Sönke Neitzel

 4,4 Sterne bei 42 Bewertungen
Autor von Soldaten, Abgehört und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Sönke Neitzel

Sönke Neitzel, geboren 1968, war nach Lehrtätigkeiten in Mainz, Karlsruhe, Bern und Saarbrücken Professor für Modern History an der University of Glasgow und Professor für International History an der London School of Economics (LSE). Seit 2015 hat er den deutschlandweit einzigen Lehrstuhl für Militärgeschichte/ Kulturgeschichte der Gewalt am Historischen Institut der Universität Potsdam inne. Zuletzt erschien von ihm und Harald Welzer der Bestseller »Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben« (2011).

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Blutige Enthaltung (ISBN: 9783451073434)

Blutige Enthaltung

Neu erschienen am 11.05.2021 als Taschenbuch bei Verlag Herder.

Alle Bücher von Sönke Neitzel

Cover des Buches Soldaten (ISBN: 9783596188734)

Soldaten

 (19)
Erschienen am 26.09.2012
Cover des Buches Abgehört (ISBN: 9783548607603)

Abgehört

 (6)
Erschienen am 12.09.2007
Cover des Buches Geburt der Moderne (ISBN: 9783898094016)

Geburt der Moderne

 (4)
Erschienen am 15.12.2016
Cover des Buches Deutsche Krieger (ISBN: 9783549076477)

Deutsche Krieger

 (3)
Erschienen am 02.11.2020
Cover des Buches Die Kultur von Weimar (ISBN: 9783898094054)

Die Kultur von Weimar

 (2)
Erschienen am 01.10.2008
Cover des Buches Machtergreifung und Gleichschaltung (ISBN: 9783898094078)

Machtergreifung und Gleichschaltung

 (2)
Erschienen am 29.02.2016
Cover des Buches Demokratie ohne Demokraten? (ISBN: 9783898094061)

Demokratie ohne Demokraten?

 (2)
Erschienen am 01.10.2008
Cover des Buches Die Teilung Deutschlands (ISBN: 9783898094115)

Die Teilung Deutschlands

 (1)
Erschienen am 01.04.2009

Neue Rezensionen zu Sönke Neitzel

Cover des Buches Deutsche Krieger (ISBN: 9783549076477)W

Rezension zu "Deutsche Krieger" von Sönke Neitzel

Ein absolut begeisterndes Buch - obwohl man keinerlei Tendenzen zum 'Kriegshandwerk' verspürt
wschvor 4 Monaten

Das Interesse an dem Buch wurde bei mir durch den Autoren Sänke Neitzel geweckt. Er ist als renommierter Militärhistoriker anerkannt. Seine Kommentare innerhalb der entsprechenden Sendungen auf ZDF info sind von einer umgangssprachlichen Ausdrucksweise, die jeder versteht geprägt. Jeder kann die vorherrschende Stimmungslage zu Zeiten des Ersten Weltkrieges, des Zweiten Weltkrieges sowohl in der Zivilbevölkerung, der Reichswehr, der Wehrmacht nachvollziehen. Ebenso wie Sönke Neitzels Erläuterungen zu den militärischen Operationen samt deren Fehler, die Entwicklungen der verheerenden Waffentechnik verstehen. 

Die Erwartungshaltung, noch mehr über die verschiedenen Schlachten der genannten Kriege und auch über die grauenhaften Verbrechen der deutschen Wehrmacht vor allem während des Vernichtungskrieges in Polen, in der Sowjetunion, auf dem Balkan und ll den anderen Ländern musste während der Lektüre sehr schnell korrigiert werden. Denn diese Ereignisse sind nicht das Thema.

Es geht um die Einstellung der Deutschen zum jeweiligen Militär. Von der gelinde ausgedrückt 'Bewunderung' der Reichswehr über das Ansehen der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg, zu den Anfängen der Bundeswehr bis hin zu den aktuellen Einsätzen der Bundeswehr in Afghanistan, Mali und so weiter.

Sönke Neitzel sagt im Klartext auch, wie die jeweilige militärische 'Organisation'  für ihr 'Handwerk' (aus-) gebildet wurde und wird. Wie sich in den verschiedenen Truppenteilen eine unterschiedliche Sub-Kultur, Gruppen-Kulturen, 'tribal cultures'. Fallschirmjäger zum Beispiel entwickeln ganz andere Rituale als die 'Fußgänger', sprich die Infanterie.

Die geschichtlich bedingte Unterdrückung des historischen Bezuges der Bundeswehr zur Wehrmacht wird vom Autoren ebenso beleuchtet wie die Fehler der Politik beziehungsweise der offiziellen Verlautbarungen durch Politiker hinsichtlich des Bundeswehr-Einsatzes in Afghanistan und Mali. Dort geht es nicht darum, möglichst viele Brunnen zu bohren und die entlegensten Ansiedlungen mit Strom zu versorgen. Es ist ein Krieg, in den die Bundeswehr-Soldaten geschickt wurden. Und nach wie vor geschickt werden. Der deutschen Öffentlichkeit muss das allerdings anders 'verkauft' werden.


Sönke Neitzel geht dem Buchtitel entsprechend natürlich auch auf die Entwicklungen in der DDR mit den zunächst bewaffneten Polizeitruppen ein. Aus denen sich dann die NVA entwickelt hat. Auf deren Struktur, Führung, Bewaffnung, die dahinter stehende Ideologie, Steuerung aus der Sowjetunion.


Der kalte Krieg mit dem im Hintergrund lauernden atomaren Konflikt spielt natürlich auch eine Rolle. Die Einordnung und Einschätzung der Bundeswehr innerhalb der NATO analysiert und dokumentiert Sönke Neitzel. Das Quellen- und Literaturverzeichnis mitsamt den Anmerkungen umfasst 192 der insgesamt mit Personen- und Ortsregister 816 Seiten. Viele in zwei zusammen gehaltenen Teilen vorhandene Reproduktionen von Originalfotos, angefangen beim Wehrpflichtigen Wilhelm Janeke als Angehöriger des sächsischen Jägerbataillons 12 aus dem Jahr 1892 bis hin zum Traditionsbild an der Wand einer Kaserne aus dem Jahr 2017 illustrieren die Feststellungen des Autoren. 

Sowohl die Auflistung der hierarchischen Dienstgrade der Wehrmacht, der Bundeswehr und der NVA, die militärische Gliederung von der 12 Mann starken Gruppe bis zur mehrere Armeen umfassenden Heeresgruppe samt jeweiliger Führung bringen für den militärischen Laien das Verständnis der Feststellungen von Sönke Neitzel nahe. Ebenso die Auflistungen und Diagramme der Verteidigungshaushalte von 1955 bis 1989. Einige Karten, im Anhang zwei davon leider doppelt, ermöglichen ebenfalls ein besseres Verständnis.


Fazit:

Selbst oder ganz besonders für diejenigen, die dem Militär, den Soldaten, der Führung der beiden Weltkriege, der Bundeswehr und/oder der NVA sehr kritisch und distanziert gegenüber stehen ist das Werk eine auf jeden Fall lohnende Lektüre.


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Cover des Buches Deutsche Krieger (ISBN: 9783549076477)Bellis-Perenniss avatar

Rezension zu "Deutsche Krieger" von Sönke Neitzel

Regt zum Nachdenken an
Bellis-Perennisvor 6 Monaten

Sönke Neitzel, Historiker und Autor zahlreicher Sachbücher, beleuchtet in diesem, seinem neueste Werk, die Rolle der deutschen Soldaten vom Kaiserreich bis in die Gegenwart. Er spannt dabei den Bogen vom Militär im Kaiserreich, über die Reichswehr der Weimarer Republik, Hitlers Wehrmacht, beiden deutschen Armeen in der BRD und der DDR, bis hin zur Bundeswehr heute. 

Dabei entdeckt der geneigte Leser, dass es, allen politischen Staatsformen zum Trotz, durchaus Parallelen gibt. Vorrangig natürlich den Mangel an Ressourcen: Sei es geeignetes Personal, funktionierende Ausrüstung und/oder ausreichende Finanzierung.  

Sehr spannend ist auch, zu lesen, dass die Umstellung eines Friedensheeres in ein Kämpfendes gar nicht so leicht war/ist.  

Das Buch ist akribisch recherchiert. Davon zeugen die zahlreichen Fußnoten, die den interessierten Leser zu weiteren Quellen führen. Der Autor hat mehr als 200 Zeitzeugen interviewt. An jenen Stellen, die nicht eindeutige belegbar sind, wird dies klar und deutlich angeführt. Sehr angenehm ist, dass sich der Autor mit seiner eigenen Meinung zurückhält, dafür aber faktenbasiert und sachlich schreibt. 

Sönke Neitzel zeigt auch die Skandale und Nachlässigkeiten beim Aufbau der deutschen Bundeswehr auf. Ich, als Österreicherin, habe lange geglaubt nur das österreichische Bundesheer ist wenig angesehen, kaputt gespart und „nur bedingt einsatzbereit“. Dass auch die deutsche Bundeswehr davon und in welchem Ausmaß betroffen ist, hat mich doch ein wenig überrascht. 

Fazit: 

Ein interessantes Sachbuch, das unterschiedlichen Mythen sachlich und neutral nachgeht und auch unangenehme Tatsachen nicht auslässt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

 

Kommentare: 4
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Cover des Buches Abgehört (ISBN: 9783548607603)Viv29s avatar

Rezension zu "Abgehört" von Sönke Neitzel

Ein historisch bemerkenswert dokumentierter Einblick
Viv29vor 2 Jahren

„Abgehört“ ist ein ungewöhnliches und schwieriges Buch. Zugrunde liegen ihm Protokolle, die die Briten von abgehörten Gesprächen kriegsgefangener deutscher Generäle (und einiger anderer hochrangiger Wehrmachtsangehöriger) machten. Diese Gespräche wurden geführt, ohne daß die Deutschen sich der Abhörung bewußt waren, so sind sie von einer Unbefangenheit, die man in offiziellen Memoiren, Interviews und anderen Texten nie finden würde. Dadurch, daß wir in den Protokollen die direkte wörtliche Rede lesen, gewinnen diese Gesprächsausschnitte auch noch einmal eine starke Unmittelbarkeit.

Der erste Teil der Buches erklärt die Situation, in der die Protokolle erstellt wurden und teilt die Gespräche in vier Themenschwerpunkte auf (Meinungen zur Kriegslage, Kriegsverbrechen, 20. Juli, Kollaboration/Mitwirkung beim Neuaufbau). Hier werden die Gesprächsprotokolle zusammengefaßt, ein wenig erklärt, es gibt Hintergrundinformationen. Die eigentlichen Gesprächsprotokolle, ebenfalls in Kapiteln zu jenen Themenschwerpunkten aufgeteilt, finden sich dann auf rund 350 Seiten in der Mitte des Buches. Anschließend folgen Kurzbiographien der Gesprächsführenden, die auch eine Einschätzung des jeweiligen Charakters sowohl durch Wehrmachtsvorgesetzte wie auch Briten oder Amerikaner beinhaltet. So werden uns die Personen über den reinen Lebenslauf hinaus nähergebracht. Leider fehlten hier meistens Informationen zum Werdegang nach dem Krieg. Ein umfangreicher (über 100 Seiten) Fußnotenteil erklärt viele Punkte der Gesprächsprotolle, gibt Hintergrundinformationen, rückt manche Information in den historischen Kontext oder auch ins richtige Licht, denn auch unter sich sind die Herren nicht immer ganz ehrlich oder neigen manchmal zur Schönfärberei.

Vor dieser ausführlichen Bearbeitung, insbesondere den in den Biographien und Fußnoten zusammengetragenen Hintergrundinformationen, kann man nur höchsten Respekt haben. Das ist eine bemerkenswerte Historikerleistung. Die Fußnoten sind sehr ausführlich und wurden von mir häufig zu Rate gezogen. Da oben auf jeder Seite vermerkt ist, auf welche Seitenabschnitte sich die jeweiligen Fußnoten beziehen, ist die richtige Seite auch immer rasch gefunden - es entfällt das zähe Suchen nach Kapitelnummer und Fußnotennummer. Solch eine Benutzerfreundlichkeit ist so einfach, und trotzdem in Sachbüchern selten.

Die Vorbemerkungen sind hilfreich, aber sie nehmen schon vieles aus den Gesprächsprotokollen vorweg. Die Protokolle selbst sind ausgesprochen interessant, man bekommt hier sonst nicht mögliche Einblicke. Einige der Protokolle wiederholen sich im Inhalt ziemlich, gerade wenn es um die Kriegslage geht. Hier hätte einiges ausgelassen werden können, ohne daß der inhaltliche Eindruck beeinträchtigt worden wäre. Wie die Kriegslage gesehen wurde, welche Überlegungen man zur Zukunft anstellte, ist natürlich gerade mit heutigem historischen Wissen faszinierend zu lesen. Auch die inneren Einblicke in Gespräche mit führenden Köpfen der Diktatur waren lesenswert, manchmal - sofern man das in diesem Kontext überhaupt sagen kann - aufgrund der flapsigen Ausdrucksweise in den Protokollen fast amüsant. Ein Bericht behandelt ein vertrauliches militärisches Gespräch mit Göring, der wie ein chinesischer Mandarin in farbenfrohe Seide gekleidet und reichlich mit Juwelen behängt ist, das verwöhnte Töchterchen Edda spielt im Zimmer und unterbricht die Besprechung, weil ihr Perlenkettchen kaputt gegangen ist - das ist alles so grotesk und lächerlich, dazu so locker erzählt, daß man trotz allem schmunzeln muß.

Ein entsetzlicher Gegensatz dazu das Kapitel über Kriegsverbrechen. Hier konnte ich nur in ganz kleinen Abschnitten lesen. Man kennt die dort berichteten Verbrechen gegen die Menschlichkeit und doch ist es immer wieder furchtbar, darüber zu lesen. Aufschlußreich aber die Haltungen der sich Unterhaltenden hier. Es gibt einige wenige, die sich generell gegen diese Verbrechen aussprechen. Andere subsumieren es unter militärischer Notwendigkeit, oder empören sich gegen die Art und Weise, nicht aber dagegen, daß unzählige unschuldige Menschen, vom Baby bis zum Greis, qualvoll ermordet wurden. Besonders interessant - und erschreckend - ist es, daß sogar jene, die gegen die Nazidiktatur einstellt sind, häufig einen starken Antisemitismus zeigen und Verbrechen gegen ihre jüdischen Mitmenschen durchaus gerechtfertigt finden.

Eindringlich sind auch viele der Protokolle über den 20. Juli. Einer der Gesprächsführenden ist nach diesem Attentat verhaftet worden und berichtet darüber. Es krampft einem beim Lesen das Herz. Diese persönlichen Komponenten spielen auch eine Rolle, wenn diskutiert wird, inwieweit man sich aus der Gefangenschaft am Widerstand beteiligt (zB durch Radio- oder Zeitungsaufrufe). Hier ist allen sich in England in Sicherheit befindlichen Männern klar, daß sie dadurch ihre Familien in Gefahr bringen würden. Auch die Aussichtslosigkeit des Krieges wird sehr klar formuliert: „Man kann ja nichts weiter machen als nur sterben, denn wenn man zurückgeht, wird man ja erschossen. (…) Denn wenn sie vorne nicht totgehen, werden sie hinten totgemacht.“ Tod an der Front oder Tod durch die eigene Regierung, das war für die Soldaten die Realität.

Die unterschiedlichen Meinungen sind interessant zu lesen. Es gibt jene, die bis zum Ende jedes Wort gegen die Diktatur als Verrat ansehen. Jene, die den Nationalsozialismus als Idee weiterhin gut finden, nur an der Umsetzung hätte es eben gehapert. Und jene, die, entweder von Anfang an, oder durch ihre Kriegs- oder Gefangenschaftserfahrungen, wissen, welch verbrecherisches Regime da agiert. „Wir haben uns ja versündigt, nicht Sie und nicht ich, aber wir auch als Repräsentanten dieses Systems, indem wir gehaust haben gegen alle sittlichen Gesetze auf der ganzen Welt.“

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