Sabine Purfürsts Romanbiografie hat mich gepackt, sobald ich die ersten Seiten gelesen hatte.
Zum Inhalt:
Eva hat eine Berufung, die sich schon früh zeigt. Sie liebt Kinder und die Kinder lieben sie. Schon mit 14 Jahren (1939) wird sie zur Helferin in einer Kindergruppe ausgewählt. Es liegt auf der Hand, dass sie den Beruf der Kindergärtnerin ergreifen will.
Mit 16 beginnt sie ihre 2-jährige Ausbildung in Breslau und wird schon kurz nach ihrem Abschluss mit der Leitung des Kinderflüchtlingsheims im schlesischen Habelschwerdt betraut. Der sich ausweitende 2. Weltkrieg greift unbarmherzig in ihr Leben ein, bedroht das Leben der Kinder und sie selbst. Hunger, Flucht und Vertreibung, Gewalt und Grauen begleiten sie. Eva kämpft verzweifelt für Leben und Sicherheit der ihr anvertrauten Kinder und gibt nicht auf.
Selbst ihre große Liebe, Alfred, wird dieser Verantwortung untergeordnet. Sie verlieren sich in den Wirren der letzten Kriegswochen aus den Augen und Evas spätere Suche nach ihm bleibt ergebnislos. Sie heiratet einen anderen Mann, Rudi, mit dem sie einen Sohn bekommt. Rudi stirbt im Jahr 1988. Drei Jahre später, nach der Wende und mit Unterstützung ihrer Enkelin Sophia, wagt Eva erneut die Suche nach Alfred.
Meine Bewertung:
Die Protagonistin Eva wirkt durch die gewählte Erzählstruktur sofort lebendig und glaubwürdig. Die wechselnden Elemente – konkrete Daten, historische Ortsangaben, detailreiche Beschreibungen und Tagebucheinträge – lassen sie gemeinsam mit ihrer Familie und den Menschen in ihrem Umfeld als authentische Persönlichkeit erscheinen.
Ein Kunstgriff, der die Geschichte noch eindrücklicher und dichter macht. Kein Zweifel, es hätte sie geben können. Und da die Erinnerungen auf wahren Begebenheiten beruhen, wie die Autorin versichert, hat es sie tatsächlich gegeben.
Die Autorin verstärkt die Romanbiografie noch durch ihre einfühlsame Erzählweise mit enormer emotionaler Tiefe, die die Leser mitten ins Herz trifft. Allein dafür gebührt ihr Anerkennung und Bewunderung.
Auch sprachlich trifft sie den Ton der Zeit.
Tatsächlich habe ich am Ende des Buches nach Eva Herbst-Kindsleben gegoogelt, so real erschien sie mir mit diesem Namen.
„Mehr als nur ein Menschenleben“ ist ein wichtiges Buch in unserer heutigen Zeit (2025), in der die politisch Verantwortlichen erneut mit allen Mitteln (Steuergeldern wie Rhetorik) aufrüsten.
Ich bin von diesem Buch ebenso bewegt, wie begeistert und empfehle auch es mit 5 Sternen.


