Rywka Lipszyc

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Rywka LipszycDas Tagebuch der Rywka Lipszyc
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Das Tagebuch der Rywka Lipszyc
Das Tagebuch der Rywka Lipszyc
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Erschienen am 24.10.2015

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Rezension zu "Das Tagebuch der Rywka Lipszyc" von Rywka Lipszyc

Überleben des menschlichen Geistes im Angesicht des Bösen.
JulesBarroisvor 3 Jahren

Das Tagebuch der Rywka Lipszyc - 237 Seiten, Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag; Auflage: 1 (24. Oktober 2015), 22,95 €;

Viele Tagebücher wurden während der dunklen Tage des Holocaust geschrieben. Die meisten gingen, ebenso wie die Autoren verloren. Nur wenige blieben erhalten, wie das vorliegende von Rywka Lipszyc, einem hell-wachen 14-jährigen Mädchen im Ghetto von Lodz. Ihr Schicksal mag unbekannt sein, aber ihr Tagebuch der Qual ist ein Beweis für das Überleben des menschlichen Geistes im Angesicht des Bösen.

Das Tagebuch, handschriftlich in einem Schulheft, beginnt während des jüdischen Neujahrsfest im 3. Oktober 1943 und endet am 12. April 1944 buchstäblich mitten im Satz. Was aus Rywka wurde, bleibt ein Rätsel.

Sie schreibt über ihre geliebte Mentorin Surcia, über ihr Leben und das ihrer Geschwister im Haushalt ihrer kleinen Cousinen, der von einem ein paar Jahre älteren Mädchen geleitet wird. Ihr Bruder und ihre Schwester wurden von den Nazis während einer der berüchtigten „Allgemeinen Gehsperren“ im September 1942 mit insgesamt 70.000 nutzlosen Juden, darunter 15000 Kindern unter 10 Jahren in das Vernichtungslager Kulmhof (Chelmno) deportiert. „Die Sperre! Wie viele tragische Erinnerungen, wie viel Schmerz, wieviel Sehnsucht, wie viel Sorge usw. (das kann ich gar nicht alles aufzählen) stecken in diesem Wort? Oh Gott, wie viel Grauen?“ (Seite 141

Rywka Tagebuch ist sowohl ein erstaunliches historisches Dokument als auch eine bewegende Hommage an die vielen einfachen Menschen, deren Leben für immer durch den Holocaust veränderte wurde. Im Kern schildert sie detailliert die brutalen Bedingungen, die Juden im Ghetto von Lodz (Litzmannstadt), dem zweitgrößten in Polen, unter den Nazis ertragen mussten: Armut, Hunger und Unterernährung, religiöse Unterdrückung und im Fall Rywka der Tod ihrer Eltern und Geschwistern.

Hoffnung und Glauben, Elend und Verzweiflung, Stunden von Fabrikarbeit und Versuche eines Nähunterrichts, magere Verpflegung, gestohlenes Essen, Warten auf notwendige Ausweise, die neuesten Todesfälle und die so verursachten unvermeidlichen Rückgänge in den Bereichen Gesundheit und Geist: das sind die Themen in diesem Tagebuch. Die äußeren Themen.

Aber noch interessanter ist das innere Leben von Rywka Lipszyc. „Wenn ich allein bin, dann bin ich wie in einer anderen Welt, dann lebe ich mein inneres Leben.“ (Seite 96) Schreibversuche, Identitätsfindung, Freundschaften, ihre tiefe Zuneigung zu ihrer Mentorin Surcia, ihre Lebensphilosophie, ihre Trauer, ihre Empfindungen, ihre Ideen, ihre Zerrissenheit, „Wie gut hat es einer, der unwissend lebt, absolut unwissend wie ein Kind. Und wie unglücklich ist der, der weiß, was er alles nicht weiß … Ich gehöre zu der zweiten Art Mensch ...“ (Seite 89)

In dieser täglichen Realität von Schmerz, Angst und Schrecken, findet Rywka Lipszyc Ruhe auf den Seiten ihres Tagebuchs.

Rywka Tagebuch ist auch eine bewegende Coming-of-Age-Geschichte, in der eine junge Frau ihre Neugier auf die Welt ausdrückt, ihren Platz darin sucht und über ihre Beziehung zu Gott, ihr Engagement für das Judentum und ihren Glauben an die Menschheit reflektiert. Es war ihr starker Glaube, der Rywka durch diese schwierigen Zeiten durchführte und das wird in diesem erstaunlichen Dokument deutlich. „Deshalb bin ich Gott drei- oder sogar vierfach dankbar dafür, dass ich glaube, dass er mir die Fähigkeit zu glauben gegeben hat, denn ohne den Glauben hätte ich längst wie so viele andere die Lust am Leben und all dem, was das Leben umgibt, verloren.“ (Seite 128)

Ihr Schreibstil ist sehr einfach und persönlich, aber auch sehr intim und bewegend. Sie verblüfft uns mit ihrer scharfen Beobachtungsgabe und vor allem mit ihrem tiefen Vertrauen auf Gott.

Dieses wunderbare Buch enthält nicht nur das kurze Tagebuch, obwohl das sicher genug gewesen wäre, sondern wird auch durch Artikel wie „Die Familie erinnert sich“ (Seite 191 – 216), „Heranwachsen im Getto Lodz“ (Seite 13 - 50) oder „Rywkas Stadt, Rywkas Getto (Seite 51 - 66) sowie viele Fotografien, Zeitungsausschnitte und Karten bereichern und ergänzen dieses starke Bild sowohl über die Lebensbedingungen von Rywka Lipszyc und dem geheimnisvollen Ende ihres Tagebuchs

Lesen sie dieses erschütternde Dokument eines tapferen Mädchens, nein, sie ist trotz ihrer 14 Jahre eine moderne, intellektuelle Frau. Hier schreibt ein ganz besonderer Mensch mit starker und charismatischer Stimme. Und trotz aller schrecklichen Umstände ein Mensch mit ungebrochenem Optimismus. Sie vermittelt dem Leser das Gefühl, als ob er ihre Reise mit erlebt und lässt ihn ihre Trauer, ihre Aufregung und ihre Ermutigung spüren.

Wunderschön und sensibel bietet Rywka Lipszyc Tagebuch eine überraschende Perspektive auf das Leben, die Hoffnung und den Glauben in einem der schlimmsten jüdischen Ghettos. Es ist ein Buch, das ich euch allen empfehle. Ein Buch, das in Euren Köpfen und Herzen bleiben wird, durch seine intime und ergreifende Einfachheit.


Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Suhrkamp Verlages

http://www.suhrkamp.de/buecher/das_tagebuch_der_rywka_lipszyc-rywka_lipszyc_54274.html


Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de


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