Sabahattin Ali

 4.1 Sterne bei 13 Bewertungen
Autor von Die Madonna im Pelzmantel, Der Dämon in uns und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Sabahattin Ali

Die Madonna im Pelzmantel

Die Madonna im Pelzmantel

 (8)
Erschienen am 09.02.2018
Der Dämon in uns

Der Dämon in uns

 (3)
Erschienen am 28.01.2007
Yusuf

Yusuf

 (1)
Erschienen am 13.02.2014
Kürk Mantolu Madonna

Kürk Mantolu Madonna

 (1)
Erschienen am 01.08.2013
Madonna in a Fur Coat

Madonna in a Fur Coat

 (0)
Erschienen am 05.05.2016

Neue Rezensionen zu Sabahattin Ali

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Rezension zu "Die Madonna im Pelzmantel" von Sabahattin Ali

Leider nicht mein Fall
Ritjavor 4 Jahren

Ich hatte mir das Buch gekauft, da ich eine sehr gute Rezension dazu gelesen hatte. Der Klapptext klang vielversprechend...20er Jahre, Berlin, junger Türke, junge deutsche Malerin und der Bann eines Gemäldes. Es hätte so gut werden können, aber ich kam nicht in die Geschichte rein. Die Hauptfigur war für mich zu träge, zu zaghaft , zu schüchtern. Die Geschichte schleppte sich über die Seiten und so wurde aus einer aufregenden spannenden Zeit (20er Jahre) eine sehr zähe Angelegenheit. Schade.

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Rezension zu "Die Madonna im Pelzmantel" von Sabahattin Ali

Sabahattin Ali - Die Madonna im Pelzmantel
Ein LovelyBooks-Nutzervor 5 Jahren

Ich habe gerade dieses Buch beendet und ich bin immer noch vom Inhalt sehr überwältigt. Nur schade, dass ich dieses Werk erst jetzt entdeckt habe. Damit wurde mir wieder mal deutlich, dass ich mich oft von dem Äußeren oder Titel eines Buches zum Kauf verleiten lasse. Und um bei der Wahrheit zu bleiben, ich bin auch jemand, der sich leider auch von der Bestsellerliste beeinflussen lässt. (Auch wenn ich es nicht möchte.) Auf dieses Buch nun bin ich durch die Turkish Reading Challenges Gruppe bei Goodreads aufmerksam geworden und ich bin wirklich sehr, sehr dankbar dafür. Ich selbst hätte, wie gesagt, sonst nie nach diesem Buch gegriffen. Die Aufmachung ist nicht wirklich besonders, aber der Inhalt dagegen ist ein verborgener Schatz, der gelesen werden muss. 

Zum Inhalt:
Der Ich-Erzähler, der dem Leser nicht beim Namen benannt wird, gibt die Lebensgeschichte von dem Protagonisten Raif Efendi wieder. (Dabei wird besonders, die Innenwelt von Raif Efendi näher beleuchtet.) Zum ersten Mal begegnet der Ich-Erzähler Raif Efendi an seinem neuen Arbeitsplatz und merkt schnell, dass Raif Efendi ein sehr unscheinbarer, duldsamer Mann ist, der die Verleumdungen am Arbeitsplatz mit völliger Gleichgültigkeit hinnimmt. Auch zu Hause lässt er die Beschimpfungen seiner Familie und die Eskapaden seiner Töchter stoisch über sich ergehen. Kaum jemand ahnt jedoch, wer sich hinter der Maske stummen Gleichmuts verbirgt. Mit der Zeit steigt das Interesse des Ich-Erzählers hinsichtlich Raif Efendi. Er möchte mehr über ihn erfahren und ein eng beschriebenes Schulheft, das Jahre in der Dunkelheit des Schreibtisches von Raif Efendi überdauert hat, lüftet endlich sein Geheimnis. Die Aufzeichnungen führen in das Berlin der zwanziger Jahre. Dort kreuzt wie zufällig eine geheimnisvolle junge Malerin - die Madonna im Pelzmantel - Raif Efendis Weg. Als er sie eines Abends in einem Nachtclub singen hört, weiß er, dass ihrer beider Schicksal untrennbar verwoben ist.

Meine Meinung:
Vielleicht könnte die Geschichte für manch einen banal sein und vermutlich werden manche, nach dem Inhalt der Geschichte beurteilend, dieses Buch als eine weitere Liebesgeschichte abtun. Aber was dieses Buch so herausragend und einzigartig macht ist der Schreibstil. Sabahattin Alis Schreibstil ist einfach wunderbar und lässt jedes Leserherz höher schlagen. Er schafft es den Leser an das Buch zu fesseln und verzaubert ihn regelrecht. Mit seinen Worten lässt er tief in das Innere der Protagonisten blicken. Diese Offenbarung ist einfach großartig. Ich, als Leser, konnte absolut mit den Protagonisten mitfühlen.


Um euch einen kleinen Vorgeschmack zu diesem Buch zu geben, werde ich mal paar Zitate aus diesem Buch hier kurz wiedergeben:

"Gerade weil wir wissen, wie schwer es ist, den anderen wirklich zu erkennen, und die damit verbundene Mühe oft scheuen, ziehen wir es vor, wie Blinde aneinander vorbeizulaufen." S. 39

"Wie konnte die Anwesenheit eines Menschen, von dessen Existenz ich nicht einmal gewusst hatte, plötzlich für mich so notwendig sein? Aber geht uns das nicht immer so? Entdecken wir die Unentbehrlichkeit vieler Dinge nicht erst, wenn wir sie erst kennenlernen?" S. 128

"Der Verlust der wertvollsten Dinge eines ganzen Vermögens, ja aller weltlichen Güter lässt sich mit der Zeit verschmerzen. Doch verpasste Gelegenheiten können wir nicht vergessen, jedes Erinnern erfüllt uns mit neuer Pein." S. 233

Extras:
Oft lese ich, dass viele Leser mit ausländischen Namen oder gar manchen Begriffen Schwierigkeiten haben. In der Dörlemann Ausgabe wird am Ende eine Erklärung zur Aussprache sowie zu gewissen Begriffen gegeben. Also sollten zukünftige Leser sich nicht von unbekannten Ausdrücken abschrecken lassen.

Zu dem Autor:
Sabahattin Ali wurde 1906 geboren. Nach seinem Studium in Berlin und Potsdam lehrte er in der Türkei Deutsch. Ali musste zeitlebens gegen die staatliche Zensur kämpfen, 1932 wurde er wegen eines Satire-Gedichts über Atatürk für ein Jahr inhaftiert. 1944 gab er in Istanbul das Satire-Blatt Markopasa heraus. 1948 wurde Ali auf der Flucht ins Exil an der bulgarischen Grenze ermordet. Bis heute ist ungeklärt, ob er einem Raubmord oder einem politischen Anschlag zum Opfer fiel.

Fazit:
Mein Jahresfavorit. Ich bin wirklich dankbar diesen Autor für mich entdeckt zu haben. Es wird mit Sicherheit für mich nicht das letzte Buch von Sabahattin Ali sein. Absolut lesenswert.

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Rezension zu "Der Dämon in uns" von Sabahattin Ali

Sabahattin Ali - Der Dämon in uns
Ein LovelyBooks-Nutzervor 5 Jahren

Türkische Literatur: Entweder man liebt es oder man hasst es. Ein Dazwischen scheint es mir nicht zu geben. (Zumindest habe ich einen solchen Eindruck. :)) Vermutlich hängt dies stark damit zusammen, dass im Mittelpunkt der Werke türkischer Autoren oftmals der Antiheld steht, welcher mit seinem zerrütteten Charakter eine Atmosphäre der Melancholie hervorruft. Dabei ist diese Melancholie eines der tragenden Grundelemente der türkischen Literatur. Fast alle türkischen Bücher, die ich gelesen habe, vermitteln dem Leser eine solche Stimmung. Bevor jedoch falsche Rückschlüsse gezogen werden: Nein, die türkische Literatur trieft nicht nur vor Traurigkeit. Es gibt durchaus auch humorvolle oder krimiähnliche Bücher. Ferner sollte man Melancholie nicht stets als etwas schlechtes deklarieren. Hierzu kann ich einen Vortrag von Erika Glassen unter dem Titel "Was uns am besten steht, ist die Melancholie" sehr empfehlen. Von Vorteil ist es auch ein wenig, ich betone ein wenig, von der Historie der Türkei zu wissen. Die Geschichten, wie auch "Der Dämon in uns", spielen oft zu Zeiten der frühen Republikjahre der Türkei. In jener Zeit führte die Staatsgründung durch Atatürk zu einem radikalen Bruch von den osmanischen Traditionen und zur Neuorientierung zum Westen. Allerdings löste dieser Umbruch auch eine starke Verwirrung in der türkischen Gesellschaft aus. Resultat war/ist das Empfinden eines Identitätsverlustes. Zum Ausdruck kommt dies in den Büchern türkischer Autoren durch die Schaffung eines pessimistischen/bedrückten Protagonisten. Diese sind stets auf der ewigen Suche nach ihrer eigenen Identität und nach ihrem Platz in der Welt. Auch Ömer aus "Der Dämon in uns" leidet unter einer seelischen und intelektuellen Identitätskrise. Zukünftige Leser sollten sich dies im Klaren sein, bevor sie sich an dieses Buch wagen.

Zum Inhalt: (Teilweise laut Klappentext)
Als Ömer bei einer Fahrt auf dem Bospurus Macide erblickt, durchfährt es ihn wie ein Blitz: Er kennt diese Frau bereits! Ömer, der sein Philosophiestudium auf Eis gelegt hat und sein Lebensunterhalt mit Ach und Krach durch eine Anstellung bei der Post verdient, ist sofort von Macide hingerissen, wenn nicht sogar verliebt. Macide, die am Konservatorium Musik studiert, stammt wie Ömer aus Balikesir und wohnt während ihres Studiums in Istanbul bei ihrer Tante. Für Ömer bricht sie jedoch alle Brücken hinter sich ab, verlässt ihre Familie und zieht zu ihm in seine Kammer. Eine Weile leben die beiden selig in ihrer eigenen Welt. Doch dann melden sich die Dämonen in Ömer: Zweifel, Unsicherheit, Verlockungen. Wirre Kaffeehaus-Intellektuelle ziehen ihn in gefährliche Abenteuer. Eine große Istanbul-Roman über die ruhelose Generation der frühen Republikjahre: Ömer und Macide, beide heimatlos in der vibrierenden Großstadt, suchen ihr Glück und verlieren es wieder.

Meinung:
Sabahattin Alis Werke sind für mich die Entdeckung 2012. Die Madonna im Pelzmantel von ihm zählt zu meinen Jahreshighlights. Dementsprechend war meine Erwartungshaltung an "Der Dämon in uns" sehr hoch und ich wurde nicht enttäuscht. Mit "Der Dämon in uns" setzte sich Ali über die tief verankerten von der Gesellschaft gesetzten Grenzen hinfort, wodurch dieser Roman als Provaktion sowie als Skandal wahrgenommen wurde. Als Brüskierung wurde die von Ali geschaffene Romanfigur Macide empfunden. Macide verkörpert das Bild einer modernen, willensstarken und selbstbewussten Frau, die sich den Sitten und Traditionen (auch im Falle der Liebe) nicht beugt. Ein zur damaliger Zeit sehr unziemliches Verhalten. Auch das unverblümte (ohne jegliche Beschönigungen) wiedergegebene Portrait der Istanbuler Boheme war ein riskantes Wagnis. Die Künstler und die Gelehrtenszene werden von Ali als bloße Prahler, Neider und Angeber enttarnt. Diese Angehensweise bezeugt Alis avantgardistische Haltung. Im Vordergrund dieses Buch steht jedoch die Liebesgeschichte von Ömer und Macide. Sie ist die tragende Säule der Geschichte und lässt den Leser nicht so einfach los. Für Ömer ist es die Liebe auf den ersten Blick und mit seiner Wortgewandtheit, Liebesbeteuerungen, seiner ehrlichen und offenen Art gewinnt er Macide schnell für sich. Allerdings ist diese liebestrunkene, glückliche Phase nicht von allzu langer Dauer. Alsbald stehen Ömers Worte und Handlungen in einem Widerspruch. Er sehnt sich nach seiner Freiheit und sieht die Gebundenheit zu Macide als eine (ungewollte) Verpflichtung an. Nach Ömers Ansicht ist diese Diskrepanz auf seinen inneren Dämon zurückzuführen. Er verleite und zwinge Ömer zu gewissen Handlungen. Dabei handelt es sich bei diesem sogenannten Dämon um nichts weiteres als Faulheit und Willensschwäche. Dies erkennt Ömer allerdings sehr spät. Mit Ömers Verhalten gibt Sabahattin Ali aber auch gleichzeitig seinen eigenen Gemütsstand wieder. Und nicht nur dies: Ömer ist Sabahattin Ali. Gerade diese autobiographischen Elemente verleihen diesem Buch das besondere Etwas. Schon allein deswegen, hat sich der Roman für mich (als großer Fan von Alis Werken) gelohnt. Sabahattin Ali beschrieb seine innere Zerwürfnis einst mit den Worten: "Mein Herz und mein Verstand sind seltsame Wesen, die nichts voneinander wissen. Wenn mein Verstand sagt ich soll etwas nicht tun, tue ich es gerade... Ich kann nicht vermeiden Qualen zu leiden, aber ich kann sie vor anderen verbergen." Mit diesem Satz möchte ich auch langsame zum Abschluss meiner Rezension kommen. Kurz gesagt. Für mich war der Dämon in uns von Ali ein wunderbares Lesevergnügen und beweist, dass die türkische Literatur es wert ist, entdeckt zu werden.

Extras:
Die Ausgabe vom Unionsverlag beinhaltet als Extras einen Nachwort von Erika Glassen, indem sich Glassen sowohl mit der Autobiographie als auch mit den Werken von Sabahattin Ali kurz auseinandersetzt. Sehr informativ und aufschlussreich. Darüber hinaus sind Erklärungen zu türkischen Begriffen sowie eine knappe Aussprachhilfe wieder zu finden. Ein Hinweis an künftige Leser, die wie ich Kunst begeistert sind: Bei dem Umschlagmotiv handelt es sich um ein Kunstwerk namens Bar von Refik Epikman (1902 - 1974). Meines Erachtens eine gelungene Coverwahl mit dem der Leser gleichzeitig auch auf die türkische Kunst neugierig gemacht wird.

Über den Autor:
Sabahattin Ali wurde 1907 in Gümülcine (heute in Nordgriechenland) geboren. Von 1928 bis 1930 studierte er in Deutschland und arbeitete später als Deutschlehrer in der Türkei. Zusammen mit Aziz Nesin gab er satirische und literarische Zeitungen heraus, wurde jedoch aufgrund seiner sozialkritischen Positionen immer wieder verhaftet. Beim Versuch, nach Bulgarien zu fliehen, wurde Sabahattin Al am 02. April 1948 kurz vor der Grenze in Kirklareli ermordet. Die genauen Umstände des Todes hat man nie ganz klären können. Sabahttain Ali gilt als Großmeister der türkischen Prosa, seine Werke gehören zu den Klassikern der literarischen Moderne.

Fazit:
Der "Der Dämon in uns" ist sehr empfehlenswert und macht neugierig auf weitere Bücher von türkischen Autoren.

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