Sönke Neitzel , Harald Welzer Soldaten

(15)

Lovelybooks Bewertung

  • 24 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 2 Leser
  • 4 Rezensionen
(4)
(10)
(0)
(1)
(0)

Inhaltsangabe zu „Soldaten“ von Sönke Neitzel

Dieses Buch legt auf einer einzigartigen Quellengrundlage erstmals eine überzeugende Mentalitätsgeschichte des Krieges vor. Auf der Grundlage von 150.000 Seiten Abhörprotokolle deutscher Soldaten in britischer und amerikanischer Gefangenschaft wird das Wissen um die Mentalität der Soldaten auf eine völlig neue Basis gestellt. In eigens eingerichteten Lagern wurden Kriegsgefangene aller Waffengattungen und Ränge heimlich abgehört. Sie sprachen über militärische Geheimnisse, über ihre Sicht auf die Gegner, auf die Führung und auch auf die Judenvernichtung. Das Buch liefert eine Rekonstruktion der Kriegswahrnehmung von Soldaten in historischer Echtzeit - eine ungeheuer materialreiche Innenansicht des Zweiten Weltkriegs durch jene Soldaten, die große Teile Europas verwüsteten.

Es gibt mittlerweile ein Theaterstück nach dem Buch, und das wird ua am Schauspiel Hannover gezeigt.

— Holden

Stöbern in Sachbuch

No Mommy's Perfect

Angenehm witzige Abwechslung vom, hohen Erwartungsdruck geplagten, Alltag einer Mama.

JosefineS

Hygge! Das neue Wohnglück

Ein vor Ideen sprühendes und mit vielen guten Tipps gespicktes Einrichtungsbuch, das Glück und Gemütlichkeit vermittelt. Einfach Hygge

MelaKafer

Atlas der unentdeckten Länder

Humorvolle Lektüre von Orten jenseits der klassischen Reiseziele. Die gute Beobachtungsgabe vom Author gab mir das Gefühl mitgereist zu sein

ScullysHome

Das geflügelte Nilpferd

Mir hat der Read auf jeden Fall sehr gefallen und mir wahnsinnig viel Klarheit und Einsicht gegeben und Handlungsspielraum geschenkt!

JilAimee

Das Mysterium der Tiere

Sehr informativ und interessant

Amber144

Jane Austen - Eine Entdeckungsreise durch ihre Welt

Ein Muss für bekennende "Janeites" und alle, die es werden wollen.

NeriFee

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Das Buch

    Soldaten

    Masau

    11. September 2013 um 17:13

    Hat mich leider nicht so gefessellt wie erwarte. Zwar noch interessant, mehr aber leider nicht. Auch etwas zu trocken für meinen Geschmack.

  • Rezension zu "Soldaten" von Sönke Neitzel

    Soldaten

    Dubhe

    16. February 2012 um 18:15

    Jeder kennt sie, die Schrecken des Krieges. Doch wie fühlt sich ein Soldat auf dem Schlachtfeld? Lebt er auf, oder zerstört ihn das psychisch? . Gute Fragen, doch dieses Buch ist so ganz anders, als ich erwartet hatte. Zuerst wird erläutert, was man alles berücksichtigen muss, um die Situation zu verstehen und richtig werten zu können, doch ehrlich gesagt weiß das schon jeder, der etwas Krips hat. Und so geht das eine Weile. Dieses Buch tut nicht neue Studien oder Erkenntnisse auf, sondern es sind ziemlich offensichtliche, was ich etwas schrecklich finde. Wer sich schon mit dem Thema beschäftigt hat, für den ist dieses Buch eine kleine Enttäuschung.

    Mehr
  • Rezension zu "Soldaten" von Sönke Neitzel

    Soldaten

    Sokrates

    13. July 2011 um 18:28

    ‚Soldaten‘ knüpft an die von Harald Welzer vor ein paar Jahren veröffentlichte Publikation an: ‚Täter‘. Auch in diesem Buch hatte Welzer die Einstellungen, Empfindungen und Motivationen von am Krieg unmittelbar beteiligten Personen wie SS-Leuten, Wehrmachtsangehörigen sowie Teilnehmer anderer Kriege im 20. Jh. dargestellt und versucht, Gräueltaten, Massaker und Genozide aus anthropologischer und sozialpsychologischer Perspektive einer Deutung zuzuführen. - In ‚Soldaten‘ hat er mit dem Historiker Sönke Neitzel zusammengearbeitet, der in verschiedenen, nun mittlerweile zugänglich gewordenen Geheimdienstakten recherchiert hat, Berichte von ganz ‚normalen‘ Wehrmachtssoldaten aufgefunden hat: Berichte über Krieg, Misshandlung, Erschießungen, Massenmord, Genozid. Die gefundenen Gesprächsprotokolle zeigen einmal mehr, wie sehr gerade der Wehrmachtsangehörige im System von Krieg, Gewalt und Nationalsozialismus eingespannt war; dazu musste er jedoch kein überzeugter Nationalsozialist sein. Allein die Tatsache eines anderen gesellschaftlichen Verständnisses von ‚Freund‘ und ‚Feind‘ oder einer anderen Einstellung zum Krieg machen deutlich, wie sich der individuelle ‚Referenzrahmen‘ entsprechend dem gesamtgesellschaftlichen Rahmen angepasst, sich verschiebt und auch völlig verkehren kann. Verbrechen werden sodann nicht mehr als Sünde, als Straftat begriffen, sondern als ‚Arbeit‘, als Akt, der vorzunehmen ist. Individuelle Moral ver-schiebt sich zugunsten einer übergesellschaftlichen Einstellung, die sich mit der aktuellen Politik und dem allgemeinen Zeitgeist abgleicht. Ein jeder sucht eine konfliktfreie Existenz in einer Gesellschaft und ist hierfür bereit, sich einzufügen; dabei werden Wertvorstellungen und Moralkodizes revidiert. Wer bereits ‚Täter‘ gelesen hat, wird viele Erkenntnisse wiederfinden; ‚Soldaten‘ untermauert insoweit die bereits in ‚Täter‘ herausgearbeiteten Deutungsversuche, bringt konkrete Beispiele aus den in Archiven gefundenen Akten hinzu, die Welzer‘s Thesen bestätigen. - Das Buch ist auch für einen historisch oder sozialpsychologisch unerfahrenen Leser gut verständlich. Beide Autoren bemühen sich um eine einfache, aber deswegen nicht ohne Fachtermini auskommende Sprache. Theorien und Fachbegriffe werden erklärt, mit sehr vielen Beispielen untermauert. Klar strukturiert gelangt man auf sehr angenehme Art und Weise von den Beispielen zu den gefundenen Zeitdokumenten. Zum Verständnis des Dritten Reiches, des Zweiten Weltkrieges und diktatorischer Systeme überhaupt eine absolut wichtige und deshalb unglaublich le-senswerte Publikation.

    Mehr
  • Rezension zu "Soldaten" von Sönke Neitzel

    Soldaten

    Gospelsinger

    Eine der spannendsten Fragen in der Beschäftigung mit der Zeit des Nationalsozialismus ist, warum alle mitgemacht haben. Wie haben die Menschen damals getickt? Waren es wirklich alles stramme Nazis, die nur ihre krude Ideologie im Kopf hatten? War das damals quasi ein anderer Menschenstamm, der die furchtbaren Verbrechen begangen hat, ein Stamm, mit dem wir heutigen Deutschen nichts zu tun haben? Und wo waren dann die ganzen normalen Leute? Bisher wurden diese Fragen nur sehr unzulänglich beantwortet. Dieses Buch jedoch bringt uns den Antworten ein ganz entscheidendes Stück näher. Zum einen dadurch, dass die Abhörprotokolle deutscher Soldaten in britischer Kriegsgefangenschaft den Vorteil haben, dass die Betroffenen nicht wissen, dass sie abgehört werden. Sie reden daher ungefiltert und frisch von der Leber weg. Da sie sich nicht an einen Adressaten wie die Ehefrau oder eine Behörde richten, sind sie ehrlich. Dazu kommt, dass die Gespräche in der Nazizeit stattfanden, also nicht durch heutiges Wissen über den Ausgang des Krieges verfälscht sind. Zum anderen haben die Autoren ein überzeugendes Konzept, um die Äußerungen der Soldaten einzuordnen, den sogenannten Referenzrahmen. Der Krieg ist anderer Referenzrahmen als der Frieden; er verschiebt die Definitionen des Erlaubten und schafft einen neuen Alltag, eine neue Normalität. Die abgehörten Gespräche sind daher auch Alltagsgespräche, typische Männergespräche. Sie verlaufen stets harmonisch, man ist sich einig. Erlebnisse werden wie Abenteuergeschichten erzählt, in Form von Anekdoten, wie auf einer Party. Der Tod ist dabei kein Thema. Auch die nationalsozialistische Ideologie spielt keine große Rolle in den Gesprächen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass die Wahrnehmung von Geschichte erst im Nachhinein stattfindet. Historische Ereignisse sind, wenn sie erlebt werden, Gegenwart. Das ist zentral für die Beantwortung der Frage, was die Menschen wahrgenommen haben und wissen konnten. Denn auch Wahrnehmungskontexte sind zeitspezifisch: 3 Tote bei einer Bombenentschärfung in diesem Jahr Göttingen sind viel, aber im Krieg wäre das keine Schlagzeile wert gewesen, weil solche Unfälle an der Tagesordnung waren. Außerdem ist es ein Unterschied, ob man als einzelner Mensch betroffen ist, oder das Schicksal mit vielen teilt. Die Autoren beschäftigen sich auch mit der Frage, wie viel Handlungsspielraum der einzelne Soldat im Krieg hatte. Hätte wirklich jeder sich weigern können, an den Gewalttaten teil zu nehmen? Ist das in einer totalitären Institution möglich? Leicht ist es jedenfalls nicht, denn totale Institutionen wie das Militär funktionieren als hermetische Welten und vereinnahmen ihre Mitglieder vollständig. Der Referenzrahmen eines Soldaten im Krieg ist durch Alternativlosigkeit gekennzeichnet. Im Krieg bestehen die Handlungsalternativen, die man im Alltag hat, nicht. Entgegen den allgemeinen Erwartungen war eine Eingewöhnungszeit für die oft exzessive Brutalität nicht nötig, das Umlernen ging sehr schnell. „Am dritten Tage war es mir gleichgültig, und am vierten Tage hatte ich meine Freude daran.“ (am Bombenwerfen). (S. 84) „Die Pferde taten mir leid, die Menschen gar nicht.“ (S. 85) Der Wettbewerbs- und Sportcharakter war das wesentliche Element in den Erzählungen der Soldaten, vergleichbar mit den heutigen Computerspielen, besonders den Egoshooter-Spielen. Auch in diesen werden die Opfer völlig ausgeblendet. Immer wieder taucht die Frage auf, wie viel die Menschen damals von den Gräueltaten gewusst haben. In den abgehörten Gesprächen wird das sehr deutlich. Die Soldaten wussten definitiv, mit sämtlichen Details, über die Judenvernichtung Bescheid, aber das interessierte sie nicht besonders. Die Judenvernichtung wurde als furchtbar empfunden, hatte aber mit dem eigenem Alltag und Referenzrahmen nichts zu tun. Eine Kritik seitens der Soldaten gab es nicht an der Vernichtung selbst, sondern nur an der Art der Durchführung. Auch die Massenerschießungen liefen nicht im Verborgenen ab, ganz im Gegenteil, es gab einen regelrechten Exekutionstourismus. Besuchende Offiziere und Ortsansässige durften, wenn sie wollten, nicht nur zusehen, sondern auch mitschießen. Und sie wollten. Im Referenzrahmen des Krieges spielt die Ideologie nur eine untergeordnete Rolle. Um unmenschliche Handlungen auszuführen, muss man kein Rassist oder Antisemit sein. Erst recht nicht, wenn militärische Werte und Normen als selbstverständlich akzeptiert werden. Die Wehrmacht war dabei nicht einzigartig; in heutigen Kriegen gibt es ähnliche Reflexe. Krieg ist ein Rahmen, in dem zivilisatorische Schranken aufgehoben werden. Eine Gewaltferne ist illusionär. Voyeurismus und eine Freude am Betrachten des Unglücks anderer sind verbreitete psychologische Phänomene. So erinnert der anfängliche Umgang mit Juden (Ausschluss aus dem gesellschaftlichen Mainstream, Sondergesetze, Sündenbockfunktion) an den heutigen Umgang mit ALG II- Empfängern. „Während es den einen zunehmend schlechter ging, fühlten sich die anderen immer besser.“ (S. 60) Bei diesen Ein- und Ausschließungsprozessen wird die Ausgrenzung nicht als solche empfunden, weil die Anderen per definitionem nicht mehr dazugehören, ihre antisoziale Behandlung also die Moral der Gemeinschaft nicht betrifft. Normen wie Gerechtigkeit und Nächstenliebe gelten dann zwar noch, aber nicht für die Ausgeschlossenen. Symptomatisch ist das „Blaming the victim“. Die Bedingungen, unter denen die Opfer sich verhalten (müssen), werden außer Acht gelassen, die Ursache ihrer Handlungsweisen wird in ihrer Persönlichkeit gesucht. Auch dieser Mechanismus ist der gleiche wie heute im Umgang mit ALGII-Empfängern, und dient als Ablenkung von den eigentlichen Gründen sozialer Probleme. „Wehret den Anfängen“ muss man wohl wieder sagen. Ich war sehr beeindruckt von diesem fundierten Buch und der äußerst sinnvollen und fruchtbaren Zusammenarbeit der beiden Fachrichtungen, die es ermöglicht, das Verhalten der Menschen im Nationalsozialismus fundierter und realistischer zu deuten als bisher. Das ist ein neuer Ansatz, und allein schon deshalb ist das Buch interessant. Dabei ist es auch noch glänzend geschrieben, nie trocken, sondern spannend und flüssig lesbar. Dieses sehr empfehlenswerte Buch ist hoffentlich der Auftakt einer breiten Debatte jenseits von pauschalen Schuldzuweisungen. Die vollständige Rezension findet ihr unter http://buchblinzler.blogspot.com/2011/07/soldaten-langversion.html

    Mehr
    • 2
  • Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach!

    Hol dir mehr von LovelyBooks