Sabine Kuegler Dschungelkind

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Inhaltsangabe zu „Dschungelkind“ von Sabine Kuegler

Was uns unvorstellbar erscheint - Sabine Kuegler hat es erlebt: Als Tochter deutscher Forscher verbrachte sie ihre Kindheit mitten im Dschungel von West-Papua, bei einem vergessenen Stamm von Kannibalen. Bis sie siebzehn war, kannte sie keine Autos, kein Fernsehen und keine Geschäfte. Sie spielte nicht mit Puppen, sondern schwamm mit Krokodilen im Fluss - und erlebte schon früh die alten Rituale des Tötens. Die Natur war ihr Spielplatz, der Dschungel ihre Heimat, der Himmel ihr Dach. Heute, nach Jahren in Europa, ist ihre Seele gefangen zwischen zwei Kulturen. Sabine Kuegler weiß, dass sie zurückkehren muss - zurück in eine Welt, die für viele nicht mehr existiert.

Mir sind die Tränen gekommen. Echt rührend und faszinierend!

— Loanica
Loanica

Eine lesenswerte Autobiografie einer Missionarstochter, die im indonesischen Urwald aufwuchs.

— gst
gst

Eine sehr unaufgeregte, dafür umso persönlichere und berührende Schilderung die einen tief mitnimmt in den Alltags eines Dschungel-Stammes.

— Magena
Magena

Gut geschrieben u. gibt einen tollen Einblick in das Leben der Eingeborenen u. von Sabine Kuegler.

— natti_ Lesemaus
natti_ Lesemaus

Dschungel-"Alltag" aus der Sicht eines Kindes

— Petra54
Petra54

EIne tief berührende Geschichte, einer jungen Frau, welche im Urwald aufwuchs. Klasse Buch!

— CharlyM
CharlyM

Spannend. Atemberaubend. Lustig. Traurig. Heftig. Gut.

— Arbutus
Arbutus

Emotional berührende und spannende Lebensstory

— Lesefreund76
Lesefreund76

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  • Mir sind die Tränen gekommen. Echt rührend und faszinierend!

    Dschungelkind
    Loanica

    Loanica

    05. September 2017 um 16:41

     

  • Leben zwischen zwei Welten

    Dschungelkind
    gst

    gst

    09. January 2017 um 13:35

    Sabine Kuegler, die Tochter eines Missionars, ist mit ihren beiden Geschwistern im indonesischen Dschungel aufgewachsen. In ihrer Autobiografie erzählt sie sehr lebendig von ihren Erlebnissen mit den Eingeborenen. Allein den Stamm der Fayu in West-Papua zu finden, war nicht so einfach. Die Einführung in das Buch, in dem sie schildert, wie ihr Vater nach dem bis dahin weitgehend unbekannten Kriegerstamm sucht, konnte mich leider nicht gefangen nehmen. Doch sie war wichtig, um die Geschehnisse einordnen zu können. Nachdem die fünfköpfige Familie den beschwerlichen Weg in den dichten Dschungel hinter sich gebracht hatte, begann ihr außergewöhnliches Leben. Zahlreiche Fotos zeigen das blonde Mädchen zwischen ihren dunkelhäutigen Spielkameraden und bebildern das in unseren Augen primitive Dasein. Für die Autorin war es das Paradies. Sie badete mit Krokodilen und erlernte die Rituale der Eingeborenen. Als Jugendliche verbrachte sie mit der Familie ein Jahr Heimaturlaub in Deutschland. Anschließend „wusste ich nicht mehr genau, wer ich war und wo ich hingehörte. Die Zeit im Westen hatte mich stärker beeinflusst, als ich es zugeben wollte. Ich fühlte mich zerrissen zwischen dem Wunsch, ein Dschungelkind zu bleiben und der immer näherrückenden Möglichkeit eine moderne junge Frau zu werden.“ Nachdem sie noch einmal in den Dschungel zurückgekehrt war, besuchte sie ab dem 17. Lebensjahr ein Internat in der Schweiz. Auch als Mutter von vier Kindern lebt sie zwischen den Welten und sehnt sich nach ihrem alten Leben zurück. Mich hat das Buch beeindruckt, gerade weil Sabine Kueglers Leben so unvorstellbar für mich ist. Es war mir nicht möglich, es am Stück zu lesen. Ich brauchte immer wieder Unterbrechungen, in denen ich mich in die mir vertraute Welt zurückzog. Missen möchte ich diese Lektüre aber nicht, denn es schadet nie, den eigenen Horizont zu erweitern. 

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  • Ein Leben zwischen Urwald und Moderne

    Dschungelkind
    Herbstrose

    Herbstrose

    06. December 2016 um 18:30

    Sabine ist sieben Jahre alt, als ihre Eltern mit ihr und zwei Geschwistern von Nepal in den Dschungel von West-Papua ziehen. Der deutsche Sprachforscher und Missionar möchte dort die Sprache des neu entdeckten Eingeborenenstammes der Fayu erforschen. Die Familie hat anfangs unter vielen Entbehrungen zu leiden, doch Sabine fühlt sich sofort zuhause. Sie führt ein Leben in Freiheit, ihr Spielplatz ist der Dschungel, Angst kennt sie nicht, bald denkt und handelt sie wie die Kinder der Eingeborenen. Umso größer ist der Schock, als sie mit siebzehn Jahren in ein Schweizer Internat geschickt wird, um ihren Schulabschluss zu machen. Jetzt ist alles neu für das Mädchen aus dem Urwald, sie muss sich umstellen und lernen, was in der Zivilisation selbstverständlich ist. Sie passt sich an, doch die Sehnsucht nach dem Dschungel, nach ihrer „Heimat“, wird ein Leben lang bleiben und immer wieder wird sie sich fragen, wohin sie eigentlich gehört … „Dschungelkind“ ist ein autobiografischer Roman, in dem Sabine Kuegler von ihrer außergewöhnlichen Kindheit und Jugend berichtet, die für sie und ihre beiden Geschwister wohl wie ein einziges Abenteuer war. Keine große Literatur, jedoch flüssig geschrieben, interessant formuliert und gut zu lesen. Es scheint schier unfassbar, dass die Kinder mitten im Dschungel von West-Papua unter Kannibalen aufgewachsen sind, deren Sprache gesprochen haben, lernten mit Pfeil und Bogen umzugehen und im Fluss mit Schlangen und Krokodilen geschwommen sind. Allerdings wirft die Geschichte für mich einige Fragen auf. Ist es schon sehr befremdlich, dass man, um seine Lebensträume zu verwirklichen, seine Kinder solch mannigfachen Gefahren aussetzt, so ist es für mich völlig unverständlich, dass man dann seine Tochter im Alter von 17 Jahren, alleine ohne Begleitung, unserer modernen Zivilisation aussetzt. Dass Sabine diesen Kulturschock nur schwer verwinden konnte zeigt sich schon daran, dass sie in späteren Jahren sogar einen Selbstmordversuch unternahm und wohl lebenslang eine Sehnsucht nach ihrer Heimat, ihrem Dschungel, verspürt. Fazit: Eine interessante, abenteuerliche Geschichte, die durch viele im Buch eingestreuten privaten Fotos sehr lebendig untermalt wird, und die sich zu lesen durchaus lohnt.

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    • 4
  • Dschungelkind

    Dschungelkind
    natti_ Lesemaus

    natti_ Lesemaus

    16. September 2016 um 18:01

    Eine sehr gute Biografie eines Kindes/Menschen, das ist im Dschungel aufwuchs.Schon beim Vorwort merkt man, wie die Kindheit Sabine Kuegler gepräckt hat, und das es ihr schwer fällt, sich in der modernen Welt zurechtzufinden.Das Buch ist in mehrere Kapitel unterteilt, die alle unterschiedliche Einblicke in das leben im Dschungel geben. Hin und wieder habe ich mich gefragt, wie können Eltern ihren kleinen Kindern soetwas antun? Ein leben im Dschungel, zwischen wilden Tieren, Eingeborenen und deren Gefahren.  Aber manchmal dachte ich mir auch wieder, sie hatten eine tolle Kindheit, waren frei, lernten die Natur kennen, mit ihr zu leben und lernten dinge, die unsereins in der der modernen Welt gar nicht braucht.Schon als 10 jährrige, oder auch früher, hätten die Kinder problemlos im Dschungel einige Tage alleine überleben können, denn sie kannten die Gefahren, wußten welche Tiere gefährlich sind, welche Pflanzen giftig sind und wo man drauf achten muss, wenn man sich vorbewegt.Die Kinder lebten zwar einfach, ohne Zivilitation, ohne TV, PC, Handy, usw... aber das ist vielleicht auch gut so, denn sie beschäftigten sich selber.sie spielten mit den Kindern, spielten im Fluss, im Dschungel.Auch das leben der Eingeborenen und ihre Sitten und Gebräuche werden sehr gut beschrieben und man glaubt manchmal kaum, das die Familie Kuegler so viele Jahre fast problemlos mit ihnen lebte. Sie lernten von ihnen und leerten im Gegensatz dafür auch wieder. Man bekommt stellenweise beim lesen fernweh. Fernweh nach freiheit, einem einfachen leben ohne stress und so.Auch wie Sabine in der moderenen Welt ankam und überfordert war mit allem, ist gut beschrieben. Das Interview am Ende hat mir auch sehr gefallen. Jetzt möchte ich noch unbedingt gerne den Film dazu sehen, das ganze hat mich echt neugierig gemacht.Ich hoffe, das Sabine glücklich ist jetzt und ihre Geschwister und Familie auch.

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  • Exotisch, mitreißend und ein wahrer Augenöffner.

    Dschungelkind
    Tasmetu

    Tasmetu

    06. August 2016 um 18:27

    Diese Rezension ist eine Kopie des Originals auf tasmetu.deSchon seit geraumer Zeit (= mehrere Jahre) verstaubte dieses Buch in meinem Regal. Anlässlich des BookTubeAThons nahm ich es endlich zur Hand und muss mich nun fragen: Wieso habe ich dieses Buch nicht schon viel viel eher gelesen? Die Antwort ist eigentlich relativ einfach: Das Cover ist in meinen Augen nicht wirklich ansprechend – ich will damit nicht sagen, dass Sabine Kuegler nicht hübsch ist (im Gegenteil!), aber ich bin allgemein kein großer Fan von Portraits auf Büchern und dazu noch diese schrecklich langweilige Schrift, die nichts von der Exotik und dem Abenteuern zwischen diesen Buchdeckeln verrät. Wenn ich den Inhalt des Buches nicht schon im Groben gekannt hätte, wäre ich vermutlich in jeder Buchhandlung stupide daran vorbeigelaufen. Was ich sehr schade finde, denn der Inhalt ist wirklich lesenswert.Sabine Kuegler schreibt, und das finde ich angesichts ihres Sprachhintergrunds besonders beeindruckend, absolut mitreißend. Man schlägt dieses Buch auf und man ist wirklich im Dschungel. Man spürt die Schwüle, man riecht die Pflanzen, man hört die Vögel, man schaudert vor den Insekten, man spürt den Schweiß auf der Stirn des anderen, wenn man die Köpfe als Zeichen der Begrüßung aneinander reibt. Und vor allem spürt man das Lebensgefühl durch diese Zeilen fließen. Während ich dieses Buch las hatte ich permanent ein undefinierbares Ziehen im Bauch. Eine Mischung aus Fern- und Heimweh überkommt mich. Nicht nach dem Dschungel an sich, dort könnte ich vermutlich nie leben, aber nach diesem Lebensgefühl. Mit der Natur gemeinsam zu leben, sie als die Mächtigere zu akzeptieren und sich ihr anzupassen anstatt sie beherrschen zu wollen. Ein Leben ohne Konsum, dafür aber mit Glück. Ein Leben, das nicht perfekt ist, aber sich am Ende doch irgendwie so anfühlt. Ein Leben voller Entbehrungen und Geschenken. Ein Leben ohne Luxus, dafür aber mit Liebe.Kuegler beschreibt nicht nur ihre Kindheit und ihre eigene Familie, sondern auch die Fayu, einen „wilden“ und „isolierten“ Stamm mitten im Dschungel. Ihre Eltern wollten die Sprache dieses bisher unbekannten Volkes ergründen und zogen samt ihren drei Kindern dorthin. Sie lebten mit ihnen, lernten von ihnen und zeigten ihnen ebenfalls Neues. Es ist kein ethnologisches Buch, aber es spiegelt das wieder, weshalb Menschen sich für diesen Studiengang entscheiden. Man lernt diese Menschen kennen, die uns manchmal unglaublich ähnlich und manchmal unglaublich fremd sind. Sie haben andere Werte, andere Lebensweisen, andere alltägliche Bräuche. Wir verstehen sie nicht immer, aber das ist okay so. Manche Dinge muss man nicht verstehen, man muss sie fühlen. Und leben. Oder sie einfach als den Sonnenuntergang am Rande unseres eigenen Horizonts akzeptieren.Mit diesem Buch lernt man, dass der eigene Horizont eben doch viel näher liegt als man wahrnimmt. Dass die Welt voller Möglichkeiten und Vielfalten steckt, die manchmal gewöhnungsbedürftig aber niemals falsch sind. Und dass wir riesige Idioten sind, wenn wir versuchen alle Menschen der Welt vereinheitlichen zu wollen oder den einen „Lebensstandard“, die eine Lebensweise als die einzig richtige zu betrachten. Denn nur weil wir Luxus haben, ist das noch lange nicht die ultimative Art zu leben. Im Gegenteil: So sehr ich mein priviligiertes, westliches Leben genieße: Mein Ziehen im Bauch während ich las, spricht bereits Bände: Mir fehlt etwas. Etwas, dass es auf West-Papua noch gibt (oder gab, je nachdem wie man es sieht). Etwas, das man mit keinem Einkauf der Welt ersetzen kann.An einer Stelle des Buches hat sie dieses Gefühl sehr gut zusammengefasst:„Der Unterschied zwischen meinen Welten besteht darin, dass das Leben im Urwald körperlich zwar anstrengender, psychisch für mich aber sehr viel leichter zu ertragen ist. Das Leben in der westlichen Welt dagegen ist körperlich leichter, seelisch aber viel, viel komplizierter.“Wer sich übrigens davon abschrecken lässt, dass ihre Eltern nicht nur als Sprachforscher sondern auch als Missionare in den Urwald zogen: Keine Sorge. Man spürt zwar, dass der Glauben für die Familie selbst eine große Säule und sehr wichtig war, aber er drängt sich nicht auf. Er steht nie als das „eine Richtige, das wir den anderen jetzt beibringen müssen“ im Mittelpunkt. Ich kann zwar nicht beurteilen, in wie weit die Einmischungen auf sämtlichen Ebenen „korrekt“ waren, aber es spielt in sofern keine Rolle mehr, da es nun einmal bereits so passiert ist. Und die Beschreibungen in diesem Buch klingen so, als hätten die Kueglers hier einen Weg gefunden, die Autorität der Einheimischen nicht zu gefährden und für alle einen freiwilligen Wohlfühlrahmen zu schaffen.Generell zeigt das Buch sehr deutlich, wie bei solch einem Abenteuer die Grenzen verschwimmen. Natürlich sind sie immer noch eine Familie mit ihrem eigenen Haus und teilweise auch eigenen Regeln und Traditionen, aber desto länger sie bleiben, desto mehr verweben sich die Lebensstile miteinander. Desto weniger „Fremdheit“ gibt es. Ich glaube die Fayu haben die Kueglers mindestens genauso beeinflusst wie anders herum.Es ist wunderbar in diese für uns so exotische Dschungelwelt abzutauchen und Kuegler hat es hervorragend geschafft ihre Erlebnisse so festzuhalten, dass wir sie noch einmal mit ihr gemeinsam erleben. An der ein oder anderen Stelle hätte ich mir gerne noch mehr Details gewünscht oder mehr aus ihrer Teenagerzeit und der ständige Sprung zwischen den Zeiten (mal war sie 11, dann wieder 16, dann wieder 12) mit jedem Kapitelwechsel, hat dem Buch ein Bewertungsherz gekostet, aber trotzdem bin ich immer noch baff von diesem Leseerlebnis. Ich glaube Sabine Kueglers Geschichte und auch die der Fayu werden mich noch sehr lange begleiten und beschäftigen. Absolute Leseempfehlung!

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  • eine Kindheit im Dschungel

    Dschungelkind
    Petra54

    Petra54

    15. July 2016 um 15:45

    Die Autorin beschreibt sehr bildhaft ihre eigene Kindheit im Dschungel Papua-Neuguineas. Ihre Eltern erforschen die Sprache eines bis dahin unbekannten Stammes, der sich ständig im Kriegszustand mit Nachbarstämmen befand. Sabine wächst unbekümmert und unbeschwert mit den Stammeskindern auf. Sie kennt die Annehmlichkeiten "normaler" deutscher Kinder nicht und hält Krokodile, unerträgliche feuchte Hitze, Malaria und Schlangen für normal. Mit 17 Jahren erst verlässt sie den Dschungel, um in einem Schweizer Luxus-Internat eine Schulbildung zu absolvieren, die ihr ein Studium in Deutschland ermöglicht. Mich hätte nun interessiert, woher das Geld dafür kommt, denn inzwischen ist sie in einem Alter, in dem man so etwas bemerken sollte. Ich kann zwar nicht ganz nachvollziehen, dass sich die Autorin zwischen dem bequemen Leben in der Nähe von Hamburg und der Sehnsucht zu den geliebten Plätzen ihrer Kindheit hin und hergerissen fühlt, aber mich interessiert, ob sie mit ihren vier Kindern zurück in den Dschungel geht.  

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  • Kindheit im Dschungel

    Dschungelkind
    Saralonde

    Saralonde

    07. April 2016 um 15:30

    West-Papua, Indonesien, 1980. Sabines Eltern sind Sprachwissenschaftler und Missionare, die Mutter außerdem gelernte Krankenschwester. Als der Vater einen neuen Stamm ohne jeden Kontakt zur modernen Welt entdeckt, folgt der Rest der Familie, neben der Mutter Sabines ältere Schwester Judith und ihr jüngerer Bruder Christian, ihm in das Stammesgebiet der kriegerischen Fayu. Deren vier Stämme stecken in einem unendlichen Kreislauf der Gewalt, angetrieben vom Recht der Blutrache. Wie wird die Familie mit ihnen leben? Kann sie den Fayu Frieden bringen? Werden die Kinder im Dschungel bleiben, und wenn nicht, wie werden sie später mit den “Errungenschaften” der Zivilisation zurechtkommen? Ich wollte Sabine Kueglers Autobiografie schon lange lesen, nachdem ich den gleichnamigen Film gesehen hatte. An Anfang meiner Lektüre stellte ich mir die Frage, die sich wohl jeder stellt: wie Sabines Eltern sich überwinden konnten, ihre Kinder im Umfeld eines vermeintlich so gefährlichen Stammes aufzuziehen. Sabine Kuegler beantwortet diese Frage damit, dass Kinder in der westlichen Welt doch ebenfalls vielen Gefahren ausgesetzt seien, in Form von Straßenverkehr, Kriminalität und sozialem Abstieg. “Für mich birgt diese Zivilisation mehr Risiken als das Leben im Dschungel. Man ist so abhängig hier im Westen, abhängig von Umständen wie dem Arbeitsmarkt, vom Einkommen, der richtigen Altersvorsorge, um nur einige zu nennen. Man lebt so selbstverständlich in Zwängen, dass man es meistens für sich selbst gar nicht realisiert.” (Seite 51) Zu Beginn des Buches stellt Sabine Kuegler dem Leser den Schauplatz West-Papua vor und legt die Umstände der Entdeckung des Volkes der Fayu durch ihren Vater dar. Deren Bräuche sind gelinde ausgedrückt für westliches Empfinden sehr gewöhnungsbedürftig, man muss als Leser also auf einiges gefasst sein, Kuegler betreibt jedoch keine Effekthascherei, die Ausführungen sind auf wenige Episoden beschränkt und nüchtern, stellenweise auch humorvoll abgefasst. Der weitaus größte Teil des Buches befasst sich natürlich wie der Titel schon sagt mit Sabine Kueglers Kindheit bei den Fayu. Sie erzählt episodenhaft von “tierischen” Begegnungen, der Schulbildung per Korrespondenz, ihren vielen Freunden unter den Fayu und den gemeinsamen Erlebnissen, von Spielen und Gefahren wie der Malaria und den schrecklichen Auseinandersetzungen der Fayu-Stämme. Sabine ist ein absolut offenes Kind und kennt keine Scheu gegenüber den Fayu, ebenso ihr Bruder Christian, lediglich die etwas ältere Judith kommt nicht immer ganz so gut mit dem Dschungelalltag zurecht wie ihre Geschwister. Es sind lustige, aber auch dramatische Geschichten, liebevoll erzählt. Im dritten Teil schließlich schildert Kuegler, wie es ihr nach ihrer Rückkehr nach Europa erging. Den fürchterlichen Kulturschock kann sich jeder vorstellen. Sie hat es nicht leicht in Europa, gibt aber nicht auf. Den Fayu und dem Dschungel von West-Papua wird sie immer verbunden bleiben. Ihre Kindheit im Dschungel betrachtet sie als Geschenk. Der Text wird ergänzt durch zahlreiche Abbildungen und Fotos aus dem Dschungel, die Sabine Kueglers Geschichte umso lebendiger werden lassen. Der Schreibstil ist einfach, sehr gut zu lesen, wenn auch nicht stilistisch ausgereift. Darauf kommt es in diesem Buch aber auch nicht an. Wichtig scheint mir auch zu betonen, dass die Familie Kuegler bei den Fayu wirklich sehr viel Gutes bewirkt und dazu beigetragen hat, den Teufelskreis der Blutrache zu durchbrechen. Ohne ihre behutsame Einflussnahme hätte das Volk sich wohl selbst ausgerottet. Ein solches Einschreiten halte ich für absolut vertretbar, es ging hier in keiner Weise um religiöse Missionierung oder die Eingliederung des Stammes in die moderne Welt, Bräuche und Künste bleiben erhalten, lediglich die Gewalt hat ein Ende gefunden. Ein wirklich lesenswertes, spannendes Buch, das mich sehr gefesselt hat. Ich bedanke mich ganz herzlich bei Droemer-Knaur für das Rezensionsexemplar!

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  • Abenteuerliche Reise zwischen zwei Welten

    Dschungelkind
    Arbutus

    Arbutus

    Anfangs habe ich den Eindruck, diese Autobiographie ist noch nicht fertiggeschrieben. Die Autorin befindet sich noch mitten in dem schmerzvollen Prozess der Selbstfindung, schreibt das Buch, um diesem Ziel näherzukommen. Auch das macht es so ehrlich. Sabine Kuegler wuchs im Dschungel von West-Papua auf. Der Vater brachte den Kindern als Abendgebet den 91. Psalm bei. "Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt..." Diesen Schutz hatten sie auch nötig. Und doch schreibt sie: "Für mich birgt diese Zivilisation mehr Risiken als das Leben im Dschungel." Spannend wie ein Piratenroman liest sich der Expeditionsbericht über die Suche ihres Vaters nach dem neuentdeckten und gefährlichen Stamm der Fayu. Nachdem diese erlaubt haben, dass er bei ihnen lebt, um ihre Sprache zu lernen, holt er die Familie nach. Die Kinder wachsen nun in einer faszinierenden Paradieswelt auf und lernen den Urwald mit all seinen Gefahren und Schönheiten kennen. Wie selbstverständlich steht das kleine Mädchen eines Tages völlig furchtlos mitten im heftigsten Gewitterregen, weil sie sich so über die beginnende Regenzeit freut. Und doch ist die heile Urwald-Welt nicht wirklich heil. Es gibt Kannibalismus und, was noch schlimmer ist, eine gnadenlose Blutrachetradition. Und mittendrin eine weiße Familie, auf neutralem Boden zwischen den verfeindeten Stämmen, die mit all dem nichts zu tun hat und vielleicht gerade deswegen von den Eingeborenen willkommen geheißen wird. Und hier scheint den Deutschen episch zu gelingen, was so oft von Missionaren versucht wurde und so oft nach hinten losging: ein Segen zu sein. Die traumatisierten, verängstigten Fayu-Kinder lernen von den weißen Kindern Spielen, Lachen. "Wenn du mithilfst, einen Iyarike zu töten, um meinen Sohn zu rächen, werde ich dir meine Tochter zur Frau geben." Doch zum Erstaunen aller Anwesenden lehnte Nakire ab. Er sagte zum Häuptling, dass er nicht mehr töten wolle, sondern nach der guten Botschaft des weißen Mannes handeln. Dieser weiße Mann ist Sabine Kueglers Vater. Nach all dem, was verfehlte Missionierung unter den Naturvölkern unserer Welt schon angerichtet hat, liest sich das hier wie ein Märchen. Das Märchen ist wahr. Wenn die Familie Kuegler im West-Papuanesischen Busch irgendetwas konsequent goldrichtig gemacht hat, dann dieses: "Wir haben den Fayu nie gesagt, was sie tun oder lassen sollten und welches Verhalten uns richtig erschien. Denn unsere Eltern hatten uns beigebracht, dass das beste Zeugnis unser eigenes Leben und unser Verhalten war, und nicht Worte, die aus unserem Mund kamen." Als Sabines Vater eines Tages in Stil und Sprache der Fayu ein Trauerlied improvisiert, weil er seine Frau vermisst, die mit dem kranken Sohn in der Stadt ist, kommen die Fayu aus ihren Hütten und trösten ihn, indem sie mitsingen. Ich habe selten etwas Anrührenderes gelesen. Es gibt eine Menge Gänsehautmomente in diesem Buch. Und auch der Nervenkitzel kommt nicht zu kurz. Denn ungefährlich ist er nicht, dieser Urwald. Man bekommt einen einmaligen Einblick in das Leben und die Gebräuche der Fayu. Und dann wieder diese Momentaufnahmen einer durchgeknallten deutschen Familie, die im Kanu über den Klihi-Fluss schippert und singt "Wer hat die Kokusnuss, wer hat die Kokusnuss geklaut..." Und mittendrin im Outdoor-survival-kit: die Bibel. Die plötzlich frappierend präzise Ratschläge bereithält. Wunder passieren mehr als einmal. So zum Beispiel im Kapitel "Vergeben lernen". Wappnet euch schon mal mit Taschentüchern, Freunde. Wenn ich nicht schon gläubig wär, dieses Buch hätte es garantiert geschafft... Aber keine Sorge, auch die Lachtränen kommen keinesfalls zu kurz. Und doch ist es auch ein trauriges Buch, das von einem verlorenen Paradies handelt. Aber es ist auch ein hoffnungsvolles Buch, in dem es um wirkliches Friedenstiften geht. Am Ende ist es dann auch ein Selbstfindungsbuch einer Reisenden zwischen zwei Welten. Abgrundtief traurig ist Sabines Abschied vom Urwald. Aber sie versteht es meisterhaft, sich und ihre Leser wirkungsvoll mit herrlichen humorvollen Alltagsschilderungen aus ihrem Schweizer Internatsleben zu trösten, unterbrochen und angereichert durch herzerwärmende Briefe ihrer Mutter, die regelmäßig aus dem Urwald berichtet. Doch dann kommt es kurz vor Ende des Buches nochmal knüppeldick. Unerwartet und heftig. Aber lest selbst... Ein sehr, sehr starkes Buch, das starke Gefühle auslöst. Dringende Leseempfehlung!

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    • 8
  • Ein sehr abenteuerliches und bewegendes Buch

    Dschungelkind
    themagicalworldofbooks

    themagicalworldofbooks

    Sabine Kuegler, das "Dschungelkind" erzählt hier in einer sehr offenen, bildhaften Art und Weise ihre Kindheitserlebnisse und Erfahrungen im Dschungel. Inmitten eines längst vergessenen Stammes von Ureinwohnern in West-Papua, lebt sie mit ihren Eltern und ihren zwei Geschwistern und verbringt dort die meist Zeit ihrer Kindheit. Die Fayu, ein Stamm ohne jegliche Zivilisation, voller Brutalität, inmitten erbarmungsloser Tiere und wilder, gewaltiger Natur. Doch für sie ist der Dschungel die Liebe auf den ersten Blick und mit ihrer vorurteilsfreien Kinderseele saugt sie regelrecht das Leben dort ein. Angst kennt sie nicht, die erfährt sie erst, als sie mit 17 Jahren auf ein Schweizer Internat geschickt wird um ihren Schulabschluss zu machen. Das Heimweh nagt an ihr und der "Kulturschock" ist nur schwer zu verkraften. Der Dschungel ruft nach ihr, ja wird vielleicht ihr ganzes Leben nach ihr rufen, sie ist verloren zwischen den Kulturen. Dieses Buch hat mich schwer beeindruckt. Man erfährt unheimlich viel Wissenswertes über die Natur, die Eingeborenen, Sitten und Gebräuche dieses bis dahin unentdeckten Stammes von "Kannibalen". Das Buch enthält tolle, sehr private Bilder (teils sogar auf farbigen Hochglanzpapier) die alles nochmal eindrucksvoll untermalen. Auch die ganze geografische Lage wird super erklärt und skizziert. Die Lebensgeschichte dieser wundervollen, sehr starken Familie liest sich wie ein spannender Abenteuerroman und ganz und gar nicht wie eine langweilige Biografie. Ich kann dieses Buch nur sehr empfehlen, es gibt einem doch zu denken wie oberflächlich teilweise die sogenannte "Zivilisation " ist und wie einfach doch die Suche nach Zufriedenheit sein kann. Es blieb dabei nicht aus, das eine oder andere Tränchen zu verdrücken. Zitat:"Als wir wieder zum Haus zurückkehrten, wurde mir einmal mehr Papas Lebensprinzip klar, das Grundprinzip seiner Arbeit: dass die Liebe stärker ist als der Hass und dass wir nicht durch große Worte, sondern nur durch unsere Lebensweise, unser eigenes Verhalten, die Herzen dieser Menschen ändern können." Das Dschungelkind, Sabine Kuegler

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    • 2
    Arun

    Arun

    15. November 2015 um 17:44
  • "Dschungelkind" von Sabine Kuegler

    Dschungelkind
    Jacynthe

    Jacynthe

    30. July 2015 um 18:15

    Inhalt Sabine verbringt ihre Kindheit und frühe Jugend im Dschungel West Papuas, wo ihre Eltern als Sprachforscher bei einem Eingeborenenstamm leben. Für sie ist es das Paradies auf Erden und den Gefahren, die im Dschungel lauern, ist sie sich oft gar nicht bewusst. Erst Jahre später, als sie wieder in der westlichen Welt lebt, reflektiert sie die damalige Zeit. Ihre Gedanken und Erinnerungen teilt sie in diesem berührenden Roman. Meine Meinung Diesen Roman habe ich vor Jahren schon einmal gelesen und er hat bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Jetzt, beim zweiten Lesen, ist mir jedoch aufgefallen, dass ich einige Details vergessen hatte, die jedoch wichtig für das Verständnis der Geschichte Sabine Kueglers sind. "Dschungelkind" ist ein autobiographischer Roman, in dem Kuegler ihre Kindheitserinnerungen Ende des 20. Jahrhunderts niederschreibt, verbunden mit eindrucksvollen farbig gedruckten Fotos. Ich war wie gebannt von ihren Erzählungen und den Abbildungen, denn solche Geschichten haben mich schon immer fasziniert. Die Kapitel sind kurz und behandeln immer eine bestimmte Erinnerung Kueglers. Sie scheinen dabei nicht immer chronologisch geordnet zu sein, folgen im Großen und Ganzen aber dennoch dem Verlauf der Jahre. Kueglers Roman ist nicht von effektheischender Spannung und Dramatik geprägt, sondern schildert meist das ganz alltägliche Leben dort. Vor allem beschreibt sie das Leben der Kinder, ihres und das ihrer beiden Geschwister sowie das der Stammeskinder. Ihre ältere Schwester Judith hat mir an vielen Stellen sehr leid getan, denn es ist offensichtlich, dass sie nicht sehr glücklich mit ihrem Wohnort war. Sabine und ihrem jüngeren Bruder fällt es dahingegen auffallend leicht, sich an das Leben im Dschungel anzupassen und aus allem einen großen Spielplatz zu machen. Kuegler geht jedoch auch auf die Arbeit ihrer Eltern ein - das Studieren der Sprache und der Versuch, die medizinische Versorgung zu verbessern - und beschreibt die Gebräuche und Rituale des Eingeborenenstammes, was dem Leser eine andere Sicht auf die Welt ermöglicht. Man erfährt über einen für uns unvorstellbaren Totenkult, die Leichen in den Hütten verwesen zu lassen und ihre Knochen dann mit sich herumzutragen, oder über die Blutrache, die den Stamm fast ausgerottet hätte. Mir hat es sehr gefallen, wie es den Eltern Kuegler gelungen ist, zwischen den feindlichen Stämmen zu vermitteln ohne missionarisch und beherrschend aufzutreten. Natürlich führen Missverständnisse und Meinungsverschiedenheiten zwischen den Kueglers und dem Stamm hin und wieder auch zu gefährlichen Situationen, und auch giftige Tiere, Krankheiten oder Unwetter bedrohen die Familie. Doch wie gesagt schreibt Kuegler stets angenehm nüchtern darüber und wertet nicht, was dem Roman meiner Meinung nach große Authentizität verleiht. Das, was mir beim ersten Lesen vor einigen Jahren vollkommen entgangen ist, hat mich dieses Mal besonders berührt: nämlich den schweren Kulturschock, den Kuegler erleidet, als sie zurück in die westliche Welt kommt und der sie schließlich sogar über Selbstmord nachdenken lässt. Ich finde es sehr mutig von ihr, über die Gefühle und Ängste der damaligen Zeit zu sprechen, die ich jetzt, nachdem ich selbst gereist bin und die Schwierigkeiten der Akklimatisierung erlebt habe, viel besser nachvollziehen kann. Dass sie im Grunde von nichts eine Ahnung hat, als sie in die Zivilisation zurückkehrt - von der Fahrt mit Zügen, von Zwischenmenschlichem und gesellschaftlichen Konventionen oder von Schwangerschaftsverhütung - beschäftigte mich sehr. Man kann sich fragen, wie die Eltern es verantworten konnten, ihre Tochter so unvorbereitet in die Welt zu entlassen, und ich wäge selbst immer noch ab, ob die unermesslichen Erfahrungen, die Kuegler in ihrer Kindheit gemacht haben, ihre Schwierigkeiten, als Erwachsene Fuß zu fassen, aufwiegen.  Ich vergebe 4 von 5 Wolken für "Dschungelkind" und werde bei Gelegenheit auch die anderen Bücher aus Kueglers Feder lesen, denn es interessiert mich sehr, was aus dem Stamm geworden ist und wie sie selbst ihr Leben in der westlichen Welt gemeistert hat.

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  • Faszinierend

    Dschungelkind
    j125

    j125

    19. April 2015 um 17:49

    Inhalt: Sabine Kuegler verbringt einen Großteil ihrer Kindheit im indonesischen Dschungel bei den Eingeborenen Fayu-Kriegern. In Dschungelkind berichtet sie über ihr Leben mit den Fayu und wie es ihr später in Deutschland ging. Sie erzählt von den guten und schlechten Seiten des Dschungels, von Angst, Spaß, Freude, ihrer Familie, ihren Geschwistern und ihren Freunden. Meine Meinung: Ich hab mir das Buch mal spontan gekauft, weil ich vorher schon davon gehört hatte und es thematisch irre spannend fand. Lange lag es dann auf dem SuB, weil ich dann irgendwie keine Lust auf eine Biografie hatte und dachte, das Buch würde mich sicher sehr langweilen. Nach einigen positiven Stimmen, habe ich es dann endlich vom SuB befreit. Anfangs sah es tatsächlich so aus, als würden sich meine Vermutungen bestätigen. Der Einstieg in die Geschichte fiel mir nicht so leicht, da die Autorin sehr häufig Sätze mit „Ich“ beginnt. Dadurch las es sich mehr wie eine Aufzählung und das war schon echt nervig. Schon nach kurzer Zeit legt sich das Problem und dann kommt man wirklich schnell und flüssig voran. Es ist unglaublich spannend und faszinierend Sabine Kuegler auf ihre gedankliche Reise zurück in ihre Kindheit zu begleiten. Sie lebte mit ihren Eltern Klaus und Doris, sowie ihren Geschwistern Judith und Christian mitten im indonesischen Dschungel, bei dem Stamm der Fayu, welche sich in vier Untergruppen unterteilen, die sich häufig bekriegen. Für uns sind so viele Dinge selbstverständlich, von denen Sabine und ihre Geschwister nur aus Büchern oder Erzählungen wussten, weil sie nie in der Zivilisation gelebt haben. So gibt es eine Szene, in der die drei zum ersten Mal Speiseeis essen und sich daran natürlich prompt den Magen verderben, oder wie Sabine barfuss in den Schnee läuft. Umgekehrt spricht sie mit einer Selbstverständlichkeit über Krokodilen und Schlangen und Spinnen und Pfeil und Bogen, die uns merkwürdig erscheint. Mich hat sehr fasziniert, dass es tatsächlich noch Völker auf der Erde gibt, die leben wie zur Steinzeit. Natürlich weiß man irgendwie, dass es solche Stämme noch gibt, aber mal ehrlich, könnt ihr euch wirklich vorstellen, dass es Personen gibt, die sich furchtbar erschrecken und Angst haben, wenn sie sich selbst zum ersten Mal im Spiegel sehen? So war es wirklich spannend mitzuverfolgen, was die Kueglers von den Fayu lernen können, aber auch was die Fayu von den Kuegler lernen können. Wichtig fand ich dabei eine Philosophie des Vaters, die er dem Fayu-Häuptling mitteilt, als er ihn um die Erlaubnis bittet in seinem Gebiet wohnen und ihre Sprache erforschen zu dürfen. Er sagt, dass er gekommen ist um den Fayu zu dienen, nicht um über sie zu herrschen. Das merkt man auch bei den Erlebnissen die Sabine Kuegler in ihrem Buch beschreibt. Es geht nicht darum- übertrieben gesagt-, den Fayu Srom- und Wasserleitungen in den Dschungel zu legen und sie Platten von Michael Jackson hören lassen. Es geht vielmehr darum ihnen zu zeigen, wie sie ihre eigene Kultur erhalten können. Die Fayu sind sehr kriegerisch und rotten sich so nach und nach selbst aus. Durch Klaus und seine Familie lernen sie, dass man Konflikte auch anders lösen kann, als mit Pfeil und Bogen. So interessant die meisten Kapitel auch sind, manchmal hatte ich das Gefühl eine Art Märchen zu lesen. Ich glaube schon, dass man durch das vorbildhafte Verhalten anderer sein eigenes Verhalten ändern und anpassen kann. Aber es gibt Szenen im Buch, wo die Fayu von einem Moment auf den anderen ihre jahre- oder jahrhundertelange Verhaltensweise ablegen, weil ihnen die Kueglers etwas anderes vorleben. Es ist eine Biografie und ich möchte der Autorin keinesfalls unterstellen die Unwahrheit zu sagen, aber an diesen Stellen hat einfach alles in mir rebelliert und gesagt: „Ja, ne, ist klar!“ Fazit: Dschungelkind ist sehr leicht und verständlich geschrieben, sodass man schnell durch die Seiten fliegt. Es ist unglaublich interessant zu verfolgen wie das Leben der Kueglers im Dschungel war und wie schwierig es ist von so einem Leben in die zivilisierte Welt zu wechseln. Man kann die Unterschiede und die Faszination die dieses Buch ausübt gar nicht wiedergeben, sondern man muss es aus der Hand desjenigen erfahren, der es selbst erlebt hat. Bonusmaterial: Die Filmausgabe enthält ein Interview mit Sabine Kuegler, das nach dem Filmdreh geführt wurde. Ich fand das persönlich wenig interessant und auch nicht aufschlussreich. Außerdem gibt es einige Bilder aus dem gleichnamigen Kinofilm. Reiheninformation: In "Dschungelkind" geht es vor allem um die Kindheit von Sabine Kuegler und ihren Gechwistern, von ihrem Leben bei den Fayu. Zwar geht sie auch darauf ein wie sie den Dschungel verlässt und sich in der großen weiten Welt zu Recht finden muss, dies aber nur zu einem eher geringen Teil. In "Jägerin und Gejagte" geht sie auf diesen Aspekt mehr ein. In "Ruf des Dschungels" schildert sie schließlich, wie sie erneut zu den Fayu reist.

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  • Frühlings-Lese-Marathon vom 6.-8. März 2015!

    Queenelyza

    Queenelyza

    Ihr Lieben, wird es nicht wirklich langsam Zeit für den Frühling, für wärmere Tage ohne Heizungsluft, ohne Handschuhe und ohne Pelzstiefel? Wir meinen "ja", und deswegen läuten meine liebe Lesefreundin Lissy und ich zu einem Frühlings-Marathon! Von Freitag, 6. bis Sonntag, 8. März darf nach Herzenslust gelesen werden - es wäre jedoch kein richtiger Themen-Marathon, wenn es nicht eine kleine thematische Einschränkung geben würde. Und zwar wollen wir den Frühling dadurch hervorkitzeln, dass wir "Sonnenbücher" lesen. Also einfach Lektüre, die uns so richtig auf dem Frühling einstimmt. Das können Bücher mit Sonne auf dem Cover oder im Titel sein, die am Strand oder in einem fernen warmen Land spielen, mit tropischen Blüten drauf oder einfach einem schönen Garten in der Sonne - das schlechte Wetter muss für dieses verlängerte Wochenende einfach draußen bleiben und wir tanken Sonne, Wärme und einfach "good feelings". Freundliche helle Cover, bitte nichts Schwarzes oder Dunkles - auch wenn da Blumen drauf sind. Sonst wollen wir Euch aber nur wenig Vorgaben machen, es soll ja auch Freude machen, den Frühling herbeizulesen! Um Euch einen kleinen Eindruck zugeben, was für Bücher gemeint sein könnten, haben wir einige angehängt. Ich bin mir sicher, dass die Regale da mehr als genug hergeben. Schön wäre es natürlich, wenn ihr hier rege teilnehmt und postet, was ihr gerne lesen wollt und werdet und wie Eure Fortschritte so sind beim Lesen, dann macht es nämlich noch viel mehr Spaß! Wir freuen uns auf zahlreiche Mitleserinnen und Mitleser!

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    • 76
  • Kulturschock in der westlichen Welt

    Dschungelkind
    lissi91

    lissi91

    27. January 2015 um 10:32

    Sabine Kuegler wächst im Dschungel von West-Papua auf und meistert das Leben mit dem ältesten Ureinwohnerstamm der Welt. Sie kennt nur ein Leben wie in der Steinzeit. Deutschland kennt sie nur aus Erzählungen ihrer Eltern und von einem kurzen Jahresurlaub. Das ist ihr Leben und dort fühlt sie sich wohl. Sie eignet sich einen anderen Bezug zu Liebe, Vertrauen und Eigentum an. Als sie mit 19 Jahren in ein Internat in der Schweiz kommt, muss sie ihr Leben vollkommen neu ordnen. Sie kennt keine Supermärkte, keine festen Preise, keine Ironie oder Sarkasmus. Sie wird ihr ganzes Leben mit diesem Kulturschock kämpfen müssen und merkt das nur der Dschungel ihr wahres Zuhause ist. Wunderbar authentisch und anrührend geschrieben. Sabine Kuegler war mir von der ersten Seite an sympathisch. Man konnte oft schmunzeln oder nur ungläubig das Buch anstarren. Man überdenkt seinen eigenen Bezug zu Besitztümern oder was man in der heutigen Zeit WIRKLICH alles benötigt. Reich bebildert.

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  • Eine andere Welt!

    Dschungelkind
    tiggger

    tiggger

    07. January 2015 um 16:01

    Die Geschichte von Sabine ist aus einer anderen Welt. Sie erzählt von ihrer Kindheit im Dschungel, die Erfahrungen, die sie dort gemacht hat und den Begegnungen aus der westlichen Welt. Sabine wächst bei einem bis dahin unbekannten Stamm, der Fayu-Stamm, im Indonesischen Dschungel auf. Sie bewohnt dort ein einfaches Haus mit ihren Eltern und beiden Geschwistern. Die nächste Basis ist mehrere Stunden entfernt. Das Leben ist dort ein ganz anderes. Was Sabine erleben durfte ist Wahnsinn, für uns fast unvorstellbar und doch erzählt sie es so farbenfroh, dass man sie sich als kleines weißes Mädchen zwischen den wildlebenden Menschen gut vorstellen kann. Sie erzählt von den guten und bösen Dingen, von den Sitten des Stammes und von verschiedenen zwischenmenschlichen Begegnungen, die beide Seiten (aus Sicht des Stammes sowie aus der Sicht Sabines Familie) geprägt haben. Und da sie dort ihre Kindheit verbrachte, wohl mehr, als sie sich zuerst eingestehen wollte. Sie erzählt von ihren Verwirrungen in der Teenager-Zeit. Gefühlschaos pur. Dabei ging es nicht um die "normalen" Pubertätsproblemchen. Nein, Sabine sah sich plötzlich zwischen zwei Welten hängend. Der Dschungel - die westliche Welt. Ich fand diese Biographie wirklich wundervoll. Sie erzählt nicht allein von Sabines Geschichte, sondern zeigt auch die andere Welt eines wildlebenden Stammes auf eine interessante Art und Weise.

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  • Leserunde zu "Dschungelkind" von Sabine Kuegler

    Dschungelkind
    Sophie_1

    Sophie_1


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