beteiligten Personen, alle Charaktere verweben sich irgendwie ineinander. Wirklich einzigartig, hab ich so noch nie gelesen. Durch diese ganz persönliche Sicht erhält man als Leser eine ganz besondere Atmosphäre. Man fühlt sich mitten im Geschehen, ist bei jeder Aktion irgendwie dabei. Die Erzählungen sind brutal, besonders die der Gangmitglieder. Diese Kaltblütigkeit und Brutalität dieser teils noch sehr jungen Menschen – Großteils noch Kinder – geht einem unter die Haut, ist unfassbar. Was mich persönlich aber noch mehr schockiert hat ist die Vorgehensweise der Spezialeinheit. Bei Gangs rechnet man mit Rohheit und Gefühllosigkeit, doch was diese Männer abliefern war für mich noch unfassbarer. Näher möchte ich dazu aber nicht eingehen. Soll ja nicht zu viel verraten werden. Sprachlich sind die Erzählungen auch so gehalten, dass man als Leser schon merkt in welcher Gesellschaftsschicht sich der Großteil der beteiligten Personen aufhalten. In den Straßen die Wut ist ein gelungener Titel für diesen ganz speziellen Thriller. Auch die brennenden Palmen passen hervorragend auf das Cover. Ryan Gattis hat für den Roman 2 1/2 Jahre recherchiert. Hintergrundinformationen zu den Ausschreitungen erhielt er unter anderem von führenden Latino Gang Mitgliedern, Feuerwehrleuten, Krankenschwestern und anderen Bewohnern L.As., welche diese Tage mit- und durchlebt haben. Die Handlung in dem Roman ist zwar größtenteils der Fantasie des Autors entsprungen, erhält durch die akribischen Nachforschungen aber ein gutes Maß an Authentizität. Mein Fazit: Ein grandioser Thriller mit unfassbaren Einsichten und Sichtweisen von Menschen die man sich so nur im Film vorstellen kann. Sehr spannend und einzigartig.

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  • Stadt der Engel.

    In den Straßen die Wut
    Gulan

    Gulan

    Die Nachrichten schalten zu einer Hubschrauberkamera, und der Himmel – Mann, der Himmel ist gar nicht mehr blau oder so halbgrau wie an den schlimmsten Smogtagen. Sieht aus wie nasser Zement. So dunkles Grau, dass es fast schwarz aussieht. Und scheißschwer. Da wird mir klar, dass ich ein Kriegsgebiet sehe. In South Central Los Angeles. […] Und diese ganzen Bilder sagen mir das Gleiche wie allen anderen Idioten in dieser Stadt, die je einen bösen Gedanken im Kopf hatten: Verdammt, jetzt ist dein Tag, Homie. Felicidades, du hast im Lotto gewonnen! Geh raus und spiel verrückt, sagen die Bilder. Nimm dir, was du kriegen kannst, sagen sie. Wenn du böse und stark genug bist, dann komm raus und nimm es dir. Wie so Teufelsnacht am hellen Tag. Denn die Welt, in der wir leben, ist total auf den Kopf gestellt. Unten ist oben. Oben ist unten. Schlecht ist gut. Und Marken haben nichts zu sagen. Denn heute gehört die Stadt nicht den Cops. Heute gehört sie uns. (S.108) Ernesto Vera hat von seinem Chef an diesem Tag früher frei bekommen. Fünf Stunden ist das Gerichtsurteil her und schon gibt es Gerüchte über den Beginn der Unruhen. Ernesto beeilt sich auf dem Weg nach Hause, über den Boardwalk nach Lynchwood. Da hält ein Pick Up neben ihm. Ernesto gehört im Gegensatz zu seinem Bruder und seiner Schwester nicht zu den „Cholos“, der lokalen Gang, also erwartet er keine Probleme. Doch an diesem Tag ist nichts wie vorher, die üblichen Regeln sind außer Kraft, nicht bestellte Rechnungen werden beglichen. Los Angeles, 29. April 1992: Ein Gericht in Simi Valley spricht die vier Polizisten, die Rodney King bei der Festnahme mit Schlagstöcken traktiert hatten, vom Vorwurf der übertriebenen Gewaltanwendung frei. Angesichts des vorher in den Medien veröffentlichten Videotapes von Kings Festnahme ist der Freispruch für viele Afroamerikaner ein Skandal, so dass es zu spontanen Protesten kommt. Innerhalb kürzester Zeit eskaliert die Lage und es kommt zu Unruhen mit bürgerkriegsähnlichen Zuständen. Die Los Angeles Riots dauern sechs Tage. Offiziell gibt es 52 Todesopfer, über 800 Gebäude werden abgebrannt, es entstand ein Sachschaden von über einer Milliarde Dollar. Erst der massive Einsatz von Sicherheitskräften sorgt für eine Beruhigung der Lage am 04. Mai 1992. Die Freisprüche der Polizisten waren nur der Auslöser, der letzte Funken, der das Pulverfass zum Explodieren brachte. South Central Los Angeles war (und ist) ein problematischer Stadtteil mit hoher Armut, Arbeitslosigkeit und Kriminalität. Hinzu kommen Polizeigewalt und rassistische Konflikte zwischen den verschiedenen Ethnien. Einmal ausgebrochen hatten die Ereignisse kaum noch etwas mit ihrem direkten Auslöser zu tun, die zahlreichen Gangs nutzten den rechtsfreien Raum für ihre Zwecke. Autor Ryan Gettis hat für diesen Thriller intensiv und jahrelang recherchiert. Im Klappeneinband beschreibt er, wie er zunächst einige Bekannte über ihre Gangvergangenheit befragte und sich dann immer tiefer in die Thematik einarbeitete. Irgendwann erhielt er dann eine Aufforderung, eine Verabredung mit einem offenbar wichtigen Mann der Gangszene wahrzunehmen, der ihm auf den Zahn fühlen wollte. Gettis bestand die Prüfung und konnte seine Recherchen komplettieren. Inzwischen bin ich stocksauer auf diese Geschworenen. Ich bin stinksauer auf alles, aber auf sie kann ich besonders sauer sein. Hätten sie nur einen schuldig gesprochen, wäre das alles hier nicht passiert. Zumindest einen Sündenbock hätten sie uns geben können – aber nein. Jetzt muss die ganze Stadt dafür bezahlen,... (S. 227-228) Der Roman besteht aus einer Vielzahl von Ich-Erzählern, insgesamt 17 berichten von ihren Erlebnissen zu einem bestimmten Zeitpunkt während der Riots. Unter ihnen sind eine Krankenschwester, ein Feuerwehrmann und ein Elite-Soldat. Doch die meisten von ihnen sind irgendwie in der Latino-Gangszene von South Central L.A. involviert und dadurch erhält der vielstimmige Roman seinen roten Faden, eine Art fragmentarischen Plot. Denn der Mord an Ernesto setzt eine Kettenreaktion der Gewalt frei: Lupe, seine Schwester, will sich mit Hilfe ihrer „clica“ an den Mördern ihres Bruders rächen. Akribisch und mit beeindruckender Atmosphäre zeichnet Gettis mit unterschiedlichen Perspektiven ihren Rachefeldzug und die Reaktion der Gegenseite inklusive blutigem Showdown. Dabei zeigt der Autor eine große Empathie für seine Figuren, die alles andere als schwarz-weiß gezeichnet werden. Im Roman sinniert der anonyme Elite-Soldat über die Parallelen zwischen den Watts-Unruhen, die 1965 in Los Angeles stattfanden, und den aktuellen Ausschreitungen („Ich kann Ihnen aus persönlicher Erfahrung sagen, dass nach den Unruhen von Watts kein Problem wirklich gelöst wurde, weder ökonomisch noch sonst wie“, S.379). Aber angesichts der Vorkommnisse in Ferguson und Baltimore 2014 erhält das Thema dieses Thrillers auch wieder eine erschreckende Aktualität. Ryan Gettis gelingt es, trotz der engen Fokussierung auf die jeweiligen Ich-Erzähler ein stimmiges Gesamtbild über eine Stadt im Ausnahmezustand zu zeichnen. Hart, intensiv und ungeschönt. Alles in allem ein überzeugender Thriller.

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    • 8
    clary999

    clary999

    21. February 2016 um 20:29