Die Mutter meiner Mutter

von Sabine Rennefanz 
4,3 Sterne bei46 Bewertungen
Die Mutter meiner Mutter
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Positiv (39):
L

Sehr spannend geschrieben, diese wahre Geschichte lässt einen aufgewühlt u sprachlos das Buch zuklappen.

Kritisch (1):
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also die Oma. Ein Namenswirrwarr auf 250 Seiten. Schade. Gute Idee holprig umgesetzt und das Offensichtlichekünstlich in die Länge gezogen.

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Inhaltsangabe zu "Die Mutter meiner Mutter"

Als der Krieg zu Ende war, fing für die 14-jährige Anna der Kampf erst an. Ihre Mutter tot, ihr Vater von den Russen verhaftet. Sie flüchtet nach Westen in ein Dorf in der sowjetischen Besatzungszone. 1949 kehrt Friedrich Stein aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft zurück, ein gebrochener Mann. Eines Abends überfällt er Anna auf dem Dachboden des Hauses, sie wird schwanger. Man zwingt Friedrich, Anna zu heiraten. Das ganze Dorf weiß von dem Verbrechen, die Kinder aber sollen nie davon erfahren. Auch nach Friedrichs Tod hält Anna ihr Schweigen aufrecht. Warum? Und was macht die Wahrheit mit den Töchtern und Enkelinnen, als sie sie schließlich erfahren?

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783442715404
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:256 Seiten
Verlag:btb
Erscheinungsdatum:11.09.2017

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Rezensionen und Bewertungen

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    Huebners avatar
    Huebnervor 4 Monaten
    Kurzmeinung: also die Oma. Ein Namenswirrwarr auf 250 Seiten. Schade. Gute Idee holprig umgesetzt und das Offensichtlichekünstlich in die Länge gezogen.
    Eine wenig spannende, vorhersehbare Familienchronik

    Ein viel versprechendes Cover und ein Plot ganz im Sinne der modischen Familiengeschichten und wieder irgendein dunkles Geheimnis, dessen Aufklärung zutage bringt, dass das Familienidyll gar keines ist und alles anders als man denkt.
    Sabine Rennefanzens "Die Mutter meiner Mutter" reiht sich in die Masse von Nachkriegs-Familiengeschichtenbewältigungsschmöker und bleibt doch nur farblos.
    Auf 250 Seiten beschreibt die Autorin die Jugend ihrer Oma Anna, die als Ostflüchtling in ein - wohl- brandenburgisches Dorf "Kosakenberg" kommt. Dort als Magd bei ihrer "Ziehmutter" Amalie arbeitet. Es folgen ungezählte Dorfanekdoten mit Leuten mit viel zu vielen ähnlich klingenden Namen. Die Autorin versucht einen Spannungsbogen mittels zweier Handlungsstränge: einerseits aus Sicht der Ich-Erzählerin (non-fiktive Enkelin oder autobiografisch?) in der Gegenwart, andererseits aus Annas Sicht, verquirlt dabei die Erzählhaltungen, sodass man (also ich) häufig einen Absatz mehrmals lesen muss, um das Subjekt und die Erzählzeit zu erkennen. Das macht dieses schmale Buch für mich zu einem Wälzer.
    Schade.
    Eine gute Idee, ein Spitzencover, aber eine Mühsal, Annas vorhersehbares (und logisches) "Geheimnis" zu lüften.

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    MadameFlamussevor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Ein Buch was sich trotz schrecklicher Geschichte gut lesen läßt und sehr berührend ist. Eines meiner Lieblingsbücher zur Kriegsenkelthematik
    Eine Kriegsenkelinnengeschichte

    Auf das Buch war ich sehr gespannt. Vor einiger Zeit habe ich auch „Eisenkinder“ gelesen was mir zuerst nicht so gefallen hatte, dann aber Seite um Seite mehr. „Die Mutter meiner Mutter“ habe ich sozusagen gefressen. In 2 Tagen durchgelesen. mich hinein gestürzt, die Geschichte aufgesogen.

    Die Geschichte hat im Grunde nicht so viel mit mir selbst zu tun aber irgendwie doch, so als Kriegsenkelin, die hier Parallelen findet zu den Menschen in Ihrem Leben. Solche Geschichten zu lesen, vor allem solche aus dem Osten von Deutschland ist schon auch eine Suche nach eigenen Antworten.

    ***

    An sich wäre alles schnell erzählt – ist es aber nicht, es bleibt insgesamt vieles offen auch auf die Frage warum es „Die Mutter meiner Mutter heißt“ anstatt meine Oma oder so. Daran störe ich mich aber nicht, denn um gewisse Dinge erzählen zu können braucht es Abstand zu den Dingen .

    Eine Buchhändlerin, die hin und wieder Lesungen anbietet, sprach ich auf dieses Buch an und ob das nicht mal eine schöne Einladung wäre, die Sabine Rennefanz. Die Buchhändlerin meinte, wer will schon zu einer Veranstaltung kommen wo es um die Geschichte der Vergewaltigung der eigenen Großmutter geht. Diese Antwort hat mir ein wenig die Sprache verschlagen, denn dies so auszudrücken wird weder dem Buch gerecht noch der Thematik, die eben soviel weiter greift. Und wenn Sie es schon so auf den Punkt benennen will, wie sehr hat doch Gewalt an Frauen uns alle geprägt? Wie sehr sitzt diese Gewalt in unseren Genen? Wie sehr die Angst und der Schmerz? Und wie wichtig sind deshalb genau solche Bücher? Und wie wichtig ist es dies auch in die Öffentlichkeit zu bringen!

    Wenn schlimme Dinge passieren sind diese nicht einfach vorbei, und genau darum geht es in diesem Buch. Das was passiert, ist sehr sehr lange ein Geheimnis und im nachhinein zieht die Autorin vielleicht so etwas wie ein Resümee, im Versuch der Erzählung, die ich immer als ein tasten und suchen empfunden habe, als ein vorsichtig sein, achtsam und bedächtig. Aber genauso finde ich auch einen Willen zur Wahrheit, ein verstehen wollen und sich annähern, genauso wie ein sich neu finden in der Verortung innerhalb der Familienkonstellation, die ja nach dem Lüften des Geheimnisses eine andere ist. Und wie es vielleicht manche Kinder und Enkel von Tätern erleben – dieser Schock, das die geliebte oder gedacht gekannte Person eben auch jemand ganz anderes war.

    Was wissen wir Kinder und Kindeskinder schon? Das meiste was wir wissen, wissen wir doch aus den Erzählungen, wenn denn überhaupt erzählt wird. Wieviel wird sich automatisch zusammengereimt aus kleinsten Andeutungen und kleinen Fragmenten um die herum man eine Geschichte wachsen läßt. Vermutlich der Ordnung halber? Oder um sich daran festzuhalten? Um nicht ewig im suchen zu schwimmen?

    Wie schwer ist es sich dem Unglück der Vorfahren zu stellen, wie viel schwerer noch sich den Taten der Täter in der eigenen Familie.

    Der Großvater kam damals aus der russischen Gefangenschaft zurück…  auch einer meiner Großonkels kam von dort wieder, sehr spät, so wie auch der Friedrich Stein, mit dem man schon gar nicht mehr rechnete. Seine Möbel waren verschenkt und in seinem Haus lebten Flüchtlinge…

    Sabine Rennefanz scheint mir soviel zu erzählen wie nötig aber nie mehr. Es bleibt viel Spielraum. Es wird viel in Andeutungen geschrieben, nichts schreckliches ausgesprochen. Und ist nicht gerade das die Stimmung die man auch kennt? Und die einem wenig Halt gibt? …die es auch aushaltbar machen.

    Die Andeutungen reichen, und sind vielleicht auch gerade gut weil Raum bleibt für die eigene Geschichte. Das sind doch immer die besten Bücher, also die, in denen man sich selbst ein Stück weit wiederfindet. Und auch ist das schlimme doch gerade wenn es einen selbst betrifft, nicht immer gut aussprechbar, zumindest geht es mir so, und das finde ich auch gut so, da es schützt vor einer weiteren Entblößung.

    Und eins wird klar, wie sehr die Vergangenheit, auch wenn sie geheim war, unser Leben heute prägt. Die Menschen prägt und die Art wie Sie leben. Ich bin so vertieft gewesen das ich mit meinen Markierungen gerade nicht viel anfangen kann und von daher hier auch nichts zitieren möchte.

    Die 3 Töchter von Friedrich weinen zusammen als er gestorben ist – das fand ich sehr ergreifend und schön, die Mutter der Mutter räumt alles aus dem Haus was Friedrich gehört hat…

    Das Buch spielt heute und gestern – an beiden Orten könnte man den Eindruck haben das von verschiedenen Personen die Rede ist, doch nur zusammen ist verständlich um was es geht.  Es muß ein großer Schmerz gewesen sein für die Autorin, aber ich denke es ist auch sehr sehr heilsam darüber zu schreiben und die Geschichte zu erzählen.

    Das Buch hat mich sehr berührt. Die Umschlaggestaltung passt ganz wunderbar und ganz hinten auf dem Einschlag findet sich ein wirklich besonderes Foto der Autorin was ich mir lange angeschaut habe, wir sind fast derselbe Jahrgang.  „Die Mutter meiner Mutter“ empfinde ich ähnlich wichtig wie „Die Mittagsfrau„, es läßt sich aber leichter lesen und hinterläßt auch ein bisschen mehr Hoffnung. Diese Bücher sind auch eine Geschichte der Frauen. Und wir Enkelinnen spüren den Schmerz, nicht wie unsere Mütter die verdrängen, abspalten, nicht wissen wollen, so tun als ob und funktionieren, und trotzdem alles an uns weitergegeben haben. Negieren hilft nicht, das ist klar, zumindest uns. Und doch ist gerade das eben auch eine Folge des Traumas das Dinge getrennt sind die ohne das Trauma eine Einheit bilden würden.

    Erzählte Geschichte. Die Politik der Kriege und der Unmenschlichkeit, wie Sie sich wiederfindet in den Familien, das wird einem klar mit solchen Büchern. Ich empfinde dieses erzählen als essentiell für die deutsche Identität, auch für die Identität als Frau, denn ich bin auch alle meine Ahninnen, Sie sind alle in mir. Es spielt eine Rolle woher wir kommen.

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    MadameFlamusses avatar
    MadameFlamussevor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Ein Buch was sich trotz schrecklicher Geschichte gut lesen läßt und sehr berührend ist. Eines meiner Lieblingsbücher zur Kriegsenkelthematik
    Wie schwer ist es sich dem Unglück der Vorfahren zu stellen?

    Auf das Buch war ich sehr gespannt. Vor einiger Zeit habe ich auch “Eisenkinder” gelesen was mir zuerst nicht gefallen hatte, dann aber Seite um Seite mehr. “Die Mutter meiner Mutter” habe ich sozusagen gefressen. In 2 Tagen durchgelesen. mich hinein gestürzt, die Geschichte aufgesogen. Die Geschichte hat im Grunde nicht so viel mit mir selbst zu tun aber irgendwie doch, so als Kriegsenkelin, die hier Parallelen findet zu den Menschen in Ihrem Leben. Solche Geschichten zu lesen, vor allem solche aus dem Osten von Deutschland ist schon auch eine Suche nach Antworten.
    Die Geschichte an sich wäre schnell erzählt – ist Sie aber nicht, und es bleibt auch insgesamt vieles offen auch auf die Frage warum es “Die Mutter meiner Mutter heißt” anstatt meine Oma oder so. Daran störe ich mich aber nicht, denn um gewisse Dinge erzählen zu können braucht es Abstand zu den Dingen . Eine Buchhändlerin die hin und wieder Lesungen anbietet sprach ich auf dieses Buch an und ob das nicht mal eine schöne Einladung wäre, die Sabine Rennefanz. Die Buchhändlerin meinte, wer will schon zu einer Veranstaltung kommen wo es um die Geschichte der Vergewaltigung der eigenen Großmutter geht. Diese Antwort hat mir ein wenig die Sprache verschlafen, denn dies so auszudrücken wird weder dem Buch gerecht noch der Thematik, die eben soviel weiter greift. Und wenn Sie es schon so auf den Punkt bennenen will, wie sehr hat doch Gewalt an Frauen uns alle geprägt? Wie sehr sitzt diese Gewalt in unseren Genen? Wie sehr die Angst und der Schmerz?

    Wenn schlimme Dinge passieren sind diese nicht einfach vorbei, und genau darum geht es in diesem Buch. Das was passiert, ist sehr sehr lange ein Geheimnis und im nachhinein zieht die Autorin vielleicht so etwas wie ein Resümee im Versuch der Erzählung, die ich immer als ein tasten und suchen empfunden habe, als ein vorsichtig sein, achtsam und bedächtig. Aber genauso auch finde ich einen Willen zur Wahrheit, ein verstehen wollen und sich annähern, genauso wie ein sich neu finden in der Verortung innerhalb der Familienkonstellation die ja nach dem Lüften des Geheimnisses eine andere ist. Und wie es vielleicht manche Kinder und Enkel von Tätern erleben – dieser Schock das die geliebte oder gedacht gekannte Person eben auch jemand ganz anderes war.

    Was wissen wir Kinder und Kindeskinder schon? Das meiste was Wir wissen, wissen wir doch aus den Erzählungen, wenn denn überhaupt erzählt wird. Wieviel wird sich automatisch zusammengereimt aus kleinsten Andeutungen und kleinen Fragmenten um die herum man eine Geschichte wachsen läßt. Vermutlich der Ordnung halber? Oder um sich daran festzuhalten? Um nicht Ewig im suchen zu schwimmen?

    Wie schwer ist es sich dem Unglück der Vorfahren zu stellen, wie viel schwerer noch sich den Taten der Täter in der eigenen Familie.

    Der Großvater kam damals aus der russischen Gefangenschaft zurück… auch einer meiner Großonkels kam von dort wieder, sehr spät, so wie auch der Friedrich Stein, mit dem man schon gar nicht mehr rechnete. Seine Möbel waren verschenkt und in seinem Haus lebten Flüchtlinge…

    Sabine Rennefanz scheint mir soviel zu erzählen wie nötig aber nie mehr. Es bleibt viel Spielraum. Es wird viel in Andeutungen geschrieben, nichts schreckliches ausgesprochen. Und ist nicht gerade das die Stimmung die man auch kennt? Und die einem wenig Halt gibt? Die Andeutungen reichen und sind vielleicht auch gerade gut weil Raum bleibt für die eigene Geschichte. Das sind doch immer die besten Bücher, also die in denen man sich Selbst ein Stück weit wiederfindet. Und auch ist das schlimme doch gerade wenn es einen Selbst betrifft nicht immer aussprechbar, zumindest geht es mir so, und das finde ich auch gut so, das es schützt vor einer weiteren Entblößung.

    Und eins wird klar, wie sehr die Vergangenheit, auch wenn Sie geheim war, unser Leben heute prägt. Die Menschen prägt und die Art wie Sie leben. Ich bin so vertieft gewesen das ich mit meinen Markierungen gerade nicht viel anfangen kann und von daher hier auch nichts zitieren möchte.

    Die 3 Töchter von Friedrich weinen zusammen als er gestorben ist – das fand ich sehr ergreifend und schön, die Mutter der Mutter räumt alles aus dem Haus was Friedrich gehört hat…

    Das Buch spielt heute und gestern – an beiden Orten könnte man den Eindruck haben das von verschiedenen Personen die Rede ist, doch nur zusammen ist verständlich um was es geht. Es muß ein großer Schmerz gewesen sein für die Autorin, aber ich denke es ist auch sehr sehr heilsam darüber zu schreiben und die Geschichte zu erzählen.

    Das Buch hat mich sehr berührt. Die Umschlaggestaltung passt ganz wunderbar und ganz hinten auf dem Einschlag findet sich ein wirklich besonderes Foto der Autorin was ich mir lange angeschaut habe, wir sind fast derselbe Jahrgang. “Die Mutter meiner Mutter” empfinde ich ähnlich wichtig wie “Die Mittagsfrau“, es läßt sich aber leichter lesen und hinterläßt auch ein bisschen mehr Hoffnung. Diese Bücher sind auch eine Geschichte der Frauen. Und wir Enkelinnen spüren den Schmerz, nicht wie unsere Mütter die verdrängen, abspalten, nicht wissen wollen, so tun als ob und funktionieren und trotzdem alles an uns weitergegeben haben. Negieren hilft nicht, das ist klar, zumindest uns. Und doch ist gerade das eben auch eine Folge des Traumas das Dinge getrennt sind die ohne das Trauma eine Einheit bilden würden.

    Erzählte Geschichte. Die Politik der Kriege und der Unmenschlichkeit, wie Sie sich wiederfindet in den Familien, das wird einem klar mit solchen Büchern. Ich empfinde dieses Erzählen als essentiell für die deutsche Identität, auch für die Identität als Frau, denn ich bin auch alle meine Ahninnen, Sie sind alle in mir. Es spielt eine Rolle woher wir kommen.

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    buecherwurm1310s avatar
    buecherwurm1310vor einem Jahr
    Die Auswirkungen des Krieges

    In diesem Buch erzählt Sabine Rennefanz die Geschichte ihrer Großmutter Anna.

    Annas Mutter ist bereits tot und ihr Vater wurde von den Russen gefangen genommen. Dann muss Anna mit ihrer Stiefmutter und den Brüdern aus ihrem Heimatort Richtung Westen fliehen. In Kosakenberg, einem kleinen Ort, bleiben sie dann und Anna kommt bei der Familie Wendler als Magd unter.

    Dann kehrt Friedrich Stein aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft in sein Heimatdorf zurück. Seine Mutter und seine Frau sind nicht mehr, in seinem Haus wohnen andere. Eines Tages vergewaltigt er Anna auf dem Dachboden. Da sie schwanger wird, zwingt man Anna und Friedrich zu heiraten. Doch damit ist die Sache für Anna nicht beendet. Sie schweigt über das Geschehen und verschließt sich.

    Sabine Rennefanz erfährt von ihrer Mutter am Telefon, dass diese etwas über den Großvater erfahren hat. Für sie bricht eine Welt zusammen. Ihr geliebter Großvater, den sie so verehrte und um den sie immer noch trauert, soll ein solches Verbrechen begangen haben. Sie kennt ihn nur freundlich, während ihre Großmutter immer unnahbar war.

    So nach und nach erfahren wir die Geschichte dieser Familie. Der Großvater hat während des Krieges und in Sibirien Furchtbares erlebt, aber auch Anna hat auf der Flucht schlimme Dinge erlebt, die kein Kind erleben sollte. Als ihr dann noch dort, wo sie eine neue Heimat gefunden hat, Schreckliches angetan wird, mauert sie sich ein. Sie will ihre Töchter und Enkelinnen schützen. Doch dann kommt doch noch heraus, was passiert ist. Wie kann man damit leben, wenn man es erfährt? Wie konnte Anna all das ertragen ohne mit jemandem darüber zu reden?

    Die Autorin erzählt eine sehr persönliche Geschichte und stellt uns die unterschiedlichen Sichtweisen dar. Dieses Buch zeigt die hässlichen Flogen des Krieges und dass die Traumata noch Generationen später zu spüren sind. Es ist eine Geschichte, die berührt, die erschreckt und einen nicht kalt lässt.

    Einen lesenswertes Buch, das einen nachdenklich stimmt.

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    UlrikeG-Ks avatar
    UlrikeG-Kvor einem Jahr
    Eine Gewalttat und ihre generationsübergreifenden Auswirkungen

    Sabine Rennefanz erzählt die Geschichte ihrer Großmutter Anna, die nach dem Krieg als Heimatvertriebene in einem kleinen Ort in der sowjetischen Besatzungszone landet, den sie nie mehr verlassen sollte, obwohl er ihr zu keinem Zeitpunkt ihres Lebens zur Heimat wurde.
    Die Enkelin erinnert sich an die Großmutter als harte Frau, die nie Nähe zuließ, und von ihrer Mutter, Annas Tochter, weiß sie, dass sie auch als Mutter nicht dem landläufigen Ideal entsprach, denn sie schlief gerne lange, kochte nicht für ihre Kinder und ließ sie nicht selten schmutzig zur Schule gehen. Das Verhältnis zu ihr blieb distanziert!
    Der Großvater jedoch, Annas Mann, treusorgend er, wurde nicht nur von seinen Töchtern verehrt sondern auch die Enkelin hat ihn in liebevoller Erinnerung. Bis eines Tages, bereits nachdem der Großvater gestorben war, der Mutter der Autorin Ungeheuerliches über den geliebten Vater zu Ohren kommt, das sie sehr zögerlich mit ihrer Tochter teilt und das diese die Vergangenheit der Großeltern in einem neuen, verstörenden Licht sehen lässt...

    So steht also ein Familiengeheimnis im Mittelpunkt der Geschichte, dem die Autorin langsam auf den Grund kommt.
    Auf ihrer Spurensuche lernt sie mehr über ihre Großeltern, vor allem über ihre Großmutter, die ihrer Familie so fern  und doch auf seltsame Art eine verlässliche Konstante in ihrer aller Leben war, da sie einfach immer da war.
    Sabine Rennefanz erfährt von Annas Jugendzeit im heutigen Polen, von der Vertreibung der deutschstämmigen Bevölkerung am Ende des Krieges, zu der auch Annas Familie gehörte, von den ersten Jahren in dem Dorf, in das es die Großmutter, ihre Stiefmutter und zwei kleine Brüder verschlagen hatte und in dem sie sich, erst vierzehnjährig, als schwerarbeitende Magd verdingen musste.
    Und schließlich erfährt die Autorin auch den Grund für das merkwürdig distanzierte Verhältnis der Großeltern, für ihre von gegenseitiger Abneigung, ja sogar von Hass geprägten Ehe.

    Doch gleichzeitig nähert sie sich der Großmutter an, die sie neu kennen- und immer besser verstehen lernt, je mehr Einzelheiten aus ihrem Leben und dem unaussprechlichen Vorfall zwischen den Großeltern ans Tageslicht kommen.
    Es handelt sich dabei um eine Gewalttat, die beim Leser sicherlich eine Menge Fragen aufwirft und auch Unverständnis hervorrufen mag.
    Wie konnte dieses Unrecht so lange vertuscht werden, wie konnte es ohne Folgen bleiben für den Schuldigen? Die Antwort ist so unspektakulär wie auf der Hand liegend und erklärt sich aus der Zeit vor 70 Jahren, als noch andere Moralvorstellungen herrschten als heute, als die Menschen, die während des Krieges und auch danach vielfach dem Tod entronnen waren, weit Schlimmeres erlebt hatten und in der das Überleben an sich wichtig war.
    Zudem war Anna ein ungeliebter Flüchtling, ohnehin von den Dorfbewohnern misstrauisch beäugt. Wer hätte ihr geglaubt, wär hätte ihre Partei ergriffen?

    Anna, das Opfer, hat nach der Vergewaltigung einfach alle Hoffnungen auf einen Neuanfang, auf ein besseres Leben begraben, hat sich zurückgezogen in ihre eigene Welt, schweigsam, unnahbar und ließ dadurch zu, dass ihr Erlebnis Schatten auch auf ihre Nachkommen warf, die von immer wiederkehrenden Ängsten geplagt werden, ja sogar die gleichen Albträumen haben.
    Und erst gegen Ende ihres Lebens, nachdem die Wahrheit ans Tageslicht gekommen ist und die Großmutter ihre verlorene Heimat noch einmal wiedersieht, weicht der harte Panzer auf, wird die Großmutter zugänglich und so mitteilsam, wie sie es nie zuvor gewesen ist....

    All dies erzählt Sabine Rennefanz in ruhiger, unaufdringlicher, undramatischer Sprache - ein Stück Gegenwartsgeschichte, deren Erinnerung es zu bewahren und auch in den folgenden Generationen aufzuarbeiten gilt.

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    miriamBvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein Buch über Verluste und Ängste, über Scham und die Folgen für alle weiteren Generationen! Lesenswert!
    Ein Frauenschicksal ...

    Sabine Rennefanz erzählt die dramatische Geschichte ihrer Großmutter Anna. Sie wurde als Kind aus ihrer Heimat vertrieben, war monatelang auf der Flucht und landete schließlich in dem kleinen Ort Kosakenberg. Dort wird sie den größten Teil ihres Lebens verbringen: sie heiratet, eine Familie wird gegründet. Der Großvater ist freundlich, lustig und für Sabine ein wirkliches Vorbild. Die Großmutter dagegen ist eher unnahbar und distanziert. Aber Sabine und ihre Mutter erfahren so nach und nach die wahre Geschichte ihrer Familie, die grausamen Geheimnisse, die hinter dem befremdlichen Verhalten der Großmutter stehen. Geheimnisse, die das bisherige Bild der eigenen Familie völlig auf den Kopf stellen.

    Der Stil der Autorin ist klar und unkompliziert. Die einzelnen Situationen werden bildhaft und genau beschrieben und mehrfache Perspektivenwechsel erlauben es dem Leser, die Standpunkte von Sabine, ihrer Mutter und ihrer Großmutter besser zu verstehen.

    Es ist eine wahre und sehr persönliche Geschichte, die uns die Autorin da erzählt. Eine Geschichte über Leiden, Gewalt und Scham, aber auch über die Kraft des Überlebens und die manchmal sehr versteckten Beweise für Liebe!

    Lesenswert!

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    kessis avatar
    kessivor einem Jahr
    Die Vergangenheit kann schrecklich sein

    " Die Mutter meiner Mutter " von Sabine Rennefanz ist ihre Aufarbeitung der Vergangenheit von Anna, Sabines Großmutter. 

    Nach sechs Jahren des Krieges rückt die Front immer näher, und plötzlich, eines Morgens ist Wilhelm ( Annas Vater ) weg. Von den Russen abgeführt, er wird nie wieder kommen.Anna, ihre Stiefmutter sowie ihre Stiefbrüder müssen nun Hals über Kopf aus ihrem geliebten Heimatort fliehen. Bis sie in Kosakenberg ankommen, werden Wochen vergehen.In Kosakenberg werden sie immer die Fremden bleiben , man wird ihnen mit Misstrauen bis hin zur Feindseligkeit begegnen.Wie sich nun nach fast 60 Jahren herausstellt, waren  die Grauen  mit Beendigung des Krieges für Anna nicht beendet. In Kosakenberg angekommen, wird sie kurze Zeit später bei den Wendlers, einem netten Ehepaar in Kosakenberg, unterkommen und als Magd ihren Dienst tun. Dort erscheint eines Tages Friedrich Stein, der es geschafft hat die Gefangenschaft in Sibirien zu überleben. Gleich bei ihrer ersten Treffen sieht Anna in dem zwanzig Jahre älteren Friedrich seinen Augen nur Kälte und Härte und sie beschleicht ein Gefühl der Angst. Aber durch eine verhängnisvolle Begegnung mit Friedrich, bleibt ihr nichts anderes übrig ihn zu heiraten und fristet von da ein ein Eheleben welches nicht mit Liebe und Warmherzigkeit geprägt ist. Sie wird drei Töchter zur Welt bringen, denen sie wenig Zuneigung schenken wird und kaum an deren Leben teil nimmt.In der Geschichte von Sabine Rennefanz erfährt der Leser nun wie es ihrer Oma in all den Jahren der Ehe ergangen ist. Auch aus der Sicht der Autorin, wie sie die Jahre mit ihren Großeltern erlebt hat, wird ausführlich beschrieben.Mit der Nachricht von Sabines Mutter  "Ich habe etwas über deinen Großvater herausgefunden...." beginnt ein Kapitel der Aufarbeitung vergangener Zeit, bei der es darum geht viele Dinge besser zu verstehen und einiges mit anderen Augen zu sehen.Was ist also in all den Jahren geschehen, was hat der Großvater gemacht dass alle so entsetzt sind und wie gehen die Beteiligten in Zukunft damit um?  Warum haben die drei Töchter schreckliche Alpträume und woher kommt die immense Angst vor dem elterlichen Dachboden? All diese Fragen werden im Laufe der Erzählung, die in dem Sinne nicht autobiographisch ist, aufgelöst.
    Meine Meinung:Der Schreibstil ist für mich doch ein wenig ungewöhnlich gewesen. Die Zeitsprünge, mal in Annas Kinder und Jugendzeit, dann Sabines Kinderzeit, zurück in die Gegenwart und wieder zurück zu anderen Protagonisten wie die Tanten oder der Mutter von Sabine Rennefanz. Das war mir ein wenig zu viel hin und her, wenn alles geordneter und in Reihenfolge gewesen wäre hätte ich es angenehmer gefunden.Es ist ein trauriges und schreckliches Schicksal was hier in diesem Buch von Anna, "Der Mutter meiner Mutter", erzählt wurde und es macht wieder deutlich, dass vielen Frauen nach dem Krieg keine Zeit des Glücks vergönnt war.

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    hevalumps avatar
    hevalumpvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein grausames Schicksal geschickt über mehrere Generationen aufgerollt - schockierend und absolut fesselnd
    Eine tragische Familiengeschichte, fesselnd und wunderschön erzählt

    Das Wichtigste zuerst:
    ein berührendes Buch, dass absolut lesenswert ist.

    Die frühen Lebensjahre unserer Großeltern/Eltern lieben bei den meisten in einer turbulenten Zeit, geprägt von Armut, Weltkriegen, Unsicherheiten und Grausamkeiten, mit festgefahrenen Rollenbildern und viel Unrecht, egal gegen welche Bevölkerungsgruppen oder Geschlechter. 
    Oft genug wurden all diese schrecklichen Erinnerungen verdrängt und es wurde versucht weiterzuleben. Eine notwendige psychologische Betreuung war nicht vorhanden, so konnte man nur damit leben oder daran zerbrechen. 
    Als junger Mensch in der heutigen Zeit, frag man sich oft, wie die, in meinem Fall, Großeltern so geworden sind, wie sie es jetzt sind. Meistens werden gerne Geschichten aus dieser Zeit erzählt. Nicht so wie in diesem Buch. 

    Sabine Rennefanz schildert in faszinierender Art die Geschichte der Mutter ihrer Mutter.
    Als Leser findet man heraus, weshalb die unnahbare, stille, Großmutter so geworden ist. 

    Es ist eine Geschichte, die berührt und bewegt und motiviert nicht zu urteilen oder gar zu verurteilen, sondern zu fragen.
    Zugleich sollte sie die Generation der Eltern und Großeltern ermutigen ihre Erlebnisse nicht zu verschweigen. Im Buch wird eindrucksvoll beschrieben, wie ein einschneidendes  und grausames Ereignis nicht nur ein ganzes Leben, sondern mehrere Generationen beeinflussen kann und wie die Angst und der Schrecken unterbewusst "vererbt" wird. 

    Es ist auf jeden Fall ein lesenswertes Buch, dass nachdenklich stimmt. Es bietet eine faszinierende Sichtweise, die Generation der Großeltern und ihre Erlebnisse etwas genauer zu betrachten.

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    LaMenschs avatar
    LaMenschvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Spannende Geschichte zu einem Thema, das immer aktuell ist.
    Eine zeitlose Familiengeschichte


    Anna lebt mit ihrer Stiefmutter und ihrem Vater in einem kleinen Ort mit dem Namen „Sorge“. Ihr Vater ist Angestellter und arbeitet am Bahnhof. Er ist zuständig für die Koordination der sogenannten „Todeszüge“, welche zur Deportation der Juden aus den Städten dienen. Krieg beginnt und nach einiger Zeit wird ihr Vater von Soldaten abgeholt. Dies ist ausschlaggebend dafür, dass die Stiefmutter beschließt, den Wunsch zu tötet und sich auf die Flucht zu machen. Für Anna ein traumatisches Erlebnis, denn sie besorgt den Hammer, den ihre Mutter verlangt und hätte nun fest, während sie ihm den Kopf einschlägt. Kurz darauf mit ihr Haus besetzt und sie packen alles was sie brauchen in einem kleinen Handwagen und laufen ziellos ihres Weges.

    Der Schreibstil ist der Zeit, in welcher das Buch spielt angemessen. Es wechselt immer zwischen einem auktorialen Erzähler und der Enkelin, welche über die Geschichte ihrer Großmutter erzählt hin und her. Das gefällt mir sehr gut, denn dies lockert das Buch deutlich auf. Ich muss aber sagen, dass sich in dieser Geschichte deutlich mehr Gefühl erwartet habe, sie wird einfach sachlich erzählt und große Emotionen konnte ich nicht finden. Leider sehr schade, denn ich glaube, das hätte das Buch noch ein bisschen prägender gemacht, die Geschichte ist nämlich sehr zeitlos, denn Flüchtlinge gibt es auch heutzutage sehr viele und es wird einfach gezeigt, was eben diese auf ihrer Flucht erleben können bzw. erleben. Man sieht die Welt aus anderen Augen doch durch mehr Emotion könnte das Buch länger im Gedächtnis bleiben.

    Aufgrund dessen vergebe ich 3,5 von 5 Sternen.

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    SitataTirulalas avatar
    SitataTirulalavor 2 Jahren
    Ein dunkles Familiengeheimnis

    Ich verstand sehr früh, dass meine Großmutter nicht den Vorstellungen einer typischen Oma entsprach. Das war nur ein Grund, warum ich lange dem Irrtum aufsaß, sie sei eine gefühllose Frau.

    Mit vierzehn muss Anna des Krieges wegen ihre Heimat verlassen. Als Flüchtlingsmädchen hat sie es nicht leicht, doch sie findet Arbeit in Kosakenberg, dem Dorf, in dem sie, ihre Stiefmutter und ihre beiden kleinen Brüder Unterschlupf finden. Sie arbeitet immer noch als Magd bei den Wendlers, als 1949 Friedrich Stein aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrt. Er geht bei den Wendlers ein und aus und macht Anna vom ersten Tag an Angst - nicht unbegründet, wie sie wenig später am eigenen Leib erfahren muss.
    Auf Drängen der Wendlers heiratet Friedrich Anna. Eine Ehe, die mit einem Verbrechen beginnt. Einem Geheimnis, das Anna ihrer Familie über ein halbes Jahrhundert vorenthält und das die Mutter und Großmutter plötzlich in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt.

    Wie geht man damit um, wenn ein lange gehütetes Familiengeheimnis ans Licht kommt? Insbesondere wenn es einen geliebten Menschen in ein völlig neues Licht rückt? Erzählt wird Annas Geschichte von ihrer Enkelin, einer namenlos bleibenden Ich-Erzählerin, deren Mutter Monika, Annas Tochter, ihr erzählt, was sie über ihren Vater, Annas verstorbenen Mann Friedrich, herausgefunden hat. Monika ist das Produkt einer Vergewaltigung, die in einer Ehe mündete, die wiederum in noch zwei weiteren Töchtern resultierte. Während Monika zunächst das Bedürfnis zu haben scheint darüber zu reden, entscheidet sie sich dann doch dafür, das Vergangene ruhen zu lassen. Die Dinge seien nun mal wie sie seien. Doch ihre Tochter, die Zeit seines Lebens eine sehr innige, liebevolle Beziehung zum Großvater hatte, kann nicht einfach so tun und weitermachen, als hätte sie nie von dieser Geschichte erfahren. Sabine Rennefanz erzählt gefühlvoll, aber auch sehr klarsichtig von der Reise der Ich-Erzählerin in die Vergangenheit ihrer eigenen Familie. Schritt für Schritt fallen ihr kleine Erinnerungsfetzen und -bruchstücke ein, die jetzt, wo sie die Wahrheit über das Unglück ihrer Großmutter kennt, ein viel klareres Bild ergeben. Warum ihre Großmutter nicht in der Lage war eine innige Bindung zu ihren Töchtern oder Enkelkindern aufzubauen. Und wie sie sie trotzdem alle dadurch geschützt hat, dass sie das dunkle Geheimnis ihres Mannes für sich behalten hat.
    Die Handlungsstränge in Annas Vergangenheit und in der Gegenwart, in der die Ich-Erzählerin von verschiedenen Ereignissen und Erinnerungen berichtet, die sie selbst erlebt und gesammelt hat, sind gefühlvoll, aber nicht überdramatisiert erzählt und miteinander verwoben. Sabine Rennefanz findet genau den richtigen Ton, dass man gut mitfühlen kann. Einzig der ständige Gebrauch der Phrase "die Mutter meiner Mutter" auch im Fließtext war ein wenig störend, aber in Anlehnung an den Titel kann man das wohl als Stilmittel ganz gut hinnehmen.

    Ein schlimmes Schicksal, ein dunkles Geheimnis, eine Frau, die das Leben gebrochen hat. Sabine Rennefanz Geschichte über das Leben von Anna Stein ist bedrückend, aber man kann sie beim besten Willen nicht aus der Hand legen. 

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    S
    Als der Krieg zu Ende ist, fängt für die vierzehnjährige Anna der Kampf erst an. Gemeinsam mit ihrer Stiefmutter und ihren zwei kleinen Brüdern flieht sie vor den Russen und macht sich auf den Weg nach Westen. Sie landet in Kosakenberg, einem Dorf in der sowjetischen Besatzungszone. Sie fängt an, als Magd bei einem Bauern zu arbeiten und ernährt so ihre Familie.

    1949 kehrt ein längst verschollen geglaubter Knecht aus der Gefangenschaft auf den Hof zurück: Friedrich Stein. Anna hat vom ersten Tag Angst vor ihm – und doch muss sie ihn heiraten. Über die Umstände der Hochzeit wissen auch die Töchter, die aus der Ehe hervorgehen, viele Jahre nichts. Erst viele Jahre nach dem Tod des Vaters kommt ein Geheimnis ans Licht. Es ist eine brutale Geschichte - die allerdings zu der Zeit nicht selten war.

    Meine Großmutter war ein Flüchtling - wie die Menschen, die heute zu uns kommen. Für mich wecken die aktuellen Fernsehbilder Erinnerungen an die Geschichte meiner Großmutter, die mich schon mein Leben lang begleitet. In meinem Buch begebe ich mich auf Spurensuche und zeichne Annas Leben nach - vielleicht erkennen einige Leser Ähnlichkeiten mit ihren Müttern oder Omas.

    Wieso das, was vor siebzig Jahren passiert ist, heute wieder wichtig ist, habe ich im englischen Guardian erklärt :
    http://www.theguardian.com/commentisfree/2015/aug/03/germany-asylum-seekers-rightwing-attacks


    In einem vorab veröffentlichten Kapitel in der Berliner Zeitung wird die Flucht von Anna aus dem Dorf im Osten beschrieben:
    http://www.berliner-zeitung.de/literatur/-die-mutter-meiner-mutter--von-sabine-rennefanz-in-der-fremde-lauert-ein-dunkles-familiengeheimnis,10809200,31707082.html



    Gerne möchte ich mit euch die Diskussion weiterführen und lade deshalb zur Leserunde ein.

    20 Bücher warten auf den Versand.

    Wer teilnehmen möchte, beantwortet einfach folgende Frage:

    Gibt es bei euch eine Fluchtgeschichte, die eure Eltern oder Großeltern geprägt hat?

    Bewerbungsschluss ist der 30. September.

    Ich bin gespannt auf eure Beiträge!
    Viele Grüße
    Sabine Rennefanz



    Hallo, ihr Lieben!
    Tausend Dank für die vielen spannenden, bewegenden, persönlichen Beiträge. Ich habe mich regelrecht festgelesen und war überwältigt, wie sehr das Thema Flucht und Krieg euch auch bewegt. Es fiel mir sehr schwer, aus den Bewerbungen nur zwanzig Gewinner auszuwählen. Ich habe versucht, eine Bandbreite an unterschiedlichen Hintergründen auszusuchen (Flucht nicht nur aus dem heutigen Polen, sondern auch aus anderen Ländern) sowie verschiedene Generationen zu repräsentieren, es sind auch Gewinner dabei, die gar keine Fluchtgeschichte zu erzählen hatten, die aber plausibel begründen konnten, warum dieses Thema für sie interessant ist. Alle, die nicht gewonnen haben: Bitte lest und diskutiert trotzdem mit!

    Und hier sind die Gewinner:
    Rosen-rot
    TochterAlice
    Bookgirl
    Honigmond
    Alasca
    Engineerwife
    Britta70
    Buecherschmaus
    Goldstueck90
    Lesebiene27
    Tricksi
    Bettina243
    Leselea
    MagicMoments
    Aspasia
    FamousNinchen
    Barbara62
    Orfe1975
    Hevalump
    Isa1011

    Die Bücher stehen beim Luchterhand Verlag München für euch bereit und werden so schnell wie möglich versendet.

    Herzlichen Dank nochmal und viele Grüße
    Sabine Rennefanz



    Hallo, ihr Lieben, zum Abschluss der Runde nochmals ein großes Dankeschön von mir für die vielen spannenden Gedanken, Interpretationen, Fragen und Beiträge. Diese Leserunde, meine erste, war eine echte Bereicherung. Alles Gute, Sabine Rennefanz
    Zur Leserunde

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