Für ihren 5. Fall lässt Autorin Sabina Naber ihre Ermittler Maria Kouba und Philipp Roth in einem brisanten Kapitel der Medizin ermitteln: In der Humangenetik und Reproduktionsmedizin. Einiges, was sich Frau Autorin 2013 ausgedacht hat, ist inzwischen Wirklichkeit geworden. Der Wettkampf um Forschungsgelder sowie Patente wird mit harten Bandagen geführt. In einigen Ländern sind kaum ethische Grenzen vorhanden. Was machbar erscheint, wird umgesetzt oder zumindest ausprobiert. Einiges ist man ja aus amerikanischen Thrillern gewöhnt, Serienmorde und Menschenversuche inklusive. Hier ist alles ein paar Dimensionen kleiner, österreichisch halt.
Der Krimi beginnt mit dem unfreiwilligen Zusammentreffen Maria Koubas und einer Straßenbahn, in dessen Folge die Polizistin mit einer Gehirnerschütterung und Amnesie im Krankenhaus liegt. Während der durch Medikamente besudelten Stunden bekommt sie mit, dass erstens ein Baby vor den Toren des Spitals ausgesetzt worden ist und zweitens in einer Villa eine Pflegekraft ermordet worden ist. Gleichzeitig kämpft sie mit Erinnerungslücken, die sie rätseln lassen, ob sie sich vom beruflichen Partner und Liebhaber Roth getrennt hat. Weil man aber als Leser Maria Kouba, kennt, die wenig anbrennen lässt, findet sie bald Trost (und statt Rat Sex) bei ihrem Arzt, der dem Ruf des Geldes folgend das Spital verlässt, um eine Praxis als Schönheitschirurg zu eröffnen.
Trotz Bedenken der Ärzte übernimmt Kouba die Ermittlungen im Mordfall in der Villa. Als man herausfindet, dass der ermordete Pfleger ein bekannter Genforscher mit Beziehungen zu obskuren Geheimgesellschaften war, nimmt der Mordfall ungeahnte Dimensionen an, zumal sich eine Verbindung zu dem ausgesetzten Baby ergibt, dem noch weitere gefolgt sind.
Meine Meinung:
Maria Kouba ist eine ungewöhnliche Ermittlerin, weil sie sich in ihrem Privatleben wie ein Mann verhält. Sex zur Entspannung, mal mit Partner Roth und mal mit möglicherweise interessanten Männern, die sie erst kennengelernt hat. Sie nimmt sich, was ihr gefällt! Ein Verhalten, das man eher Männern zubilligt.
Neben den zahlreichen Gedankensprüngen, die manchmal von Höhenangst und Kopfschmerzen begleitet werden, begegnen wir neugierigen Nachbarn, Sektierern sowie gierigen Verwandten. Zu Beginn sorgen die beiden Handlungsstränge, ausgesetzte Babys und der tote Pfleger, die so gar nichts miteinander zu tun zu scheinen haben, für Verwirrung. Doch Sabina Naber führt die beiden geschickt zusammen.
Wie im Nachwort zu lesen ist, sind die einige der Charaktere reale Personen, die in ähnlicher Weise agiert haben bzw. agieren.
Der Schreibstil ist fesselnd, denn es wirft unter anderem die Frage auf, wie weit wohl jeder einzelne gehen würde, wenn er von einem gravierenden medizinischen Problem selbst betroffen wäre, das durch humangenetische Eingriffe „repariert“ werden könnte. Ich habe das Buch an einem Tag gelesen.
Gut gefällt mir, dass das österreichische Idiom durchgängig verwendet wird. Ein kleiner Kritikpunkt ist der Handlungsstrang um Kollegin Elsa, der für mich nicht ganz ordentlich verknüpft worden ist.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem 5. Fall für Maria Kouba, der ein spannendes Thema behandelt, 5 Sterne.