Das Mädchen im Strom

von Sabine Bode 
3,1 Sterne bei48 Bewertungen
Das Mädchen im Strom
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Positiv (16):
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Von Mainz nach Shanghai und weiter nach London

Kritisch (12):
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Ich wollte das Buch so sehr mögen, doch leider hat es mich nur maßlos enttäuscht. Emotionslos, distanziert und quälend langatmig...

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Inhaltsangabe zu "Das Mädchen im Strom"

Sie ist das hübscheste, frechste und mutigste Mädchen an den Stränden des Rheins – und sie ist Jüdin. Die Geschichte der Gudrun Samuel ist die Geschichte einer ganzen Generation junger Frauen, die die Naziherrschaft und der Krieg zur Flucht gezwungen haben. Ein beeindruckendes und mitreißendes Zeugnis einer Epoche.

Als Mädchen ist sie im Rhein hinter den Kohleschleppern hergeschwommen. Sie hat den jungen Männern in Mainz die Köpfe verdreht. Doch als die Nazis an die Macht kommen und die junge Jüdin Gudrun Samuel sich entscheidet, mit gefälschten Papieren Deutschland zu verlassen, wird sie gefasst und kommt in Gestapo-Haft. Ihr gelingt die Flucht, aber sie ist nun nicht mehr das Mainzer Mädchen Gudrun, sondern die Flüchtende Judy: in der transsibirischen Eisenbahn und im Judenghetto von Shanghai. Sie überlebt den Krieg, doch die Odyssee geht weiter. Das Mädchen im Strom ist ein ergreifender Roman über das einzigartige Schicksal einer Frau im 20. Jahrhundert.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783608963298
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:350 Seiten
Verlag:Klett-Cotta
Erscheinungsdatum:27.10.2018
Das aktuelle Hörbuch ist am 13.03.2017 bei Random House Audio erschienen.

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    Lucciolavor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Ich wollte das Buch so sehr mögen, doch leider hat es mich nur maßlos enttäuscht. Emotionslos, distanziert und quälend langatmig...
    Lust- und lieblos erzählte Geschichte, die eigentlich so viel Potential hätte...

    Gudrun entstammt einer guten Familie, die jedoch jüdisch ist. Das hat für sie nie eine Rolle gespielt, doch das Naziregime in Deutschland stellt ihr ganzes Leben auf den Kopf und aus einem eigentlich so normalen Leben einer Jugendlichen wird ein Leben auf Flucht und voller Gefahren. 
    „Dass er Jude war, empfand er als eine eher zufällige Zugehörigkeit, die sein Herz nicht berührte. Er war Deutscher!"S. 17
    Das Cover war der Grund dafür, dass ich das Buch unbedingt lesen wollte, irgendwie hat es mich einfach angesprochen. Zu sehen ist auf einem Schwarz-Weiß-Bild ein Mädchen, das über eine Reling oder ähnliches aufs Wasser schaut. Es wirkt ansprechend und gleichzeitig interesseweckend. Der altrosane Rahmen um das Bild gibt dem Cover das gewisse Etwas. Cover und Titel finde ich sehr gut gewählt und hat auf jeden Fall Wiedererkennungswert. Das Buch ist mir zum ersten Mal auf der Leipziger Buchmesse aufgefallen. Aus irgendeinem Grund hat es mich sofort neugierig gemacht und ich wollte es unbedingt lesen. Daher kam es gerade recht, dass NetGalley und Klett-Cotta Rezensenten gesucht haben - vielen Dank für die Bereitstellung des eBooks! Entgegen meiner normalen Lesegeschwindigkeit habe ich für dieses Buch ewig gebraucht. Fast ein Jahr. Weil ich es immer wieder weggelegt habe, eine Pause brauchte und es irgendwann erneut versucht habe. Und doch gescheitert bin, denn fertig gelesen habe ich es auch nicht. Aber dazu später mehr. 
    „Nach dem Abendessen im Speisewagen wurde Gudrun Müde. In den folgenden Stunden schlief sie. Spät in der Nacht erreichten sie Mainz. Wilhelm Samuel holte sie ab.."S. 10
    Der Schreibstil der Autorin ist extrem gewöhnungsbedürftig. Wörtliche Rede steht nicht in Anführungszeichen, sondern wird einfach mitten im Text dazu geschrieben. Das war für mich extrem verwirrend, da ich mir manchmal nicht ganz sicher war, was jetzt wirklich gesagt wurde, und was eben nicht. Die Sätze sind unglaublich kurz und knapp und bestehen meist nur aus Hauptsätzen, die aneinander gereiht werden. Außerdem ist die Sprache sehr distanziert, trocken und völlig emotionslos. Das hat eine große Distanz zwischen der Protagonistin und mir geschaffen und ich konnte mich so überhaupt nicht in das Buch einfinden. Das ganze Buch ähnelt eher einem Sachbuch als einem Roman - nur eben dass es die Figuren nicht wirklich gab. Ich habe schon sehr viele Bücher - sowohl Sachbücher, als auch Biografien oder Romane - zum Thema 2. Weltkrieg gelesen und habe daher durchaus einen recht guten Überblick darüber, wie man das Thema aufarbeiten kann. Doch was hier als Roman deklariert wird, konnte mich leider nur auf ganzer Linie enttäuschen. Die Erzählweise ist so sachlich und emotionslos, dass es für mich innerhalb kürzester Zeit langweilig wurde. Mit der Protagonistin konnte ich keine Beziehung aufbauen, da ich mit ihren Charakterzügen nicht gut klarkam und auch die Erzählweise nicht für Nähe sorgt. Manches erscheint einem eher wie ein Zeitungsartikel, so neutral, kühl und oberflächlich, dass selbst die schlimmsten Tragödien mich irgendwie nicht berühren konnten - und das ist definitiv ungewöhnlich für mich! Das Buch war für mich leider eine reine Qual, ich quälte mich von Seite zu Seite, es zog sich immer mehr in die Länge - und irgendwann gab ich auf. Ich bin mir nicht sicher, ob ich jemals zuvor ein Buch abgebrochen habe, ohne es zu Ende zu lesen, ich kann mich jedenfalls nicht mehr daran erinnern. Das Buch ist sicherlich gut recherchiert und das Thema interessiert mich schon seit Kindertagen, doch mit der distanzierten und neutralen Erzählweise, der unsympathischen Protagonistin und dem schwer zu lesenden Schreibstil kam ich einfach nicht klar. Für mich war dieses Buch leider völlig unzugänglich, verkrampfte Dialoge werden mit der Dramatik eines Zeitungsberichts abgehandelt und das Thema wird völlig lieblos und emotionslos dargestellt. 
    „Egal, sie war 21 Jahre alt, das richtige Alter, um endlich die Freiheit zu genießen, in Shanghai oder anderswo! Wenn schon kein sicheres Leben, dann wenigstens ein Aufregendes."S. 120
    Fazit
    Leider konnte mich Das Mädchen im Strom überhaupt nicht faszinieren. Die lustlose, lieblose, emotionslose und distanzierte Erzählweise verhindert leider jegliche Beziehung zur Protagonistin, die meines Erachtens nach sehr viele schlechte Charaktereigenschaften hat und daher sowieso schon unsympathisch ist. Wörtliche Rede wird völlig ohne Anführungszeichen geschrieben, was sehr verwirrend ist und den Lesefluss sehr stört. Ich konnte das Buch, das sich so zäh zog wie ein Kaugummi, nicht einmal zu Ende lesen, weil es irgendwann einfach nur zu einer Qual wurde - und das passiert mir sonst nie. Daher kann ich dem Buch leider nur einen Punkt geben... Und das, obwohl ich das Buch doch so sehr mögen wollte! 
    http://lucciola-test.blogspot.de/2018/03/books-sabine-bode-das-madchen-im-strom.html

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    Aspasias avatar
    Aspasiavor einem Jahr
    Wenn der Krieg in dir sich nicht befrieden lässt


    „Es hatte eine Zeit vor dem Krieg gegeben, und nun gab es eine Zeit nach dem Krieg. Auch wer ihn ohne Schaden überstanden hatte, würde ihn künftig in sich tragen.“ ( S. 200) fasst die Jüdin Gudrun Samuel noch keine 30 Jahre alt emotionslos und sehr treffend ihre Situation zusammen. 

    Gudrun, die Protagonistin des Debutromans „Das Mädchen im Strom“ von Sabine Bode verlebt als Tochter eines wohlhabenden Mainzer Kaufmannes, der nur dem Nachnamen und einem entfernten Hautfetzen im Intimbereich nach noch Jude war, und seiner wohlmeinenden Ehefrau, deren Jüdischsein sich auf seltene Synagogenbesuche beschränkt, eine unbeschwerte Kindheit. Wilhelm Samuel, dieser assimilierte Jude, dessen Liebe zu Deutschland so weit geht, dass er, den die geerbten Schuhhäuser einen großbürgerlichen Lebensstil mit Personal, Familienferien in der Schweiz und zahlreichen Geliebten ermöglicht, sein lautlos in der Schweiz verwahrtes Vermögen von seiner Ehefrau höchstselbst zur Unterstützung der Zentrumspartei heim ins Reich schmuggeln lässt.
    Als junges Mädchen ist sie wild, unkonventionell und mutig. Ein Teenager, der wenig Sinn für die Schule hat, lieber im Strandbad rauchte, den Kohleschleppern auf dem Rhein hinterher schwimmt, oder mit ihrer besten Freundin Margot und deren Rauhaardackel Schnecke die Aufmerksamkeit der Jungs auf sich lenkt. So verliebt sie sich dann auch prompt in den drei Jahre älteren Katholiken Martin. Sohn eines Juristen ohne Ehrgeiz, verheiratet mit einer Ehefrau mit Hitlerportrait über dem Klavier. Eine erste Liebe, die anfangs nur den Elternhäusern nicht genehm ist, dann aber zur „Rassenschande“ erklärt, lebensgefährlich für beide ist. Doch sie überlebt.

    Wenige Jahre später als Wilhelm nicht mehr leugnen kann, dass ihn auch sein Kaiservorname nicht deutsch genug macht, wird Gudrun verhaftet, monatelang, fast täglich von einem perfiden Gestapo Mitarbeiter verhört, der, ihr zugetan, Einfluss auf ihre Haftbedingungen nimmt, und mit ihr zusammen Faust deklamiert. Dann folgen Monate im Frauengefängnis in Mainz, auch dort überlebt sie. Nach der Haftentlassung reist sie alleine, gerade 21 Jahre alt, über Moskau mit der Transsibirischen Eisenbahn gen Schanghai. Das Paris Asiens, der einzige Ort, der Flüchtlinge wie sie noch aufnimmt. Die chinesische Stadt ist von Japanern besetzt, überfüllt von Geschäftsleuten in Goldgräberstimmung aus aller Herren Länder und seit Ende der 30er die Grenzen des Westens immer unüberwindbarer wurden, Auffangbecken derer, die keine andere Wahl mehr haben.

    Doch Gudrun gelingt es sich auch hier sich den Gegebenheiten anzupassen. Tatkräftig und willensstark wie sie ist, baut sie sich ein eigenes Leben auf. Sie hat Freunde, eröffnet eine Praxis für Krankengymnastik und Massage, hat Liebhaber und versucht ihre mittlerweile verwitwete Mutter nachzuholen. Sie überlebt. Nur wenige Jahre später erweisen sich die Japaner als willfährige Gehilfen des großen Bruder im Geiste, Hitler Deutschland, und die Ärmsten der Armen der chinesischen Bevölkerung und die unliebsamen Immigranten werden in einem viel zu kleinen, hinfälligen, abgesperrten, Bezirk, Hongkew, zusammen gepfercht. Auch hier überlebt Gudrun, wenn dazu auch eine Zweckehe und viel Kraft und Geschäftssinn notwendig sind.

    Als die Amerikaner endlich das Lager öffnen, ist sie zwar frei, aber erfährt auch, dass ihre Mutter in einem Konzentrationslager umgebracht wurde, ihre Großmutter und ihr Vater sich der Deportation mit Zyankali entzogen haben, ihre erste große Liebe gefallen ist und sie als Staatenlose entweder nach Deutschland zurück oder aber in China bleiben muss.

    Wieder überwindet Gudrun die äußerlichen Hindernisse, geht nach Macau, heiratet dort für wenige Monate einen norwegischen Kapitän, und mit dem wertvollen, norwegischen Pass, verschlägt es sie über die Philippinen nach London. Dort beginnt sie ein weiteres Mal ganz von vorne, aber nun verlangen das Erlebte, die ständige Bedrohung, das Gefühl des Ausgeliefertseins, die Verluste ihrer Liebsten, all die traumatischen Erlebnisse des Exodus ihr Recht. Wie ein Springteufel aus der Kiste, in die sie all das gestopfte hatte, um zu überleben, kommen die so lange verdrängten Gefühle und legen sich wie eine schwarze Wolke über sie.

    Doch auch diesen Kampf stellt sie sich. Mit Hilfe ihres dritten Ehemannes, einem schon während des Krieges nicht abreißenden Briefwechsels mit ihrer Schulfreundin Margot, die noch rechtzeitig mit ihrer Familie in die USA geflohenen ist, einigen Therapien und der direkten Konfrontation mit Menschen und Orten ihrer Vergangenheit vor Ort in Nachkriegsdeutschland. Anders als ihre Freundin, ihr Mann und viele jüdische Freunde, die keinen Fuß auf den verhassten deutschen Boden setzen wollen.

    Dem belletristischen Erstling der Kölner Journalistin und erfolgreiche Sachbuchautorin zum Thema Traumata und Spätfolgen des Krieges liegt die Lebensgeschichte der Mainzerin Gertrude Meyer-Jörgensen zugrunde, die 80 jährig von Bode vor 17 Jahren mehrmals interviewt wurde und 2011 mit 93 Jahren starb.

    Bode hat sich bewusst für die fiktionalisierte, für die Romanform entscheiden, weil „Beim Lesen eines Romans verbinden und verbünden wir uns auf Zeit mit der Hauptperson. Wir zittern mit ihr, wir verlieben uns mit ihr, oder wir fühlen uns gedemütigt, denken über Rache nach. Und womöglich bringt es Saiten in uns in Schwingung, die wir lange oder vielleicht noch nie wahrgenommen haben.“

    Ich glaube nicht das die Fiktionalisierung eines Stoffes automatisch zu einer emotionalen Verbindung von Leser und Romanfigur führt, dass ist meiner Meinung nach auch gar nicht ihr Ziel. Genauso wenig ist Fiktionalisierung notwendig, um eine solche emotionale Verbindung herzustellen. Das kann auch ein Interview oder eine Biografie erreichen.

    Für mich ist das Buch eine berührende Lebensgeschichte, spannend nacherzählt, aber das reicht nicht. Mir ist die Erzählung zu wenig literarisch, mir fehlt es am bewussten Einsatz sprachlicher Mittel, an der Fabulierlust der Autorin.




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    gsimaks avatar
    gsimakvor einem Jahr
    Nüchtern und spannend geschrieben.

    Meine Meinung

    Für Gudrun habe ich von Anfang an große Sympathie entwickelt. Als kleines dickes Mädchen angefangen, bis zur jungen Frau, konnte sie mich in ihren Bann ziehen. Sie gehörte zu den Menschen, die in keine Schablone passen. Sie lebte stets im Augenblick. Oftmals fasste sie zu Menschen Vertrauen, die sie gar nicht kannte. War es Intuition? War es Leichtsinn? Ich denke, trotz der schlimmen Geschehnisse, hatte Gudrun an das Gute im Menschen geglaubt. Selbst Menschen, bei denen andere nichts Gutes sahen, hatte sie Wertschätzung entgegengebracht. Sie sah bei den miesesten Charakteren Positives. Hatte sich auf jede Situation umgehend eingestellt und das Beste daraus gemacht. So auch bei ihrer Verhaftung, nachdem die Gestapo sie mit einem falschen Pass erwischte. Sie wurde fast jedem Tag dem Oberkommissar Buchmann vorgeführt. >>Der SS-Mann sprach wie ein gütiger Arzt. Sie war erleichtert. Wenigstens hatte er Manieren, dachte sie.<< (Seite 83 auf dem Reader) 
    Genau darum kam die hübsche Jüdin heil aus der Tragödie heraus. Genau darum erkannte sie Chancen und verkraftete schwere Verluste. 
    Gudrun mochte nie lernen und hielt Schule für überflüssig. Ich habe sie für ihre Konsequenz in sämtlichen Dingen bewundert. Trotz Lernfaulheit hatte die hübsche Blondine ihren Weg gemacht.
    Manch einer würde jetzt sagen, Gudrun ist den leichtesten Weg gegangen. Das war jedoch zu Hitler-Zeiten für eine Jüdin gar nicht möglich.  Für viele Menschen war sie das verwöhnte Gör, welches mit dem goldenen Löffel im Mund zur Welt kam. Das mag schon gestimmt haben. Der Vater besaß mehrere Schuhgeschäfte. Die Mutter Helene unterhielt Angestellte, die ihr ihr langweiliges Gattinnen-Leben erleichterten. Das Kindermädchen für Gudrun war ein wahrer Segen. Sie erkannte den starken Charakter Gudruns. Annemarie Holl ließ sich nicht von Gudruns oberflächlicher Fassade blenden. Viele Szenen im Buch haben mir gut gefallen. Das Kindermädchen schien Gudrun ziemlich ähnlich zu sein. Auch sie kuschte vor niemanden. Ihrer Chefin bot sie die Stirn und setzte sich stets durch. >>Ihre größte pädagogische Tat bestand darin, dass sie Helene Samuel beibrachte, Gudruns Widerborstigkeit nicht als Trotz zu sehen, sondern Ausdruck von Charakterstärke.<< (Seite13 auf dem Reader.)  Für mich war Gudrun ein verwöhntes Gör, welches in Kriegszeiten über sich selbst hinauswuchs.
    Als Teenager genoss Gudrun die Liebe zu einem ehrgeizigen jungen Mann. Die Eltern Martins sahen die erste Zeit darüber hinweg, dass diese Verbindung unpassend ist. Ein junger Mann, mit glänzenden Berufsaussichten, sollte sich nicht mit einer ehrgeizlosen Jüdin abgeben. Beide setzten sich über Vorurteile hinweg und waren lange Zeit "Gudrunundmartin!"
    Mit ihrer besten Freundin Margot veerlor sie auch in Kriegszeiten nie den Kontakt. Margot war nach Amerika ausgewandert und führte dort ein gutes Leben. 
    Sehr gut hat mir der Briefwechsel der Freundinnen gefallen. 
    Gudrun gelang es aus dem Gefängnis zu kommen. Vom Rheinland emigrierte sie nach Shanghai. Todunglücklich darüber, nicht ihre Freundin Margot folgen zu können. Diesen Weg hatte sie sich jedoch verbaut ......
    Ihr Bruder Ralphie 

    Der Vater Wilhelm Samuel kam mir lange Zeit ziemlich naiv vor. Er wollte die Gefahren nicht sehen, die sich für Juden anbahnten. Er fühlte sich in Mainz sicher. Niemals hielt er es für möglich, dass man ihm sämtliche Besitztümer enteignet. Sein Geld ließ er nicht mehr in der Schweiz. >>Ein anständiger Deutscher lässt sein Geld im Land.<< (Seite 14 aud dem Reader.)


    Mein Fazit


    Ihr Weg führte sie von Mainz nach Shanghai. Dort lebte sie in Luxus und hatte eine eigene Praxis als Physiotherapeutin. Aus Gudrun Samuel wurde Judy!  Sie lernte jedoch auch die Armut in Shanghai kennen, nachdem der Judenhass auch dort Einzug hielt. 
    Sie ging dreimal eine Notehe ein und wanderte von Shanghai nach Norwegen aus. Von dort führte sie ihr Weg nach London. Ihre dritte Ehe stand unter einem besseren Stern. 

    Der Schreibstil mutet nüchtern an. Die Autorin verwendet bei Dialogen keine entsprechenden Satzzeichen, was ich nicht störend empfand. Mir hat der Erzählstil sehr gut gefallen. Ich habe zeitgleich auch das Hörbuch genossen. Die angenehme Erzählstimme von Claudia Michelsen und der tolle Schreibstil von Frau Bode, haben mir das Gefühl gegeben, mit einer alten Dame auf dem Sofa zu sitzen. Aus feinstem Porzellan Tee zu trinken und in den Geschichten der Gudrun zu versinken. 

    Gudrun war eine Powerfrau, die ihre optischen Reize einzusetzen wusste. Sie war dabei jedoch niemals bösartig. Berechnend schon! Ja, das war sie, meiner Meinung nach. Aber anders hätte sie nicht überlebt. Gudrun gab es wirklich unter dem Namen Gertrud Meyer-Jörgensen. Ich bin von dieser Frau schwer beeindruckt.


    Ich empfehle diesen Roman mit biographischen Elementen sehr gerne weiter. Viele Menschen mussten zur Zeit des Holocausts sterben. Die Erinnerungen leben weiter. Auch nach dem Tod der letzten Zeugen! Dafür sorgen Schriftsteller, die für uns Geschichten sammeln und aufschreiben. Dieser Roman kommt ohne große Gefühlsduselei daher. 



    Danke Sabine Bode.

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    Bellis-Perenniss avatar
    Bellis-Perennisvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Von Mainz nach Shanghai und weiter nach London
    Von Mainz nach Shanghai - die Geschichte der Gudrun S.

    Ich möchte gleich vorausschicken, dass es sich bei diesem Buch um eine biographische Erzählung des Lebens der Gudrun Samuel handelt. Sabine Bode ist als Sachbuchautorin gut bekannt („Die vergessene Generation - die Kriegskinder brechen ihr Schweigen" und "Kriegsenkel"). Die sachliche Art diesen Roman zu schreiben, wird Sabine Bode den einen oder anderen Punkteabzug bringen.

    Doch nun zum Inhalt:

    Gudrun Samuel ist eine junge, gutaussehende Jüdin, die in einem nicht sehr religiösen Elternhaus aufwächst. Man ist jüdisch, wie man eben blond oder dunkelhaarig ist. Doch nach der Machtübernahme der Nazis ändert sich über Nacht alles. Gudrun gerät in die Fänge der Gestapo, wird inhaftiert und verbringt mit einigen anderen Frauen mehrere Monate in Haft. 

    Mit viel Chuzpe und wohl auch Glück, gelingt es ihr Nazi-Deutschland zu verlassen.
    Es verschlägt sie nach einer abenteuerlichen Reise mit der transsibirischen Eisenbahn nach Shanghai, wo sie mit vielen anderen Emigranten im jüdischen Ghetto der Stadt lebt. 

    Doch auch hier ist nicht alles Gold was glänzt. Mit der für sie eigenen Gewitztheit und auch einem unbändigen Überlebenswillen, meistert sie auch diese Widerwärtigkeiten. Manchmal kommt sie durch ihre Ellbogentechnik ein wenig unsympathisch herüber. So geht sie mehrere Liebschaften mit Männern ein, von denen sie glaubt, eine Verbesserung ihrer Lage zu bekommen.
    Sie geht auch eine Scheinehe ein, um in Genuss einer Staatsbürgerschaft zu kommen.

    Dass sie auch auf ihrem weiteren Lebensweg eine eher ruppige Art an den Tag legt, ist den Erlebnissen in ihrer Jugend geschuldet. Letztlich lebt sie in England.

    Das Wiedersehen in Mainz nach dem Krieg mit ehemaligen Klassenkameradinnen und Nachbarskindern, zeigt, dass viele der deutschen Frauen nur sich selbst als Opfer der Alliierten sehen, und der Unrechtsgedanke für sie weit entfernt ist.

    Meine Meinung:

    Ich habe dieses Buch als „Biographischen Roman“ gelesen und wurde nicht enttäuscht. Dass das Buch ohne viel Dialog auskommt, macht auch ein wenig seinen Reiz für mich aus. Besser keine Dialoge als seichtes Ping-Pong-Spiel.
    Wer glaubt, dass Flucht mit Romantik einhergeht, der ist auf dem Holzweg.

    Wer zum Thema Flucht der Juden nach Shanghai mehr wissen will, dem sei „Von Wien nach Shanghai“ empfohlen.

    Fazit:

    Flucht und Vertreibung einmal aus anderem Blickwinkel.

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    czytelniczka73s avatar
    czytelniczka73vor einem Jahr
    Hat mich leider nicht überzeugt...

    "Die Tochter der Samuels,so redeten die Leute,sei eigensinnig,nicht zu bändigen,schlecht erzogen"


    Inhalt:

    "Sie ist das hübscheste, frechste und mutigste Mädchen an den Stränden des Rheins – und sie ist Jüdin. Die Geschichte der Gudrun Samuel ist die Geschichte einer ganzen Generation junger Frauen, die die Naziherrschaft und der Krieg zur Flucht gezwungen haben."


    Meinung:

    Ich habe schon sehr viele Bücher über den Hoocaust und Nationalsozialismus gelesen und die gehen mir immer sehr unter die Haut...oder besser gesagt fast immer,weil diesmal war leider nicht der Fall.Ich bin wirklich selbst überrascht,wie wenig mich diese Geschichte bewegt hat.Teilweise liegt es an dem Schreibstil,den fand ich emotonslos und überhaupt nicht flüssig,ich hatte Schwierigkeiten an der Geschichte dran zu bleiben.Mein größtes Problem war aber die Geschichte selbst.Es ist natürlich etwas sehr Schönes und Positives,dass es Menschen gibt ,die den Holocaust überlebt haben,und es ist auch wichtig solche Geschichten zu erzählen,trotzdem fand ich das Buch teilweise langweilig.Die Autorin bescheftig sich oft mit,meiner Meinung nach,unwichtigen Details,wie z.B. die Kleidung.Anfangs fand ich das noch ok,weil man so ein gutes Bild von damaliger Zeit bekamm,aber spätestens im Ghetto gabt es ,glaube ich,wichtigere Probleme als modische Kleider.Ich finde (und das war mein großes Problem mit dem Buch) dass die ganze Grausamkeit des Nationalsozialismus nicht stark genug zum Vorschein kommt,es wirkt alles bisschen abgemildert und schwammig.Gudrun Samuel wird zwar von Gestapo verhaftet,während der Verhöre wird ihr Goethe vorgelesen...Sie muss aus Deutschlen flüchten und sie darf keine Unterwäsche mitnehmen...Ohne Zweifel eine Schikane,aber im Vergelich mit dem ,wie es anderen in der Zeit erging,nicht unbedingt nenneswert.Und während tausende von Menschen wie Tiere in Güterwagons gezwungen wurden,beschwert sich Gudrun ,dass sie eine Nacht mit fremden Mann den Zugabteil teilen muss...Ich könnte so weiter machen,es gibt genügend weiter Beispiele,aber ich glaube man kann auch so verstehen was ich meine und was mich so aufgeregt hat...Natürlich ist das eine persönliche Geschichte und deswegen auch authentisch,aber alles andere was drum herum passierte,wird ausgeblendet oder nur kurz erwähnt,nur ein Satz berichtet ,dass Gudruns Mutter in Treblinka ermordet wurde,oder zwischen den Zeilen wird berichtet,dass ganze Familien "verschwunden" sind...Das Einzige was ich überzeugend fand,ist das was nach dem Krieg passiert-die Depresionen,Angst und Schwierigkeiten ein halbwegs normales Leben zu führen.Es kamm aber zu spät,um meine Meinung zu dem Buch noch zu änden.

    Fazit:

    Weil ich das Thema für sehr wichtig halte,tut es mir besonders laid,dass mir das Buch nicht besonders gut gefallen hat,aber die Autorin hat,meiner Meinung nach,in der Geschichte falsche Schwerpunkte gesetzt.

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    Federfees avatar
    Federfeevor einem Jahr
    Merkwürdig distanziert und emotionslos

    Gudrun Salomon hat das Pech, in der Nazizeit aufzuwachsen. Zwar gelingt ihr die Flucht und sie bleibt davon verschont, in ein KZ zu geraten wie ihre Mutter, aber ihr Leben verläuft ungeheuer turbulent: Gefängnis, Flucht quer durch Russland, Neuanfang in Shanghai, Kriegsausbruch, usw.


    Der Roman beruht auf wahren Begebenheiten, aber leider erzählt die Autorin alles so emotionslos, ohne Gefühle und distanziert, dass mich dieses Buch weder inhaltlich noch sprachlich fesseln konnte.

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    Aspasiavor einem Jahr
    Wenn der Krieg in dir sich nicht befrieden lässt

    "Es hatte eine Zeit vor dem Krieg gegeben, und nun gab es eine Zeit nach dem Krieg. Auch wer ihn ohne Schaden überstanden hatte, würde ihn künftig in sich tragen.“ ( S. 200) fasst die Jüdin Gudrun Samuel noch keine 30 Jahre alt emotionslos und sehr treffend ihre Situation zusammen.

    Gudrun, die Protagonistin des Debutromans "Das Mädchen im Strom" von Sabine Bode verlebt als Tochter eines wohlhabenden Mainzer Kaufmannes, der nur dem Nachnamen und einem entfernten Hautfetzen im Intimbereich nach noch Jude war, und seiner wohlmeinenden Ehefrau, deren Jüdischsein sich auf seltene Synagogenbesuche beschränkt, eine unbeschwerte Kindheit. Wilhelm Samuel, dieser assimilierte Jude, dessen Liebe zu Deutschland so weit geht, dass er, den die geerbten Schuhhäuser einen großbürgerlichen Lebensstil mit Personal, Familienferien in der Schweiz und zahlreichen Geliebten ermöglicht, sein lautlos in der Schweiz verwahrtes Vermögen von seiner Ehefrau höchstselbst zur Unterstützung der Zentrumspartei heim ins Reich schmuggeln lässt.

    Als junges Mädchen ist sie wild, unkonventionell und mutig. Ein Teenager, der wenig Sinn für die Schule hat, lieber im Strandbad rauchte, den Kohleschleppern auf dem Rhein hinterher schwimmt, oder mit ihrer besten Freundin Margot und deren Rauhaardackel Schnecke die Aufmerksamkeit der Jungs auf sich lenkt. So verliebt sie sich dann auch prompt in den drei Jahre älteren Katholiken Martin. Sohn eines Juristen ohne Ehrgeiz, verheiratet mit einer Ehefrau mit Hitlerportrait über dem Klavier. Eine erste Liebe, die anfangs nur den Elternhäusern nicht genehm ist, dann aber zur "Rassenschande" erklärt, lebensgefährlich für beide ist. Doch sie überlebt.


    Wenige Jahre später als Wilhelm nicht mehr leugnen kann, dass ihn auch sein Kaiservorname nicht deutsch genug macht, wird Gudrun verhaftet, monatelang, fast täglich von einem perfiden Gestapo Mitarbeiter verhört, der, ihr zugetan, Einfluss auf ihre Haftbedingungen nimmt, und mit ihr zusammen Faust deklamiert. Dann folgen Monate im Frauengefängnis in Mainz, auch dort überlebt sie. Nach der Haftentlassung reist sie alleine, gerade 21 Jahre alt, über Moskau mit der Transsibirischen Eisenbahn gen Schanghai. Das Paris Asiens, der einzige Ort, der Flüchtlinge wie sie noch aufnimmt. Die chinesische Stadt ist von Japanern besetzt, überfüllt von Geschäftsleuten in Goldgräberstimmung aus aller Herren Länder und seit Ende der 30er die Grenzen des Westens immer unüberwindbarer wurden, Auffangbecken derer, die keine andere Wahl mehr haben.

    Doch Gudrun gelingt es sich auch hier sich den Gegebenheiten anzupassen. Tatkräftig und willensstark wie sie ist, baut sie sich ein eigenes Leben auf. Sie hat Freunde, eröffnet eine Praxis für Krankengymnastik und Massage, hat Liebhaber und versucht ihre mittlerweile verwitwete Mutter nachzuholen. Sie überlebt. Nur wenige Jahre später erweisen sich die Japaner als willfährige Gehilfen des großen Bruder im Geiste, Hitler Deutschland, und die Ärmsten der Armen der chinesischen Bevölkerung und die unliebsamen Immigranten werden in einem viel zu kleinen, hinfälligen, abgesperrten, Bezirk, Hongkew, zusammen gepfercht. Auch hier überlebt Gudrun, wenn dazu auch eine Zweckehe und viel Kraft und Geschäftssinn notwendig sind.

    Als die Amerikaner endlich das Lager öffnen, ist sie zwar frei, aber erfährt auch, dass ihre Mutter in einem Konzentrationslager umgebracht wurde, ihre Großmutter und ihr Vater sich der Deportation mit Zyankali entzogen haben, ihre erste große Liebe gefallen ist und sie als Staatenlose entweder nach Deutschland zurück oder aber in China bleiben muss.

    Wieder überwindet Gudrun die äußerlichen Hindernisse, geht nach Macau, heiratet dort für wenige Monate einen norwegischen Kapitän, und mit dem wertvollen, norwegischen Pass, verschlägt es sie über die Philippinen nach London. Dort beginnt sie ein weiteres Mal ganz von vorne, aber nun verlangen das Erlebte, die ständige Bedrohung, das Gefühl des Ausgeliefertseins, die Verluste ihrer Liebsten, all die traumatischen Erlebnisse des Exodus ihr Recht. Wie ein Springteufel aus der Kiste, in die sie all das gestopfte hatte, um zu überleben, kommen die so lange verdrängten Gefühle und legen sich wie eine schwarze Wolke über sie.

    Doch auch diesen Kampf stellt sie sich. Mit Hilfe ihres dritten Ehemannes, einem schon während des Krieges nicht abreißenden Briefwechsels mit ihrer Schulfreundin Margot, die noch rechtzeitig mit ihrer Familie in die USA geflohenen ist, einigen Therapien und der direkten Konfrontation mit Menschen und Orten ihrer Vergangenheit vor Ort in Nachkriegsdeutschland. Anders als ihre Freundin, ihr Mann und viele jüdische Freunde, die keinen Fuß auf den verhassten deutschen Boden setzen wollen.

    Dem belletristischen Erstling der Kölner Journalistin und erfolgreiche Sachbuchautorin zum Thema Traumata und Spätfolgen des Krieges liegt die Lebensgeschichte der Mainzerin Gertrude Meyer-Jörgensen zugrunde, die 80 jährig von Bode vor 17 Jahren mehrmals interviewt wurde und 2011 mit 93 Jahren starb.

    Bode hat sich bewusst für die fiktionalisierte, für die Romanform entscheiden, weil „Beim Lesen eines Romans verbinden und verbünden wir uns auf Zeit mit der Hauptperson. Wir zittern mit ihr, wir verlieben uns mit ihr, oder wir fühlen uns ­gedemütigt, denken über Rache nach. Und womöglich bringt es ­Saiten in uns in Schwingung, die wir lange oder vielleicht noch nie wahrgenommen haben.“

    Ich glaube nicht das die Fiktionalisierung eines Stoffes automatisch zu einer emotionalen Verbindung von Leser und Romanfigur führt, dass ist meiner Meinung nach auch gar nicht ihr Ziel. Genauso wenig ist Fiktionalisierung notwendig, um eine solche emotionale Verbindung herzustellen. Das kann auch ein Interview oder eine Biografie erreichen.

    Für mich ist das Buch eine berührende Lebensgeschichte, spannend nacherzählt, aber das reicht nicht. Mir ist die Erzählung zu wenig literarisch, mir fehlt es am bewussten Einsatz sprachlicher Mittel, an der Fabulierlust der Autorin.

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    Fornikas avatar
    Fornikavor einem Jahr
    Gudrun

    Im Mainz der 1920er Jahre erlebt die junge Jüdin Gudrun Samuel eine quasi unbeschwerte Jugend: die Familie ist wohlhabend, in Margot hat Gudrun eine beste Freundin gefunden, in Martin ihre erste Liebe. Doch mit den Jahren wird die Bedrohung durch die Nationalsozialisten immer größer und Gudrun muss ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen, will sie nicht untergehen.

     Sabine Bode hat in diesem Buch eine wahre Lebensgeschichte zu einem Roman verarbeitet. Das Schicksal der „echten“ Gertrude Salomon steht aber stellvertretend für viele, sodass die Romanform dem Leser sicherlich mehr geben kann als es eine Biografie gekonnt hätte.

    Mir fiel der Einstieg in die Geschichte nicht leicht, gerade zu Beginn war mir Gudrun unerträglich unsympathisch. Auch an den Erzählstil der Autorin musste ich mich erst gewöhnen, sodass sich echte Lesefreude erst nach einiger Zeit einstellte. Der Stil bleibt immer distanziert, große Emotionen darf man trotz des harten Stoffes nicht erwarten. Sehr ansprechend fand ich die eingestreuten Briefwechsel zwischen Gudrun und Margot, die zwar ähnliche Ausgangssituationen haben, denen das Leben aber völlig unterschiedlich mitspielt. Margot wandert im Schutz der Familie in die USA aus, während Gudrun sich alleine nach Shanghai durchschlägt. Eine sehr interessante Gegenüberstellung. Die Autorin vermittelt die Fakten sehr unaufdringlich, trotzdem merkt man schnell, dass in diesem Buch auch viel Recherche steckt. Die Handlung wirkt immer authentisch, auch wenn man als Leser manchmal nur den Kopf schütteln mag.

    Insgesamt habe ich „Das Mädchen im Strom“ nach dem holprigen Start doch gerne gelesen; dranbleiben lohnt also.

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    Isaoperas avatar
    Isaoperavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Wirklich interessant & authentisch geschrieben - ich mochte es sehr! 5 Sterne!
    Wirklich interessant & empfehlenswert


    "Das Mädchen im Strom" ist die Geschichte einer jungen Frau, die als Jüdin geboren ist und aus einer sorglosen Kindheit und Jugend mitten hinein gerät in die Maschinerie der nationalsozialistischen Staatspolizei. Gudrun Samuel ist dabei eine nicht immer sympathische, aber stets authentische Heldin, die sich selbst immer treu bleibt und einen harten Weg hinter sich bringt.
    Es gab Gudrun Samuel wirklich und ich fand das Buch in keinem Moment langweilig - die Haft, die Zeit in Asien....ich kann es nur empfehlen, denn es liefert noch einmal einen ganz anderen Blickwinkel auf den 2. Weltkrieg und zeigt auch andere Probleme auf, die Menschen fernab von der Heimat trotz augenscheinlicher "Sicherheit" hatten.
    Der Schreibstil ist sehr unaufgeregt, das schon, aber dadurch für mich nicht oberflächlich. Es ist keine Geschichte mit riesigen Emotionen - diese muss man selbst empfinden oder auch nicht! Mich hat es stellenweise berührt, die meiste Zeit habe ich es aber eher wie eine Biographie gelesen, nüchtern, interessiert, aber niemals langweilig!
    Zuletzt habe ich "Demnächst in Tokio" von Katharina Seewald gelesen - "Das Mädchen im Strom" schließt thematisch wunderbar daran an und zeigt trotzdem nochmal andere Aspekte an. Beide Bücher kann ich nur empfehlen :)

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr
    Das Mädchen im Strom


    Gudrun ist die Tochter des wohlhabenden Kaufmanns Wilhelm Samuel und wächst in den 1920er und Anfang der 30er Jahre behütet in Mainz auf. Als Mädchen ist sie ein echter Wildfang, verdreht den Jungs den Kopf, raucht und schwimmt im Rhein den Schleppkähnen hinterher...
    Doch als die Nationalsozialisten die Macht ergreifen, muss sie als Jüdin schon bald ihre Schule verlassen und ihr Vater verliert nicht nur seine Verdienstgrundlage, sondern auch die Wohnung der Familie. Als Gudrun ihre Liebe, den drei Jahre älteren Martin, dessen Mutter und Bruder glühende Anhänger Hitlers sind, nur noch heimlich treffen kann, versucht sie, mit gefälschten Papieren das Land zu verlassen. Doch die junge Frau wird gefasst und kommt in Gestapo-Haft.
    Gudrun kann quasi im letzten Moment entkommen und flüchtet als Judy unter anderem mit der Transsibirischen Eisenbahn und lebt eine Zeit lang im jüdischen Ghetto von Shanghai. Gudrun überlebt den Krieg und die Verfolgung - dennoch ist und bleibt es eine wahre Odyssee, bei der sie diverse Schicksalsschläge wegstecken muss...


    Von Sabine Bode kenne ich zwei der Sachbücher, die sich mit den Kriegskindern bzw. Kriegsenkeln beschäftigen - in meinen Augen großartige Bücher, da sie Teilen einer Generation eine Stimme gegeben haben, die sich bis dato vor allem in Schweigen geübt haben. Daher war es für mich klar, dass ich den neuen Roman der Journalistin und Sachbuchautorin lesen möchte!


    Leider kommt "Das Mädchen im Strom" in meinen Augen nicht an die bisherige Leistung Bodes heran: ohne Frage erzählt die Autorin hier von einem bewegenden Leben und hat sich dabei an realen Schauplätzen (wie Shanghai) orientiert, über die bislang noch nicht viel zu lesen war. All die Fakten, die Bode schildert, und ihr Können, sehr authentisch einen Leidensweg stellvertretend für den von Millionen von Verfolgten zu erzählen, habe ich auf keiner Seite in Frage gestellt. Sabine Bode weiß, wovon sie schreibt. Für mich war es die Art und Weise, wie sie von alldem erzählt, die mir nicht wirklich zugesagt hat. Für mich war die Geschichte zu oberflächlich, ja, zu distanziert erzählt. Ich muss eine Hauptfigur nicht sympathisch finden, aber Gudrun ist eine bemerkenswerte Kämpfernatur, die in meinen Augen mehr Nähe verdient hätte.
    So ist es weniger die Geschichte an sich als vor allem der Briefkontakt Gudruns mit ihrer früheren besten Freundin Margot, der den spröden Blickwinkel auf die wichtigste Protagonistin aufweicht. Er zeigt vor allem, mit welchen Schrecken die Überlebenden ihr ganzes Leben zu kämpfen hatten. Das Erlebte, all die Grausamkeiten, prägen den Rest des Lebens - das wird hier ganz deutlich.


    Fazit: Die Grundlage des Romanes ist bemerkenswert, die Lebensgeschichte der Gudrun Samuel bewegend. Doch die Umsetzung als Roman lässt leider etwas zu wünschen übrig. Zu distanziert, zu spröde wird hier erzählt - so dass ich mich nicht nur einmal gefragt habe, ob nicht ein Sachbuch richtiger gewesen wäre. Für alle LeserInnen, die sich für das Thema interessieren, kann ich das Buch dennoch empfehlen.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Marina_Nordbrezes avatar

    Wie bewahrt man die Selbstachtung, obwohl man so lange der Willkür anderer ausgeliefert war?

    "Das Mädchen im Strom" von Sabine Bode ist ein wahres Kleinod. Mitreißend und ergreifend beschreibt die Autorin das Schicksal von Gudrun Samuel, einer jungen Jüdin, die zur Zeiten der Naziherrschaft vor die alles entscheidende Frage gestellt wird: Bleiben oder gehen? Kann ihre Liebe zu dem katholischen Jungen Martin trotz all der Verleumdungen und Gefahren bestehen bleiben? Oder gibt es nur einen Ausweg – Die Flucht aus Deutschland?
    Begleitet Gudrun Samuel durch diese bewegende Zeit und lest  "Das Mädchen im Strom" , das auf einer wahren Geschichte beruht.  
     
    Über das Buch:    
    Sie ist das hübscheste, frechste und mutigste Mädchen an den Stränden des Rheins – und sie ist Jüdin. Die Geschichte der Gudrun Samuel ist die Geschichte einer ganzen Generation junger Frauen, die die Naziherrschaft und der Krieg zur Flucht gezwungen haben. Ein beeindruckendes und mitreißendes Zeugnis einer Epoche. Als Mädchen ist sie im Rhein hinter den Kohleschleppern hergeschwommen. Sie hatte den jungen Männern in Mainz die Köpfe verdreht. Doch als die Nazis an die Macht kommen und die junge Jüdin Gudrun Samuel sich entscheidet, mit gefälschten Papieren Deutschland zu verlassen, wird sie gefasst und kommt in Gestapo-Haft. Ihr gelingt die Flucht, aber sie ist nun nicht mehr das Mainzer Mädchen Gudrun, sondern die Flüchtende Judy: in der transsibirischen Eisenbahn und im Judenghetto von Shanghai. Sie überlebt den Krieg, doch die Odyssee geht weiter.

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    Über die Autorin:
     
         
    wird nachgereicht

    Gemeinsam mit Klett-Cotta  vergeben wir in unserer Leserunde 25 Exemplare von  "Das Mädchen im Strom" . Was du tun musst, um dabei zu sein? Bewirb dich bis einschließlich 05.03. über den blauen "Jetzt bewerben"-Button und löse folgende Aufgabe:     

    Was würdest du am meisten an deiner Heimat vermissen, wenn du fliehen müsstest?

    Ich bin schon gespannt auf eure Antworten und drücke euch ganz fest die Daumen.        

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