„Man gab mir den Auftrag, Sie zu töten. Ich bin bereit, alles zu sagen, was ich weiß."
Mit genau diesen Worten beginnt nicht nur das Buch, sondern auch die unfassbare Realität eines Mannes, der seit fast zehn Jahren im Exil in Berlin lebt, weil er in der Türkei lebenslänglich verurteilt wurde.
Bei einer Veranstaltung, die ich vor Kurzem besucht habe, fragte Dündar: „Würden Sie sich mit jemandem treffen, der Sie töten sollte?“ Er selbst ist nach Argentinien geflogen, um genau das zu tun.
Ein Brief aus einem Gefängnis in Buenos Aires: Serkan Kurtuluş, ein türkischer Häftling, behauptet, er sei beauftragt worden, Can Dündar zu ermorden.
Jetzt hat er Angst vor seiner Auslieferung in die Türkei und bietet ihm Informationen an, die alles verändern könnten.
Was folgt, liest sich wie ein Thriller, nur leider ist alles echt:
Ein Netzwerk aus Politik, organisierter Kriminalität, Geheimdiensten und Terrorgruppen.
Manipulation, Gewalt, Deals im Schatten.
Und ein Staat, der Journalist*innen zu Staatsfeinden erklärt, sobald diese die Wahrheit ans Licht bringen.
Ich möchte gar nicht die Enthüllungen wiedergeben – dafür ist das Buch da –, aber ich kann sagen: Es ist erschütternd, was Dündar in seinen Gesprächen erfährt.
Er trifft nicht nur seinen potenziellen Mörder, sondern auch einen früheren Mafiaboss und ehemaligen Geheimdienstchef. Teile dieser Interviews sind im Buch abgedruckt, ungeschönt, verstörend, manchmal unfassbar direkt.
Und am schlimmsten ist vielleicht:
Man merkt, dass die Grenze zwischen Staat, Mafia und Geheimdienst längst verschwommen ist.
Pressefreiheit? De facto nicht vorhanden.
Gewaltenteilung? Leere Hülle.
Justiz? Instrument der Macht.
Aber nicht nur Can Dündar zahlt für seinen Mut einen Preis, seine Frau Dilek ebenfalls.
Sie darf jahrelang nicht ausreisen, sieht ihren Mann nicht, ihren Sohn nicht, lebt in einem Land, das sie als Druckmittel benutzt.
Zwischendurch verliert man beim Lesen wirklich den Glauben, aber Can Dündar tut das nicht. Er glaubt weiterhin daran, dass Systeme fallen können.
Dass Diktaturen enden.
Dass die Menschen in der Türkei sich erheben werden.
Und genau das hat mir beim Lesen Zuversicht gegeben. Auch für meine zweite Heimat und meine Familie dort.
Gerade weil so viele von uns wissen, dass diese Realität uns viel näher ist, als wir es manchmal wahrhaben wollen.
Ein erschreckendes, wichtiges, hochspannendes Sachbuch, das sich liest wie ein Politthriller.
Und ein Reminder daran, wie viel es kostet, die Wahrheit auszusprechen.
Aber auch, warum es sich lohnt.












