Saša Stanišic

 4.3 Sterne bei 4 Bewertungen

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Wie der Soldat das Grammofon repariert

Wie der Soldat das Grammofon repariert

 (4)
Erschienen am 18.02.2008
How the Soldier Repairs the Gramophone

How the Soldier Repairs the Gramophone

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Erschienen am 11.06.2009

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sabatayn76s avatar

Rezension zu "Wie der Soldat das Grammofon repariert" von Saša Stanišic

‚Eine gute Geschichte, hättest du gesagt, ist wie unsere Drina [...].'
sabatayn76vor 5 Monaten

‚Eine gute Geschichte, hättest du gesagt, ist wie unsere Drina: nie stilles Rinnsal, sie sickert nicht, sie ist ungestüm und breit, Zuflüsse kommen hinzu, reichern sie an, sie tritt über die Ufer, brodelt und braust, wird hier und da seichter, dann sind das aber Stromschnellen, Ouvertüren zur Tiefe und kein Plätschern. Aber eines können weder die Drina noch die Geschichten: für beide gibt es kein Zurück.‘ (CD 4, Track 5)

Aleksandar wächst in Višegrad auf, einer bosnischen Kleinstadt in unmittelbarer Nähe zur serbischen Grenze, die durch den Roman ‚Die Brücke über die Drina‘ des Literaturnobelpreisträgers Ivo Andrić berühmt geworden ist.

Aleksandar ist ein talentierter Geschichtenerzähler, der allerlei kuriose Anekdoten über seine Familie wiedergeben kann und der in Schulaufsätzen immer wieder das Thema verfehlt, weil seine Fantasie mit ihm durchgeht.

Nach dem Ausbrechen des Bosnienkrieges flieht der 14-jährige Aleksandar zusammen mit seiner Familie nach Deutschland, wo sie sich ein neues Leben aufbauen und wo Aleksandars Fabulierkunst zur wichtigen Überlebensstrategie wird, um sich in der neuen Heimat einzufinden und über Geschichten Verbindungen zur verlorenen Heimat zu knüpfen.

In ‚Wie der Soldat das Grammofon repariert‘ erzählt Saša Stanišić, der selbst in Višegrad geboren wurde, 1992 mit seiner Familie aus Bosnien geflohen ist und seitdem in Deutschland lebt, von einer (seiner?) Kindheit in Bosnien, vom Krieg, vom neuen Leben in der Fremde, die zur Heimat wird, und von der Reise in die alte Heimat.

‚Wie der Soldat das Grammofon repariert‘ stand schon sehr lange ungelesen in meinem Regal, und ich kann mich erinnern, dass ich den Roman vor ein paar Jahren angelesen, aber wieder abgebrochen hatte, weil ich einfach keinen Zugang finden konnte. Nun habe ich das Hörbuch angehört, und die Tatsache, dass der Autor selbst sein Buch vorliest, hat mich besonders neugierig gemacht.

Ich kann sagen, dass ich Stanišić als Sprecher unheimlich charmant fand und mich seine Stimme und seine Interpretation oft bei der Stange gehalten haben, wenn mir seine Ausführungen allzu ausschweifend waren.

Ich fand Stanišićs opulente, überbordende Sprache oft wundervoll, weil er detailreich erzählt und eine Welt voller Magie, Liebe, Verbundenheit und Herzlichkeit heraufbeschwört. Bisweilen fand ich seinen Erzählstil aber auch etwas zu ausufernd und ein wenig zu bemüht, habe manchmal den Faden verloren, konnte seinen Analogien nicht immer folgen.

Ich finde, ‚Wie der Soldat das Grammofon repariert‘ ist eindeutig ein Buch für wiederholtes Lesen oder Hören, weil Stanišić einfach unheimlich viel zu erzählen hat, und der Roman voller Ideen steckt, Stanišić so verschwenderisch erzählt, dass man bei der einmaligen Lektüre gar nicht alles erfassen kann. Dabei sind seine Geschichten oft humorvoll erzählt und sehr amüsant, aber auch tragisch und aufwühlend, so dass man bisweilen lachen muss, einem das Lachen aber sogleich im Hals stecken bleibt.

Auch wenn der Funke bei mir nicht ganz übergesprungen ist, kann ich ‚Wie der Soldat das Grammofon repariert‘ jedem ans Herz legen, der sich näher mit dem Krieg und dem Leben in Bosnien beschäftigen möchte, und jedem empfehlen, der eine vollkommen ungewöhnliche Geschichte lesen oder hören will. Denn bei einer Sache bin ich mir sehr sicher: ‚Wie der Soldat das Grammofon repariert‘ ist anders als alle anderen Bücher, die ich kenne, und mit der opulenten Sprache und der orientalisch anmutenden Erzählweise, bei der der Autor immer wieder in eine Seitenstraße abbiegt, sich treiben lässt, unterwegs Menschen beobachtet, ihre Geschichten zum Besten gibt und magisch-realistische Elemente einarbeitet, ist das Buch ein großes Lese- und Hörerlebnis.

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Xirxes avatar

Rezension zu "Wie der Soldat das Grammofon repariert" von Saša Stanišic

Rezension zu "Wie der Soldat das Grammofon repariert" von Saša Stanišic
Xirxevor 6 Jahren

Was habe ich mich mit diesem Hörbuch geplagt. Nicht, weil es nicht gut ist - ganz im Gegenteil. Es ist hervorragend, und gerade deshalb nicht zum Nebenbeihören geeignet.
Saša Stanišic lässt in einer wundervollen bildhaften Sprache den kleinen und großen Aleksandar von dessen Leben erzählen: Wie er aufwächst im alten Jugoslawien, man gemeinsam ungeachtet der Herkunft rauschende Feste feiert, wie dann der Krieg auch Višegrad, seine Heimatstadt erreicht, die Familie nach Deutschland flieht und Aleksandar als junger Mann zurückkehrt mit der Hoffnung, noch etwas von seinen Erinnerungen wiederzufinden. Es sind wahre, halbwahre und Phantasiegeschichten die hier berichtet werden, und in jeder einzelnen empfindet man die große Liebe zu seiner Heimat, den Menschen und den Orten. Was 'Wie der Soldat das Grammofon repariert' jedoch so besonders macht, sind die ausdrucksvollen Wort- und Satzkunstwerke, mit denen Aleksandar seine Erlebnisse erzählt: 'Meine Tante spricht eine deutsche Autobahn schnell.' oder '..man müsste einen ehrlichen Hobel erfinden, der von den Geschichten die Lügen abraspeln kann und von den Erinnerungen den Trug. Ich bin ein Spänesammler.' Hört man nicht konzentriert zu, entgeht einem vieles.
Ebenfalls bemerkenswert ist der genaue Blick des Autors für das Absurde und Komische, den er selbst in Situationen nicht verliert, in denen es eigentlich nichts zu lachen gibt. Man ist entsetzt über die Grausamkeit dieses Krieges und kann sich ein Schmunzeln während des Zuhörens dennoch nicht verkneifen.
Das Alles wird vorgetragen von Saša Stanišic selbst und ich bin mir sicher, niemand anders hätte es besser machen können. Er trägt Aleksandars Geschichte nicht nur vor, nein, er selbst ist Aleksandar, so überzeugend ist seine Lesung. Ich bin mir sicher, dass das Buch nicht besser sein kann, aber - da es noch einige Geschichten mehr enthält, habe ich es mir nun auch noch gekauft. Ich freu' mich schon drauf!

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Jetztkochtsies avatar

Rezension zu "Wie der Soldat das Grammofon repariert" von Saša Stanišic

Rezension zu "Wie der Soldat das Grammofon repariert" von Saša Stanišic
Jetztkochtsievor 10 Jahren

Vorab, ich denke dieses Buch als Hörbuch zu hören ist die schlechtere Alternative zum Lesen. Das liegt aber keineswegs am Autoren/Leser. Sasa Stanisic liest flüssig mit nettem aber nicht nervigem Akzent der zu den Geschichten durchaus paßt. Aber es sind die Geschichten, die einfach besser zu lesen als zu hören wären. Sie sind sehr tiefgehend, manchmal beinhalten sie Wortspielereien, die gelesen, also mit dem Text vor Augen wohl besser rüberkommen würden, als gehört. Trotzdem ein zauberhaftes trauriges Buch. Unheimlich tragisch und trotzdem verliert Aleksander nie die Hoffnung, den Humor und die Freude am Erzählen.
Meine Lieblingsstelle war die in der er von seiner Geburt berichtet:
"Mein Vater verschlief meine Geburt und meine Mutter wurde sofort nachdem ich draußen war ohnmächtig. Sie sagte nachher soviel Blut und Scheiße habe sie einfach nicht verkraften können. Daher war mein Onkel Bora der einzige Berechtigte Anwesende und dieser rief sofort aus. ALEKSANDER soll er heißen der dreckige Scheißkerl. Und so heiße ich bis heute."

Anbeten

Für Menschen mit trockenem Humor, die auch über Dinge lachen können, die eigentlich gar nicht komisch sind, ist dieses Buch absolut gut, für alle anderen auch!

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