Sabine Herre Gebrauchsanweisung für das Baltikum

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Inhaltsangabe zu „Gebrauchsanweisung für das Baltikum“ von Sabine Herre

Was ist das Baltikum? Eine Frage, die nicht leicht zu beantworten ist und der Sabine Herre auf den Grund geht. Dabei öffnet sie uns die Augen für das weitläufige Litauen, wo die meisten Störche leben, das lebhafte Lettland, welches als die »östlichste« der baltischen Nationen gilt, und das stolze Estland, das sich mit den Finnen die Melodie der Nationalhymne teilt. Und sie durchstreift genussvoll ihre Hauptstädte: die Barockmetropole Vilnius, die das geografische Zentrum Europas markiert, die Jugendstilhochburg Riga, in der Szenebars in verfallenen Altbauten locken, und das mittelalterliche Tallinn, das zugleich ein Hotspot modernster Technik ist. Am Ende versteht man, warum kulturell so einzigartige Länder nur gemeinsam ihre Unabhängigkeit erlangen konnten.
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    Gebrauchsanweisung für das Baltikum
    R_Manthey

    R_Manthey

    08. July 2015 um 12:24

    Das Baltikum ist nicht nur ein landschaftlich schönes Gebiet Europas. Seine Geschichte kennt zahlreiche Überschneidungen mit der Deutschlands. Insbesondere in Lettland sind selbst heute noch deutsche Einflüsse nicht zu übersehen. Scheinbar sind die drei baltischen Völker zu klein und zu unbedeutend für eine deutlichere Wahrnehmung in Deutschland. Mit dem Nichtangriffspakt zwischen Deutschland und der Sowjetunion von 1939 fielen sie (wie auch Teile Polens) in Stalins Hände. Die Folgen sind bis heute besonders in Estland spürbar und nicht unproblematisch: Die Hälfte der estnischen Bevölkerung machen Russen aus. Beim Zerfall der Sowjetunion kam es im Schatten des ersten Irak-Krieges der USA zu blutigen Auseinandersetzungen mit Truppen des sowjetischen Innenministeriums. Es ist deshalb aus historischer Sicht weder ein Zufall, dass die drei baltischen Staaten heute zur EU gehören, noch dass sie ähnlich wie Polen gelegentlich fast hysterisch auf Russland reagieren. Ein Besuch in den drei recht unterschiedlichen Ländern lohnt aus vielen Gründen. Natürlich unter dem rein touristischen Gesichtspunkt. Immerhin erscheint das Baltikum selbst heute noch als unbekanntes Gebiet. Vielleicht sollte man in den drei Hauptstädten beginnen, denn mit ihnen erschließen sich sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede. Das wird in dieser Gebrauchsanweisung gut herausgearbeitet. Mit Büchern dieser Reihe soll wohl vor allem das beschrieben werden, was manche Leute als die Seele eines Landes oder einer Region bezeichnen. Unter diesem Blickwinkel gehört dieser Band sicher zu den Besseren der Reihe. Nimmt man andere Kriterien, wie die Struktur des Textes, die Klarheit oder Treffsicherheit von Aussagen oder ddie Spritzigkeit des Schreibstils, dann verliert das Buch allerdings wieder an Qualität. Insbesondere das reichlich übertriebene Geschichtenerzählen verschleiert nicht selten den Durchblick. Um es an einem Beispiel deutlicher zu machen: Die Autorin erwähnt, dass sich Lettland und Griechenland 2009 in einer ähnlichen Situation befanden (was nicht ganz stimmt) und verkündet dann, dass sie gleich den Unterschied zwischen den nachfolgenden Entwicklungen dieser Länder deutlich machen möchte. Aber zunächst müsse sie noch ein paar Geschichten erzählen. Leider kommt danach aber nichts wirklich Erhellendes zu ihrer Ankündigung. Immerhin aber erfährt man in diesem leider recht unstrukturiertem Buch viel über den "Seelenzustand" der drei Völker. Zum Beispiel über ihre für das restliche Europa ungewohnten (und heute noch gepflegten) heidnischen Bräuche, die anderswo durch das Christentum ausgerottet wurden. Am besten haben mir die relativ kurzen Erklärungen der Autorin zur Geschichte der drei baltischen Völker gefallen. Und auch ihre Bemerkungen über die jüngeren Entwicklungen, bei denen manche geradezu Neuland für das restliche Europa sind. Über Stil und Ton der Ausführungen in diesem Buch kann man sicher geteilter Meinung sein, denn er wirkt gelegentlich belehrend, etwa wenn die Autorin bedeutungslose Gender-Feministinnen als Zeuginnen für angebliche Fehlentwicklungen beruft oder sich etwas einseitig über Boykotte Russlands erregt. Insgesamt gesehen überwiegt in dieser Gebrauchsanweisung jedoch der Eindruck zutreffender Informationen über die "Seele der baltischen Völker". Einen guten Reiseführer ersetzt dieses Buch allerdings nicht.

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