Ryu Murakami Audition

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Inhaltsangabe zu „Audition“ von Ryu Murakami

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  • Bitterböse Gesellschaftskritik

    Audition
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    09. June 2014 um 14:31

    Auf Anhieb sieht Aoyamas Leben ganz normal aus: Nach dem Tod seiner Frau vor sieben Jahren lebt er nun mit Sohn Shige alleine im Haus. Über die Zeit der Trauer sind beide hinweggekommen, es besteht nach wie vor ein guter Kontakt zu den Schwiegereltern und Aoyama ist ein erfolgreicher Dokumentarfilmer. Die Fassade bekommt Schieflage, als Shige seinen Vater nach einer möglichen Wiederverheiratung fragt. An eine neue Heirat hatte der Vater bis dato nie gedacht: „He might have considered remarrying if he’d been too unattractive or too poor to get his sexual needs met, but that wasn’t the case.“ Mit anderen Worten: Heiraten ist eher was für arme Würstchen, die sonst nicht zum Zuge kommen. Dass er in Sachen Beziehung selbst kein großes Licht ist, bemerkt er gar nicht. Murakami erzählt in Rückblenden auch, wie Aoyama mit seiner Ehefrau Ryoko während der Ehe umgegangen ist. Als charakterstarke Schönheit wurde Ryoko von ihm geschätzt und als selbstverständliches Zubehör seines Status’ betrachtet, jedoch laufend hintergangen. Ryoko zog ihrerseits die Konsequenzen und konzentrierte sich auf die Erziehung des Sohnes statt auf die Ehe. Frauen haben in der Welt von Aoyama und Shige außer Schönheit und als bedingungsloser Support keinen Platz: „What husband has never speculated how free he might feel if his wife were suddenly out of the picture? … Let these men actually lose their wives, however, and few can even summon the will or energy to run wild; it’s only then that they recognise the support system they’ve been taking for granted.“ Aoyamas Freund Yoshikawa macht es nicht besser. Um dem so plötzlich auf’s Heiraten versessenen Aoyama eine angemessene Begleitung zu verschaffen, konzipiert er nach routinierter Zielgruppenanalyse ein Casting, bei dem die Ansprüche hinsichtlich Charakter, Bildung, Schönheit und Alter (am besten Anfang Zwanzig für einen Mann Anfang Vierzig) abgedeckt werden sollen. Aoyama trifft eine schnelle und bedingungslose Auswahl: Yamasaki Asami und sonst keine. Kein Gedanke daran, dass die Auserwählte vielleicht andere Vorstellungen von einem Partner hat, dass eine andere sich als sympathischer entpuppen könnte oder überhaupt: dass es nicht um Katalogware geht, die man aussucht, auf den Bestellzettel schreibt und geliefert bekommt. Aoyama ist so besessen, dass er jede einzelne Warnung in den Wind schreibt. Und davon gibt es genug. Während Aoyama von Freunden auf Unstimmigkeiten hingewiesen wird oder unerklärliche Charakterzüge, wird Murakami deutlicher. Zwar ist er über weite Strecken ein präziser Erzähler, der mit wenigen Worten eine seltsame Liebesgeschichte zu erzählen scheint. Aber wenn er deutlch wird, dann richtig. Spätestens ab der Mitte hat Murakami die Karten für jedermann offen auf den Tisch gelegt. Mit Asami wählt Murakami eine gefährliche Hauptperson, die das viel benutzte Etikett „Horror“ möglich gemacht hat. Dabei verstehe ich die Geschichte viel mehr als eine Gesellschaftskritik, die bis ans Äußerste geführt wird. Erzählt wird über (eigentlich nicht nur) zwei Menschen, die mit Nähe und Liebe aus verschiedenen Gründen nicht umgehen können. Dazu passt die distanzierte und sehr geradlinige Erzählweise, die erst gegen Ende etwas detaillierter wird. Trotz des jungen Alters, das für die lüsternen Herren bequem und attraktiv zu sein scheint, trägt Asami ein Trauma mit sich herum, das sie zur unbarmherzigen Rächerin macht, wenn sie ihre Interessen nicht gewahrt sieht. Die perfekte Asami beweist auf ihre Art mindestens dieselbe Konsequenz im Umgang mit Männern, wie Aoyama bei seiner verbissenen Brautschau und ist im Sinne der Geschichte eine ebenbürtige Gegnerin. Als Mann treibt Aoyama die Wahrnehmung der Frau in der japanischen Gesellschaft auf die Spitze, während Asami das durch Männer erlittene Leid bis zum bitteren Ende rächt. Sympathieträger sind alle beide nicht. Was bei der Stange hält, ist das Wissen um dieses unvermeidlich böse Ende, das sich erst auf den letzten Seiten vollständig entfaltet. Verbunden mit der hoffnungsvollen Frage, ob irgend jemand mit einem Lerneffekt aus der Situation herauskommt. Oder ob nicht auch das Ende ein illusionsloser Spiegel der gesellschaftlichen Situation ist.

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