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insomnia

vor 3 Jahren

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Sayumi ist ein ganz normales 8 Jaehriges Maedchen, um genauer zu sein: Sie wird gerade 8. Zusammen mit ihrer Mutter Risa, ihrem Vater Ryan und ihrer grossen Schwester Joey waechst sie in Fairport auf.  Durch einen Unfall kommt Sayumi ins Krankenhaus. Als sie dort entfuehrt wird, rastet Joey komplett aus und verspricht ihrer kleinen Schwester sie zu finden. Allerdings weiss sie da noch nicht, wer alles dahinter steckt, wie weit sie kommen wird und auch der Zusammenbruch ihrer Mutter macht das ganze nicht einfacher.

Vier Jahre spaeter wacht Sayumi aus einem kuenstlichen Koma in einem ueberwachten, kahlen, kleinen Raum auf, von da an begeleitet sie der Leser auf die Reise durch ihre Vergangenheit, vermischt mit ihrer Gegenwart und einem Schwung Zukunft. Was ist passiert? Wer waren die Leute, von denen sie festgehalten wurde? Was wollten sie von ihr? Wo war ihre Familie? Das alles sind Fragen, auf die Sayumi noch keine Antwort kennt, die sie aber im Verlauf ihrer Reise bekommen soll. Trotz einiger Andeutungen steht man als Leser teilweise genauso Ratlos da, wie sie und erfaehrt stellenweise erst mit ihr zusammen, was passiert ist und wer dahinter steckt.

“Wenn du das Weinen verlernt hast, bist du bereits tot” (Sayumi Whisp). Ein Satz, der den Leser immer wieder durch dieses Buch fuehrt, bewusst oder unbewusst. Denn immer wieder stoesst Sayumi Whisp auf ihrem Weg an ihre Grenzen in Form von Verrat, Intrigen, Einsamkeit, Verlusten, Ratlosigkeit und vor allem Angst. Doch auch in der groessten Not kann sie sich immer wieder auf ihre engsten Verbuendeten verlassen, dazu zaehlt zum einen ihr Teddy Michael, den sie als kleines Maedchen von ihrer grossen Schwester Joey bekommen hat und zum anderen ist ihre beste Freundin Lu May an ihrer Seite. Doch noch etwas hilft ihr immer wieder aus verschiedenen Situationen. Was ist es? Oder sollte man lieber fragen WER ist es…?

Ahnungen, Hoffnungen und “vorhersehungen” kann man sich bei “Sayu Smiles” schlichtweg einfach von der Backe putzen. Autorin Sadako weiss genau, wie sie diese immer wieder innerhalb von gefuehlten Sekunden zunichte macht. Aber genauso weiss sie auch, wie sie die Fantasie des Lesers anregen kann. Nicht nur durch neue Hoffnungen oder die Anspielungen auf moegliche Weiterentwicklungen. Nein. Auch die Detailreichen Informationen des fiktiven Ortes “Fairport” lassen kaum zu, dass man sich die Umgebung nicht ganz genau vorstellen kann. Man hat immer das Gefuehl, man steht hinter den Charakteren des Buches und sieht, was sie sehen. Man fuehlt, was sie fuehlen. Man hofft, bangt, trauert aber genauso schnell bilden sich auch Antipathien gegen verschiedenste Buchfiguren. Ist man im ersten Moment eher skeptisch gegenueber einer Figur, faengt man ein paar Seiten spaeter an, so etwas wie Sympathie zu empfinden. Aber oft nur, um erneut einige Seiten spaeter genau diese Sympathie wieder zu verlieren.

Soll man “Sayu Smiles” in einem Genre unterbringen, so bekommt man schnell Schwierigkeiten. Man hat actionreiche Verfolgungsjagden – mit dem Auto und zu Fuss. Emotionsgeladene Momente gibt es ebenfalls, genauso wie blutige Szenen, die leicht ueber die Horrorschwelle treten. So wuerde ich behaupten, es ist fuer jeden Geschmack etwas dabei.

Mein Fazit:

Ich bin absolut ueberwaeltigt. Einige Rezensionen habe ich nun schon verfasst aber bisher hatte ich keine grossen Probleme damit, die Worte zu verfassen. Anders bei “Sayu Smiles”. So sehr das Buch am Anfang auch verwirren kann, aufgrund fehlender Informationen und der Tatsache, dass man irgendwie “mittenrein” geworfen wird, so sehr fesselt es auch. Obwohl oder besser gesagt: Trotz den sehr Lueckenhaften Informationen will man wissen was passiert ist. Man will wissen, warum das alles passiert ist. Was oder besser gesagt, wer sie festhaelt und warum. So macht der wechsel zwischen ruhigen Phasen, in denen Sayumi das Leben fast schon geniessen kann und rasanten Verfolgungen das ganze zu einem Abwechslungsreichen Abenteuer.

Der Schreibstil gefaellt mir sehr gut. Er ist am Anfang etwas anders als zum Ende hin. So hat man auch das Gefuehl man “waechst” mit Sayumi und man bekommt auch das Gefuehl, dass nicht nur die Leser, sondern auch vor allem die Autorin Sadako mit Sayumi die verschiedenen Altersabschnitte  beim Schreiben durchlebt hat. Zudem kommt dann noch diese Detailreiche Schilderung der Orte. Da ich sowieso ein Mensch bin, der sich alles Bildlich vorstellen MUSS, hatte ich bei dem Buch keine Probleme dieses Kopfkino auch waehrend des Lesens vollends zu geniessen.

Die Idee mit den vielen kleinen Abschnitten finde ich sehr gut. Mich persoenlich stoert es in vielen Buechern, dass es Seitenweise keinen Absatz gibt und die Leseunterbrechung so noch viel schwerer faellt. Die Geschichte von Sayumi kann man sich aber zu jeder Zeit schnappen, ob man dann nur ein paar Abschnitte oder ein paar Seiten liest, ist dem Leser komplett selbst ueberlassen. Ausserdem habe ich so kaum mitbekommen, wenn eine Szene langatmig ueber einige Seiten ging. Waeren einige Szenen aus dem Buch in einem ganzen Abschnitt geschrieben worden, haette ich sie wahrscheinlich als langwierig, langweilig oder langatmig gesehen. Durch die vielen kleinen Abschnitte faellt das aber meiner Meinung nach kaum auf.

Das Cover (von Sadako selbst gezeichnet) gefaellt mir jetzt, nachdem ich das Buch gelesen habe, sogar noch besser. Wenn man nur das Cover sieht, hat man das Gefuehl, man stoesst auf ein Manga. Doch jetzt wo ich das Buch durchgelesen habe, sagt es mir soviel mehr und das laecheln kann man nicht verbergen. Es weckt Erinnerungen an die Geschichte von Sayumi und wenn man in dieses Gesicht sieht ist man fast schon Stolz auf die kleine.

Das Lesen hat sehr viel Spass gemacht und ich freue mich jetzt schon auf Band 2 von 4. Ich hoffe, dass Sadako uns nicht allzu lang warten laesst. Bis dahin sollte man sich “Sayu Smiles” auf jeden Fall mindestens einmal durchgelesen haben.

An dieser Stelle nochmal ein riesengrosses “Danke schoen” an Sadako fuer das Buch, die Leserunde und viele, viele Meinungen, Antworten und Diskussionen <3

Autor: Sadako
Buch: Sayu Smiles
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