ie Einträge in Sönke Zanders lyrischem Tagebuch reichen vom 25.02. bis zum 04.08.2022 und sind komplett in Sonetten verfasst. Es kein Dokument AUS dem Krieg in der Ukraine, sondern ein Blick auf den Krieg, hauptsächlich im Kontext der medialen Berichterstattung und der Debatten in Deutschland, sowie der Kindheit des Autors, der 1940 geboren wurde, also noch den Zweiten Weltkrieg miterlebte.
Dennoch gibt sich der Band sehr involviert und ist bemüht, dies durch Bezüge auf größere Zusammenhänge und die Biographie des Autors glaubhaft zu machen. Ich will dem Autor seine Anteilnahme auch keineswegs absprechen, zumal er seine Warte mitunter klug reflektiert. Doch obwohl ich manche seiner Ansichten teile, manche seiner Verlautbarungen gut finde, ist da ein tiefes Unbehagen: inwieweit spricht hier jemand für sich, inwieweit für/über andere? Diese Gedichte mussten wohl geschrieben werden - aber was bedeutet es, sie zu veröffentlichen? Wie lesen wir (hier auf Instagram) sie, wie lesen sie Betroffene?
Man merkt den Gedichten an, dass sie, bei aller Klarheit, versuchen, nicht zu sehr in einen Sprech zu verfallen und trotz deutlicher Positionen und Meinungen nicht wie Parolen zu klingen, vielschichtiger zu sein. Von einigen Ausnahmen abgesehen, sind es dennoch: Ansagen, Aufrufe, Anklagen. Kleine Manifeste. Schreie der Wut, Schreie der Verzweiflung. Nichts menschlicher als das (angesichts des (Un)Menschlichen).
Alles in allem beschäftigt mich nach der Lektüre nicht so sehr der Band selbst, sondern vielmehr die Frage: wie wird über Krieg geschrieben, über Gewalt? Sind die Ergebnisse Dokumente der Anteilnahme? Der eigenen Angst, des möglichen Ausgeliefertseins? Der Scham, verschont zu sein, nicht betroffen zu sein? Der Hoffnung verschont zu bleiben?
Sie können manches/alles davon zugleich sein. Und sind es vielleicht auch.
Lyristix





