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Gela_HK

vor 2 Monaten

(21)

Durch einen Verkehrsunfall stirbt der 36-jährige Journalist Will, als er gerade auf dem Weg zu seiner 6-jährigen Tochter Ella ist. Fassungslos betrachtet Will, der als Seele zurückbleibt, wie seine kleine Tochter mit der schrecklichen Wahrheit konfrontiert wird. Um ihm den Abschied von Ella zu erleichtern, darf er für eine kurze Zeit von zwei Monaten noch auf der Erde bleiben. Doch Will kämpft um mehr, er möchte für immer an ihrer Seite bleiben.

Wie fühlt es sich an, wenn einen der Tod überraschend ereilt? S.D. Robertson gelingt es aus Sicht eines Verstorbenen, eine berührende Geschichte zu erzählen. Hauptprotagonist Will stirbt gleich in der ersten Zeile, sodass man als Leser nur die Bekanntschaft mit seiner Seele macht. Zwar glaube ich nicht an Geister oder Seelen, die zwischen uns Lebenden wandeln, aber Wills Seele wird so glaubhaft beschrieben, dass ich mich auf die Geschichte einlassen konnte.

      "Gott, ich bin tot, dachte ich. Die schreckliche Wahrheit wurde mir
       langsam bewusst. Ich bin tatsächlich tot. Mein Leben ist vorbei. Ich
       werde Ella nie wieder in die Arme nehmen. Ich werde ihr nie wieder
       die Haare flechten, beim Zähneputzen helfen oder eine Geschichte
       vorlesen. All diese kleinen Dinge, die für mich immer ganz
       selbstverständlich waren, sind verloren. Für immer."


Es berührt einen, wie Will seine kleine Tochter beobachtet und verzweifelt versucht, sie noch einmal in die Arme zu nehmen, denn ihm wurden seine physischen Möglichkeiten genommen. Obwohl er durch seine Lotsin Lizzie eine Art Anleitung für Seelen erhält, muss er immer wieder feststellen, wie schwierig und unvollkommen sein Dasein ist. Für Will steht von Anfang an fest, dass er seine Tochter nicht allein auf der Welt lassen möchte. Doch je länger er an ihrer Seite weilt, desto mehr erkennt er, dass es auch Schattenseiten gibt, die nicht nur ihn belasten würden. Nach Ablauf von zwei Monaten muss er sich entscheiden, ob er für immer bleibt oder sich vom Licht davonführen lässt.

Die kleine Ella leidet natürlich am meisten unter dem Verlust. Als Vollwaise findet sie Halt bei ihren Großeltern und ihrer Tante. Aber niemand kann ihren Vater ersetzen. Mir tat dieses Mädchen so unendlich leid. Besonders als Mutter kann ich die enge Bindung zwischen Vater und Tochter gut nachvollziehen.

Der bedrückende, leise und ansprechende Anfang weicht mit der Zeit einer immer aufgebauschteren Handlung. Ein Schicksalsschlag scheint dem Autor nicht zu reichen, es kommt zu einem weiteren Todesfall in der Familie, der auch noch durch ein Geheimnis an Wichtigkeit gewinnt. Mir sind es ein wenig zu viele sehr harte Schicksalsschläge, die hier in so kurzer Zeit aufeinanderfolgen. Ella gerät mehr und mehr in den Hintergrund und Will läuft die Zeit davon.

Die Auseinandersetzung mit dem Tod ist ein wichtiges Thema, das häufig verdrängt wird. Der Ansatz dieser Geschichte ist sehr gelungen und hilft sicherlich auch bei der Trauerbewältigung. Man muss sich aber darauf einlassen können, dass es ein Existieren nach dem Tod geben kann.

Das Ende konnte mich zwar überzeugen, doch die Anhäufung der kurz aufeinanderfolgenden Schicksalsschläge in der Familie war mir zu konstruiert und unglaubwürdig. Der Autor hätte für meinen Geschmack bei den leisen Momenten bleiben sollen.

Autor: S.D. Robertson
Buch: Solange ich in deinem Herzen bin
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