Das war wieder einmal ein Buch, dass mich echt gefesselt hat. Jonathan ist ein sehr erfolgreicher Fotograf mit eigener Galerie. Er verdient prächtig und seine Frau Jana ist eine erfolgreiche Ballerina, begehrt und umschwärmt. Dann wird sie schwanger, schwankt zwischen Kind und Karriere hin und her. Doch ihr Alter, sagt sie sich, es ist vielleicht die allerletzte Chance ein Kind zu bekommen. Jonathan wird fast verrückt vor Sorge um Jana, die weder zur Vorstellung ins Theater kam, noch eine Nachricht hinterlassen hat. Keiner weiß, wo sie ist, was mit ihr passiert sein könnte. Jonathan sucht die gesamte Stadt nach ihr ab. Irgendwann fährt er nach Hause, beschließt die Polizei einzuschalten. Wie er die Tür öffnet, sitzt Jana friedlich lächelnd im Sessel. Jonathan rastet aus. Doch dann erklärt sie ihm, dass sie schwanger sei. Damit nahm sie Jonathan jeglichen Wind aus den Segeln. Sie bekommen ein Tochter, die sie nach ihrem letzten Stück im Theater Giselle nennen. Sie verleben eine wundervolle Zeit und Jonathan wird immer erfolgreiche. Als Giselle mit dem Fahrrad tödlich verunglückt, bricht für beide eine Welt zusammen. Ein volltrunkener Jugendlicher Student hat sich nach erfolgreicher Examensprüfung mit Freunden volllaufen lassen und sich mit 2,8 Promille noch ans Steuer gesetzt. Zu spät erkennt er die junge Dame an der Ampel wartend, geriet ins Schleudern und tötet Giselle, die gerade auf dem Weg nach Hause war.
Bei der Gerichtsverhandlung verurteilt der Richter, ein enger Freund der Familie von Tobias, dem Todesfahrer, ihn zu einer lächerlichen Jugendstrafe. Jahre später ist aus Tobias ein erfolgreicher Anwalt geworden. Jonathan und Jana ekeln sich nur noch gegenseitig an. Heftige Wortgefechte führen zum Kurzschluss bei Jonathan. Er packt einen kleinen Koffer und lässt sich von einem Taxi zum Bahnhof bringen. Er will weg, nur noch weg und lässt Jana ohne eine Nachricht zurück. Er will nach Rom oder noch weiter südlich von Italien reisen. Doch ein Unwetter beendet sein Reise in der Toskana. Er will sich ein Hotel suchen, landet in einer schäbigen Bar, wo nach Zimmern fragt. Da spricht ihn Ricardo an, ein Weinbauer aus der Nähe, der Gästezimmer vermietet. Allerdings hatte er noch nie Gäste im Winter. Das Haus ist schäbig, das Zimmer eine feuchte, spärlich eingerichtete, dunkle Gruft. Er will ja nur eine Nacht bleiben und am nächsten Tag weiterreisen, gen Süden, denkt er. Das trifft er auf die Tochter von Ricardo, die eine exakte Kopie seiner alles geliebten Tochter Giselle ist. Er ist fassungslos über diese Ähnlichkeit. Dann realisiert er, dass Sofia blind ist. Da er Giselle vergöttert hat, beschließt er, ein paar Tage länger zu bleiben.
Sofia verliebt sich in Jonathan, der sich geschworen hat, aus dieser schrecklichen Kaschemme ein ordentliches Gästehaus zu machen. Dafür benötigt er Geld. Er reist nach Deutschland, um Jana um 350.000 € zu bitten, dafür überträgt er all seinen Besitz, auch die Villa, die ein vielfaches Wert ist, auf Jana. Er reist zurück. Sofia ist hocherfreut, das sie nicht wirklich an seine Rückkehr glaubte. Sie heiraten und schlafen einmal miteinander. Sofia ist überglücklich. Doch dann hört Jonathan die Stimmer Giselles, die ihn fragt, ob er verrückt ist, mit seiner Tochter zu schlafen. Da er sie ja offenbar nur geheiratet hat, weil sie seiner verstorbenen Tochter so verdammt ähnelt.
Das Portrait von Giselle hängt er in seinem Zimmer mit einem Tuch ab. Per Zufall entdeckt Ricardo eines Tages das Portrait, als durch einen Windzug das Tuch herunterrutscht . Schnell deckt er es wieder ab. Warum hat Jonathan dieses Portrait seiner Tochter anfertigen lassen. er schweigt, will sich nicht mit Fragen, die ihn nichts angehen, belasten.
Nach langer Zeit und etlichen Umbauten und einem neuen Gästehaus der Luxusklasse, dass er nur gesamt vermietet, kommt bald genug Geld ins Haus, um weiter alles zu modernisieren. Sofia ist traurig, da Jonathan sie seit ihrer ersten und einzigen leidenschaftlichen Nacht nicht mehr anrührt. Er liebt Sofia, wie einst Giselle und das ist bei Jonathan das Problem. Aber er will nicht darüber sprechen.
Da Sofia ihn abgöttisch liebt, akzeptiert das Verhalten. Enes Tage melden sich deutsche Gäste an, die das schöne Gästehaus für drei Wochen mieten. Sie sind von dem Ambiente begeistert, freuen sich, dieses Traumobjekt gefunden zu haben. Am zweiten Tag laden die Gäste Jonathan und Sofia zum Abendessen. Schon als sie ankamen beschlich Jonathan das Gefühl diesen Mann zu kennen, Aber ihm fällt nicht ein, woher. Während des Essens berichtet der Gast, dass er ein Richter im Ruhe stand sei. Und berichtet weiter voller Stolz, wie wichtig es sei, über ein gutes Netzwerk zu verfügen und Freunden helfen zu können. Er erzählt von dem Sohn eines engen Freundes, der im Suff leider ein junge Frau totgefahren hat. Er wollte ihm aber nicht die Zukunft versauen. Denn mit einem angemessenen Urteil wäre seine Karriere als Anwalt beendet gewesen, bevor sie begonnen hat.
Jonathan trifft fast der Schlag, als er diese Geschichte hört und weiß, dass dieser Mistkerl vom Tod seiner geliebten Tochter spricht, als habe dieser Tobias nur mal eben einen Baum oder Laternenpfahl umgefahren. Es fällt ihm sehr schwer, nicht die Beherrschung zu verlieren. Schnell verabschiedet er sich unter einem Vorwand, den Sofia nicht ganz versteht. Kurze zeit später ergibt sich DIE Gelegenheit, diesem Kerl das Licht auszublasen. Der Dorfpolizist glaubt Jonathans Erzählung dieses Unfalls, bei dem sein Gast leider zu Tode kam. Der Kollege von Neri, dem Dorfpolizisten, der seine Bedenken scharf formuliert, wischt er einfach vom Tisch, genau wie die Fakten. Er mag Jonathan sehr, freut sich für Sofia doch noch einen so lieben Mann heiraten zu können und will nicht von den Bedenken seines Kollegen hören.
Jonathan beschließt indes, sich auch an Tobias zu rächen. Aus das ist eine Wahnsinnsstory. Man muss das Buch einfach lesen, unbedingt lesen. Der Schreibstil, der Aufbau der Story erinnert mich ein wenig an die Bücher von Charlotte Link.