Sabine Rennefanz Die Mutter meiner Mutter

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Inhaltsangabe zu „Die Mutter meiner Mutter“ von Sabine Rennefanz

Von der Autorin des SPIEGEL Bestsellers "Eisenkinder"

Als der Krieg zu Ende war, fing für die vierzehnjährige Anna der Kampf erst an. Ihre Mutter war lange tot, ihr Vater von den Russen verhaftet worden, ihre Heimat verloren. Als Flüchtling machte sie sich mit ihren kleinen Brüdern allein auf den Weg nach Westen und fand in Kosakenberg, einem Dorf in der sowjetischen Besatzungszone, Unterschlupf. Am Hof der Familie Wendler kann sie als Magd härteste körperliche Arbeit leisten. 1949 kehrt Friedrich Stein aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft nach Kosakenberg zurück. Das Deutschland, das er verlassen hat, gibt es nicht mehr: seine Familie ist tot, sein Anwesen von Flüchtlingen besetzt, das Dorf voller Sowjet-Propaganda. Ein gebrochener Mann, zwanzig Jahre älter als Anna. Anna macht die Traurigkeit in seinen Augen vom ersten Tag an Angst.

Eines Abends überfällt Friedrich Stein Anna auf dem Dachboden des Hauses. Neun Monate später bekommt sie ein Kind. Für Anna scheint die Welt zu enden. Sie versteinert. Und schweigt. Die Kosakenberger zwingen Friedrich, Anna zu heiraten. Anna, damals 18, hat keine Wahl. Zwar weiß das ganze Dorf von dem Verbrechen, mit dem die Ehe begann, die Töchter und Enkel aber sollen nie davon erfahren. Auch nach Friedrich Steins Tod und dem Ende der DDR hält Anna ihr Schweigen aufrecht. Warum? Und was macht die Wahrheit mit den Töchtern und Enkelinnen der Steins, als sie sie zwanzig Jahre nach dem Tod des Großvaters völlig unerwartet erfahren?

Sabine Rennefanz erzählt Anna Steins bewegende Geschichte aus der Perspektive der Enkelgeneration. Brutalität und Gewalt gab es nach dem Krieg in vielen Familien, sie wirkt in den Kindern und Enkeln immer noch nach. Und wie in Annas Fall wurde fast immer weggesehen und geschwiegen.

Ein trauriger Blick auf eine Familiengeschichte. (Und auch gleich die Geschichte der Frauenrechte)

— ioreth

Spannende Geschichte zu einem Thema, das immer aktuell ist.

— LaMensch

Ein Buch voller Emotionen und Spannung.

— NicoleP

Eine berührende Geschichte über die ich noch lange nachgedacht habe.

— Larena

Eine sehr authentische Familien-Flüchtlingsgeschichte - verknüpft mit der jungen *Wendezeitgeneration*...absolut berührend...

— Angie*

Das Buch zu lesen macht nachdenklich.

— patchwork

"Drei Frauen, drei Generationen und ein verschwiegenes Familiengeheimnis." Packend, spannend, lesenswert.

— buchbaron69

Es wird totgeschwiegen. So sitze ich hier mit all meinen übrig gebliebenen Fragen und denke an meinen Großvater...

— Tamilein

Kein Buch für zwischendurch. Ergreifend und erschreckend realistisch gehalten. Ein Buch was einem noch lange im Gedächtnis bleibt. Lesen!

— Buecherseele79

Gut recherchierte (Familien)Flüchtlingsgeschichte, sehr aufwühlend, manchmal irritierend und nur mit Konzentration zu lesen

— orfe1975

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  • Eine tragische Familiengeschichte, fesselnd und wunderschön erzählt

    Die Mutter meiner Mutter

    hevalump

    26. July 2017 um 12:38

    Das Wichtigste zuerst:ein berührendes Buch, dass absolut lesenswert ist.Die frühen Lebensjahre unserer Großeltern/Eltern lieben bei den meisten in einer turbulenten Zeit, geprägt von Armut, Weltkriegen, Unsicherheiten und Grausamkeiten, mit festgefahrenen Rollenbildern und viel Unrecht, egal gegen welche Bevölkerungsgruppen oder Geschlechter. Oft genug wurden all diese schrecklichen Erinnerungen verdrängt und es wurde versucht weiterzuleben. Eine notwendige psychologische Betreuung war nicht vorhanden, so konnte man nur damit leben oder daran zerbrechen. Als junger Mensch in der heutigen Zeit, frag man sich oft, wie die, in meinem Fall, Großeltern so geworden sind, wie sie es jetzt sind. Meistens werden gerne Geschichten aus dieser Zeit erzählt. Nicht so wie in diesem Buch. Sabine Rennefanz schildert in faszinierender Art die Geschichte der Mutter ihrer Mutter.Als Leser findet man heraus, weshalb die unnahbare, stille, Großmutter so geworden ist. Es ist eine Geschichte, die berührt und bewegt und motiviert nicht zu urteilen oder gar zu verurteilen, sondern zu fragen.Zugleich sollte sie die Generation der Eltern und Großeltern ermutigen ihre Erlebnisse nicht zu verschweigen. Im Buch wird eindrucksvoll beschrieben, wie ein einschneidendes  und grausames Ereignis nicht nur ein ganzes Leben, sondern mehrere Generationen beeinflussen kann und wie die Angst und der Schrecken unterbewusst "vererbt" wird. Es ist auf jeden Fall ein lesenswertes Buch, dass nachdenklich stimmt. Es bietet eine faszinierende Sichtweise, die Generation der Großeltern und ihre Erlebnisse etwas genauer zu betrachten.

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  • Eine zeitlose Familiengeschichte

    Die Mutter meiner Mutter

    LaMensch

    20. October 2016 um 16:18

    Anna lebt mit ihrer Stiefmutter und ihrem Vater in einem kleinen Ort mit dem Namen „Sorge“. Ihr Vater ist Angestellter und arbeitet am Bahnhof. Er ist zuständig für die Koordination der sogenannten „Todeszüge“, welche zur Deportation der Juden aus den Städten dienen. Krieg beginnt und nach einiger Zeit wird ihr Vater von Soldaten abgeholt. Dies ist ausschlaggebend dafür, dass die Stiefmutter beschließt, den Wunsch zu tötet und sich auf die Flucht zu machen. Für Anna ein traumatisches Erlebnis, denn sie besorgt den Hammer, den ihre Mutter verlangt und hätte nun fest, während sie ihm den Kopf einschlägt. Kurz darauf mit ihr Haus besetzt und sie packen alles was sie brauchen in einem kleinen Handwagen und laufen ziellos ihres Weges.Der Schreibstil ist der Zeit, in welcher das Buch spielt angemessen. Es wechselt immer zwischen einem auktorialen Erzähler und der Enkelin, welche über die Geschichte ihrer Großmutter erzählt hin und her. Das gefällt mir sehr gut, denn dies lockert das Buch deutlich auf. Ich muss aber sagen, dass sich in dieser Geschichte deutlich mehr Gefühl erwartet habe, sie wird einfach sachlich erzählt und große Emotionen konnte ich nicht finden. Leider sehr schade, denn ich glaube, das hätte das Buch noch ein bisschen prägender gemacht, die Geschichte ist nämlich sehr zeitlos, denn Flüchtlinge gibt es auch heutzutage sehr viele und es wird einfach gezeigt, was eben diese auf ihrer Flucht erleben können bzw. erleben. Man sieht die Welt aus anderen Augen doch durch mehr Emotion könnte das Buch länger im Gedächtnis bleiben.Aufgrund dessen vergebe ich 3,5 von 5 Sternen.

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  • Ein dunkles Familiengeheimnis

    Die Mutter meiner Mutter

    SitataTirulala

    01. October 2016 um 11:51

    Ich verstand sehr früh, dass meine Großmutter nicht den Vorstellungen einer typischen Oma entsprach. Das war nur ein Grund, warum ich lange dem Irrtum aufsaß, sie sei eine gefühllose Frau. Mit vierzehn muss Anna des Krieges wegen ihre Heimat verlassen. Als Flüchtlingsmädchen hat sie es nicht leicht, doch sie findet Arbeit in Kosakenberg, dem Dorf, in dem sie, ihre Stiefmutter und ihre beiden kleinen Brüder Unterschlupf finden. Sie arbeitet immer noch als Magd bei den Wendlers, als 1949 Friedrich Stein aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrt. Er geht bei den Wendlers ein und aus und macht Anna vom ersten Tag an Angst - nicht unbegründet, wie sie wenig später am eigenen Leib erfahren muss. Auf Drängen der Wendlers heiratet Friedrich Anna. Eine Ehe, die mit einem Verbrechen beginnt. Einem Geheimnis, das Anna ihrer Familie über ein halbes Jahrhundert vorenthält und das die Mutter und Großmutter plötzlich in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt. Wie geht man damit um, wenn ein lange gehütetes Familiengeheimnis ans Licht kommt? Insbesondere wenn es einen geliebten Menschen in ein völlig neues Licht rückt? Erzählt wird Annas Geschichte von ihrer Enkelin, einer namenlos bleibenden Ich-Erzählerin, deren Mutter Monika, Annas Tochter, ihr erzählt, was sie über ihren Vater, Annas verstorbenen Mann Friedrich, herausgefunden hat. Monika ist das Produkt einer Vergewaltigung, die in einer Ehe mündete, die wiederum in noch zwei weiteren Töchtern resultierte. Während Monika zunächst das Bedürfnis zu haben scheint darüber zu reden, entscheidet sie sich dann doch dafür, das Vergangene ruhen zu lassen. Die Dinge seien nun mal wie sie seien. Doch ihre Tochter, die Zeit seines Lebens eine sehr innige, liebevolle Beziehung zum Großvater hatte, kann nicht einfach so tun und weitermachen, als hätte sie nie von dieser Geschichte erfahren. Sabine Rennefanz erzählt gefühlvoll, aber auch sehr klarsichtig von der Reise der Ich-Erzählerin in die Vergangenheit ihrer eigenen Familie. Schritt für Schritt fallen ihr kleine Erinnerungsfetzen und -bruchstücke ein, die jetzt, wo sie die Wahrheit über das Unglück ihrer Großmutter kennt, ein viel klareres Bild ergeben. Warum ihre Großmutter nicht in der Lage war eine innige Bindung zu ihren Töchtern oder Enkelkindern aufzubauen. Und wie sie sie trotzdem alle dadurch geschützt hat, dass sie das dunkle Geheimnis ihres Mannes für sich behalten hat. Die Handlungsstränge in Annas Vergangenheit und in der Gegenwart, in der die Ich-Erzählerin von verschiedenen Ereignissen und Erinnerungen berichtet, die sie selbst erlebt und gesammelt hat, sind gefühlvoll, aber nicht überdramatisiert erzählt und miteinander verwoben. Sabine Rennefanz findet genau den richtigen Ton, dass man gut mitfühlen kann. Einzig der ständige Gebrauch der Phrase "die Mutter meiner Mutter" auch im Fließtext war ein wenig störend, aber in Anlehnung an den Titel kann man das wohl als Stilmittel ganz gut hinnehmen. Ein schlimmes Schicksal, ein dunkles Geheimnis, eine Frau, die das Leben gebrochen hat. Sabine Rennefanz Geschichte über das Leben von Anna Stein ist bedrückend, aber man kann sie beim besten Willen nicht aus der Hand legen.

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  • Berührend

    Die Mutter meiner Mutter

    NicoleP

    25. September 2016 um 18:22

    Es ist die wahre Geschichte von Anna. Erzählt wird sie aus der Perspektive der Enkeltochter. Sie ist die „Ich-Erzählerin“.Als 14-jährige flüchtet Anna mit ihrer Stiefmutter und ihren kleinen Brüdern in den Westen. Im Dorf Kosakenberg, welches in der sowjetischen Besatzungszone liegt, werden sie einquartiert. Auf dem Hof von Familie Wendler muss Anna als Magd zwar harte Arbeit verrichten, doch das kinderlose Paar wird für sie zu einer Art Ersatzfamilie.Dort lernt sie auch eines Tages Friedrich Stein kennen, der 1949 aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft zurück auf den Hof kommt. Der Krieg und die Gefangenschaft haben aus ihm einen gebrochenen Mann gemacht. Anna heiratet den 20 Jahre älteren Mann und bekommt mit ihm drei Töchter.Die älteste Tochter Monika ruft eines Tages bei ihrer eigenen Tochter – der „Ich-Erzählerin“ – an. Bis zu diesem Anruf war der Großvater für seine Enkeltochter ein liebevoller Mensch, doch nun, zwanzig Jahre nach seinem Tod, wird ein aufgedecktes Geheimnis alles verändern. Während sie ihren Großvater über alles liebte, spielte die Mutter ihrer Mutter kaum eine Rolle in ihrem Leben. Diese Frau war eine merkwürdige, gefühlskalte Frau.In Rückschauen erfährt der Leser, was Anna zu dieser Frau hat werden lassen. Dass die Erzählung auf einer wahren Geschichte beruht, bringt den Leser emotional noch näher an Anna heran. Es ist Annas Schicksal, welches selbst noch die Enkelgeneration beeinflussen wird.Das Lesen wird jedoch etwas erschwert, da die Erzählerin oft zwischen den Zeiten wechselt. Es gibt keine eindeutige Vergangenheits- oder Gegenwartserzählung. Sobald man sich in diese Erzählweise eingelesen hat, lernt man zusammen mit der Enkeltochter die Mutter ihrer Mutter verstehen.Ein Buch voller Emotionen und Spannung. Das Schicksal von Anna wird nicht das einzige dieser Art sein. Ihre Geschichte steht für mich daher beispielhaft für alle, denen das Schicksal so oder so ähnlich mitgespielt hat.Da ich eine wahre Geschichte nicht mit „gut“ oder „schlecht“ bewerten möchte, denn das Leben ist nie nur gut oder schlecht, gilt meine Bewertung eher der Art, wie die Geschichte erzählt wurde. Es ist nicht immer einfach, zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu unterscheiden. Da ich oft verwirrt war und zurückblättern musste, gibt es einen Punkt Abzug. Denn auch, wenn es eine wahre Geschichte ist, kann ich das Lesegefühl nicht anders bewerten als bei ausgedachten Geschichten.Ich danke dem Bloggerportal und dem Luchterhand Literaturverlag für die Zusendung dieses Rezensionsexemplares.

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  • Ein berührendes und absolut lesenswertes Buch!

    Die Mutter meiner Mutter

    graphida

    27. July 2016 um 10:13

    Das Wichtigste zuerst:ein berührendes Buch, dass absolut lesenswert ist.Der Autorin geht es wie vielen aus der Generation 1950 - 1960, es gibt Lücken in der Biographie unserer Eltern und Großeltern, Lücken, die uns beschäftigen.Fragen blieben unbeantwortet und irgendwann ist es zu spät, um zu erzählen.So bleibt die Generation 'danach' allein mit ihren Vermutungen.Nicht beantwortete Fragen geben reichlich Raum für Spekulation.Was war, was hat meine Eltern und Großeltern geprägt, was haben sie erlebt ?Sabine Rennefanz schildert in beeindruckender Weise die Geschichte der Mutter ihrer Mutter.Sie zeigt auf, welche Lebensgeschichte hinter der scheinbar unnahbaren, verschlossenen Großmutter steht.Eine Lebensgeschichte die berührt und bewegt und motiviert nicht zu urteilen oder gar zu verurteilen, sondern zu fragen.Zugleich sollte sie die Generation der Eltern und Großeltern ermutigen ihre Erlebnisse nicht zu verschweigen.Denn ihre Kinder und Enkelkinder sind es, die wenn auch unbewusst mit der Belastung weiterleben und so die Verstrickung nicht auflösen können.Ein lesenswertes Buch, dass nachdenklich stimmt und in einer Zeit der zunehmenden Flüchtlingsbewegung aktueller denn je wird.

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  • Damals...

    Die Mutter meiner Mutter

    Larena

    03. July 2016 um 15:49

    Meine Meinung Das Buch Die Mutter meiner Mutter wurde mir von meinem Kollegen empfohlen. Erzählt wird die Geschichte einer Frau, die in ihrem Leben viel erdulden musste, aus der Perspektive ihrer Enkelin. Zu Anfang hat mich der Schreibstil der Autorin etwas gestört. Kurze Sätze, die abrupt enden. Mit der Zeit fiel mir jedoch auf, dass eben das die Atmosphäre des Buches ausmacht und außerdem gut zur Geschichte passt. Das Geheimnis der Persönlichkeit ihrer Großmutter, erfährt die Protagonistin vor dem Leser. Das bedeutet, dass man die Lebensgeschichte von Anna, der Großmutter, zuerst ganz lesen muss, um das Entsetzen der Enkelin zu verstehen. Die Gestaltung der Charaktere ist sehr realistisch und im Prinzip, hat die Autorin den Entstehungsprozess der Hauptprotagonistin Anna ja zum Hauptthema ihres Buches gemacht. Es ist ein schweres und dennoch authentisches Frauenschicksal, dass sie zu derjenigen gemacht hat, die sie ist. Eine Nachkriegsgeschichte, die ihre dunklen Schatten auch auf die Folgegenerationen wirft und unverfälschte Narben auf ihrer aller Haut zeichnet. Das Cover wirkt friedlich und ist meiner Meinung nach wirklich schön. Der Schnee passt für mich sehr gut zur Geschichte und symbolisiert gleichzeitig die Kälte und den Schein.   Fazit Eine berührende Geschichte die zum Nachdenken anregt. Auf jeden Fall eine Empfehlung von mir.

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  • Rezension: Die Mutter meiner Mutter von Sabine Rennefanz

    Die Mutter meiner Mutter

    patchwork

    13. April 2016 um 20:23

    "Als der Krieg zu Ende war, fing für die vierzehnjährige Anna der Kampf erst an. Ihre Mutter war lange tot, ihr Vater von den Russen verhaftet worden, ihre Heimat verloren. Als Flüchtling machte sie sich mit ihren kleinen Brüdern allein auf den Weg nach Westen und fand in Kosakenberg, einem Dorf in der sowjetischen Besatzungszone, Unterschlupf. Am Hof der Familie Wendler kann sie als Magd härteste körperliche Arbeit leisten. 1949 kehrt Friedrich Stein aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft nach Kosakenberg zurück. Das Deutschland, das er verlassen hat, gibt es nicht mehr: seine Familie ist tot, sein Anwesen von Flüchtlingen besetzt, das Dorf voller Sowjet-Propaganda. Ein gebrochener Mann, zwanzig Jahre älter als Anna. Anna macht die Traurigkeit in seinen Augen vom ersten Tag an Angst.""Ich habe etwas herausgefunden über deinen Großvater..."Ich, ein Kriegsenkel, weiß wenig über das Leben und die Gefühle meiner Großeltern. Meine Großeltern mütterlicherseits leben noch. Die Mama meines Papas ist 2009 gestorben, ihr Mann ist nie aus dem Krieg zurückgekommen. Ich habe meinen Opa also nie kennengelernt. Meine Oma redet ab und zu über den Krieg, mein Opa will davon nichts wissen.Ich weiß, dass meine Oma auch für eine Familie gearbeitet hat und da sehr schlecht behandelt wurde. Meine Uroma hat sie da daraufhin wieder nach hause geholt. Andere hatten vielleicht nicht soviel Glück. Meine Uroma hatte 7 Kinder, die alle in der Kriegszeit Essen und Kleidung bekommen mussten. Meine Uroma arbeitete hart. Und die Kinder mussten auch schon hart arbeiten.Die wenigen Informationen, die ich bekommen habe aus der Zeit des Krieges schaffen es nicht, dass ich richtig fühlen kann wie es den Menschen im Krieg erging. Von Gewalt, Angst und das eigene Zuhause verlassen müssen kann man hören, aber man fühlt nicht, weil man es nicht selbst erlebt hat. Wir können oft noch nicht einmal erahnen wie es ist Menschen, die man liebt zu verlieren durch den Krieg. Wir wissen nicht wie es ist zu hungern, wo wir doch unserem Hungergefühl manchmal keine 10 Minuten stand halten können und sofort zum gefüllten Kühlschrank rennen. Wir wissen nicht wie es ist sein Kind zu beerdigen, irgendwo in einem Wald, auf der Flucht.Flucht, damals Thema, heute wieder Thema.Die Flüchtlinge damals wurden schlecht behandelt. Die Flüchtlinge heute werden schlecht behandelt. Hat Deutschland dazugelernt frage ich mich? Ich glaube nein.Die Kriegsgenerationen haben Narben, die immernoch schmerzen können. Unsere Großeltern haben es nicht gelernt über Schmerz zu reden. Bloß nicht jammern ist die Devise. Vieles wird totgeschwiegen, oder schlechtes gut geredet.Vieles können wir nicht verstehen, aber wir müssten mehr Nachsicht haben. Vielleicht auch nachfragen. Viele würden vielleicht reden, wenn sie gefragt würden.Das Buch zu lesen macht nachdenklich. Das Thema Krieg wird in Deutschland noch lange aktuell bleiben, tagtäglich laufen Dokumentationen im Fernsehen. Trotzdem sind wir gefühlsmäßig weit weg von dem Thema. Was wissen wir über die eigene Familie? Wo kommen wir her? Wie haben unsere Großeltern den Krieg erlebt und überlebt? Welche Tragödien haben sie erlebt? Und was hat das aus Ihnen gemacht? Welche Menschen wären sie gewesen ohne den Krieg? Und wie hat das alle kommenden Generationen geprägt? Wer sich damit noch nicht beschäftigt hat, die Kriegsgenerationen haben ihre Ängste und Traumata weitergegeben an ihre Kinder, und diese an ihre Kinder.Es dauert lange bis ein Krieg wirklich zu Ende ist. Das Buch macht traurig und weckt viel Mitgefühl.Unsere Großeltern und Eltern haben schlimmes erlebt. Manche sind nie glücklich gewesen.Ich sehe meine Kinder durchs Haus flitzen, spielend und glücklich. Und bin froh, dass sie es sein dürfen.

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  • Familiensaga über drei Generationen

    Die Mutter meiner Mutter

    buchbaron69

    27. February 2016 um 15:48

    Klappentext Von der Autorin des SPIEGEL Bestsellers "Eisenkinder" Als der Krieg zu Ende war, fing für die vierzehnjährige Anna der Kampf erst an. Ihre Mutter war lange tot, ihr Vater von den Russen verhaftet worden, ihre Heimat verloren. Als Flüchtling machte sie sich mit ihren kleinen Brüdern allein auf den Weg nach Westen und fand in Kosakenberg, einem Dorf in der sowjetischen Besatzungszone, Unterschlupf. Am Hof der Familie Wendler kann sie als Magd härteste körperliche Arbeit leisten. 1949 kehrt Friedrich Stein aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft nach Kosakenberg zurück. Das Deutschland, das er verlassen hat, gibt es nicht mehr: seine Familie ist tot, sein Anwesen von Flüchtlingen besetzt, das Dorf voller Sowjet-Propaganda. Ein gebrochener Mann, zwanzig Jahre älter als Anna. Anna macht die Traurigkeit in seinen Augen vom ersten Tag an Angst. Die Autorin Sabine Rennefanz, 1974 in Beeskow geboren, studierte Politologie in Berlin und Hamburg. Sie arbeitet seit 1993 als Journalistin, seit 2001 als Redakteurin für die Berliner Zeitung, für die sie mehrere Jahre aus London schrieb. Für ihre journalistische Arbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Theodor-Wolff-Preis und dem Deutschen Reporterpreis. Ihr erstes Buch, "Eisenkinder", erschien 2013 und stand mehrere Wochen auf der SPIEGEL-Bestsellerliste. Meine Meinung Story 20 Jahre nach dem Tod des Ehemanns, erzählt Anna Stein ihrer Tochter ein Geheimnis über ein Verbrechen. Für die Tochter bricht eine Welt zusammen. Plötzlich ist der geliebte Großvater ein Fremder, ein Verbrecher. Stück für Stück setzt sie die Geschichte ihrer Mutter zusammen. Beginnend mit der Großmutter, der Flucht aus Polen, den Neuanfang als Flüchtling, in der ehemaligen DDR bis in die Gegenwart. Schreibstil Das Buch ist eine nicht unbedingt Chronologisch geordnete Familiengeschichte.Es sind kleine Anekdoten, die schließlich ein Gesamtbild wiedergeben. Das Buch ist leicht verständlich, erfordert aber auch ein wenig Aufmerksamkeit. Charaktere Alle Charaktere sind echt und originell beschrieben. Man kann sich leicht in sie hinein versetzen. Sabine Rennefanz gelingt es vorzüglich, ihren Charakteren Leben einzuhauchen. Mein Fazit Der autobiographische Roman dreht sich ausschließlich um das Leben der Frauen, ihr Überleben auf der Flucht, das harte Leben nach dem Krieg. Geschichtliche Ereignisse werden nur am Rande erwähnt. Sie haben für die Frauen kaum Bedeutung. Anne Stein lebt ein Leben, ohne persönliche Höhepunkte, geprägt von Arbeit, Entbehrungen und Verzicht und Unterdrückung. Diese Trostlosigkeit prägt die ganze Geschichte, kein lachen, keine Freude. Die Geschichte ist eine Aneinanderreihung von alltäglichen Ereignissen und dennoch ist man schnell in den Bann gezogen durch diesen einzigartigen Erzählstiel von Sabine Rennefanz. Ich vergebe fünf von fünf Sternen und eine absolute Leseempfehlung.

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  • Es wird alles totgeschwiegen.

    Die Mutter meiner Mutter

    Tamilein

    21. February 2016 um 19:09

    Die Flüchtlingskrise ist aktueller denn je. All das gab es aber schon früher. Auch Deutsche mussten flüchten. Deutschland lag in Trümmern. Die Besatzungsmächte kamen, befreiten Deutschland. Und bis dahin? So viele Familien flohen, wurden zerissen, sahen sich niemals wieder. Sabine Rennefanz erzählt die Geschichte ihrer Großmutter, eine bewegende und wahre Geschichte. Wir, die Enkelgeneration, erfahren so wenig von dem, was unsere Großeltern erlebt haben und durchmachen mussten. Manche können nicht mehr antworten, wenn man sie fragt. Andere möchten es nicht. Es wird totgeschwiegen. So sitze ich hier mit all meinen übrig gebliebenen Fragen und denke an meinen Großvater... Die Story Es geht um Anna. Anna ist 14 Jahre alt, als der Krieg zu Ende war. Und doch beginnt erst jetzt der wahre Kampf für sie. Ihre Eltern sind nicht da. Die Mutter ist schon lange gestorben, der Vater irgendwo im Krieg. Die kleine Anna muss mit ihren noch kleineren Brüdern flüchten. Bis nach Kosakenberg. Sie kommen bei der Familie Wendler auf deren Hof unter. Anna muss dort hart schuften, aber sie dürfen bleiben. Ein fürchterliches Ereignis geschieht und infolgedessen muss die 14-jährige Anna den 20 Jahre älteren Friedrich heiraten, der aus seiner Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt ist. Aus der Ehe gehen drei Töchter hervor. Sabine Rennefanz erzählt die Geschichte ihrer Großmutter. Erst so viele Jahre später wird ein schreckliches Geheimnis aufgedeckt, dass die komplette Familiengeschichte umschreibt. Meine Meinung Es ist furchtbar, wie wenig wir teilweise über unsere Familien wissen. Was unsere Großeltern, oder Eltern durchmachen mussten. Was sie tun mussten. Unsereins kann sich das nicht mehr vorstellen. So viele schreckliche Dinge wurden gesehen, wurden gemacht. Fassungslos war ich nachdem ich fertig war mit diesem Buch. Es ergreift und man bekommt Mitleid. Ich habe tiefes Mitgefühl empfunden. Die Familiengeschichte umzuschreiben, die Wahrheit aufzudecken ist nicht leicht. Sabine Rennefanz hat mit ihrer Familie zu "kämpfen". Das, was selbstverständlich und normal war, ist nicht mehr. Die Geschichte wird neu aufgedeckt und verändert alles. Diesem Buch eine Wertung zu geben halte ich für sehr schwierig. Es ist eine wahre Geschichte. All das ist Geschehen. Daher möchte ich meine Meinung lediglich auf die Schreibweise beziehen. Rennefanz hat einen einfachen und leicht verständlichen Schreibstil. Sie springt zwischen den Zeiten umher, aber auch dies ist gut verständlich. Es tauchen sehr viele verschiedene Personen auf. Das Buch erfordert eine gewisse Konzentration, aber wer aufpasst, der versteht. Empfehlen kann ich das Buch allen, die sich für Nachkriegsgeschichten und wahre Erzählungen interessieren. Ich finde, dass es sehr viele Seiten dieser Zeiten beleuchtet. Für mich ein Schatz.

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  • Die Schattenseiten eines Krieges

    Die Mutter meiner Mutter

    Buecherseele79

    16. February 2016 um 10:18

    Warum war die Grossmutter immer so ohne Emotionen, kam mit ihrem Leben nicht zu Recht, hatte ein kühles Verhältnis zu ihren zwei Töchtern, aber die Älteste liebte sie über alles? Die Enkelin von Anna macht sich so ihre Gedanken über ihre Grossmutter und denkt oft an ihren Grossvater der nicht nur von der Enkelin heiss und innig geliebt wurde, sondern auch von seinen drei Töchtern. Doch dann ruft die Mutter an und meint sie hat ein Geheimnis über ihren Vater/den Grossvater herausgefunden. Und somit wird die Geschichte von Anna erzählt- ihr Vater wurde von russischen Soldaten verschleppt, sie musste mit ihren 3 Brüdern und Stiefmutter vor den Russen fliehen und findet Wochen später in Kosakenberg ihr neues Zuhause. Dort freundet sich Anna mit der Bauersfamilie Wendler an, kann bei ihnen leben und arbeiten und fühlt sich geliebt. Nur mit Friedrich- dem verschollenen Heimkehrer aus dem Krieg bzw. Gefangenschaft, nur mit ihm kann sie sich nicht anfreunden...sein Verhalten kommt ihr zu komisch und kühl vor, er macht ihr Angst... Die Autorin hat für mich ein sehr eindringliches Buch über die Schattenseiten des Krieges geschrieben. Über die Flucht, die Verschleppung von Menschen, die Qualen des Hungers, den Todes und der Angst. Dass Flüchtlinge in den neuen Gemeinschaften nicht gerne gesehen waren und auch was mit manch Heimkehrer aus dem Krieg/Gefangenschaft innerlich zerbrochen ist. Das Buch bzw. die Geschichte ist nichts für Zwischendurch und es lässt mich berührend zurück und zeigt auf- Krieg ist immer eine hässliche Sache in der viel verschwiegen wird was eigentlich aufgezeigt/angeklagt gehört! Ich spreche hier eine klare Leseempfehlung aus!

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  • Leserunde zu "Die Mutter meiner Mutter" von Sabine Rennefanz

    Die Mutter meiner Mutter

    SabineRennefanz

    Als der Krieg zu Ende ist, fängt für die vierzehnjährige Anna der Kampf erst an. Gemeinsam mit ihrer Stiefmutter und ihren zwei kleinen Brüdern flieht sie vor den Russen und macht sich auf den Weg nach Westen. Sie landet in Kosakenberg, einem Dorf in der sowjetischen Besatzungszone. Sie fängt an, als Magd bei einem Bauern zu arbeiten und ernährt so ihre Familie. 1949 kehrt ein längst verschollen geglaubter Knecht aus der Gefangenschaft auf den Hof zurück: Friedrich Stein. Anna hat vom ersten Tag Angst vor ihm – und doch muss sie ihn heiraten. Über die Umstände der Hochzeit wissen auch die Töchter, die aus der Ehe hervorgehen, viele Jahre nichts. Erst viele Jahre nach dem Tod des Vaters kommt ein Geheimnis ans Licht. Es ist eine brutale Geschichte - die allerdings zu der Zeit nicht selten war. Meine Großmutter war ein Flüchtling - wie die Menschen, die heute zu uns kommen. Für mich wecken die aktuellen Fernsehbilder Erinnerungen an die Geschichte meiner Großmutter, die mich schon mein Leben lang begleitet. In meinem Buch begebe ich mich auf Spurensuche und zeichne Annas Leben nach - vielleicht erkennen einige Leser Ähnlichkeiten mit ihren Müttern oder Omas. Wieso das, was vor siebzig Jahren passiert ist, heute wieder wichtig ist, habe ich im englischen Guardian erklärt : http://www.theguardian.com/commentisfree/2015/aug/03/germany-asylum-seekers-rightwing-attacks In einem vorab veröffentlichten Kapitel in der Berliner Zeitung wird die Flucht von Anna aus dem Dorf im Osten beschrieben: http://www.berliner-zeitung.de/literatur/-die-mutter-meiner-mutter--von-sabine-rennefanz-in-der-fremde-lauert-ein-dunkles-familiengeheimnis,10809200,31707082.html Gerne möchte ich mit euch die Diskussion weiterführen und lade deshalb zur Leserunde ein. 20 Bücher warten auf den Versand. Wer teilnehmen möchte, beantwortet einfach folgende Frage: Gibt es bei euch eine Fluchtgeschichte, die eure Eltern oder Großeltern geprägt hat? Bewerbungsschluss ist der 30. September. Ich bin gespannt auf eure Beiträge! Viele Grüße Sabine Rennefanz Hallo, ihr Lieben! Tausend Dank für die vielen spannenden, bewegenden, persönlichen Beiträge. Ich habe mich regelrecht festgelesen und war überwältigt, wie sehr das Thema Flucht und Krieg euch auch bewegt. Es fiel mir sehr schwer, aus den Bewerbungen nur zwanzig Gewinner auszuwählen. Ich habe versucht, eine Bandbreite an unterschiedlichen Hintergründen auszusuchen (Flucht nicht nur aus dem heutigen Polen, sondern auch aus anderen Ländern) sowie verschiedene Generationen zu repräsentieren, es sind auch Gewinner dabei, die gar keine Fluchtgeschichte zu erzählen hatten, die aber plausibel begründen konnten, warum dieses Thema für sie interessant ist. Alle, die nicht gewonnen haben: Bitte lest und diskutiert trotzdem mit! Und hier sind die Gewinner: Rosen-rot TochterAlice Bookgirl Honigmond Alasca Engineerwife Britta70 Buecherschmaus Goldstueck90 Lesebiene27 Tricksi Bettina243 Leselea MagicMoments Aspasia FamousNinchen Barbara62 Orfe1975 Hevalump Isa1011 Die Bücher stehen beim Luchterhand Verlag München für euch bereit und werden so schnell wie möglich versendet. Herzlichen Dank nochmal und viele Grüße Sabine Rennefanz Hallo, ihr Lieben, zum Abschluss der Runde nochmals ein großes Dankeschön von mir für die vielen spannenden Gedanken, Interpretationen, Fragen und Beiträge. Diese Leserunde, meine erste, war eine echte Bereicherung. Alles Gute, Sabine Rennefanz

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    • 276
  • Der Krieg und seine generationsübergreifenden Folgen

    Die Mutter meiner Mutter

    orfe1975

    27. January 2016 um 14:59

    Cover Das Cover zeigt einen Kranz aus Tannenzapfen. Auf den ersten Blick kühl und nichtssagend. Man verbindet damit einfaches Leben auf dem Lande, so wie es die Großmutter der Autorin auch gelebt hat. Der Kreis erinnert daran, dass sich die Geschichte wiederholt, da unbewusst die Erfahrungen von einer Generation zur nächsten weitergetragen werden. Inhalt: Sabine Rennefanz erzählt die Geschichte ihrer Großmutter Anna Stein aus ihrer Perspektive als Enkelin. Durch einen Dachbodenfund der Mutter wird ein lange gehütetes Familiengeheimnis aufgedeckt. Die Autorin erfährt, warum ihre Großeltern wirklich heirateten und welche schrecklichen Ereignisse der Hochzeit vorausgingen. So wie in Annas Fall gab es nach dem Krieg in vielen Familien Brutalität und Gewalt und fast immer wurde weggesehen oder geschwiegen. Mein Eindruck: Der Anfangssatz "Ich habe etwas über Deinen Großvater herausgefunden", den die Mutter der Autorin ihr am Telefon zuflüstert, versprach ein spannender Roman über ein bis dato gehütetes Familiengeheimnis zu werden. Jedoch wird dieser Satz in den ersten Kapiteln des öfteren wiederholt, wobei beschrieben wird, wie er der Autorin neben vielen nebensächlichen Gedanken, immer wieder im Kopf herum spukt. Dabei erfährt man erstmal nichts weiter als Leser. Grade diese Passage zu Beginn hat sich für meinen Geschmack etwas zu lange hingezogen und zeitweilig genervt, weil die Handlung so gar nicht voran kommen wollte. Dann wird endlich tiefer in die Geschichte eingestiegen und in kühlen, knapp gehaltenen Sätzen wird nach und nach die Flüchtlingsgeschichte der Großmutter von Frau Rennefanz beschrieben. Ab da ließ mich das Buch nicht mehr los. Durch die kurz gehaltenen Sätze und Abschnitte wird man dazu angehalten, immer weiter lesen zu wollen und so ist man schnell mit dem Inhalt durch. Anfangs hat mich die emotionslose Nüchternheit in der Sprache überrascht. Doch letztendlich passte sie zur Geschichte, die die Autorin auch nur mittelbar, größtenteils durch Erzählungen und Recherche in Erfahrung gebracht hat. Dadurch wird eine gewisse innere Distanz geschaffen, die hilft, die teilweise schlimmen Erlebnisse besser zu verarbeiten. Man nimmt sie auf, ohne zu (ver)urteilen. Dennoch wirken sie noch lange in einem nach, vor allem wenn man die aktuellen Meldungen zur Flüchtlingspolitik im Kopf dabei hat. Trotz der kurzen Sätze muss man konzentriert bei der Sache bleiben. Die Informationen erfolgen so kompakt, dass man leicht den Überblick verlieren kann, vor allem, da es immer wieder Perspektivenwechsel von der Ich-Erzählerin zu "meine Großmutter" gibt. Manchmal musste ich auch zurückblättern und nachlesen, weil ich merkte, dass ich den Faden verloren hatte. Zudem werden viele Personen aufgezählt, bei denen man sich fragt, ob sie für die weitere Handlung relevant sind oder nicht. Das hat mich teilweise etwas verwirrt. Insgesamt hat mich das Buch sehr aufgewühlt, teilweise auch etwas verstört/irritiert zurückgelassen. Als ich manche Dinge las, erschienen sie mir für sich genommen klar, aber im Nachgang konnte ich die vielen Gefühle und Gedanken, die zum Roman in mir hochstiegen, nicht so richtig ordnen und selbst mit einigem Abstand bin ich zwiegespalten, was dieses Buch betrifft. Die Handlung selber ist so, wie sie stattgefunden hat, das kann ich nicht bewerten. Die Darstellung der Geschichte war einfach nicht ganz nach meinem Geschmack, vielleicht mochte ich auch nicht Tatsache, dass ich nach dem Zuklappen des Buches meine Gefühle nicht einordnen konnte und so fiel mir eine Bewertung sehr schwer, ich habe aber jetzt halbwegs ein stimmiges Gefühl. Fazit: Gut recherchierte (Familien)Flüchtlingsgeschichte, sehr aufwühlend, manchmal irritierend und nur mit Konzentration zu lesen

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  • ✎ Sabine Rennefanz - Die Mutter meiner Mutter

    Die Mutter meiner Mutter

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    21. December 2015 um 15:37

    Ich möchte vorweg sagen, dass ich nicht die Geschichte an sich bewerte, denn es ist nichts Fiktives, sondern eine persönliche Erfahrung und ich maße mir nicht an, so etwas zu bewerten. Auf das Buch bin ich durch verschiedene Stellen aufmerksam geworden: Es lief eine Leserunde dazu, ich sah immer wieder Rezensionen aufblinken und es wurde mir als Tipp dargeboten, nachdem man sah, dass ich schon sehr viele Bücher zu dem Genre "Biographien und Erfahrungen" gelesen habe. Meine Erwartungen an "Die Mutter meiner Mutter" waren sehr gering, denn gerade in diesem Genre ist für mich eine Bewertung immer sehr schwierig, da ich nicht den Menschen persönlich angreifen / bewerten möchte und auch nicht die Story, die hier dargeboten wird. Sabine Rennefanz hat für mich einen sehr klaren Erzählstil. Sie springt in den Zeiten hin und her, aber nicht so, dass ich verwirrt wurde dadurch. Es tauchen nach und nach sehr viele Namen auf, die es nicht immer leicht machten, dem Geschehen zu folgen. Das heißt, man kann sich nicht immer mal zwischendurch an die Geschichte setzen, sondern sollte schon konzentriert bei der Sache sein. Außerdem beschreibt sie Situationen so bildhaft, dass ich manches Mal dachte, ich befinde mich direkt neben der entsprechenden Person. Für mich kamen nur die Emotionen hier ein bisschen schwach rüber, was vielleicht auch daran liegt, dass die Autorin größtenteils die Geschichte ihrer Großmutter erzählt. Aber auch in den Passagen, die sie sich selbst widmet, bekam ich nichts von ihren Gefühlen mit. Das Geschehen ist für mich ein bisschen nüchtern erzählt, dabei habe ich hier große Gefühle erwartet, da es ja ein wirklich interessantes und brisantes Thema ist. Das Einzige, was Sabine Rennefanz bei mir schaffte, war, dass bei mir selbst Fragen auftauchten, die ich leider nicht mehr an entsprechender Stelle stellen kann; dass ich mir noch mehr Gedanken um die Generationen vor mir machte und mich einmal mehr fragte: "Wie hat meine Uroma gelebt und wie hat sie den Krieg überlebt?" Durch aktuelle Ereignisse ist dieses Buch vielleicht auch ein Denkanstoß.

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  • Eine gefühlvolle Erzählung über die Vergangenheit lieber Menschen

    Die Mutter meiner Mutter

    lesebiene27

    Inhalt: Als Flüchtling macht sich die 14-jährige Anna zum Ende des zweiten Weltkriegs zusammen mit ihren Stiefbrüdern und der Stiefmutter auf den Weg nach Westen, bis sie in einem kleinen Dorf namens Kosakenberg landen, das später zur Sowjetischen Besatzungszone und der DDR gehört. Angekommen werden die Fremden misstrauisch beäugt, doch das Mädchen findet bald darauf eine Stelle als Magd bei der Familie Wendler, die sie bei sich aufnehmen. Das Buch erzählt in Rückblicken die Geschichte der kleinen Anna, die ihre Heimat und ihren Vater aufgeben musste, um in Kosakenberg ein Unheil zu erfahren, das auch Jahrzehnte später die Familie in Form der Kinder und Enkelkinder lange Zeit beschäftigen wird.   Meine Meinung: Das autobiografische Buch beginnt gleich auf der ersten Seite spannend mit der Aussage der Mutter „Ich habe etwas über deinen Großvater herausgefunden“, wodurch man als Leser sofort in die Geschichte hineingeworfen wird. Man erfährt recht bald, was die Mutter herausgefunden hat, doch bevor der Leser sich ein Urteil über das Erzählte bilden kann, berichtet die Autorin eindrücklich von der kleinen Anna und ihrem Leben. Der Sprachstil ist dabei - wie auch der Buchtitel schon andeutet - zwar distanziert, was ich für die schwierige Thematik als sehr positiv empfunden habe, doch so facettenreich, anschaulich und lebendig, dass ich mit Anna mitgefühlt habe. Das Buch hat mich auf eine Weise gefesselt, dass die Seiten nur so dahingeflogen sind und mein Entsetzen und mein Mitgefühl mit jeder Seite gewachsen sind. Allein die zwischenzeitlichen Erklärungen der Autorin oder die Erläuterung ihrer eigenen Gefühle haben wieder dazu geführt, dass ich mir als Leser vor Augen geführt habe, dass diese Geschichte nicht fiktiv sondern autobiografisch ist. Auch haben sie auf eine sehr angenehme und durchaus wünschenswerte Weise die Spannung aus der Handlung genommen, sodass ich wieder aufatmen und das Buch für einen Moment beiseitelegen konnte. Auf mich wirkte das Buch nicht in der Hinsicht spannend, dass ich unbedingt wissen wollte, was als nächstes geschah, sondern so emotional fesselnd, weil ich mich gefragt habe, wie aus dem kleinen Mädchen, das so neugierig wirkte, eine verhärmte Frau werden konnte, wie sie die Autorin am Anfang beschrieben hat. Der Aufbau des Buches hat mir sehr gut gefallen. Zunächst wurde erst der Großvater dargestellt, wie ihn die Autorin selbst gesehen hat, dann die Großmutter. Im Anschluss wird die Geschichte der kleinen Anna erzählt, die einen Bogen über ihre Jugend schlägt und abschließend einen Blick auf die Großmutter wirft, nachdem man die ganze Geschichte erfahren hat. Wichtig fand ich vor allem in dem Buch, dass man als Leser kaum eine Bewertung der Ereignisse während des Berichtens erfährt, sondern lediglich in den Zwischenteilen, die gefühlvoller gestaltet sind eine Meinung erkennbar wird. Fazit: Mir persönlich ist die Geschichte der „Mutter meiner Mutter“ sehr nah gegangen und hat mich lange Zeit emotional bewegt und nachdenklich zurückgelassen. Das Buch bekommt von mir eine klare Leseempfehlung mit dem Verweis, dass man sich als potentieller Leser für Geschichte und dramatische Familienereignisse interessieren sollte. Ich möchte dem Buch von Sabine Rennefanz hiermit 5 von 5 Sternen geben.

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    • 8
  • Das große Schweigen

    Die Mutter meiner Mutter

    Buecherschmaus

    Es ist eine zu oft verschwiegene Geschichte. Sie handelt von Flucht, von Vertreibung, vom Ankommen in der Fremde und dort nicht willkommen Sein. Sie handelt davon, wie man sich einrichtet und wie man vergisst, verdrängt, um zu überleben, um weiterzumachen, zu funktionieren, auch wenn das Grauen tief sitzt. Sie handelt vom spezifischen Leid der Frauen, vom Zurandekommen ohne Männer, von der Sorge um das tägliche Überleben, dem Verlust von Kindern, die man nicht retten konnte und von der eigenen körperlichen Unversehrtheit, die man nicht verteidigen konnte in einer brutalisierten Welt, die von der Stärke der Männer geprägt wurde, auch wenn sie von den Frauen am Laufen gehalten wurde. Ja, diese Geschichte handelt vom Krieg. Es ist das Jahr 1945, in dem der Vater der Protagonistin Anna von den Russen auf Nimmerwiedersehen abgeholt wird und die Stiefmutter mit ihr und den jüngeren Halbgeschwistern die lange, gefährliche Flucht nach Westen antritt, sie dort auf einem Hof ungnädig Aufnahme finden, Anna eine gute Stelle als Magd findet, von der Zukunft als Lehrerin träumt und doch durch einen Akt der Gewalt, gegen den sie sich genauso wenig zu wehren weiß wie gegen alles was danach geschieht, in eine unglückliche Ehe mit dem Kriegsheimkehrer Friedrich gedrängt wird. Es ist eine persönliche Geschichte, denn es ist die Geschichte der Großmutter der Autorin Sabine Rennefanz. Sie geht ihr nach, nachdem ihre Mutter das wohl gehütete Geheimnis der Familie erfahren hat. Sie geht ihr nach, weil diese Geschichte den bewunderten, den sehr geliebten Großvater und die "seltsame" Großmutter in einem ganz anderen, neuen Licht erscheinen lassen. Weil die Enkelin die sofort einsetzenden Verdrängungsmechanismen - man will sich den Vater, den Großvater, die eigene Vergangenheit nicht nehmen lassen - nicht akzeptieren will. Weil dies eben nicht nur eine persönliche Geschichte ist, sondern eine, die so ähnlich in vielen Familien ruht. Mögen die Umstände und Begebenheiten auch ganz andere sein, das große Schweigen betraf eine ganze Generation nach dem Krieg. Und während sich die Söhne in den Siebzigern und Achtziger Jahre ausgiebig mit ihren Vätern, vor allem ihrer Schuld auseinander gesetzt haben, ist diese Auseinandersetzung von den Töchtern mit ihren Müttern, die auch über so vieles geschwiegen haben, nicht im gleichen Maße erfolgt. Das mag auch daran liegen, dass das Sprechen über eigene Opfer, über das Leid von Flucht und Vertreibung lange Zeit nur von ein paar Ewiggestrigen gepflegt wurde, die restliche Gesellschaft dies fast als Tabu betrachtete. Gerade in der DDR, in der sich die Geschichte abspielt, war dieses Erinnern, gerade auch was das durch sowjetische Soldaten verübte Unrecht betrifft, verpönt. Der Autorin gelingt damit auch ein Einblick in die Nachkriegsmentalität dieses Teils Deutschlands. Es ist wichtig, dass nun eine Generation der EnkelINNEN dies nachholt. Sabine Rennefanz tut das im vorliegenden Buch auf ganz besonders eindrückliche Weise. Ihrem klaren, sachlichen Ton merkt man ihre Laufbahn als Journalistin an. Sie lässt den Leser teilhaben an ihrem Erkenntnisprozess, an ihrer Suche nach, aber auch ihrer Scheu vor der Wahrheit. Gerade durch diesen unpathetischen Stil berührt die Autorin um so mehr, spricht auch eigene Erfahrungen der LESERINNEN an, mögen diese auch ganz anders gelagert sein. Und holt eine Geschichte heraus aus dem Vergessen, die wie so viele gerade aus oder nach dem Krieg eine verschwiegene gewesen wäre.

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    • 5
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