Verstörend die Thematik, beeindruckend die Form. Es geht um die dysfunktionale und gewaltreiche Beziehung eines Mannes zu seiner Frau. Der Plot an sich ist nicht kompliziert und recht kurz zusammengefasst, was ich hier natürlich nicht spoilern werde. Wenn einen die Handlung abstößt, sollte man trotzdem unbedingt zuende lesen, denn die Form ist grandios. Der Mann ist der Ich-Erzähler, sehr introvertiert bewegt er sich zwischen Realität und Traumwelten, in denen auch die zeitliche Ebene nicht zuverlässig ist. Alles scheint gleichzeitig zu existieren, Vergangenheit und Gegenwart, die Charaktere überschneiden sich, tauchen leicht verändert wieder auf, Situationen wiederholen sich wortwörtlich, auch Gegenstände sind omnipräsent. Leider kenne ich mich in der persischen Kultur nicht so gut aus, daher kann ich nicht beurteilen, ob bestimmte Muster auch symbolische oder metaphorischen Bedeutung haben, aber ich werde einen iranischen Freund danach fragen. Der Roman funktioniert aber auch ohne dieses Wissen. Er hat mich an Franz Kafka, und ein bisschen an Carlos Ruiz Zafon und Edgar Allen Poe erinnert. Die Entstehungsgeschichte des Romans ist auch interessant. Der Autor, geboren 1903, stammt aus Teheran, wurde zum Studium nach Frankreich geschickt, was er abbrach, kehrte nach Teheran zurück, von da aus zog er nach Bombay. 1950 kehrte er nach Paris zurück, wo er sich das Leben nahm. Der Roman erschien 1936 in Bombay, im Iran erschien eine teilzensierte Version als Fortsetzungsroman von 1941-42 (der Roman ist in meiner Ausgabe nur 85 Seiten lang!), seit 2005 ist der Roman verboten.
Verstörend und sehr beeindruckend

![[(The Blind Owl)] [Author: Sadegh Hedayat] published on (November, 2011) Cover des Buches [(The Blind Owl)] [Author: Sadegh Hedayat] published on (November, 2011) (ISBN: B00XX6FCME)](https://images.lovelybooks.de/img/150x/lb-cover/B00XX6FCME_1456674674469_xxl.jpg)

