Cover des Buches Eine Melange für den Schah (ISBN: 9783740805227)
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Rezension zu Eine Melange für den Schah von Sabina Naber

Eine Melange

von Anja_Gust vor 5 Jahren

Rezension

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Eine Melange für den Schah

Der kauzig egozentrische Chefinspektor Wilhelm Fodor (erinnert mich irgendwie an Peter Falk, alias Columbo, bzw, 'Die seltsamen Fälle des Franz Joseph Wanninger') ist mit der Bearbeitung des Mordfalls an dem Studenten, (Yuppie, Junkie?) Harald Pornony beauftragt, dessen Leiche im dortigen Stadtpark aufgefunden wurde. Neben den nun einsetzenden routinierten, kriminalistischen Maßnahmen, Versionen und Kombinationen hinsichtlich des modus operandi und dessen Devianz, sowie der Erstellung eines möglichst raschen Täterprofils, werden immer wieder Situationen und Szenen eingeblendet, welche den eigenwilligen Charakter des Chefinspektors und dessen kollegialem Umfeld beleuchten. Das somit entworfene Portrait zeigt einen Menschen, dessen Fähigkeit mit seiner Verschrobenheit durchaus nicht kollidiert, sondern im Gegenteil ihn interessanter gestaltet und somit als Zentralfigur pointiert heraushebt. Dadurch gelingt es der Autorin, die subtile Gratwanderung zwischen dem vordergründig kaltblütigen Verbrechen und scheinbar skurrilen Nebensächlichkeiten des Alltags glaubhaft zu verweben. Im Ergebnis entsteht ein ganz eigentümliches Flair, wie es wohl nur mit dem sprichwörtlichen wienerischen Charme verständlich wird. Das wiederum hebt den Roman über einen normalen Krimi hinaus und verleiht ihm eine Farbigkeit und figürliche Tiefe, die in diesem Genre selten zu finden ist. So gesehen ist zu sagen, dass hier die Lösung des Falles nicht unbedingt vordergründig erscheint, sondern sich allenfalls gleichrangig neben der prägnanten Figurenzeichnung positioniert. Und das ist es wohl auch, was diesen Roman für einen Leser interessant macht. Es ist schlichtweg die Kunst, neben der Hauptfabel das Umfeld so zu gewichten, dass ein skurriles Gegengewicht entsteht, was den Leser in seiner Originalität und Unverfänglichkeit immer wieder überrascht. Der Inspektor wirkt in seinem Umfeld gleich einem Bärenführer.
Mir gefiel das gezeichnete Sittengemälde. Ein herrlicher Rückblick auf damalige Zeiten, die Stellung der Frauen in der Gesellschaft, politische Strömungen etc.
Gerade das letzte Kapitel nimmt den Leser mit an die Hand und offenbart weiter seelische Abgründe. Das Ende hat mir besonders gut gefallen, da alle Knoten gelöst wurden.
Ganz nebenbei wirken Begriffe wie ‚spuckerl, Briochekipferl, reinknotzen‘ oder ‚wutzeln‘ keinesfalls störend, sondern lockern den Text angenehm auf. Zum Teil ein angenehm verschnörkelter Sprachstil, der die Geschichte belebt, ohne dem Spannungsbogen abträglich zu sein.
Fazit: Alles in allem ein Krimi, der durch Spannung als auch sprachliche Gewandtheit besticht.

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