Rezension zu "Criminal Women: Eine Geschichte der weiblichen »Kriminalität«" von Jadwiga Kamola
Trishen7790 % aller schweren Gewalttaten werden weltweit von Männern begangen – so Schätzungen, die auf Statistiken in vielen Einzelstaaten beruhen. Abgesehen vom Giftmord im Kriminalroman und der Sexarbeit, gibt es wenig Delikte, bei denen regelmäßig Täterinnen im Mittelpunkt stehen.
Dennoch wurden und werden Frauen immer wieder einer Vielzahl von Verbrechen bezichtigt, oft solche, bei denen (heterosexuelle cis) Männer nicht verdächtigt und/oder für die sie nicht belangt wu/erden (bspw. Hexerei, Ehebruch, Falschaussage, Ungehorsam).
Die Anthologie im Verbrecher Verlag ist mehr eine gut aufgefächerte Ideengeschichte als eine stringente historische Darstellung. Sie versucht anhand einiger Akteur*innen, Fälle und Episoden darzustellen, wie sich der Blick auf weibliche Kriminalität in der Moderne herausgebildet hat und was die Folgen dieses Blicks, in Recht und Gesetz, in Gesellschaft und Literatur, waren und sind. Wer durch die Bilder scrollt gewinnt Dank der Überschriften sicher einen ganz guten Eindruck von der Vielfalt der Ansätze. Ich selbst habe einiges gelernt, hätte mir aber teilweise noch mehr historische Breite gewünscht. Aber das Konzept ist so solide und stimmig, dass ich diesen Wunsch nicht als Kritik an dem Band verstanden sehen will, sondern lediglich als Ausdruck persönlicher Vorlieben.





