Sabine Gruber

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Autorin von Über Nacht, Daldossi oder Das Leben des Augenblicks und weiteren Büchern.

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Neu erschienen am 08.10.2018 als Taschenbuch bei Haymon Verlag.

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 (13)
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Über Nacht

Über Nacht

 (17)
Erschienen am 01.08.2009
Daldossi oder Das Leben des Augenblicks

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 (13)
Erschienen am 21.09.2018
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 (9)
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Erschienen am 04.03.2014
Über Nacht: Roman

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Erschienen am 17.07.2013
"Von Babylon nach Jerusalem"

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 (0)
Erschienen am 26.10.2011

Neue Rezensionen zu Sabine Gruber

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Rezension zu "Daldossi oder Das Leben des Augenblicks" von Sabine Gruber

Die Bilder vom Krieg
HansDurrervor einem Jahr

Der Protagonist dieses Romans ist ein Kriegsfotograf namens Bruno Daldossi und wohl deshalb ist dem Buch (als Motto?) auch dieses Zitat von Christoph Bangert (die Klammerbemerkungen stammen von mir) vorangestellt, das meinen Unmut erregt: „Wie erinnern uns in Bildern (stimmt, insofern als Bilder Gefühle transportieren). Wenn wir uns verbieten, Bilder anzusehen, wie sollen wir das Geschehene im Gedächtnis speichern? (zum Beispiel indem wir uns Geschichten anhören). Woran wir uns nicht erinnern, das hat nicht stattgefunden.“ (Soll das ein Witz sein? Ich erinnere nämlich kaum etwas aus meinem bisherigen Leben ...). 
 
Wir wissen nicht, was Bilder vom Krieg in uns auslösen. Doch wir wissen, dass Bilder Emotionen freisetzen und die Militärs Angst vor Kriegsbildern haben. Und sie deshalb kontrollieren wollen. Grund genug also, sich jeglicher Bilder-Zensur in den Weg zu stellen.
 
Mich interessiert die dokumentarische Fotografie und ich bin deshalb gespannt auf dieses Buch, das ich jedoch, wie erwähnt, ziemlich negativ gestimmt angehe ... und bin dann bereits auf den ersten Seiten positiv überrascht, wie eine kurze Geschichte von der Überfahrt eines Flüchtlingsbootes mich in ihren Bann zieht. Und ganz viele Bilder in meinem Kopf erzeugt.
 
Dass jeder und jede ein Buch wieder anders liest, ist ein Gemeinplatz. Also konkret: Ich lese „Daldossi oder Das Leben des Augenblicks“ mit dem Fokus auf der Fotografie. „Er musste alles Auffällige festhalten, und um es festhalten zu können, musste es sich wiederholen oder er musste es inszenieren.“ Es sind Sätze wie dieser, die mich zum Selber-Denken anregen und ich deswegen schätze. Warum eigentlich das Auffällige? Macht nicht erst das Foto etwas zum Auffälligen?
 
Die vielen Bezugnahmen auf Fotografen (etwa Werner Bischof, Inge Morath, Don McCullin, Kevin Carter, Dorothea Lange und immer wieder der von mir wenig geschätzte Robert Capa) und Fotografisches, die meistens interessant, spannend und lehrreich (manchmal aber auch wenig durchdacht) sind, scheinen mir jedoch ziemlich an den Haaren herbei gezogen. Anders gesagt: sie drängen sich keineswegs auf und sind für die Geschichte eigentlich nicht nötig, ja, sie stehen ihr eher im Wege.
 
„Daldossi oder Das Leben des Augenblicks“ ist nämlich nicht in erster Linie ein Buch über Fotografisches, sondern eine Beziehungsgeschichte. „Es war Teil ihrer gemeinsamen Vereinbarung gewesen, dass jeder seine Leidenschaften lebte, ohne den anderen damit zu belasten. Marlis' neue Liebe war schwerwiegend und untragbar für sie beide.“
 
Überraschend ist das nicht, ist man da versucht zu sagen, denn Eifersucht und Besitzergreifendes gehören nun einmal zu den Gefühlen, die sich so recht eigentlich kaum vom Verstand beeinflussen lassen. Wie Daldossis Nicht-Klarkommen mit der neuen Situation geschildert wird, ist eindringlich, realistisch und überzeugend.
 
Weniger realistisch fand ich, dass Daldossi ständig an seine Zeit in Bosnien und im Irak denkt. Und dabei vor allem an Frauen und Bilder. Ein vögelnder, saufender und sensibler Mann – klischeehafter geht es kaum. Doch mit den Klischees ist es eben so eine Sache: Sie finden sich in der Wirklichkeit.
 
Und dann ist da noch Johanna Schultheiss, Journalistin und Ex-Frau eines Kollegen von Bruno Daldossi. „Während Johanna sprach, fiel ihr Blick auf Brunos Hand, die auf seinem Schenkel lag. Diese Finger haben die Verschlüsse von Objektiven für das Grauen der Welt geöffnet; sie haben die Zeit angehalten, und haben sie für die Zukunft gespeichert, dachte sie und blickte aus dem Fenster.“ Gibt es wirklich Leute, die so bedeutungsschwanger denken? Nun ja, möglich ist vieles, wobei eher unwahrscheinlich ist, dass es der Ex-Frau eines Kriegsfotografen durch den Kopf geht.
 
Mir ist es streckenweise vorgekommen, als ob da jemand beschlossen habe, einen Kriegsfotografie-Roman zu schreiben, in der Folge ganz viel recherchiert hat und dann in dem Vielen ersoffen ist. Weniger wäre mehr gewesen, dachte es gelegentlich in mir, doch hätte ich dann leider auch Sätze wie diesen verpasst. „Dass er endlich begreifen müsse, dass seine Arbeiten nicht nur Entsetzen hervorriefen, sondern auch die Leute verrohten und enthemmten.“ Nicht, weil ich damit einig gehe, doch weil darüber nachgedacht gehört.
 
„Daldossi oder Das Leben des Augenblicks“ hat mich geärgert und fasziniert. Es hat also geschafft, was die meisten Bücher (die plätschern an mir vorbei) bei mir nicht schaffen. 
 
Geärgert hat mich der saufende, ständig in seiner Kriegsvergangenheit lebende Daldossi, der emotional nicht vom Fleck kommt. Das hat weniger mit Sabine Grubers höchst gelungener Charakterisierung zu tun (Säufer bleiben in der Tat emotional stehen), als damit, dass mich solche Typen langweilen. Fasziniert hat mich das Buch vor allem der vielen gescheiten und differenzierten Beziehungs-Beobachtungen wegen: „Wer nicht scheiterte, hatte sich in Johannas Augen abgefunden. Die meisten wussten gar nicht, dass sie längst klein beigegeben hatten.“

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Barbara62s avatar

Rezension zu "Daldossi oder Das Leben des Augenblicks" von Sabine Gruber

Ohne Deckung
Barbara62vor 2 Jahren

Wir alle konsumieren sie jeden Tag, ob wir wollen oder nicht: Bilder aus den Krisenregionen der Welt, aus Kriegsgebieten, Hungerregionen oder Flüchtlingslagern, im Fernsehen, in den Printmedien oder im Netz. Doch wer sind eigentlich die Menschen, die sie uns liefern, die nicht selten ihr Leben dabei verlieren? Wie können sie mit dem alltäglichen Grauen umgehen? Wie entscheiden sie, wann sie auf den Auslöser drücken und wann nicht?

Alle diese Fragen wirft Sabine Gruber in ihrem Roman Daldossi oder Das Leben des Augenblicks auf, doch leider kommt die Frage der Ethik der Fotografie, die für mich die spannendste gewesen wäre, deutlich zu kurz. Hauptsächlich geht es in diesem zweifellos sehr gut recherchierten Buch um den Kriegsfotografen Bruno Daldossi, Südtiroler und in Wien lebend, schwerer Alkoholiker, ein Mann um die 60, der nach Einsätzen in Tschetschenien, im Irak, in Serbien, in Afghanistan und überall, „wo es Tote gab“, von seinem Magazin im Zuge des Personalabbaus in Frührente geschickt wurde. Aber taugt ein Mensch mit seinen „Kriegserfahrungen“, dessen Tote „viele Friedhöfe füllen“, noch zum Leben im Frieden? Gerade jetzt hat ihn seine Lebenspartnerin Marlis verlassen, die 15 Jahre lang immer in Angst auf ihn gewartet hat, die es aber nicht mehr ertragen konnte, dass ein immer größerer Teil von ihm an den Schreckensorten zurückblieb. Daldossi kann sich trotz seiner unzähligen Affären, die er als Form der Selbstrettung betrachtet, ein Leben ohne Marlis nicht vorstellen, denn sie ist seine „Dauerdeckung“ und seine Orientierung. Doch Marlis lehnt seine Friedensmission, zu der er ihr eigens nach Venedig nachreist, ab, eine für mich gut nachvollziehbare Form von Selbstschutz.

Daldossi oder Das Leben des Augenblicks war für mich eine eher mühsame Lektüre, nicht so sehr wegen der sehr herben Sprache, die zum Inhalt passt, auch nicht wegen des unsympathischen Antihelden, sondern eher deshalb, weil ich das Buch als sehr „absichtsvollen“, sehr konstruierten Text und weniger als Literatur empfunden habe. Gut gefallen hat mir dagegen, wie Sabine Gruber Bildbeschreibungen zu Fotografien Daldossis in den Text einstreut und den nicht in Kapitel unterteilten Romanfluss damit immer wieder gekonnt durchbricht. Dass Daldossi sich am Ende dazu aufrafft, hinter der Linse hervorzutreten und erstmals selber in ein Geschehen einzugreifen, war für mich der einzige Hoffnungsschimmer in einem ansonsten niederdrückenden Buch.

Was bleibt für mich nach der Lektüre dieses Romans? Mit Sicherheit werde ich die Bilddokumente aus Krisenregionen zukünftig anders wahrnehmen und auch die Menschen hinter den Objektiven dabei sehen. Sie riskieren mehr als nur ihr Leben, sie laufen Gefahr, ihre Befähigung für ein Leben im Frieden zu verlieren. Uns dies eindrücklich vor Augen zu führen, ist Sabine Gruber zweifellos geglückt.  

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sabatayn76s avatar

Rezension zu "Daldossi oder Das Leben des Augenblicks" von Sabine Gruber

‚Nie hatte er kapituliert [...]. Daldossi würde auch jetzt nicht aufgeben.‘
sabatayn76vor 2 Jahren

Inhalt:
Bruno Daldossi ist Kriegsfotograf und hat anscheinend schon alles, was es an Leid und Elend gibt, vor Ort erlebt und auf Fotos festgehalten.

Als Daldossi von seiner langjährigen Lebensgefährtin Marlis verlassen wird, verliert er jeden Halt. Marlis war stets für ihn da, wenn er aus einem Kriegsgebiet nach Wien zurück kam: ‚Daldossi hatte keinen Ort, wo er zu Hause war. Nur sie. In jeder ihrer Poren wohnte er. Hatte er gewohnt.‘.

In ‚Daldossi oder Das Leben des Augenblicks‘ erzählt Sabine Gruber von Daldossis Arbeit als Kriegsfotograf, wie seine Kriegserlebnisse und -erfahrungen sein Leben und seine Beziehung mit Marlis geprägt haben und wie ihn das Erlebte noch nach Jahrzehnten verfolgt.

Mein Eindruck:
Ich fand ‚Daldossi oder Das Leben des Augenblicks‘ schlichtweg großartig, und der Roman zählt damit zu meinen Favoriten 2016.

Ich empfand nicht nur die Einblicke in Daldossis Leben, seine Gefühls- und Gedankenwelt spannend und eindringlich erzählt, sondern auch die beschriebenen Intrusionen überzeugend. Diese Intrusionen, die im Buch immer wieder auftreten und die sich auch in den sachlichen Beschreibungen verschiedener Kriegsfotografien finden, sind typisch für Traumatisierungen und zeigen dem Leser so, was es bedeutet, in Konflikt- und Kriegsregionen zu reisen, sein Leben zu riskieren und Menschen sterben zu sehen. Sie drängen sich dem Leser genauso auf wie dem Traumatisierten in seinen Gedanken und (Alb-) Träumen, in denen er das Trauma immer und immer wieder erlebt.

Mir haben sowohl die Geschichte um Daldossis Versuche, Marlis zurückzugewinnen, als auch die Rückblenden in seine Vergangenheit gefallen, aber besonders gelungen fand ich tatsächlich die Idee mit den Beschreibungen der Fotografien, ein Kunstgriff, der zeigt, wie intensiv sich die Autorin mit dem Thema befasst hat und dass sie ein tiefes Verständnis von Psychologie und den Folgen von Traumatisierung hat.

Mein Resümee:
Sprachlich und inhaltlich überzeugend, psychologisch fundiert. Eines meiner Lesehighlights 2016.

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