Sönke Neitzel Weltmacht oder Untergang

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Inhaltsangabe zu „Weltmacht oder Untergang“ von Sönke Neitzel

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  • Rezension zu "Weltmacht oder Untergang" von Sönke Neitzel

    Weltmacht oder Untergang

    Sokrates

    20. September 2011 um 14:21

    Sönke Neitzel – einem breiteren Publikum durch seine Publikationen „Abgehört“ oder „Soldaten“ bekanntgeworden – hat in seiner Habilitationsschrift über einen sehr interessanten kulturhistorischen bzw. wirtschaftshistorischen Aspekt geforscht: der Idee der Weltreichslehre. Hierunter ist diejenige Idee zu verstehen, die als reaktionäre Ideologie infolge wirtschaftlicher und territorialer Expansion der Weltmächte seit der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden ist. Insbesondere im Deutschen Kaiserreich erlebte die Idee ab den 1880er Jahren einen Aufschwung, kombiniert mit der Raumtheorie und dem Sozialdarwinismus. Ausgangspunkt war eine – insbesondere im Deutschen Kaiserreich vorherrschende – Angst, von der benachbarten Weltmacht – einem Aggressor – überrannt und annektiert zu werden. Als potentielle und expansive Weltmächte verstand man die USA, England und Russland; China bzw. die „gelbe Gefahr“ oder Frankreich wurden als relativ schwach eingeschätzt. Insbesondere Deutschland – dies legt Neitzel anhand kulturhistorischer, politischer und wirtschaftlicher Überlegungen überzeugend dar – sah sich von allen Seiten eingeklemmt und in einer Zwickmühle: einerseits war man auf Export angewiesen, um die inländische Wirtschaft ausbauen zu können; andererseits mussten viele Rohstoffe importiert werden, weswegen man sich – bis heute – von Drittstaaten oder eben den potentiellen Weltmächten abhängig macht. Stagniert der Import aufgrund irgendwelcher Probleme, trifft dies in gleichem Maße den Export und damit den Nerv der Nation. Einziges und bereits vor der Jahrhundertwende propagiertes Lösungsmodell sei vor allem die Expansion des Deutschen Reiches, verbunden mit der Einverleibung wichtiger Wirtschaftsressourcen in Drittstaaten, um sich wirtschaftlich unabhängig zu machen. Hinzu kamen die zur damaligen Zeit offenen artikulierte und auch wissenschaftlich diskutierten kulturhistorischen Ideen zu Rasse, Kultur und Sozialdarwinismus, die so manche Idee von der „Weltreichslehre“, die die Deutschen für sich im Kaiserreich gewinnbringend nutzen wollten, legitimiert wurde. Die frühe Rassenideologie ging im Übrigen mit dieser Ideologie bereits weitgehend konform und mündete problemlos nach dem 1. Weltkrieg in die Ideologie der Nati-onalsozialisten. Unabhängig hiervon beschäftigt sich Neitzel jedoch umfassend und nicht nur auf Deutschland beschränkt mit der „Weltreichslehre“ in allen Großmächten Europas sowie der USA. Neitzel leistet damit einen weiteren Beitrag zum Verständnis der Kontinuität intellektueller Ideen, an die die Nationalsozialisten anknüpften und auf der sie wesentlich aufbauten. Gleichzeitig liefert das Buch interessante ideologische Überlegungen zur Wirtschafts- und Außenpolitik des Deutschen Kai-serreiches, denn auch hier war die „Weltreichslehre“ von nicht unbedeutender Wichtigkeit.

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