Sándor Márai

 3.9 Sterne bei 529 Bewertungen
Autor von Die Glut, Das Vermächtnis der Eszter und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Sándor Márai

Sándor Károly Henrik Grosschmid ist er Sohn eines Juristen, der im Kaiserreich Österreich-Ungarn aufwuchs. 1939 beantragte er eine Namenssänderung und nannte sich von da an nur noch Sándor Márai. Beim Untergang des Reiches übersiedelte er 1919 nach Deutschland und studierte Journalistik in Leipzig. Anschließend wechselte er nach Frankfurt studierte und arbeitete nebenbei bei der Frankfurter Rundschau. 1923 heiratete er Ilona Matzner, welche er noch von zu Hause kannte. Das Paar heiratete zunächst nur standesamtlich und wartete 13 Jahre auf die kirchliche Hochzeit, bis sie wieder zurück bei der Familie waren. Direkt nach der Hochzeit ging das Paar nach Paris. Während seiner Zeit in Paris, wo er weiter als Journalist tätig war, übersetzte er zahlreiche Werke ins Ungarische. Zwei Jahre später wurde er auch in literarische Kazinczy-Gesellschaft von Kaschau aufgenommen. Bevor er 1928 endgültig nach Ungarn zurückkehrte, machte er eine Reise nach Ägypten, Palästina, Syrien und die Türkei und kehrte über Griechenland und Italien nach Frankreich zurück. Seine Erlebnise beschreibt er in seinem ersten Buch "Reiseroman." Zurück in Ungarn begann er richtig mit dem Schreiben. Vorher veröffentlichte er nur Kurzgeschichten, Essays und Zeitungsartikel. In Ungarn wagte er sich an Lyrik, Prosa und Dramen. Am Erfolgreichsten wurde sein Roman "die Glut." Als Ungarn von den Deutschen besetzt wurde, legte Márai seinen Stift nieder und schrieb erst wieder nach Ende des Krieges. Vorher hatten die Márais sich einen großen Besitztum angeeignet, der aber vollkommen verbrannt ist. Inklusive der 60.000 bändigen Bibliothek. In der er sten Zeit, des Aufbaus Ungarn, war Márai gerne gesehen und überall gefragt. Als die kommunistische Partei an die Macht schlug dies plötzlich um. Márai und seine Frau Lola, hatten noch ein Kind adoptiert, da ihr einzigstes, leibliches Kind kurz nach der Geburt an einer Krankheit erlag. Die kleine Familie ging nach Italien ins Exil, wo Marai weiterhin auf ungarisch seine Werke verfasste. Das Einkommen der Familie war sehr spärlich und gingen 1957 nach Amerika, wo Márai die amerikanische Staatsbürgerschaft annahm. Márai und seine Frau lebten, dazwischen zwar nochmal kurz in Italien, blieben aber sonst in Amerika. Nachdem seine Frau, sein Sohn und sein Bruder innerhalb kurzer Zeit starben, erschoss sich Sandor Marai am 22. Februar 1989 in San Diego.

Alle Bücher von Sándor Márai

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Die Glut

Die Glut

 (240)
Erschienen am 01.04.2001
Das Vermächtnis der Eszter

Das Vermächtnis der Eszter

 (40)
Erschienen am 17.09.2012
Wandlungen einer Ehe

Wandlungen einer Ehe

 (34)
Erschienen am 01.07.2004
Die Nacht vor der Scheidung

Die Nacht vor der Scheidung

 (36)
Erschienen am 01.10.2005
Die Fremde

Die Fremde

 (21)
Erschienen am 01.05.2009
Die Möwe

Die Möwe

 (16)
Erschienen am 01.04.2010
Die Gräfin von Parma

Die Gräfin von Parma

 (16)
Erschienen am 01.03.2004

Neue Rezensionen zu Sándor Márai

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Viv29s avatar

Rezension zu "Die Glut" von Sándor Márai

Sprachgewaltiges Portrait von Gesellschaft und Freundschaft
Viv29vor 2 Monaten

Der ungarische Titel dieses Buches, A gyertyák csonkig égnek, bedeutet übersetzt "Die Kerzen brennen bis zum Ende". Dies ist eigentlich der bessere Titel für dieses Buch, denn der Großteil der Handlung (mehr ein Gespräch als Handlung) findet in einer Nacht statt, in der die Kerzen allmählich herunterbrennen.

Das Buch beschreibt eine Rückschau. Eine Rückschau auf eine untergegangene Zeit, die k.u.k. Monarchie, die Welt der Adligen, der Offiziere, der Ehre, des Verschweigens. Aber auch eine Rückschau auf eine Freundschaft und einen Betrug. All dies geschieht vor dem Ersten Weltkrieg und wird im Jahre 1942 in einer kammerspielähnlichen Situation betrachtet.

Der 75jährige ungarische General Henrik lebt alleine und zurückgezogen in seinem Schloß, erhält dann die Nachricht über den Besuch eines Freundes, den er seit über 40 Jahren nicht mehr gesehen hat. Man merkt, er hat seit über 40 Jahren auf diesen Besuch gewartet. Es gibt etwas zu klären, etwas Unangenehmes. Nach und nach blickt Henrik zurück auf die gemeinsame Jugend mit seinem guten Freund Konrád. In einer wunderbaren Sprache entfaltet sich vor uns die k.u.k.-Welt, die Ehe zwischen Henriks sehr verschiedenen Eltern, die Freundschaft zwischen dem privilegierten Henrik und dem aus verarmtem Adel stammenden Konrád. Beide jungen Männer werden Offiziere, Konrád paßt aus verschiedenen Gründen nicht in diese Welt und nach und nach merken wir auch, daß diese so gut erscheinende Freundschaft zwischen Henrik und Konrád viel komplizierter, tiefgründiger und teils ablehnender ist, als man denkt.

Allmählich, als werden Blätter von einer Blüte gepflückt, wird aufgedeckt, was damals alles geschah, was Konrád dazu veranlaßte, fast fluchtartig ins Ausland zu gehen, was Henrik zu seiner Zurückgezogenheit veranlaßte. Als Konrád zu seinem Besuch ankommt, verbringen die beiden jetzt alten Männer die Nacht mit den brennenden Kerzen damit, zu reden. Oder vielmehr, Henrik redet. Es ist ein langer Monolog, oft sehr weitschweifig, manchmal wiederholend. Die Sprache bleibt wundervoll, elegant, berührend.

Am Morgen sind die Kerzen heruntergebrannt, ist alles gesagt. Es bleibt einiges ungeklärt zwischen den beiden Männern, und doch ist es genau dadurch auch geklärt. Ein interessanter vielschichtiger Blick auf die verschiedenen Facetten von Freundschaft, Rache, Verzeihen, Sehnsucht. Sándor Márai konnte in seiner wundervollen Sprache eine untergegangene Welt auferstehen lassen, das Gefühl des Sterbens dieser Welt fast schmerzlich verdeutlichen. Ein wahres Lesevergnügen.

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PaulTemples avatar

Rezension zu "Die Glut" von Sándor Márai

Die Glut
PaulTemplevor 2 Jahren

Über 40 Jahre hat der ehemalige General darauf gewartet: Nachdem sein Jugendfreund ihn mit seiner eigenen Frau betrogen hatte und kurz davor war, den General als Nebenbuhler auf der Jagd zu erschießen, entschloss sich der Liebhaber zur Flucht. Mittlerweile alt und resigniert treffen sich beide ehemaligen Freunde zum Gespräch. Doch je länger die Untehaltung dauert, desto offensichtlicher wird, dass der Bruch der Freundschaft beide Lebensläufe nachhaltig verändert hat. Der General ist fast an seinen Rachegefühlen zerbrochen, Zweifel und Selbstzweifel zerstörten seine Lebensfreude. Sein Jugendfreund floh in tropische Länder, ständig mit sich hadernd und seiner zerflossenen Affäre nachtrauern. Durch was sie sich auch abzulenken versuchten: Die Glut über das verhängnisvolle Ereignis lässt sich nicht vollkommen löschen. Psychologisch raffiniert aufgebaut, legt der Autor die Resigniertheit und Niedergeschlagenheit beider Protagonisten brillant dar, denen ein gehaltvolles Leben nach der Affäre unmöglich war.

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awogflis avatar

Rezension zu "Das Vermächtnis der Eszter" von Sándor Márai

Unglaubwürdiges Psychogram eines Autors über eine Frau
awogflivor 2 Jahren

Selten klappte ich ein Buch mit derartigem verblüfften heiligen Zorn zu wie dieses, denn alle inneren Antriebe der Hauptprotagonistin zu ihren völlig wahnwitzigen selbstzerstörerischen Handlungen sind so unglaubwürdig und wurden mir einfach vom Autor überhaupt nicht erklärt. Da hilft es auch nichts, dass das Buch von einem Schriftsteller aus einer anderen Zeit und Generation vor der Emanzipation stammt, in der die Frauen allesamt noch gefügige arme Hascherln warn, aber so dämlich, sich wie ein Lemming ohne Zwangslage freiwillig von einer Klippe zu stürzen, das brachten nicht mal die naivdümmsten Vorkriegsfrauen zustande.

Aber nochmals zurück zur Ausgangslage: Das Buch beginnt eigentlich in gewohnter Marai Qualität als wortgewaltiges Psychogram des Schlawiners, Strizzis, Pülchers, Falotten (ui da poppt das österreichisch/ungarische Synonymwörterbuch in meinem Schädl automatisch auf) Lajos, geschrieben von jener Frau Eszter, die er am meisten um ihr Leben und ihr halbes Vermögen beschissen hat. Als sich Lajos zu Besuch ansagt, will er von ihr auch noch den kümmerlichen Rest ihrer Existenz und sie überschreibt ihm ihr Haus, um fortan ihr Leben im Armenhaus zu fristen.

So weit so gut - die Schuldgefühle und die Tränendrüse auf die der Schwindler wortreich, eloquent, übergriffig, manipulierend und mit gewiefter emotionaler Erpressung drückt, sind ja durchaus nachvollziehbar und gut beschrieben. Aber warum Esther auf die Forderungen eingeht, erschließt sich mir nicht. Offenbar versteht es jeder, die Hausdame, der Familienanwalt, Sandor Marai - nur der Leser bleibt kopfschüttelnd und völlig ahnungslos zurück. Nun wäre es nicht so verwerflich, wenn Marai das Buch aus männlicher Perspektive geschrieben hätte, dann könnte man noch sagen, so stellt sich der kleine Sandor völlig unrealistisch und hirnverbrannt die unterwürfigen dummen Weiber vor (dies tat auch schon mal Murakami und wurde von mir deshalb besser bewertet), aber das Buch auch noch quasi aus der Frauenperspektive herauszuschreiben, ist tatsächlich ein verdammtes Sakrileg. Marai macht sich ja nicht mal die Mühe, uns schlüssig zu erklären, was die Meinungsänderung von Esther wirklich verursacht hat. So quasi - sie ist eine Frau - deshalb muss sie sich naiv dumm opfern. Punkt.

Da fühle ich mich als Mensch und als weibliches Wesen übelst beleidigt, und müsste Marai dringend empfehlen (sofern er noch leben würde), dass er über Sachen schreiben sollte, von denen er was versteht, aber auf keinen Fall über Frauen. In die Haut alternder Männer konnte er gut hineinschlüpfen über Frauen hätte er nie schreiben dürfen, dafür war er zu respektlos und präpotent-dämlich.

Selbst wenn ich ein armes weibliches Hascherl vor 1914 gewesen wäre, die noch nie was von feministischen Ideen gehört und nie aufgemuckt hätte, hätte ich mich nach damaligen Maßstäben gemansplaint gefühlt und auf diesen Roman ordentlich gespuckt.

Ach ja Stern 2 gibt es für die Form und Sprache, denn schreiben kann er ja der Herr Marai.

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Sándor Márai wurde am 10. April 1900 in Kaschau (Košice) geboren.

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