Ryan Holiday Operation Shitstorm

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Inhaltsangabe zu „Operation Shitstorm“ von Ryan Holiday

Sie haben es alles schon gesehen: Ein bösartiges Gerücht im Internet kostet ein Unternehmen Millionen. Ein politischer Nebenkriegsschauplatz wird auf einmal in den Medien gehyped und ein aussichtsreicher Kandidat zerstört. Irgendein Produkt oder eine Person wird auf einmal aus der Anonymität zur viralen Sensation katapultiert. Was Sie nicht wissen, ist, dass es jemand gibt, der für all das verantwortlich ist. Im Regelfall jemand wie ich. §Wer bin ich? Ich bin ein Medien-Manipulator. In einer Welt, in der Blogs die Nachrichten beherrschen und auch verfälschen, ist es mein Job, die Blogs zu kontrollieren so gut, wie das einem Menschen überhaupt möglich ist.§Warum teile ich diese Geheimnisse? Ich habe eine Welt satt, in der Blogs indirekte Bestechungsgelder annehmen, in der die Werber beim Schreiben der Nachrichten helfen, Journalisten Lügen verbreiten und keiner am Ende dafür verantwortlich gemacht wird. Ich ziehe den Vorhang über all diesen Vorgängen weg, weil ich nicht möchte, dass die Öffentlichkeit weiterhin für dumm verkauft wird.§Ich werde Ihnen genau erklären, wie die Medien heute WIRKLICH funktionieren. Was Sie dann mit diesem Wissen anfangen, das überlasse ich ganz Ihnen

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    Operation Shitstorm

    R_Manthey

    29. July 2015 um 13:32

    Auch wenn Ryan Holiday hierzulande kaum bekannt ist und auch wenn sich sein Buch vor allem auf die US-Verhältnisse bezieht, so kann man doch viel aus ihm lernen oder sich in den eigenen Beobachtungen bestätigt fühlen. Holiday ist nicht nur recht jung, sondern auch Marketing-Chef der amerikanischen Klamotten-Kette American Apparel, die es auch in Deutschland gibt. Außerdem steht er als Medienstratege hinter dem Bestsellerautor Tucker Max, der Bücher schreibt, vor denen Bildungsbürger entsetzt zurückschrecken. In diesem Buch geht es grundsätzlich um Blogs, darum wie sie funktionieren, wie man sie fast unbemerkt für eigene Zwecke benutzen kann, wie sie schmerzfrei zum eigenen Wohlergehen Leute manipulieren und wie sie auf diese Weise verantwortungslos enormen wirtschaftlichen Schaden bei anderen anrichten. Dies ist keine wissenschaftliche Untersuchung, auch wenn sich der Autor am Ende auf bekannte Medienkritiker beruft, sondern eher ein durchdachter und lakonisch geschriebener Bericht eines Insiders. Holiday unterteilt sein Werk in zwei Teile. Im ersten Teil ("Das Monster füttern - Wie Blogs funktionieren") schildert er wie man vorgehen kann, um unbemerkt und kostenlos Aufmerksamkeit für die eigenen Produkte in diesen Medien zu erzeugen. Beispielsweise erzählt er, wie er eigene Werbeplakate mit Ausdrücken tiefster Empörung überklebte, das Resultat fotografierte und sogleich an einige unbedeutende kleine Blogs verschickte, selbstverständlich als unbeteiligter Kommentator unter einem Pseudonym und dem Titel "Habe ich zufällig auf dem Heimweg entdeckt!". Dann musste er nur noch warten, bis sich diese Neuigkeit auf größere Blogs hocharbeitete und dort größere Empörungs- und Aufmerksamkeitswellen produzierte. Nachdem er die Strukturen der Schriftmedien dargelegt hat, kommt Holiday dann zu neun Taktiken, wie man Blogs unbemerkt von außen für die eigenen Zwecke einspannt. Eigentlich verbreitet er dabei nicht viel Neues, denn solche Tricks werden schon seit Jahrzehnten innerhalb der Medien benutzt, um höhere Auflagen oder Einschaltquoten zu erzielen. Immer nach dem Motto "Gib den Bastarden, was sie wollen!" (S. 93). Doch gegenüber den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Medienlandschaft stark verändert. Völlig neue Aspekte treten dabei nun in den Vordergrund. Über Twitter, Facebook oder die von Holiday ins Visier genommenen Blogs verbreitet sich jeder noch so große Blödsinn in Sekunden. Und ist er einmal in der Welt, richtet er zum Teil erheblichen Schaden an. Ein geradezu klassisches Beispiel ist die vermeintliche Nachricht von vor einigen Jahren, dass sich bestimmte Toyota-Modelle in den USA auf geheimnisvolle Weise selbst beschleunigen, was zu tödlichen Unfällen geführt haben soll. Das ökonomische Desaster, das Toyota durch diese scheinbar wahren Nachrichten erlitt, war enorm. Wen interessiert da noch, dass die NASA nach einiger Zeit feststellte, dass nichts an diesen Mitteilungen stimmte und dass die Autos völlig in Ordnung waren. Die Verunfallten hatten einfach Gas- und Bremspedal verwechselt. Internetseiten brauchen Seitenaufrufe und Klicks. Deshalb werden sie alles dafür tun, denn allein davon hängt ihr wirtschaftlicher Erfolg ab. Holiday erklärt dies detailliert im zweiten Teil seines Buches ("Das Monster greift an - Was Blogs bedeuten"). Unter anderem geht es dort um Manipulationsmuster, Online-Unterhaltung, die süchtig macht, um die sogenannte Link-Wirtschaft, bei der ein Link die Illusion einer glaubhaften Quelle erzeugt, um Online-Erpressung (beispielsweise durch gefakte Produktvideos), um die iterative Schwindel-Philosophie des Online-Journalismus ("Hauptsache schnell raus, wenn es nicht ganz richtig ist, machen wir eben ein Update!"), um Häme im Internet, die als Humor getarnt wird und um Blogs als Werkzeug von Hass und Bestrafung (der Pranger des 21. Jahrhunderts). Beinahe am Rande erwähnt Holiday, dass die Konstruktion so mancher Internetseite extra so aufgebaut ist, dass man möglichst viel Verkehr und möglichst viele Klicks erzeugt, etwa durch die Illusion einer demokratischen Ordnung mit Diskussionsforen und Abstimmungsbuttons. Weil es das eigene Ego bedient, fallen darauf viele Menschen herein und bescheren so dem Seitenbetreiber enorme zusätzliche Einnahmen. Obwohl der Text immer wieder Ereignisse in der US-Szene und die dortigen Blogs wie gawker.com oder huffingtonpost.com reflektiert, bietet er einen sehr guten Einblick in Manipulationstechniken, wie man sie überall, aber eben besonders im Internet findet. Betroffene haben wegen der extremen Ausbreitungsgeschwindigkeit selten eine Chance, sich gegen die Heimtücke solcher Methoden zu wehren. Wenn auf diese Weise anonym Gerüchte gestreut werden, die auf den fruchtbaren Boden einer inzwischen zum Allgemeingut gewordenen Empörungskultur fallen, ist wohl alles zu spät. Ein lehrreiches Buch.

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