Die Spiegel-Besrseller-Autorin Sabine Adler beschreibt anhand einer weit gefächerten Familie in Israel präzise , inside, die Reaktionen auf den Angriff der Hamas 2023, besonders interessant aber die Gespaltenheit der Gesellschaft, die politischen und wirtschaftlichen Probleme und deren Einschätzung. Einige mögliche Auswege werden aufgezeigt. Auch für Laien gut lesbar und sehr lehrreich. Ich kann es jedem empfehlen
Sabine Adler
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
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SABINE ADLER: ISRAEL
INHALT:
Das neue Buch der Spiegel-Bestsellerautorin zeichnet ein Porträt Israels anhand einer weitverzweigten Familie. Sie begibt sich dabei in unterschiedliche gesellschaftliche Milieus und politische Lager. Unvoreingenommen, perspektivenreich, erzählerisch.
Seit dem 7. Oktober 2023 ist es schwieriger denn je, über Israel zu sprechen. Sabine Adler bereist das Land seit vielen Jahren und berichtete darüber in zahlreichen Reportagen. Als zuverlässige und versierte politische Beobachterin verliert sie in ihren Analysen nie das Menschliche, die Geschichten hinter den Konflikten, aus dem Blick. Für ihr neues Buch hat sie Mitglieder einer weitverzweigten, vier Generationen umspannenden Familie besucht, Menschen, die in den unterschiedlichsten Milieus und politischen Lagern zuhause sind, und ihnen ihre Fragen gestellt, stets auf der Suche nach der Antwort, wohin sich das Land entwickelt. Entstanden ist eine biografische Annährung an ein zerrissenes Land, mit der die Spiegel-Bestsellerautorin einen wichtigen Beitrag zur Nahost-Debatte leistet, jenseits verhärteter Fronten und vorgefertigter Meinungen.
MEINE MEINUNG:
Obwohl ich durch Freunde in Israel so einiges weiß über den Krieg Israels mit der Hamas und den anderen terroristischen Gruppen, hat mir dieses Buch doch einige neue Perspektiven aufgezeigt. Das war für mich sehr aufschlussreich, weil es die Situation so beschreibt, wie man sie aus den deutschen Medien nur selten erfährt. Leider werden dort allzu häufig unrecherchiert die Verlautbarungen der Hamas übernommen.
Am Beispiel der großen Familie, die Sabine Adler porträtiert, kann man die verschiedenen politischen und gesellschaftlichen Meinungen in Israel sehr gut verstehen.
Ich wünschte mir vor allem, daß Sabine Adlers deutsche Kolleg*innen dieses Buch lesen würden …
Der 7. Oktober 2023 war eine Zäsur. Was hat der Terrorangriff der Hamas mit den Israelis gemacht, auch denen, die nicht unmittelbar getroffen? Wie haben sich Werteachsen und Einstellungen verschoben? In ihrem Buch "Israel" geht Sabine Adler diesen Fragen anhand einer Familie nach. Die älteren tragen die Erfahrung des Holocausts beziehungsweise der Belastungen der zweiten Generation mit sich, die jüngeren sind mit dem Nahostkonflikt aufgewachsen, haben ihren Armeedienst teilweise im Westjordanland oder im Libanon geleistet.
Die weitverzweigte Familie, die die Autorin seit Jahren kennt, ist überwiegend religiös-zionistisch, es gibt einen streng orthodoxen Bruder, aber auch einen säkularen. Die meisten leben in Jerusalem, mehrere in Siedlungen im Westjordanland, einige haben Kindheitserinnerungen an die aufgegebenen Siedlungen in Gaza. Es sind eher nicht die Israelis, die sich jede Woche auf dem Geiselplatz im Stadtzentrum von Tel Aviv versammeln, auch wenn längst nicht alle Benjamin Netanjahu und seine umstrittene Justizreform unterstützen.
Adler zeigt das Politische im Persönlichen, in der Erfahrung etwa der kinderreichen Mutter, die den Haushalt alleine stemmen muss, weil ihr Mann als Reservist in Gaza ist. Der Terrorangriff hat Traumata ausgelöst und wieder wachgerufen - die Gespräche mit einer Psychoanalytikerin von Amcha, einer Organisation, die sich eigentlich vor allem um Holocaus-Überlebende kümmert und nun vor neuen Herausforderungen steht, gehören für mich zu den besonders spannenden Eindrücken des Buches.
Die Autorin spricht mit ihren Gesprächspartnern in Cafés in Tel Aviv und Jerusalem, aber auch in den Siedlungen in den besetzten Gebieten. Die Kontraste zwischen dem Leben der Siedler und den in der Region ansässigen palästinensischen Menschen werden aufgezeigt, die Gewalt radikaler Siedler und der berüchtigten Hügeljugend gestreift, aber in den Gesprächen nicht so kritisch hinterfragt, wie es meiner Meinung nach wünschenswert gewesen wäre. Aber vielleicht führt gerade das dazu, dass sich Menschen der Autorin öffnen, die sonst eher feindselig auf Journalisten reagieren, zumal Adler ja als Freundin der Familie kommt.
Es ist eine private Innensicht auf den Konflikt, die auch deutlich macht, wie schwierig die Diskussion allein innerhalb Israels ist und wie sehr der Krieg die Gesellschaft gespalten hat. Adler hört zu, beobachtet, analysiert, lässt aber ihren Gesprächspartnern Freiraum, ihre jeweilige Position und ihren Blick auf das Land zu erläutern. Und der ist so vielschichtig wie das ganze Land.
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