Saša Stanišić

 4 Sterne bei 314 Bewertungen
Autor von Vor dem Fest, Wie der Soldat das Grammofon repariert und weiteren Büchern.
Saša Stanišić

Lebenslauf von Saša Stanišić

Länder- und genreübergreifendes Schreiben: Der deutschsprachige Schriftsteller Saša Stanišić wurde  1978 in Višegrad, im östlichen Bosnien als Sohn einer Bosniakin und eines Serben geboren. Kurz nach der Besetzung Višegrads während des Bosnien-Kriegs 1992 flüchtete er mit seinen Eltern zu einem Onkel nach Süddeutschland. Stanišić besuchte in Heidelberg die Internationale Gesamtschule, wo sein schriftstellerisches Talent entdeckt und gefördert wurde. Nach seinem Abitur im Jahr 1997 absolvierte Stanišić an der Universität Heidelberg ein Studium in Deutsch als Fremdsprache und Slawistik und arbeitete als Teaching Assistant an der Bucknell University im US-amerikanischen Lewisburg (Pennsylvania). Bereits während seines Studiums begann er mit dem Verfassen deutschsprachiger poetischer Texte, Essays und Kurzgeschichten, die seit 2001 in mehreren Anthologien und Literaturzeitschriften veröffentlicht wurden. Das autobiographisch gefärbte und humorvolle Werk "Was wir im Keller spielen", das den Krieg in Ex-Jugoslawien aus der Sicht eines Kindes Revue passieren lässt, erhielt in Klagenfurt den Kelag-Publikumspreis. Sein Debütroman "Wie der Soldat das Grammofon repariert" (2006) fand großen Anklang in der Presse und erschien als Übersetzung in zahlreichen Ländern, unter anderem in den USA, in Großbritannien, in Israel und in Korea. 2008 wurde Stanišic mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis und dem Förderpreis zum Heimito von Doderer-Literaturpreis ausgezeichnet. Stanišić schreibt Prosa, Hörspiele, Satire und betreibt ein literarisches Blog. Für die Zeitschrift U_mag schrieb er regelmäßig eine Kolumne. 2006/2007 war Stanišić der Stadtschreiber von Graz.  2014 wurde Stanišić mit dem Preis der Leipziger Buchmesse für seinen zweiten Roman "Vor dem Fest" beehrt.

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Vor dem Fest

Vor dem Fest

 (145)
Erschienen am 12.10.2015
Wie der Soldat das Grammofon repariert

Wie der Soldat das Grammofon repariert

 (107)
Erschienen am 04.10.2010
Fallensteller

Fallensteller

 (40)
Erschienen am 10.04.2018
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 (0)
Erschienen am 18.03.2019
Vor dem Fest

Vor dem Fest

 (12)
Erschienen am 10.03.2014
Wie der Soldat das Grammofon repariert

Wie der Soldat das Grammofon repariert

 (7)
Erschienen am 28.08.2006
Fallensteller

Fallensteller

 (3)
Erschienen am 09.05.2016
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 (0)
Erschienen am 18.03.2019

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Neue Rezensionen zu Saša Stanišić

Neu

Rezension zu "Vor dem Fest" von Saša Stanišić

Skurrile Dorfchronik und Gesellschaftsstudie
AnjaLG87vor 6 Tagen

Das erste Buch von Saša Stanišic ("Wie der Soldat das 

Grammophon repariert") war nicht so mein Fall, aber 
"Vor dem Fest" fand ich sehr unterhaltsam und sprachlich
wirklich beeindruckend. Teilweise hat es mich an 
"Unterleuten" von Juli Zeh erinnert. Sehr viele Stellen
fand ich total witzig, allen voran die Szenen mit Herrn
Schramm. 

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Rezension zu "Vor dem Fest" von Saša Stanišić

Die Nacht vor dem Annenfest
Filzblumevor 16 Tagen

Saša Stanišić wurde 1978 in der bosnischen Kleinstadt Višegrad geboren. Seine Eltern flüchteten nach Deutschland. Dorfleben in der Uckermark, fiktives Dorf, namens Fürstenfelde. Geschichten aus verschiedenen Jahrhunderten vor dem Annenfest. Geschichtsfragmente stellen im weitesten Sinne die Handlung dar, obwohl Handlung das falsche Wort ist, denn es gibt sie kaum. Durch die Nacht vor dem Fest passiert was im entrückten Dorf. Die Erzählweise hauptsächlich in der „Wir“— Form. Als wenn die Dorfbewohner zusammen sprechen, jeder über jeden oder alle gemeinsam. Sehr verschiedene, teilweise skurrile Charaktere— zum Beispiel „Lada“, ein Spitzname weil der Charakter schon mehrmals seinen Lada im See versenkte, einfach so. Zum Trinken treffen sie sich in Ulis Garage, er, Johann, der stumme Suzi. „Jeder darf bei Ulli trinken, auch mehr, als er kann. Wenn aber einer nicht mehr liegen kann, ohne sich festzuhalten, und auch noch andere zu Boden ziehen will, um dies und jenes mit ihnen auszumachen, dann nickt Ulli Lada zu, und Lada begleitet oder trägt denjenigen nach draußen.“ Im Dorf gibt es eineinhalb Nazis Rike und Luise, die nur wegen ihrem Freund den „ Scheiß“ mitmacht. Es gibt keine Kneipen mehr, vor der Wende gab es 7. Eine Bäckerei hat das Dorf noch, auch einen ehemaligen Oberstleutnant der NVA, Herr Schramm, der sich das Leben nehmen will, in der Nacht vor dem Fest. „UND HERR SCHRAMM, ehemaliger Oberstleutnant der NVA, dann Förster, jetzt Rentner und, weil es nicht reicht, schwarz bei Von Blankenburg Landmaschinen, schaut die Sportclips auf sport1: Martina (19, Tschechien) macht Sport. Martina spielt Billard. Herr Schramm ist ein kritischer Mann.“ Doch er möchte eine letzte Zigarette rauchen, hat aber keine und mit dem Zigarettenautomaten steht er auf Kriegsfuß — er schießt sogar auf ihn. Die depressive Johanna Schwermuth betreut das „Haus der Heimat“ , welches 2011 renoviert wurde. Es verfügt über ein elektronisch gesichertes Zahlenschloß, wo sich später ihr Sohn Johan versehentlich einschließt. Er stöberst so in den Archiven rum, der Autor läßt uns dann teilhaben an Geschichten aus der Heimat, die dann plötzlich auftauchen, nachdem der Leser in der Nacht vor dem Fest von verschieden Personen aus dem Dorf erfährt. Es gibt eine Unmenge an Charaktere, obwohl hier im Dorf nur wenige wohnen, jeder kennt jeden und weiß auch Bescheid über jeden. Es gibt Zugezogene und Alteingesessene. Alle dümpeln so vor sich hin und bereiten sich auf das Fest vor Eine Füchsin findet auch Platz im Roman — sie hält sich gerne in der Nähe von Ditzsches Hühnerstall auf, er züchtet Deutsche Zwerg-Reichshühner. Von denen will die Füchsin Eier für ihre Welpen holen. Die Füchsin war mein liebster Charakter. „Die Fähe hebt den Kopf. Sie forscht nach den Menschen. Es sind keine nah. Aus deren Bauten steigt eine Wärme auf, die an Holz erinnert. Auch tote Pflanzen schmeckt die Fähe dort, wohlgenährte Hunde und Katzen, verwirkte Vögel und vieles, was nicht leicht zuzuordnen ist. Vor manchem fürchtet sie sich. Das meiste ist ihr gleich. Dann Dung, dann Wolle, dann Gärung und Huhn und Tod. Huhn! Hinter geflochtenen Metalldrähten in Holzverschlägen: Huhn! Dahin, zum Huhn, will die Fähe heute Nacht.“ Ich bin mit dem Buch nicht warm geworden. Ich empfand die Schreibweise zu fragmentiert und die Lebensweise der Dorfbewohner unglaublich banal, teilweise sehr skurril. Hin und wieder gab es Humor und dann wieder diese Trostlosigkeit. Ich habe vom Buch mehr erwartet und kann, auch wenn das Buch Preise gewonnen hat, mich dem Lob nicht anschließen. Trotzdem bin ich froh es endlich gelesen zu haben. Ich vergebe 2, 5 Sterne und kann jeden empfehlen sich sein eigenes Bild vom Roman zu machen.

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Rezension zu "Wie der Soldat das Grammofon repariert" von Saša Stanišić

Bosnische Dorfgemeinschaft vor, im und nach dem Krieg
awogflivor 2 Monaten

Dieses Buch ist ein besonderer Schatz, denn ich habe es recht überraschend in einem gemischten Buchpackerl von meinem Lovelybooks-Freund Arun zugeschickt bekommen. Es stand ohnehin schon lange auf meiner Wunschliste und was soll ich sagen, diese Aufmerksamkeit hat total ins Schwarze getroffen. 😘😘

Wow dieser Sasa Stanisic kann wirklich erzählen! Liebevoll präsentiert er uns kuriose Geschichten aus einem kleinen bosnischen Dorf, durch die wir den Protagonisten Aleksander, einen Jungen irgendwo zwischen 10 und 15 Jahren, seine Familie und eigentlich die ganzen Bevölkerung dieses Mikrokosmos kennen und lieben lernen. Dabei geht es um ganz normale Erlebnisse, wie das Leben eben so spielt, es ereignen sich teilweise sehr lustige, entzückende und dann auch wieder unglaublich herzzerreißende Szenen. Ich liebe diese Art von Familiengeschichten. Als Aleksander von seinem Opa einen Zauberhut und einen Zauberstab geschenkt bekommt, wird diese Szene mit folgenden Erklärungen begleitet:

"Im Hut und im Stab steckt eine Zauberkraft, trägst Du den Hut und schwingst Du den Stab, wirst Du der mächtigste Fähigkeitenzauberer der Blockfreien Staaten sein. Vieles wirst Du revolutionieren können, solange es mit den Ideen von Tito konform geht und in Übereinstimmung mit den Statuten des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens steht"

Als Opa ein paar Tage später plötzlich an einem Herzinfarkt stirbt, will Aleksander den toten Opa lebendig machen und macht sich - als es nicht funktioniert - Vorwürfe, dass er die ganze Zauberkraft des Stabes für den Weltrekord von Carl Lewis am Tag vor Opas Tod aufgebraucht hat. - Das ist wirklich herzzerreißend!

Aber auch mit Humoristischem wird bei der Beschreibung des Dorfes nicht gespart. In diesem Roman habe ich eine der groteskesten, geilsten Ehebruchszenen ever gefunden. Der Vater von Aleksanders bestem Freund (Spitzname Walross) kommt zu früh mit seinem Sohn heim, Mutter bläst indes dem Trafikanten einen und wird prompt in flagranti erwischt, Vati ist nur wütend, und wirft dem Trafikanten vor, ihn, der ihm sogar einen Kredit für sein Geschäft gewährt hat, schändlich betrogen zu haben. Er dreht aber völlig durch und packt die Puffn aus, als er merkt, dass der Trafikant beim Tetris seinen Highscore in seinem eigenen Haus auf den ersten 3 Plätzen geknackt und das Kapital von Karl Marx auf den Boden geschmissen hat.  Vati schmeißt beide raus und spielt bis Mitternacht, um diese Schande zu tilgen. Als er damit fertig ist, stapft er mit dem Gewehr zur Wohnung des Trafikanten, zerschießt, als er niemanden mehr antrifft, alle Fenster, trägt sich auch dort im Tetris auf den ersten drei Plätzen ein, schmeißt alle Büche auf den Boden und kackt auf den Teppich. Das nenne ich mal eine gerechte Rache!

Als der Bosnienkrieg ausbricht, dreht sich die heiter-groteske Stimmung des Romans in eine bedrohlich-groteske. Alles wird aus der Sicht des vertäumten Protagonisten kommentiert: das Grauen, die marodierende Soldateska, Tod, Flucht nach Deutschland, Verlorenheit und Sehnsucht, Integration, Frieden und Weigerung zurückzukehren zu diesen Mördern.

Auf Seite 163 war ich dann erstmals nicht mehr richtig glücklich mit diesem Roman, denn ab diesem Punkt verlor er völlig seinen chronologischen Bezug und seine Verankerung - im Prinzip hat er sogar die Mitte verloren. Das begann, als der Autor ein Buch im Buch begann, also die Aufzeichnungen von Aleksander respektive seine Schreibversuche in die Geschichte  einbaute. Was an und für sich in dieser Konstellation schon totaler Mumpitz ist, denn auch alles davor war aus der Sicht und mit der lyrischen Sprache des kleinen Jungen erzählt, die dürftigen Inhalte hätte man leicht davor logisch und chronologisch in den Hauptstrang einbauen können. Also nachdem Aleksander seinen Status als erwachsener und bestens integrierter Deutscher erreicht, beginnt die Geschichte in Fragmenten wieder von vorne, das Dorf vor dem Krieg - der Krieg - nach dem Krieg - und so weiter. Aber damit nicht genug, es werden weitere Schleifen eingezogen. Als die Schreibversuche des Protagonisten zu Ende sind, fährt der erwachsene Aleksander zurück nach Bosnien, um ein Mädchen zu suchen, das er in der ersten Kriegsnacht kennengelernt hat. In Bosnien angekommen gibt es wieder chronologische Schleifen und Rückblenden in das Dorf vor dem Krieg, in die Schicksale der Dorfbewohner während des Krieges und danach. Hier hat sich der Autor nicht mal mehr die Mühe gemacht, zu erklären, wer aus dem Dorf sich denn da tatsächlich in Rückblenden erinnert, es wird einfach unerklärt immer ohne Sinn und Verstand in den Zeiten vor- und zurückgesprungen.

Versteht mich nicht falsch, was die stoboskopartigen Szenen der Vergangenheit und die weder chronologischen noch logisch konsistent eingebauten Fragmente zum Gesamtinhalt beitragen, kann nicht weggelassen werden, weil es so essentiell ist. Teilweise erschließt sich erst jetzt, wie in diesem bosnischen Dorf ehemalige Nachbarn sich plötzlich auf gegensätzlichen Seiten des Krieges befinden, wie sich dieser Hass und die lapidare Grausamkeit gegen die sehr guten Freunde einfach auf Grund von unterschiedlichen Ethnien aufbaut. Diese sehr wichtige Frage im Jugoslawienkrieg, wie man so plötzlich Ressentiments bis zum Hass auf Freunde entwickeln kann, beschreibt das Buch nämlich ziemlich genau zum Beispiel in einer sehr grotesken Szene, als sich zwei ehemalige Schulkollegen plötzlich auf unterschiedlichen Seiten des Schützengrabens befinden und sich im Rahmen eines Fußballspiels während des Waffenstillstandes begegnen. Diese unversöhnlichen Gräben, die nun genau beleuchtet werden, ziehen sich auch durch  Aleksanders Familie, dessen Vater eine Muslima geheiratet hat, und der alleine schon deshalb seine ganzen Verwandten und das Land schleunigst verlassen musste.

Trotz dieser Notwendigkeit der Rückblenden und näheren Erläuterungen hat der Aufbau der Geschichte einfach ziemlich plötzlich komplett den roten Faden verloren und ich als Leserin habe ausgerufen "Kann man das irgendwie ein bisschen ordnen bitte!"

Sogar der Autor wird sehr ambivalent, denn seine Figuren empfehlen genau jene Chronologie beim Geschichtenerzählen, an die sich Sasa Stanisic in seinem Aufbau bedauerlicherweise nicht gehalten hat.
Eine gute Geschichte ist wie unsere Drina: nie ein stilles Rinnsal, sie sickert nicht sie ist ungestüm und breit, Zuflüsse kommen hinzu [...].
Aber eines können weder die Drina noch die Geschichten: Für beide gibt es kein Zurück. Das Wasser kann nicht umkehren und ein anderes Bett wählen [...].


Fazit: Trotz des chrononlogischen Tohuwabhus, das  die gesamte Geschichte aus der logisch-zeitlichen Verankerung  gerissen hat, ziehe ich nur einen Stern ab, denn der Roman ist wirklich grandios erzählt und beleuchtet einen ganz wesentlichen Aspekt genauer, den ich schon immer wissen wollte, und der mir von anderen Autoren noch nie beleuchtet worden ist. Nämlich: Was zum Teufel mit den Menschen untereinander eigentlich im Bosnienkrieg und im Kossovo passiert ist, in dem eine fast 50 Jahre ineinander verwobene integrierte, friedlich zusammenlebende ethnische Gesellschaft einfach so derart implodieren konnte. Auf jeden Fall absolut lesenswert!

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Saša Stanišić wurde am 07. März 1978 in Višegrad (Bosnien und Herzegowina) geboren.

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