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lunau-fantasy

vor 2 Monaten

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Nemesis ist kein Mensch, zumindest nicht mehr. Zwar stimmt ihre DNA größtenteils mit unserer überein, doch anders als wir wurde sie künstlich erschafft, um einem ganz bestimmten Zweck zu dienen. Dem Beschützen einer einzigen Person. Nemesis wurde nach langer Zeit der Überwachung auf Sidonia geprägt, für sie zähl nun allein das Überleben ihrer Herrin. Doch Sidonia sieht in Nemesis mehr, als ein gefühlskaltes, brutales Wesen. Als sie schließlich in der Rolle ihrer Herrin an den Kaiserhof geschickt wird, lernt auch Nemesis ein Leben unabhängig von Gewalt und Mordinstinkt kennen und schon bald kann sie sich nicht vorstellen, jemals in ihr altes Leben zurück zu kehren. Doch da ist noch immer ihre Prägung. Plötzlich steht es zwischen ihr und einem neuen Gefühl, welches sie doch eigentlich gar nicht fühlen können dürfte.

Ich war mir anfangs gar nicht sicher, ob ich das Buch kaufen möchte. Das war auf der Leipziger Buchmesse, wo ich auf das Cover aufmerksam geworden bin und der Klappentext wirklich interessant klang. Doch wer schon in Leipzig war, der weiß, dass es dort unglaublich viele Bücher gibt und man, wenn das Budget begrenzt ist, lange überlegen muss. Ich habe die ersten zwei Seiten gelesen und dann beschlossen, einen Versuch zu wagen. So viel vorne weg: Ich habe es nicht bereut.

Das Cover ist wirklich toll und verbirgt mehr, als man auf den ersten Blick sieht. Zum Lesen habe ich die Schutzhülle abgenommen, damit ihr nichts passiert.

Die Einführung in das Buch fand ich gut, sonst hätte ich es mir nicht gekauft. Es klang vielversprechend und Interessant, so muss es auch sein. Es beginnt mit einem Prolog, bei welchem Nemesis noch in ihrem Käfig lebt und zum ersten Mal Kontakt zu ihrer Herrin bekommt. Diese ist zu dem Zeitpunkt noch ein kleines Kind, Nemesis eine blutrünstige mordende Kreatur. Ab dem ersten Kapitel leben die beiden bereits viele Jahre als Herrin und Untergebene zusammen. 

Schon von Anfang an gibt es eine unterschwellige Spannung in der Geschichte, die komplett aus der Sicht von Nemesis geschrieben ist. Dadurch gewinnt man einen Einblick in das Innere einer Diabolic und lernt kennen, wie diese zu denken und zu fühlen haben. Traurig, finde ich. Diabolics wurden geschaffen, um zu töten, das merkt man hier sehr. Die Geschichte spielt in der Zukunft und die Menschen leben lange schon nicht mehr auf der Erde, sondern auf verschiedenen Planeten im All, durch einen Hyperraum miteinander verbunden. Dadurch ist auch die Regierungsfrage eine andere, doch deutlich ist: Der Kaiser hat überall das Sagen.

Ich mag den Schreibstil von Kincaid, von der ich nun zum ersten Mal gelesen habe. Sie schreib flüssig und nicht zu detailliert aber auch nicht oberflächlich. Sie weiß, in der richtigen Menge zu dosieren und den Leser mit allem zu versorgen, was dieser zum Verständnis der Geschichte braucht. Selbst Begriffe wie Impyreaner, Heliosphäre, Helioniker, Matriarchin oder Granden, Grandeén oder Grandiloquay machen irgendwann Sinn. Obwohl Nemesis geschaffen wurde, um ihre Herring bis zum Tode zu schützen und darüber gewissenlos über Leichen geht, ist mir die Protagonistin sympathisch. Ich kann sie nicht beurteilen, wenn sie es nicht besser weiß und vor allem ihre Entwicklung im Laufe des Buches ist enorm, jedoch versteckt. Denn genau wie bei Nemesis selbst. lernen auch wir als Leser nur nach und nach dazu. Da wir in ihrem Kopf stecken, sind wir mit ihr gleichgestellt. Auch die anderen Charaktere bleiben trotz der ungewohnten Namen gleich im Gedächtnis und runden die Geschichte ab. Es macht Freude die Diabolic auf ihrem ungewöhnlichen Abenteuer und der Selbstfindung zu begleiten. Immer wenn man denkt, es könnte jetzt mal wieder etwas spannendes passieren, tut Kincaid das und lässt etwas geschehen. Wohl dosiert und in angenehmer Weise. Nemesis und auch all die anderen sind mir sehr sympathisch. Die Geschichte der Autorin ist wirklich gut umgesetzt und bisher habe ich nichts gelesen, was ich damit gleichsetzen könnte, was den Inhalt angeht. Es ist etwas anderes, und das erfrischt. Es gibt auch definitiv einen roten Faden, dem gut zu folgen ist und der die Handlung überzeugend macht. Jeder Zweifel, der sich in Nemesis ausbreitet, fließt in uns als Leser über, wir können nur glauben, was sie glauben kann und das bringt den Leser direkt mitten ins Geschehen. Das Ende ist für mich kein Cliffhänger und ich hoffe, es wird keinen zweiten Teil geben, einfach, weil es auch mal wieder schön ist, ein Buch zu lesen, das in sich abgeschlossen ist. In diesem Falle finde ich, kann dies gut sein. Es gibt mir ein wenig zu viele Reihen momentan. Ich hoffe, es bleibt bei diesem, auch wenn ich gerne weitere Bücher der Autorin lesen würde. Nemesis sollte ihr Leben ohne uns leben.

Das Ende weiß man am Anfang jedenfalls noch nicht und es gibt einige überraschende Wendungen im Leben der Diabolic.

Wirklich toll und absolut kein Fehlkauf!

Autor: S.J. Kincaid
Buch: Diabolic
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