Katzenberge

von Sabrina Janesch 
4,2 Sterne bei33 Bewertungen
Katzenberge
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Provinzpoets avatar

Eine junge Autorin macht ihre Sache ausgezeichnet. Alles basiert auf einem Ursprung.

G

Total interessant das Thema Flucht und Vertreibung mal aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.

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Inhaltsangabe zu "Katzenberge"

"Diesem Buch sind viele Leser zu wünschen." Günter Grass

Eine junge Frau, halb Deutsche, halb Polin, fährt durch die im Nebel versunkene niederschlesische Landschaft: Nele Leibert ist auf dem Weg zum Grab ihres Großvaters. Ihre Gedanken schweifen in die Vergangenheit. Ihr geliebter „Djadjo“ war eigensinnig und der Nachtseite des Lebens ausgeliefert. Unablässig kämpfte er gegen die Dämonen, die die Deutschen in Schlesien zurückließen. Noch seine Enkeltochter steht im Bann der Geschichte. Nur eine Reise ins Gestern kann den Fluch bannen. Und so begibt sich Nele Leibert bis nach Galizien, an den Rand der Zeit. Dabei wird sie vom Erbe ihres Großvaters und einem schrecklichen Verdacht heimgesucht.

Ausgezeichnet mit dem Mara-Cassens-Preis für das beste Romandebüt des Jahres, dem Nicolas-Born-Förderpreis und dem Anna Seghers-Preis.

"Federleicht pendelt der Roman zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her und beschwört dabei das Leben dreier Kriegs- und Nachkriegsgenerationen herauf." Hanns-Josef Ortheil -

„Dieser Erzählstoff hat mächtige Spannung und Kraft.“ Spiegel -

» [...] Sabrina Janesch schöpft aus den Gruselgeschichten und Mythen, die sie bei ihrem Großvater in Polen gehört hat, und verbindet sie mit den Themen unserer Zeit. Ihr Debütroman >Katzenberge< ist preisgekrönt. « Welt am Sonntag -

» Ihr ist mit >Katzenberge< ein dunkles, mooriges Meisterwerk voller Wölfe und Geheimnisse jenseits des Bug gelungen. « Oranienburger Generalanzeiger -

»In seiner Laudatio zur Verleihung des Mara-Cassens-Preises an Sabrina Janesch hat der Literaturkritiker Jörg Magenau den Eigensinn dieses Romans präzise charakterisiert. ›Katzenberge‹ sei eine literarische Landvermessung: ›Heimatkunde oder besser gesagt: Erdkunde - und zwar in der unmittelbaren Bedeutung des Wortes: Erde ist das zentrale Motiv des Romans, das immer wieder aufgenommen und variiert wird.‹« Münstersche Zeitung -

»Die erst 26-jährige Sabrina Janesch beeindruckte mit ihrem erzählerisch dichten und reifen Debütroman« Ostsee-Zeitung -

»›Katzenberge‹ ist eine Reise in die Köpfe der Großvätergeneration, die Schilderung einer Mentalität ohne Internet, Handy und Spiegel im Haus. Dafür haben in dieser Welt Flüche noch Wirkung, es teilt sich die Erde, um teuflische Wesen auszuspeien ›mit zinoberrotem Fräcklein‹, die lachend im Sumpf verschwinden. Sabrina Janesch hat die längst verloren geglaubten Geister eines vorindustriellen Denkens wieder zum Leben erweckt. Augenzwinkernd zwar, aber ohne jeden Spott.« Badische Zeitung -

»Ein berührender Roman, der den LeserInnen auch einen Teil europäischer Geschichte nahebringt.« Bibliotheksnachrichten -

»Dieser Erzählstoff hat mächtige Spannung und Kraft… Ihr Buch bekennt sich dazu, was die behüteten Nachgeborenen an solchen Geschichten fasziniert: Da wütet der Sturm der Geschichte, da hat das rohe Wort ›Schicksal‹ noch seinen Sinn.« Spiegel -

»Ein Hauch von Magie erhöht den Lesegenuss.« L - Das Magazin für reife Menschen -

»Geschrieben und erzählt aus der Sicht einer Enkelin ist dieses Debüt kein sentimentaler Heimatroman, sondern ein Versuch, sich der eigenen Identität samt Familiengeschichte zu stellen.« www.dw-world.de -

»Ihre phantastischen Beschreibungen des Aberglaubens der Galizier, die an Gogols Erzählungen erinnern, ihre spannende Erzählweise, werden sicherlich so manche Leser den Roman die ganze Nacht durchlesen lassen.« WDR 5 -

»Ohne großes Pathos, dafür mit schlichter Eleganz und erstaunlicher Souveränität öffnet diese Familiengeschichte einen gigantischen Horizont. Eine mehr als beachtliche Talentprobe: ein Debüt, das schon erstaunlich reif wirkt und neugierig auf mehr aus der Feder dieser jungen, hoffnungsvollen Autorin macht.« www.literaturkritik.de -

»Ganz unverkrampft nehmen junge Autoren die deutsche Geschichte im Osten seit einiger Zeit in den Blick.« Spiegel Geschichte -

»Sabrina Janesch gehört zu den bekanntesten deutschen Nachwuchsautorinnnen.« Mitteldeutsche Zeitung -

»Ein ganz feinsinniges, kluges Buch, über verlorene Heimaten- und über die erlösende Kraft der Erinnerung.« Radio Bremen -

»Sie erzählt ihre und die Geschichte des Großvaters: ein Kunststück, wie sie es dabei vermag, stilistisch sicher zwischen den Zeiten, die beinah wie Zeitalter erscheinen, zu springen.« Hamburger Abendblatt -

»Hier baut ein frisches Buch eine neue Brücke nach Polen. Dzien dobry!« Frankfurter Neue Presse -

»eine Geschichte- so spannend wie poetisch« - Brigitte

»Magischer Realismus auf deutsch-polnisch, das ist schon ziemlich grandios.« Berliner Zeitung -

»Mit Humor, melancholischer Fabulierkunst und einer wunderbaren Leichtigkeit komponiert Sabrina Janesch ihr literarisches Debüt zu einem Beitrag der deutsch-polnischen Geschichte, wie sie so noch nie zu lesen war.« Stuttgarter Nachrichten -

»Rational, aber poetisch, wortmächtig und inhaltsschwer erzählt sie von den vielfältigen Facetten der Fremde.« Stuttgarter Zeitung -

»Ein überzeugender, guter Debütroman, der unsere Sicht auf frühere und momentane deutsch-polnische Realitäten und Befindlichkeiten anschaulich bereichert.« www.berliner-kulturbrief.de -

»Sabrina Janesch demonstriert eindrucksvoll, wie das Erzählen sich wieder neu als eine produktive Form des Erinnerns behaupten kann. Es gelingt ihr dabei, eine Welt erstehen zu lassen, die uns das Fremde sinnlich begreifen läßt.« FAZ -

»Das alles gelingt auch deshalb, weil es tatsächlich möglich ist, Witz und Leichtigkeit ins Erzählen zu holen, insbesondere in der Erzählgegenwart. Und weil Janesch nicht belehrend schreibt ... Vielleicht hat sie das Geschichtenerzählen ja von ihrem Großvater geerbt.« Rheinischer Merkur -

»Das aber ist so kraftvoll und poetisch erzählt, dass man die Röcke von Günter Grass' kaschubischer Großmutter Anna von weitem rascheln hört.« www.taz.de -

»Die Autorin erzählt von dem, was ihr wichtig ist und was uns alle angeht.« Mannheimer Morgen -

»Sabrina Janesch ist eine eindringliche und empfindsame Spurensuche in geografisch und historisch wenig bekannten Gefilden gelungen.« Braunschweiger Zeitung -

»Kraftvoll erzählter Roman. Da tritt eine 25-Jährige, erstaunlich reif, in die Literatur ein. Leser dürfen von ihr noch viel erwarten.« Neues Deutschland -

»Mit frischer Ernsthaftigkeit und einer Prise Humor geschrieben.« Frankfurter Neue
Presse -

»Ein kluger Blick auf die deutsch-polnische Geschichte von Sabrina Janesch.« Cosmopolitan -

»Ein trauriges, aber zugleich wunderschönes Buch über die oft unheimliche Macht der Fantasie - und über familiäre Bindungen über Zeit- und Staatsgrenzen hinweg.« NDR Kultur

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783746627984
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:287 Seiten
Verlag:Aufbau TB
Erscheinungsdatum:20.02.2012
Das aktuelle Hörbuch ist am 29.03.2013 bei Universal Music erschienen.

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Rezensionen und Bewertungen

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    Pongokaters avatar
    Pongokatervor 3 Jahren
    Geschichtsunterricht

    Notwendiger Geschichtsunterricht darüber, dass die Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten des Deutschen Reichs verknüpft war mit der Vertreibung der Polen aus dem Osten ihres Landes. Dies zeigt Sabrina Janesch dadurch eindringlich, dass der Vater der Helding aus einer deutschen Familie stammt, die aus Schlesien vertrieben wurde, die Mutter aus einer Familie, die genau dort nach der eigenen Vertreibung angesiedelt wurde. Besonders eindrucksvoll sind die Passagen der Schilderung des alten und neuen schlesischen Landlebens.

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    Legibiliss avatar
    Legibilisvor 4 Jahren
    Katzenberge von Sabrina Janesch

    Die junge Journalistin Nele reist in ihre Heimat Schlesien zur Beerdigung ihres Großvaters. Schnell wird diese Reise zu einer Reise in die Vergangenheit. Fort von ihrem Leben in Deutschland, in Berlin, begibt sie sich auf die Spuren ihres Großvaters. Ihre Reise geht von Schlesien nach Galizien und führt sie von dort bis über die ukrainische Grenze zum Geburtsort ihres Großvaters. Überall kommt Nele ihrem Großvater und dessen Geschichten von Flucht, Krieg und der Übersiedlung nach Schlesien immer näher.

    Klingt nach einer einfachen Familiengeschichte. Doch schnell merkt man, dass Sabrina Janesch in ihrem Debütroman viel mehr erzählt als die Geschichte einer polnischen Familie.

    Katzenberge behandelt die Geschichte der vertriebenen Polen genauso wie die Geschichte der vertriebenen Deutschen und erzählt dabei einfühlsam, wie Nele versucht den Tod ihres Großvaters zu verarbeiten und die Rätsel um seine Vergangenheit zu lösen.

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    Gruenentes avatar
    Gruenentevor 5 Jahren
    Kurzmeinung: sehr schönes, einfühsames Buch
    Was ist Heimat?

    Nele, junge Journalistin aus Berlin, bekommt die traurige Nachricht, dass ihr geliebter Großvater gestorben ist. Mit dem Zug reist sie nach Polen (ehemaliges Schlesien) und schafft es noch knapp zum offenen Grab.
    Sie kommt, angeregt von Ihrer Mutter, auf die Idee, Großvaters Spuren in die Vergangenheit zu folgen. Über Ostpolen nach Galizien (heute Ukraine).
    Ihre eigenen Erlebnisse werden unterbrochen von der Perspektive des Großvaters, der sein Leben in Schlesien und, immer weiter in die Vergangenheit zurückgehend (analog zu Neles Reise) auch sein kurzer Aufenthalt in Ostpolen, die dramatische Flucht und die alte Heimat in Galizien aus seiner Sicht zu beschreiben.
    Der Roman lässt auch immer wieder übersinnlichen Aberglauben zu, unheimliche Biester treten auf und werden durch Hexenkraft gebannt. Doch diese okkulte Note blitzt immer nur am Rande auf.
    Die Sprache ist nicht kompliziert, aber direkt, konkret und oft von Ironie gespickt.
    Für mich inhaltlich sehr interessant, stammt doch mein Vater aus Schlesien. Die Polen, die die verlassenen Höfe besetzen wurden selbst vertrieben. Das war mir nie klar und meinem Vater wohl auch nicht. Auf allen Seiten bleibt die Angst, dass die vorherigen Besitzer doch noch wiederkommen und die Flucht von vorne beginnt. Das wird als Grund für das Misstrauen Deutschen gegenüber gegeben.
    Sehr schönes, einfühlsames, abwechslungsreiches Buch.

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    wiebekes avatar
    wiebekevor 6 Jahren
    Rezension zu "Katzenberge" von Sabrina Janesch

    Der Roman beginnt mit einer frühmorgendlichen Fahrradfahrt geheimnisvoll unterwegs durch mystisch erscheinende Naturerscheinungen im Nebel zu einem Friedhof nahe der Katzenberge im Niederschlesischen. Nele trägt etwas zum Grab ihrer Großeltern. Das Geheimnis des Beutelinhaltes - versteckt unter ihrem Mantel - erfährt der Leser erst am Ende des Buches - wenn der Kreis sich schließt und Nele ihre Reise zu den Spuren der Vergangenheit ihrer großelterlichen Familie in die heutige Ukraine beendet hat.
    Dann wird sie auch die Wahrheit über einen Verdacht - ein wohlgehütetes Geheimnis - erfahren haben, und damit den Familienfluch gebannt haben und der unbekannte Beutelinhalt - ein Ziel ihrer Reise - wird zum Symbol.
    Wie auch die herzliche Liebe zu ihrem eigensinnigen Großvater, dem wunderbaren, geschichtenerzählenden Dja-djo. Als halb Deutsche und halb Polin vereint Nele Teile von jenseits der Oder und diesseits in Schlesien- so sieht es der Großvater. Nele ist das Bindeglied von "Galizien war gestern und Schlesien ist heute".
    Warum möchtest du, dass ich nach Galizien reise, fragt Nele nach der Beerdigung ihre Mutter, wo doch alles was Großvater betrifft hier in Schlesien ist. "Hier in Schlesien ist höchstens die Hälfte" - bekommt sie zu hören.
    So wird der Leser mitgenommen auf Neles abenteuerliche, spannende und berührende Reise in eine andere Welt. Erfährt und erlebt die Geschichte Europas durch das Schicksal der Vertriebenen - hier das der 13 galizischen Bauern und ihrer Familien, deren polnisches Heimatdorf durch Staatenwillkür ukrainisch geworden war. Allen Schicksalen voran, das des verschwiegenen, eigensinnigen, lebensklugen Janeczko - Neles liebenswerter Dja-djo - der geglaubt hatte, "das schlesige, schleimige, schissige Schlesien sei eine Übergangslösung - ein makabrer Scherz" und man könne zurück zur geliebten Heimatscholle sowie dort wieder Ordnung wäre!!
    Für Nele verkörperte der Großvater Schlesien. "Großvater war Schlesien" - sagt Nele als Tante Aldona sie in Berlin anruft, um ihr die Nachricht von seinem Tod zuzurufen! Scharenweise kommen die Menschen und Weggefährten aus allen Dörfern zur Beerdigung, sie kommen zum Abschiednehmen - von ihm, dem alten Menschen, und sie nehmen Abschied von der alten Zeit!
    "Diesem Buch sind viele Leser zu wünschen" - wird Günter Grass auf dem Cover des Buches zitiert - ich kann diesem Aufruf zum Lesen nur zustimmen!!
    Sabrina Janesch hat eine klare, schöne Sprache. Ihre Beschreibungen - schön getroffen die mystischen, die geheimnisvollen Dämonen der Vergangenheit - die poetischen Landschaftsbilder - die Eigenart der Dorfbewohner - und überall dort, wo die Zeit stehengeblieben scheint -ihr Stil ist natürlich und ausdrucksstark. Gegenwart und Vergangenheit - auch dieser Spagat gelingt ihr unglaublich!
    Die Geschichte der Familie ist spannend zu lesen, sehr gut auch in der bildhaften lebendigen Darstellung der einzelnen Charaktere. Darüber hinaus hat mir der reale geschichtliche Bezug gefallen und mich zum Nachlesen angeregt. Dank Internet habe ich auch den "Bug" gesehen.
    Ja, ich bin neugierig auf weitere Romane von Sabrina Janesch.

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    traumwalds avatar
    traumwaldvor 6 Jahren
    Rezension zu "Katzenberge" von Sabrina Janesch

    “Katzenberge” von Sabrina Janesch wollte ich schon sehr lange lesen. Ich dachte, dass ich mit der Geschichte der Autorin – auch wenn die meiner Familie ein wenig anders ist – ein kleines Stückchen in die Vergangenheit reisen könne. Meine Großmutter ist Wolhyniendeutsche und in Luzk (im Nordwesten der Ukraine) geboren. Sie lebte und arbeitete dort, bis sie vertrieben wurde. Die polnische Sprache beherrschte sie perfekt, weil sie mit ihr aufwuchs. Ich erinnere mich, wie süß es klang, wenn sie noch viele Jahre später auf polnisch fluchte. Es war ihre Heimat und doch war sie heimatlos. Ein Gedanke, der mich traurig macht! Die gesamte Geschichte und die Erinnerungen an die Zeiten des Nationalsozialismus mit all den Gräueltaten, ist in Worten kaum auszudrücken. Dämonisch! Auch Neles Großvater, der gebürtiger Pole, fühlte sich in Schlesien heimatlos. Er und seine Familie hatten 1939 mit dem Polenfeldzug ihre Heimat verlassen. Was blieb waren Angst, Sehnsucht, Ohnmacht, Wut…
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    Der historische Hintergrund spielt gewiss eine Rolle, doch geht es im Roman primär um die Menschen, um Verlust und Erinnerungen.
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    Als Nele Leipert vom Tod ihres Großvaters erfuhr, nahm sie sich ein paar Tage frei, um im engsten Kreis der Familie an der Bestattung ihres geliebten Großvaters dabei zu sein. Ihr Verlobter schien die Meldung dieser traurigen Nachricht nicht mitbekommen zu haben. Für ihn hieß es nur: “Was soll ich in Schlesien? Keine Zeit!”, – jedenfalls vielen seine Worte so ähnlich aus. Vielleicht verdrängte er es auch, weil ihm andere Dinge wichtiger erschienen. Wie konnte sie nur denken, dass er sie begleitet, geschweige denn tröstende Worte für sie finden würde. Sie war außer sich – und wütend! Nele packte geschwind ihre Sachen und fuhr mit dem nächstbesten Zug ins ehemalige Schlesien. Als sie am Friedhof in Bagno auf Onkel Darek traf, machte dieser in Bezug auf ihren Großvater Stanislav Janeczko und Leszek (Großvaters Bruder) merkwürdige Äußerungen. Solcher Art, die sie nicht verstand – und dann begannen die Diskussionen. Die Trauerfeier wurde begleitet durch einen schwarzen Schatten, der sich wie eine dunkle Wolkendecke über die Dächer Schlesiens legte und nicht davon zog. Die ganze Familie befand sich in einem Haus voller dunkler Geheimnisse. Das wurde Nele noch bewusster, als Tante Aldona von der Schnapsidee ihrer Nichte und dessen Mutter erfuhr. Nele wollte nämlich nach Galizien reisen, um die Wurzeln ihres verstorbenen Großvaters ausfindig zu machen. Tags darauf versuchte Tante Aldona Nele die Reise mit uralten Schauergeschichten auszureden. Viel zu gefährlich sei es, meinte sie. Doch alles was sie sagte, machte Nele nur noch neugieriger.
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    Dort wo alles begann, am Ende der Welt, beginnt ihre Spurensuche – immer darauf bedacht nicht als Fremde aufzufallen – stieß Nele auf schier unglaubliche Dinge. Es ist vielmehr eine leise schwebende Spannung, die sich bei mir während des Lesens auftat. Fast so, als würde ich schlafwandelnd durch vergangene Zeiten reisen. Der Duft der Natur stieg in meine Nase und ich hörte trockenes Laub knistern, das Unterholz und einen Ast knacken. Dann, eine schemenhafte Gestalt, die sich ins Dickicht flüchtete. Zeitweise fühlte ich mich wie ein kleiner Detektiv. Gegenwart und Vergangenheit wechseln sich pendelnd ab und verschmelzen deswegen ineinander, weil sie auf das Erzählte (ob aus der Sicht von Nele, oder die des Großvaters) direkt anknüpfen. Anfangs irritierten mich die vielen Namen oder die polnischen Ausrufe, die den Lesefluss ein wenig störten. Jedoch verzauberte mich Sabrinas Detailverliebtheit und wortgewaltige klare Sprache so sehr, dass ich die Bilder Schlesiens und Galiziens direkt vor Augen hatte. So viele Fragen hatte ich, doch man muss sich lange gedulden.
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    Irgendwann lichtet sich der Nebel und schließlich hat man das Puzzle mit all den rätselhaften Dingen gelöst.
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    Fazit: Die kleinsten Details machen die Spannung aus, man darf sie nur nicht verpassen. Ein intensives Leseerlebnis, welches unter anderem – mittels eines Zitates im Buch – daran erinnert, dass wenn man die Vergangenheit verdrängt, sich alles wiederholen kann. Ich würde zu gerne schreiben: HOFFENTLICH NICHT! Aber wir sehen ja die Wirklichkeit. Diese Geschichte war für mich in jedem Fall eine Bereicherung.

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    Fantasie_und_Träumereis avatar
    Fantasie_und_Träumereivor 6 Jahren
    Rezension zu "Katzenberge" von Sabrina Janesch

    Eine junge Frau, halb Deutsche, halb Polin, fährt durch die im Nebel versunkene niederschlesische Landschaft: Nele Leipert ist auf dem Weg zum Grab ihres Großvaters. Ihre Gedanken schweifen in die Vergangenheit. Ihr geliebter „Djadjo“ war eigensinnig und der Nachtseite des Lebens ausgeliefert. Unablässig kämpfte er gegen Dämonen, die die Deutschen in Schlesien zurück ließen. Noch seine Enkeltochter steht im Bann der Geschichte. Nur eine Reise ins Gestern kann den Fluch bannen. Und so begibt sich Nele Leipert bis nach Galizien, an den Rand der Zeit. Dabei wird sie vom Erbe ihres Großvaters und einem schrecklichen Verdacht heimgesucht.

    AUTORIN:
    (Quelle: Aufbau)
    Sabrina Janesch studierte Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim sowie Polonistik in Krakau. Sie ist u.a. Gewinnerin des O-Ton Literaturwettbewerbes des NDR, Stipendiatin des Schriftstellerhauses Stuttgart und des LCB. Als erste Stadtschreiberin von Danzig erntete sie viel Medienaufmerksamkeit. Für „Katzenberge“ wurde sie mit dem Mara-Cassens-Preis für das beste Romandebüt des Jahres, dem Nicola-Born-Förderpreis und dem Anna Seghers-Preis ausgezeichnet. 2011 war sie Stipendiatin im Ledig House/New York. Sie schreibt an ihrem zweiten Roman, der im Herbst im Aufbau Verlag erscheinen wird.

    EIGENE MEINUNG:
    Noch nie hatte ich so sehr das Gefühl, dass eine Geschichte meine eigene ist, wie bei Sabrina Janeschs Roman „Katzenberge“. Dabei habe ich außer, dass ich mit polnischen Hilfsarbeitern auf unserem Bauernhof aufgewachsen bin, an die ich aber nur vage Erinnerungen habe, da ich noch klein war, und einem viertägigen Aufenthalt zwischen Warschau und der russischen Grenze aufgrund der Hochzeit meines Cousins mit einer Polin, keinerlei Erfahrungen mit Polen. Auch die Tatsache, dass ich mich ein wenig mit der Protagonistin verbunden fühle, da auch ich einen Großvater mit viel Geschichte hatte, zu dem ich eine enge Bindung führte, ist nicht der springende Punkt warum ich so tief in den Roman hineingezogen wurde. Ich glaube es ist Sabrina Janeschs großartige Schreibe, die mich fasziniert, umschmeichelt und in die Geschichte hineingewoben hat, deren Bann ich mich nicht entziehen konnte und derentwegen ich das Buch, das zwar nicht so viele Seiten hat, aber dennoch so voll ist, kaum aus der Hand legen konnte. Wie ein magischer Sog hat es mich immer wieder zurück gezogen zu „Djadjo“ und den Dämonen seiner Vergangenheit, die so schwer auf seinen Schultern lasteten.
    Auf der Beerdigung ihres Großvaters bemerkt Nele Leipert, dass ihr „Djaddjo“ zwar viel aus der Vergangenheit erzählt hat, dass sie sich nun aber danach sehnt, diese Geschichten besser zu verstehen und als ihre eigene, die ihrer Ahnen, anzuerkennen. Sie begibt sich auf die Suche nach den Orten, an denen Stanislaw Janeczko halt gemacht hat auf seiner Flucht aus seiner Heimat Galizien. Für Nele ist es auch ein klein wenig eine Suche nach sich selbst und eine Reise, um vielleicht in ein neues Leben zu starten und auch mit ihren eigenen Dämonen klar zu kommen.
    Nele hatte immer ein enges Verhältnis zu ihrem Großvater. Er hat sie nicht dafür verurteilt, dass ihr Vater ein Deutscher ist und beiden teilen ihre Vorliebe für alte Traditionen und dem, was wir vielleicht Aberglauben nennen würden, was für Stanislaw und seine Frau Maria lange Zeit ein bestimmender Teil ihres Lebens war.
    Der ganze Roman ist belegt mit der Sehnsucht des Großvaters nach seiner alten Heimat, die er in einem sinnlosen Krieg voller Größenwahn, in dem man Menschen für ihre Andersartigkeit hinrichtete und Länder neu sortierte, verloren hat. Wut, Hass, Angst und Trauer der Menschen, denen man alles genommen hat, die bevormundet wurden und deren Leben bestimmt war durch den täglichen Kampf ums Überleben, wurden zu meinen eigenen Gefühlen.

    FAZIT:
    „Katzenberge“ ist ein Roman voller Intensität. Berührend, bewegend und fesselnd wie ein Krimi. Ein Buch, das die Dämonen der Vergangenheit aufarbeitet und mit ihnen abrechnet, verpackt in eine Handlung, die Gegenwart und Vergangenheit verbindet und solch einen magischen Sog auf mich ausübte, das ich nur ungern aus der Geschichte hinaus zurück gekommen bin, obwohl sie manchmal schwer auf meine Schultern drückte.

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    Elocins avatar
    Elocinvor 6 Jahren
    Rezension zu "Katzenberge" von Sabrina Janesch

    Nele Leibert fährt zur Beerdigung ihres Großvaters nach Polen. Dort angekommen möchte Sie mehr wissen über Mann, den sie als liebevollen Großvater kannte, der jedoch eine geheimnisvolle Aura umgab. Nach Gerüchten und Andeutungen im Dorf macht sie sich auf eine Reise in seine Vergangenheit. Die Reise führt zu seinem Geburtsort in Galizien (heute Ukraine, früher Ostpolen) aus dem er vor vielen Jahren flüchten musste.

    Der Roman hat mir sehr gut gefallen. Er schildert einen Teil europäischer Geschichte, die uns Deutschen eher unbekannt ist. Das es auch Vertriebene östlich des heutigen Polen gab, davon ist bei uns wenig zu lesen. Sehr gelungenes Debüt!

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    Cibo95s avatar
    Cibo95vor 8 Jahren
    Kurzmeinung: Absolut lesenswert =)
    Rezension zu "Katzenberge" von Sabrina Janesch

    Vorweg, ich liebe diesen Roman! Was für ein Buch ... von Anfang bis Ende hat mich die Geschichte von Nele und ihrem Großvater gefesselt. Nach Aussage der Autorin ist der Roman autobiografisch angelegt, lediglich die Namen sind geändert. Ich bin gespannt auf die Lesung am 11.02.11 bei Graff in Braunschweig. Dort werde ich hoffentlich ein paar Fragen stellen können. Z.B. wieviel Nele in Sabrina ist, wer ihr all die Geschichten aus der Vergangenheit erzählt hat, alle ihr Großvater? Hat sie vor Ort recherchiert? War Sie in Galizien, im Heimatdorf ihres Großvaters? Gibt es noch Menschen, die ihn kannten? Konnte sie den Fluch bannen?
    In einer wunderschönen Sprache begibt sich die Autorin als Nele auf die Reise in die Vergangenheit, parallel erzählt sie im zweiten Handlungsstrang die Geschichte ihres Großvaters. Einmal als Nele, die sich auf die Reise macht und die Orte besucht, in der ihr Großvater gelebt hat und in denen er seine Spuren hinterlassen hat. Das andere Mal in der Vergangenheit, Kriegsende, Polen, Galizien, hier wird die Geschichte aus Sicht des Großvaters erzählt. Auf der Flucht vor den Ukrainern, an der alten Heimat hängend, das Leben vom Aberglauben und den Glauben an Geistern und Dämonen geprägt. Gibt es "das Biest" in Schlesien wirklich? Ist es ihm schon aus Galizien gefolgt? Wo kommt es her ... woher stammt der Fluch? Hat es etwas mit dem Gerücht um seinen Bruder Leszek zu tun? Diese Fragen sind auch nach der Lektüre offen ... sollen sie offen bleiben? Am Ende gibt es noch eine große Überraschung, die ich hier natürlich nicht verrate ...
    Was wirklich offen bleibt, ist, wie die Beziehung zu Carsten, ihrem deutschen Freund, weitergeht. Davon erfährt man am Ende nichts mehr ...
    Man spürt die große Liebe zu ihrem Goßvater, sie setzt ihm mit dem Buch ein Denkmal. Interessant sind die geschichtlichen Aspekte ... ich habe mich vorher nicht viel mit polnischer Geschichte beschäftigt, fand die Hintergrundinformationen sehr interessant. Auch wie die Polen heute leben und wie früher durch den Krieg alles durcheinandergewirbelt wurde, fand ich sehr spannend. Meine Großeltern waren auch auf der Flucht und mussten sich 1945 eine neue Heimat suchen, vielleicht daher die große Begeisterung für diesen Roman?

    Fantastisch, eine klasse Buch, dem ich sehr viele Leser wünsche ... Ich hoffe, weitere Bücher von Sabrina Janesch lesen zu können. Derzeit arbeitet sie wohl an ihrem nächsten ...

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    Lesemanns avatar
    Lesemannvor 8 Jahren
    Rezension zu "Katzenberge" von Sabrina Janesch

    gar nicht schlecht, ein schönes Debüt. Im hinteren Drittel zerfasert es etwas - da hatte ich das Gefühl, der Plot muss jetzt noch rundwerden. Also - etwas hü, etwas hott.

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    yokos avatar
    yokovor 8 Jahren
    Rezension zu "Katzenberge" von Sabrina Janesch

    Wo liegen unsere familiären Wurzeln? Bei manchen ist die Antwort schnell da, andere wiederum brauchen etwas länger, weil sie viel tiefer im Verborgenen liegt. Da reicht kein einfacher Rückblick aus, man muss suchen und graben wie ein Archäologe. Über so eine Suche handelt das Buch „Katzenberge“ von Sabrina Janesch.

    Die junge Autorin nimmt uns mit ihrem Debütroman auf eine Reise in die Vergangenheit einer Familie. Es ist eine aufrüttelnde Geschichte, die sie erzählt. Die Journalistin, Nele Leibert, reist zur Beerdigung ihrer Großvaters, Stanislaw Janeczko, nach Schlesien. Neles Eltern, eine polnische Mutter und ein deutscher Vater, spüren immer noch die Missbilligung ihrer Ehe und fahren nach dem Begräbnis sofort zurück nach Deutschland. Die Mutter bittet ihre Tochter beim Abschied, dass sie nach Galizien reisen soll, der Heimat ihres Großvaters. Nele versteht den Wunsch der Mutter nicht und fragt nach, wieso sie das denn tun solle. „Eben nicht alles, was deinen Großvater betrifft, ist hier in Schlesien. Hier in Schlesien, Töchterchen, ist höchstens die Hälfte. Und genau das ist der Punkt.“ Da steht Nele nun eingehüllt im Nebel der Katzenberge, fröstelt leicht, ist nachdenklich und schaut dem Auto der Eltern nach. Bald schon fasst sie den Entschluss, in die Ukraine zu reisen.

    Diese Reise führt auch in die Geschichte Ost- und Mitteleuropas. Neles Großeltern gehörten zu den vielen tausenden Menschen, die aus der Ukraine nach Polen deportiert worden sind. Sie mussten ihre Heimat verlassen und sollten nur für eine bestimmte Zeit in dem anderen Land leben. In den leerstehenden Häusern fanden sie ein neues Zuhause, was alles anderes als wohlig war. Der Großvater entdeckte nach der ersten Nacht zuerst den Besitzer des Hauses auf dem Dachboden. „Herr Dietrich hat sich mit Hut und Krawatte aufgehängt, aber seine Bauernstiefel hatte er nicht ausgezogen und gegen Sonntagsschuhe getauscht.“ Unheimlich bleibt es weiter, denn es spukt in der verlassenen Gegend. Von dunklen, gefiederten Wesen erzählt er.

    Sabrina Janesch verbindet sehr raffiniert zwei Zeitstränge. In der Gegenwart begleiten wir Nele auf der Reise und erfahren stückchenweise Dinge aus ihrem eigenen Leben. Wie die Entfremdung zu ihrem Partner. Sie meldet sich selten bei ihm, da herrscht so eine Kälte zwischen beiden, die einer Liebe nicht gut tut. Die Vergangenheit hingegen gehört ganz ihrem Großvater. Stets beginnt die Ich-Erzählerin diese Passagen mit „Großvater sagte,“ – nach den einleitenden Worten zieht sie sich vorsichtig zurück. Plötzlich sind wir ganz bei ihrem Djadjo, wie Nele ihren Goßvater liebevoll nennt. Je tiefer die Geschichte fortschreitet desto mehr Raum bekommt ihr Großvater und die Vergangenheit überrollt immer mehr die Gegenwart.

    Sabrina Janesch ist ein Meisterstück gelungen. Sie hat die Geschichte sehr menschlich dargestellt und hat mich sogar in die „Illustrierte Geschichte der Flucht und Vertreibung“ blättern lassen. Ich wollte mehr wissen über die Tragödie, die sich im Osten abgespielt hat. Auch das gehört zur Literatur: Dass sie aufklärt, selbst wenn es wehtut. Dunkel und düster ist der Roman, das ist mit ihrer Sprache bestens gelungen. Die ganze Zeit hängt da so eine Nebelwand zwischen den Seiten und den Augen des Lesers. Die Sätze atmen eine leichte Melancholie aus, die nicht abstößt, sondern sie zieht einen immer mehr hinein. Das Buch ist wie ein dunkles Tuch, das nur an einigen Seiten Licht durchlässt. Durchatmen, inne halten und dann schnell weiterlesen. Aber es erdrückt nicht und lebt vor allem durch die Leichtigkeit der Worte und der Bilder, die Sabrina Janesch durch die Sprache erzeugt.

    Gleich auf den ersten Seiten schreibt sie: „Ich fahre schneller, der Nebel zerfließt an meinem Gesicht, ab und an jage ich an einem dunklen Schatten vorbei.“ Besser hätte ich das Buch nicht beschreiben können, auch wenn sie hier eine Szene darstellt. „Katzenberge“ zeigt, wie das Leben fortschreitet und wie es sich dabei seine eigene Geschwindigkeit aussucht. Die Vergangenheit bleibt, egal, wie schnell wir uns fortbewegen, an unserer Seite. Mal ist sie durchschaubar und mal muss man graben.

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