Sabahattin Ali Der Dämon in uns

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Inhaltsangabe zu „Der Dämon in uns“ von Sabahattin Ali

Als Ömer bei einer Fahrt auf dem Bosporus Macide erblickt, durchfährt es ihn wie ein Blitz: Er kennt diese Frau bereits! Macide bricht alle Brücken hinter sich ab, verlässt ihre Familie und zieht zu ihm in seine Kammer. Eine Weile leben die beiden selig in ihrer eigenen Welt. Doch dann melden sich die Dämonen in Ömer: Zweifel, Unsicherheit, Verlockungen. Wirre Kaffeehaus-Intellektuelle ziehen ihn in gefährliche Abenteuer.
Sabahattin Ali war ein Bahnbrecher der türkischen Literatur. Sein Roman ist eine Liebeserklärung an Istanbul und seine Bewohner. Die junge Republik hat das Oberste zuunterst gekehrt. In den Kneipen, Tanzsälen, Konzert-Cafés, Kinos, dunklen Werkstätten, Märkten und Straßen begegnen sich Luxus und Armut, Absteiger und Neureiche.

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    Der Dämon in uns

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    17. June 2013 um 22:36

    Türkische Literatur: Entweder man liebt es oder man hasst es. Ein Dazwischen scheint es mir nicht zu geben. (Zumindest habe ich einen solchen Eindruck. :)) Vermutlich hängt dies stark damit zusammen, dass im Mittelpunkt der Werke türkischer Autoren oftmals der Antiheld steht, welcher mit seinem zerrütteten Charakter eine Atmosphäre der Melancholie hervorruft. Dabei ist diese Melancholie eines der tragenden Grundelemente der türkischen Literatur. Fast alle türkischen Bücher, die ich gelesen habe, vermitteln dem Leser eine solche Stimmung. Bevor jedoch falsche Rückschlüsse gezogen werden: Nein, die türkische Literatur trieft nicht nur vor Traurigkeit. Es gibt durchaus auch humorvolle oder krimiähnliche Bücher. Ferner sollte man Melancholie nicht stets als etwas schlechtes deklarieren. Hierzu kann ich einen Vortrag von Erika Glassen unter dem Titel "Was uns am besten steht, ist die Melancholie" sehr empfehlen. Von Vorteil ist es auch ein wenig, ich betone ein wenig, von der Historie der Türkei zu wissen. Die Geschichten, wie auch "Der Dämon in uns", spielen oft zu Zeiten der frühen Republikjahre der Türkei. In jener Zeit führte die Staatsgründung durch Atatürk zu einem radikalen Bruch von den osmanischen Traditionen und zur Neuorientierung zum Westen. Allerdings löste dieser Umbruch auch eine starke Verwirrung in der türkischen Gesellschaft aus. Resultat war/ist das Empfinden eines Identitätsverlustes. Zum Ausdruck kommt dies in den Büchern türkischer Autoren durch die Schaffung eines pessimistischen/bedrückten Protagonisten. Diese sind stets auf der ewigen Suche nach ihrer eigenen Identität und nach ihrem Platz in der Welt. Auch Ömer aus "Der Dämon in uns" leidet unter einer seelischen und intelektuellen Identitätskrise. Zukünftige Leser sollten sich dies im Klaren sein, bevor sie sich an dieses Buch wagen. Zum Inhalt: (Teilweise laut Klappentext) Als Ömer bei einer Fahrt auf dem Bospurus Macide erblickt, durchfährt es ihn wie ein Blitz: Er kennt diese Frau bereits! Ömer, der sein Philosophiestudium auf Eis gelegt hat und sein Lebensunterhalt mit Ach und Krach durch eine Anstellung bei der Post verdient, ist sofort von Macide hingerissen, wenn nicht sogar verliebt. Macide, die am Konservatorium Musik studiert, stammt wie Ömer aus Balikesir und wohnt während ihres Studiums in Istanbul bei ihrer Tante. Für Ömer bricht sie jedoch alle Brücken hinter sich ab, verlässt ihre Familie und zieht zu ihm in seine Kammer. Eine Weile leben die beiden selig in ihrer eigenen Welt. Doch dann melden sich die Dämonen in Ömer: Zweifel, Unsicherheit, Verlockungen. Wirre Kaffeehaus-Intellektuelle ziehen ihn in gefährliche Abenteuer. Eine große Istanbul-Roman über die ruhelose Generation der frühen Republikjahre: Ömer und Macide, beide heimatlos in der vibrierenden Großstadt, suchen ihr Glück und verlieren es wieder. Meinung: Sabahattin Alis Werke sind für mich die Entdeckung 2012. Die Madonna im Pelzmantel von ihm zählt zu meinen Jahreshighlights. Dementsprechend war meine Erwartungshaltung an "Der Dämon in uns" sehr hoch und ich wurde nicht enttäuscht. Mit "Der Dämon in uns" setzte sich Ali über die tief verankerten von der Gesellschaft gesetzten Grenzen hinfort, wodurch dieser Roman als Provaktion sowie als Skandal wahrgenommen wurde. Als Brüskierung wurde die von Ali geschaffene Romanfigur Macide empfunden. Macide verkörpert das Bild einer modernen, willensstarken und selbstbewussten Frau, die sich den Sitten und Traditionen (auch im Falle der Liebe) nicht beugt. Ein zur damaliger Zeit sehr unziemliches Verhalten. Auch das unverblümte (ohne jegliche Beschönigungen) wiedergegebene Portrait der Istanbuler Boheme war ein riskantes Wagnis. Die Künstler und die Gelehrtenszene werden von Ali als bloße Prahler, Neider und Angeber enttarnt. Diese Angehensweise bezeugt Alis avantgardistische Haltung. Im Vordergrund dieses Buch steht jedoch die Liebesgeschichte von Ömer und Macide. Sie ist die tragende Säule der Geschichte und lässt den Leser nicht so einfach los. Für Ömer ist es die Liebe auf den ersten Blick und mit seiner Wortgewandtheit, Liebesbeteuerungen, seiner ehrlichen und offenen Art gewinnt er Macide schnell für sich. Allerdings ist diese liebestrunkene, glückliche Phase nicht von allzu langer Dauer. Alsbald stehen Ömers Worte und Handlungen in einem Widerspruch. Er sehnt sich nach seiner Freiheit und sieht die Gebundenheit zu Macide als eine (ungewollte) Verpflichtung an. Nach Ömers Ansicht ist diese Diskrepanz auf seinen inneren Dämon zurückzuführen. Er verleite und zwinge Ömer zu gewissen Handlungen. Dabei handelt es sich bei diesem sogenannten Dämon um nichts weiteres als Faulheit und Willensschwäche. Dies erkennt Ömer allerdings sehr spät. Mit Ömers Verhalten gibt Sabahattin Ali aber auch gleichzeitig seinen eigenen Gemütsstand wieder. Und nicht nur dies: Ömer ist Sabahattin Ali. Gerade diese autobiographischen Elemente verleihen diesem Buch das besondere Etwas. Schon allein deswegen, hat sich der Roman für mich (als großer Fan von Alis Werken) gelohnt. Sabahattin Ali beschrieb seine innere Zerwürfnis einst mit den Worten: "Mein Herz und mein Verstand sind seltsame Wesen, die nichts voneinander wissen. Wenn mein Verstand sagt ich soll etwas nicht tun, tue ich es gerade... Ich kann nicht vermeiden Qualen zu leiden, aber ich kann sie vor anderen verbergen." Mit diesem Satz möchte ich auch langsame zum Abschluss meiner Rezension kommen. Kurz gesagt. Für mich war der Dämon in uns von Ali ein wunderbares Lesevergnügen und beweist, dass die türkische Literatur es wert ist, entdeckt zu werden. Extras: Die Ausgabe vom Unionsverlag beinhaltet als Extras einen Nachwort von Erika Glassen, indem sich Glassen sowohl mit der Autobiographie als auch mit den Werken von Sabahattin Ali kurz auseinandersetzt. Sehr informativ und aufschlussreich. Darüber hinaus sind Erklärungen zu türkischen Begriffen sowie eine knappe Aussprachhilfe wieder zu finden. Ein Hinweis an künftige Leser, die wie ich Kunst begeistert sind: Bei dem Umschlagmotiv handelt es sich um ein Kunstwerk namens Bar von Refik Epikman (1902 - 1974). Meines Erachtens eine gelungene Coverwahl mit dem der Leser gleichzeitig auch auf die türkische Kunst neugierig gemacht wird. Über den Autor: Sabahattin Ali wurde 1907 in Gümülcine (heute in Nordgriechenland) geboren. Von 1928 bis 1930 studierte er in Deutschland und arbeitete später als Deutschlehrer in der Türkei. Zusammen mit Aziz Nesin gab er satirische und literarische Zeitungen heraus, wurde jedoch aufgrund seiner sozialkritischen Positionen immer wieder verhaftet. Beim Versuch, nach Bulgarien zu fliehen, wurde Sabahattin Al am 02. April 1948 kurz vor der Grenze in Kirklareli ermordet. Die genauen Umstände des Todes hat man nie ganz klären können. Sabahttain Ali gilt als Großmeister der türkischen Prosa, seine Werke gehören zu den Klassikern der literarischen Moderne. Fazit: Der "Der Dämon in uns" ist sehr empfehlenswert und macht neugierig auf weitere Bücher von türkischen Autoren.

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