Sabine Friedrich Wer wir sind

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Inhaltsangabe zu „Wer wir sind“ von Sabine Friedrich

»Ihr sollt nicht gestorben sein!«So wie in diesem Roman sind sie uns noch nie begegnet, die Moltkes und die Stauffenberg-Brüder, die Bonhoeffers, Lebers und die Dohnanyis, die Schulze-Boyens, die Schumachers, Coppis und all die anderen, die sich - aus den unterschiedlichsten Gründen - entschlossen haben, Hitler und seinem menschenverachtenden Regime die Stirn zu bieten.Vom Kaiserreich bis in die Nachkriegszeit spannt sich der Bogen, von den Schlössern Ostelbiens zu den Seen Wisconsins, von Künstlerateliers und Kleingartensiedlungen zu den großbürgerlichen Villen des Berliner Westens.Die Lebensgeschichten all dieser Menschen mit ihren vielfältigen freundschaftlichen, beruflichen oder verwandtschaftlichen Verbindungen treffen uns in diesem Roman mit einer unglaublichen Wucht. Die Erzählung ihrer Schicksale wirft Fragen auf, die universell und zeitlos sind.

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  • Rezension zu "Wer wir sind" von Sabine Friedrich

    Wer wir sind
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    15. October 2012 um 14:57

    Monumentales Psychogramm des Widerstands Eng gedruckt lassen sich die vielen Namen lesen, die auf dem gelungenen Einband des Buches zu lesen sind. Namen, derer vieler nicht allzu bekannt sein dürften, neben den prominenten Namen von Bonhoeffer, Stauffenberg, Dohnany, Moltke, York, Scholl und so manchen mehr. Namen von Menschen, ganz unterschiedlichen Personen und Persönlichkeiten, die im Buch vereint auftreten (ohne unbedingt in engen Beziehungen zueinander zu stehen), die in diesem einen vereinigt sind: Sie alle haben sich auf ihre Weise gewehrt. Nicht weggesehen in einer Zeit, in der Wegsehen einfach, aber auch fast geboten war zum Schutz der eigenen Person. Namen von Personen, die, wieder je auf ihre Art, an ihrem Ort, Widerstand geleistet haben gegen Hitler und sein Regime. Über 2000 eng gedruckte, dünne Seiten folgt Sabine Friedrich nach akribischer, dem Buch jederzeit spürbar zu Grunde liegender Recherche, den Wegen der vielen, vielen Menschen, denen sie sich zuwendet. Wirklich zuwendet. Denn nicht eine „äußere“ Geschichte von Aktionen, persönlichem Mut oder kleinen und großen Renitenzen ist es, die sie in der Hauptsache erzählt (obwohl diese Taten der Personen natürlich auch vorkommen), sondern die Persönlichkeiten an sich und in sich stehen im Mittelpunkt ihres Interesses. Warum taten diese, was sie taten? Was hat diese Personen geprägt, ausgemacht, was anscheinend anders war als das, was die große Masse der Deutschen in den Zeiten des Nazi-Regimes bewegt hat? Wie entwickelte sich die Haltung, der Mut, welches innere Ringen (wie beispielsweise bei Bonhoeffer) hat innerlich gewühlt bis zum Entschluss, aktiven Widerstand zu leisten. Und das alles, gerade um sich den Personen auch persönlich, anders, tiefer nähern zu können, als es eine Dokumentation vermögen würde, in Form eines Romans. Mit dem Vorteil, literarisch das gewonnene Bild vertiefen, ausschmücken, erlebbar machen zu können in den romanhaften Bereichen dieses monumentalen Buches. So, wie in manch fiktionalen Dialogen im Buch immer wieder eigene Überzeugungen und die eigene Reflektion des Geschehens durch die Protagonisten des Buches vertieft werden. Wenn Adam Trott bemerkt: „Sie sind eben feige, Es mangelt an persönlichem Mut. Sie hoffen, sie kommen davon, wenn sie sich ducken“ und Helmuth Moltke widerspricht: „Nein, das ist es nicht. Irgendwo gibt es einen Menschen, für den hätte er alle Anordnungen missachtet, und wenn es sein Leben gekostet hätte.“ Dies ist einer der Schlüssel für so manche Motivation zum Widerstand. Das man persönlich betroffen sich findet, dass man eben einen kennt, für den man sich einsetzt. Aber daneben auch das Geweitete gibt es vielfach im Buch. Überzeugungen, die an sich bestehen, die aus innerster Haltung heraus dem Grauen Paroli fast bieten müssen. Aus Verantwortung für sich selbst, für das Menschliche. Mit einem hohen Preis für das eigene Leben. Und das der nahestehenden Menschen. „Freya hat geweint. Wie soll sie durch den Tag kommen, wenn er ihr ständig davon spricht, dass sein eigenes Ende kommt?“ Sabine Friedrich hat ein menschliches Monument des vielfachen und differenzierten Widerstandes gesetzt, das bis dato unvergleichlich vorliegt. Ein Monument für das Aufrechte im Menschen, das Verbindende und das Humane in einer entgleisenden Welt. Einer Welt, die oft und oft aus „Menschen wie Chamäleons“ besteht. Die gut aussehen in einer guten Gesellschaft, die verkommen aussehen in einer verkommenen Gesellschaft. Die eben „weder das eine nach das andere (sind), sondern Füllsel“. Und jenes „Füllsel“ ist es doch letztlich, welches für die ganz harten Momente im Buch sorgt. Das Verschwinden von Menschen, das Foltern, das Scheitern, das „alleine im Regen stehen“. Eine Seite der Medaille, die ebenfalls von Sabine Friedrich mit aufgenommen wird. Auch der „Nicht-Widerstand“ findet seinen Widerhall im Buch und schärft die Konturen jener Zeit und die Kraft der Aufbegehrenden. Mit einer intensiven Spannung folgt der Leser den Geschichten, den losen Fäden, die doch zusammengehalten werden durch das gemeinsamen „gegen den Strom gehen“. Und ebenso intensiv legt Sabine Friedrich die inneren Beweggründe und Entwicklungen der Personen vor. Ein wahrhaft bewegendes Buch, das trotz der Fülle an Text und Personen und der vielfachen Perspektivwechsel konzentriert bei der Lektüre hält.

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