Ryu Murakami Das Casting

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Inhaltsangabe zu „Das Casting“ von Ryu Murakami

Seit dem Tod seiner Frau vor 7 Jahren hatte Dokumentarfilmer Aoyama keine einzige Verabredung. Nachdem sogar sein 15-jähriger Sohn Shige zu einer neuen Heirat drängt, beschließt Aoyama, genau das zu tun. Um in möglichst kurzer Zeit, die Richtige zu finden, kommt für den erfolgreichen Geschäftsmann nur eine systematische Suche in Frage. Sein bester Freund Yoshikawa entwickelt den perfekten Plan: Unter dem Deckmantel eines Film-Castings, soll Aoyama seine zukünftige Braut finden. Tausende Frauen bewerben sich, doch es ist von Anfang an die hübsche Ballett-Tänzerin Yamasaki Asami, die Aoyamas Herz erobert. Betört und geblendet von ihrer Zerbrechlichkeit und dem schüchternen Lächeln, ignoriert er sein immer größer werdendes Gefühl, das mit Asami irgendetwas nicht stimmt. Was als zarte Liebesgeschichte beginnt, mündet bald in einen beklemmenden Albtraum. Mit "Das Casting" schuf Ryu Murakami einen fesselnden Psycho-Thriller, der tief unter die Haut geht und die Vorlage für den Kultfilm "Audition" (1999) von Takashi Miike.

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    Das Casting
    Kaisu

    Kaisu

    15. May 2016 um 11:55

    Solltest du die Verfilmung bereits kennen, so lösche bitte direkt einmal alles aus deiner Erinnerung, was dir dazu einfällt. Vor allem das Blut. Viel Blut. Einfach ausblenden. Vielleicht auch ein bisschen von der Brutalität. Reduziert sie auf ungefähr auf die Hälfte. Alles erledigt? Dann kannst du das Buch in die Hand nehmen und damit starten. "Das Casting" hat viele Parallelen zum Film, was natürlich nicht verwunderlich ist. Immerhin ist es die Vorlage dazu. Dennoch geht es hier viel ruhiger zu und zerrt einen ganz langsam in den Strudel der Brutalität hinein, bis es einen auf den letzten Seiten komplett damit überrumpelt. Dabei ist es nicht einmal die Gewalt an sich, sondern die Nüchternheit, mit der der Autor sie beschreibt.  Da habe sogar ich innerlich aufgestöhnt. Jetzt habe ich schon so viel drumherum erzählt, aber nicht worum es eigentlich geht. Also folgt nun erst einmal eine kurze inhaltliche  Zusammenfassung:  Aoyama ist Witwer. Vor ein paar Jahren hat er seine Frau an Krebs verloren und zieht nun den gemeinsamen Sohn Shigehiko allein groß. Beruflich läuft  bei dem Dokumentarfilmer alles bestens und auch sonst gibt es keine nennenswerten Probleme. Doch Aoyama ist einsam. Er trauert lieber, als sich eine neue Frau zu suchen und so muss ihn erst sein Sohn energisch darauf hinweisen, damit er sich aufrafft und sich auf die Suche nach einer weiblichen Häfte macht. Nur wo finden im Alltag? Sein Freund Yoshikawa hat eine grandiose Idee: Warum nicht berufliches und privates mischen und ein Casting für eine Werbung ausschreiben. Aus dem sich der Witwer seine neue Frau heraussuchen kann. Gesagt. Getan. Hunderte Frauen folgen dem Aufruf und wollen das neue Werbegesicht Japans werden. Die beiden Freunde treffen eine Vorauswahl und tatsächlich, eine junge Frau schafft es allein nur durch ihre Bewerbung Aoyama seine Trauer zu vergessen. Er ist sogar so besessen von ihr, dass ihn die anderen Frauen regelrecht langweilen und er der geheimnisvollen Asami entgegen fiebert. Kaum sieht er sie leibhaftig vor sich, ist es um ihn geschehen. Er ist geblendet von ihrer Art zu Reden und ihrer klassischen Schönheit. Doch es gibt einen Haken. Der Altersunterschied. Was sollte so ein junges Ding, schon von so einem alten Mann, wie ihm wollen. Erste Unterhaltungen beweisen jedoch das Gegenteil. Die Chemie stimmt eindeutig und eine zarte junge Liebesromanze entwickelt sich. Dabei verfällt er ihr so sehr, dass er alle Anzeichen übersieht, die für den Außenstehenden offensichtlich sind. Asami verbirgt etwas und dieses etwas scheint nicht auf die rosa Wolke zu passen, auf der Aoyama gerade schwebt. Selbst als sie ihr wahres Ich zeigt, versteht er nicht und braucht erst die volle Dröhnung ihrer Boshaftigkeit, bis dass er im wahrsten Sinne des Wortes von seiner plüschigen Wolke herunterknallt. Wenn das passiert, ist man auch als Leser schockiert von der dunklen Seite der jungen Frau. Kompromisslos zieht sie ihre "Arbeit" durch, ohne Rücksicht auf Verluste. Diese Ereignisse stellen einen krassen Kontrast zu den ersten Seiten dar. Was so leichtfüßig anfing, endet in einer Katastrophe. Es ist vor allem der bissige Unterton, den man heraushört. Da ist der naive Aoyama, der Frauen lieben will und eine Begleitung braucht, sein energischer Freund Yoshikawa, der sich als ultimativer Frauenversteher sieht und die unscheinbare Asami, die einerseits das Klischee der sittsamen Frau darstellt und zugleich ihre Neigungen nicht zurückhält, sondern offen auslebt. Zwischendrin lässt der Autor immer wieder die Erfahrung und Weisheit, durch die Münder diverser Figuren sprechen. Aber Liebe macht bekanntlich blind und japanische Schönheiten sind eben nicht immer das, wonach sie auf den ersten Blick aussehen. Das Buch hat man recht schnell gelesen, was bei knapp 200 Seiten auch kein Wunder ist. So ist es nicht die Detailverliebtheit, die überzeugt, sondern die Schonungslosigkeit der Realität, wenngleich sie etwas überspitz dargestellt wird. Das Ende selbst, kommt dann anders als erwartet. Dennoch passt es zu den Ereignissen und rundet alles gekonnt ab. In ein bestimmtes Genre lässt sich die Geschichte meiner Meinung nach übrigens nicht stecken. Dem Thriller wird es nicht ganz gerecht, Psycho ist in einigen Punkten auf jeden Fall korrekt, Hardboiled ist es dann auch nicht wirklich, auch wenn es hart zur Sache geht. Am besten passt wirklich "gesellschaftskritischer Roman mit psychotisch brutalen Elementen". Für mich war es das erste Buch von Ryo Murakami und es wird auch definitiv nicht das letzte sein. Sein Schreibstil ist sehr angenehm und ich mag derartige Wendungen in Geschichten, selbst wenn sie mir durch Verfilmungen schon bekannt sind. "Coin Locker Babies" habe ich als nächstes im Visier und das Buch ist mit seinen 600 Seiten ein richtiges Monstrum im Vergleich zu "Das Casting".

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  • Zwischen stiller Liebesgeschichte und lautem Horror

    Das Casting
    Zen-Cola

    Zen-Cola

    05. October 2014 um 03:14

    Ich habe bisher alle auf Deutsch vorliegenden Romane des Autors gelesen, bin dabei auf sehr starke, auf durchwachsene und auf weniger überzeugende Bücher gestoßen. »Das Casting« gehört zusammen mit »In der Misosuppe« und »69« zu den besten bislang übersetzten Werken Ryu Murakamis - und überragt den kultigen Film »Audition«, der vom Ausnahmeregisseur Takashi Miike umgesetzt wurde, sogar noch ein kleines Stück. Der Dokumentarfilmer Aoyama ist seit sieben Jahren Witwer, geblieben sind ihm sein Beruf, sein jugendlicher Sohn und sein bester Freund Yoshikawa, der ebenfalls in der Filmbranche tätig ist. Zu Frauen hat er in den letzten Jahren eher oberflächlichen Kontakt gehabt; doch nun beschließt er, erneut zu heiraten. Gemeinsam mit seinem Freund plant Aoyama, ein Casting für einen vagen Film zu inszenieren, um die passende Frau zu finden. Mit der geheimnisvollen Asami scheint er einen Glückstreffer gelandet zu haben. Doch langsam zeichnet sich ab, dass das vermeintliche Glück hier vielmehr ein furchtbarer Alptraum ist, der die eine oder andere Grenze neu auslotet ... Weder der Verlag noch die tätigen Übersetzer (Leopold Federmair / Motoko Yajin) sagten mir vorher etwas; sie machen ihre Sache aber sehr gut. Bis auf wenige Ausnahmen ist das Korrektorat souverän. Die Übersetzung kann ich nicht mit dem Original vergleichen, lediglich mit anderen zeitgenössischen Übersetzungen aus dem Japanischen. Und hier fällt auf, dass sie sich absolut nicht zu verstecken braucht. Dem knappen Roman »Das Casting« ist dieser typische ruhige Zauber eigen, dem man oft in japanischen Büchern begegnet. So wird der Spannungsbogen sehr langsam aufgezogen: Der Protagonist wird eingeführt, das Setting wird ausgebreitet, alles mit knappen und lakonischen Worten dicht und atmosphärisch geschildert. Berichtet wird aus der dritten Person im Präteritum. Und wenn der meistens personale Fokus nicht dann und wann in einen auktorialen wechseln würde, der das kommende Unheil zwischendurch ankündigt, so könnte man den Großteil des Romans denken, man würde eine feinfühlige, ruhige Liebesgeschichte lesen. Wer Murakami kennt, weiß natürlich, dass man sich als Leser in diesem Gefühl nicht allzu sicher wähnen sollte, denn das Grauen kommt gnadenlos und brachial. Im Vergleich zu der Verfilmung gibt das Buch an den richtigen Stellen tiefere Einblicke. Die Gefühle und der Charakter Aoyamas kommen wesentlich besser zum Ausdruck; dazu trennt der Roman klarer zwischen Realität und Illusion, was im Film - zumindest für mich - nicht immer leicht zu unterscheiden war. Ergo: Der Film ist vom Gewaltfaktor wahrscheinlich etwas heftiger, das Buch punktet dagegen durch eine tiefere Ausarbeitung der Figuren. Fazit: Mit »Das Casting« liegt endlich (dem Septime-Verlag sei Dank) eine weitere Übersetzung Ryu Murakamis vor. Und diese überzeugt durch eine atmosphärische, langsam erzählte Geschichte, bei der man dem Protagonisten gut folgen kann und in die das Grauen subtil eingeflochten wird, bis es dann mit Brachialgewalt kommt.

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