Sönke Neitzel

 4,4 Sterne bei 52 Bewertungen
Autor*in von Soldaten, Deutsche Krieger und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Sönke Neitzel, geb. 1968, seit 2015 Lehrstuhlinhaber für Militärgeschichte/Kulturgeschichte der Gewalt am Historischen Institut der Universität Potsdam. Zuletzt erschien von ihm  »Deutsche Krieger. Vom Kaiserreich zur Berliner Republik – eine Militärgeschichte« (2020).

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Sönke Neitzel

Cover des Buches Soldaten (ISBN: 9783596188734)

Soldaten

(20)
Erschienen am 26.09.2012
Cover des Buches Abgehört (ISBN: 9783548607603)

Abgehört

(8)
Erschienen am 12.09.2007
Cover des Buches Deutsche Krieger (ISBN: 9783549076477)

Deutsche Krieger

(8)
Erschienen am 02.11.2020
Cover des Buches Weltkrieg und Revolution (ISBN: 9783898094030)

Weltkrieg und Revolution

(7)
Erschienen am 01.04.2008
Cover des Buches Geburt der Moderne (ISBN: 9783898094016)

Geburt der Moderne

(5)
Erschienen am 15.12.2016
Cover des Buches Die Berliner Republik (ISBN: 9783898094160)

Die Berliner Republik

(1)
Erschienen am 01.04.2009
Cover des Buches Blutige Enthaltung (ISBN: 9783451073434)

Blutige Enthaltung

(1)
Erschienen am 11.05.2021

Neue Rezensionen zu Sönke Neitzel

Cover des Buches Abgehört (ISBN: 9783548607603)
Bellis-Perenniss avatar

Rezension zu "Abgehört" von Sönke Neitzel

Bellis-Perennis
Vom Holocaust wussten fast alle - dagegen aufbegehren mochte keiner.

Der deutsche Historiker Sönke Neitzel, dessen Forschungsschwerpunkt auf der (deutschen) Militärgeschichte liegt, gibt mit diesem Buch einen interessanten Einblick auf die Mentalität jener Führungsschicht der Wehrmacht, die sich zwischen 1942 und 1945 in Trent Park (Middlesex/UK) britischer Kriegsgefangenschaft befunden hat und heimlich abgehört wurden. Warum? Erstens, um herauszufinden, ob die Befehlshaber nach wie vor dem Regime treu ergeben sind und zweitens, ob und was sie über die Kriegsverbrechen Bescheid gewusst haben.  

Ich muss  gleich vorausschicken, dass dieses Buch nichts für Zwischendurch ist, da es nach einem Vorwort von Ian Kershaw und einer langen Einleitung (77 Seiten) in vier großen Kapiteln über Zwecke und Methoden der Forschungsaufgabe informiert. Weiters enthält das Buch insgesamt 189, im genauen Wortlaut, dokumentierte Abhörprotokolle, rund 150 Seiten Anmerkungen sowie ein Personenverzeichnis bzw. Kurzbiografien der Inhaftierten und einen Bildteil.  

Interessant ist, dass sich die Gefangenen recht schnell in zwei Gruppen spalten: Jene, die ohne wenn und aber, weiter zum verbrecherischen Regime stehen, wie General der Panzertruppen Ludwig Crüwell (1892 - 1952), und die andere, die wie General der Panzertruppen Wilhelm Ritter von Thoma (1891 - 1951) zu den schärfsten Kritikern der NSDAP gehören und die eigene Mitschuld eingestehen.  

Conclusio:

1. An der Mär von der „sauberen Wehrmacht“ wird schon vor Kriegsende gebastelt.

2. Die Generalität war keine homogene elitäre Schicht - daher greifen Pauschalurteil zu kurz.

3. Vom Holocaust wussten fast alle - dagegen aufbegehren mochte keiner.

Dieses wichtige Buch kann den Zugang zu einem differenzierteren Verständnis, ohne dass dadurch die Verantwortung der Wehrmachtführung für Nationalsozialismus, Weltkrieg und Völkermord in irgendeiner Weise verringert würde, öffnen. 

Fazit:

Diesem wichtigen Buch, das bereits 2005 veröffentlicht worden ist, gebe ich gerne 5 Sterne. 

 

Cover des Buches Die Bundeswehr (ISBN: 9783406830518)
Hubertus_Feldmanns avatar

Rezension zu "Die Bundeswehr" von Sönke Neitzel

Hubertus_Feldmann
Nüchterne Analyse oder Säbelgerassel?

Kurze Antwort: sowohl als auch. Die schlechte Nachricht: Im gesamten Text gibt es keinen einzigen Quellennachweis für die hier getroffenen Aussagen – und das macht eine derart wichtige Arbeit (möglicherweise mit wissenschaftlichem Anspruch, den immerhin ist der Autor Professor für Militärgeschichte) eigentlich zur Makulatur. Ansonsten liefert das Buch, was man von einem solchen Buch erwarten kann und der Untertitel („Von der Wiederbewaffnung bis zur Zeitenwende“) bereits klarstellt: eine recht profunde Darstellung der Entwicklungsgeschichte der Bundeswehr bis in die Jetztzeit. Dies wird in den drei Hauptkapiteln („Kalter Krieg“, „Out-ofArea (1991 bis 2023)“, mit Schwerpunkt Afghanistan, „Zeitenwende“), die die jeweiligen Wendepunkte in der Geschichte der Bundeswehr darstellen, schlüssig dargestellt. Leider ist dies nur die eine Seite der Medaille.

Unverkennbar ist, in welchem gedanklichen Umfeld sich der Autor bewegt und vermutlich, beim Ausblenden vieler anderer Aspekte, auch gar nicht anders kann, wie dem Militärischen einen derart großen Stellenwert einzuräumen. Wer sich tagtäglich mit diesen Fragen auseinandersetzt, dem wird irgendwann die ganz Welt zum potentiellen Schlachtfeld und die drohenden Gefahren zu nahen bevorstehenden Apokalypsen. Wichtig wäre es gewesen, hier eine objektivere Haltung einzunehmen, um nicht in den Sog der eigenen Theorien zu geraten. Denn es wird auch ausgeteilt, gegen Parteien (besonders SPD und die Grünen) frühere Verteidigungsminister wie Franz Josef Jung (führungsschwach), Annegret Kramp-Karrenbauer und Christine Lambrecht („verlorene Zeit“), aber auch gegen einige Führungskräfte der Bundeswehr. Immer geht es um den Kontext, dass mehr Rüstung, effizientere Institutionen und ein attraktiveres Bild der Streitkräfte eine solch desaströse Entwicklung der Bundeswehr verhindert hätte.

Natürlich muss man sich fragen, ob im Verteidigungsministerium 3.000 hochbezahle Mitarbeiter tätig sein müssen, und vor allen Dingen, was machen die den lieben langen Tag lang. Oder warum das Bundesamt für das Personalwesen der Bundeswehr 6.800 Mitarbeiter hat (für rund 180.000 aktive Soldaten). Oder warum die Anzahl der Offiziere im Generalsrang auch nach der Reduzierung der Iststärke der Bundeswehr (495.000 Soldaten) auf den jetzigen Stand gleichgeblieben ist. Und ob es wirklich der Wehrertüchtigung (lt. Autor) dient, wenn man endlich ein seit drei Jahren „fertig ausgearbeitetes Liederbuch“ in Umlauf bringt oder sich wieder auf den „alten Knaben der Wehrmacht“ zurückbesinnt, um die Kampfmoral zu steigern, scheint mir doch mehr als kritikwürdig. Auch der Ansatz, falls ich etwas nicht ausdrücklich ausschließen kann, muss ich es vorsorglich „platt machen“ (Beispiel Einsatz der Bundeswehr – ohne UN-Mandat! – im Kosovo-Krieg), sollte jeder militärischen „Doktrin“ entbehren. Und das wäre die zweite Seite der Medaille, die desaströse, die nur dann eingehegt werden kann, wenn verantwortliche Menschen, sich von Kriegsgesängen nicht von ihrer friedensstiftenden Haltung abbringen lassen. Und dann haben wir noch gar nicht von den unsäglichen Atomwaffen geredet, einem angeblichen Schutzschild … für wen, für was? Vor allen Dingen aber mit welchen Auswirkungen für die gesamte Welt (Stichwort: nukleare Winter). Aber das würde an dieser Stelle zu weit führen.

Insofern bleiben zahlreiche Fragen unbeantwortet. Fragen, die die gesamte Welt-Gesellschaft betreffen und nicht nur von militärischen Hardlinern beantwortet werden sollten, auch wenn diese sich hinter der Fassade einer ernstzunehmenden Wissenschaftlichkeit verbergen.

Cover des Buches Abgehört (ISBN: 9783548607603)
Gunter_Stemmlers avatar

Rezension zu "Abgehört" von Sönke Neitzel

Gunter_Stemmler
Schweigen wäre Gold

Die Gespräche mancher dieser Militärs erscheinen passagenweise unwirklich, bis man sich überlegt, wie wohl Militärs heute in Anbetracht dessen, was eine kriegerische Bedrohung ist, sich miteinander austauschen. Die „mittlere Ebene der Wehrmachtelite“, welche der Krieg nicht in den Tod geführt hat, sondern in die Gefangenschaft, äußerte dort bisweilen verwunderliche Ansichten. Das geschah, als sie über ihre und Deutschlands Zukunft in Ruhe nachdenken konnten. Was ist uns da erspart geblieben - während des Kalten Krieges in Europa teilweise zur totalitären Herrschaft und Unterdrückung führte - an dem, was andernorts als Stellvertreterkriege geschah?

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