Sadhguru

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SadhguruDie Weisheit eines Yogi
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Die Weisheit eines Yogi
Die Weisheit eines Yogi
 (2)
Erschienen am 01.09.2017
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Die Weisheit eines Yogi
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Erschienen am 26.10.2017

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Rezension zu "Die Weisheit eines Yogi" von Sadhguru

Können diese sanften Augen lügen?
R_Mantheyvor einem Jahr

Jaggi Vasudev möchte kein Guru sein. Guru sei inzwischen ein Schmähwort geworden. Deshalb nennt Jaggi Vasudev sich Sadhguru. Am Ende des Klappentextes erfährt man, dass Guru wörtlich bedeutet "der die Dunkelheit zerstört", während ein Sadhguru jemand ist, "der die Tür für dich öffnet, eine Tür zu echter Selbst-Transformation".  Nun denn – das klingt faszinierend. Wenn man allerdings solche Texte schon öfter gelesen hat und die Techniken kennt, um die es letztlich geht, dann wird man bestimmte Formulierungen nicht überlesen und bei anderen stutzig werden.
Beispielsweise steht im obigen Zitat nur etwas vom Türöffnen. Das ist kein Zufall, denn es meint, dass man am Ende selbst durchgehen muss. Und die Prognose, dass daran die meisten Leser dieses Buches scheitern werden, wenn sie es denn versuchen sollten, fällt nicht schwer. Wenn man aufmerksam liest, dann findet man selbst beim Meister einige Stellen, wo er genau das sagt, allerdings nicht ganz so direkt. Da heißt es nämlich beispielsweise, dass die eine oder andere Yoga-Technik nur für Auserwählte sei oder dass bei einer anderen viele scheitern werden, weil sie die nötige Disziplin nicht mal im Ansatz aufbringen können. Jaggi Vasudevs sanfte Augen lügen nicht, aber sein Text spart einen wichtigen Teil der Wahrheit einfach aus. In diesem Sinne sollte man auch den deutschen Untertitel verstehen. Da steht nämlich nicht: Wie innere Veränderung gelingt. Es heißt lediglich "wie innere Veränderung wirklich möglich ist".
Stutzig kann man bereits am Anfang des Buches werden. Dort  beschreibt der Meister sein ganz persönliches Erleuchtungserlebnis, seine persönliche Auflösung als Jaggi Vasudev, die über vier Stunden dauerte und natürlich auf einem Hügel stattfand. Man kann das glauben, weil man ähnliche Erlebnisse schon einmal bei anderen Meistern gelesen hat. Oder man kann es lassen. Sicher aber sind zwei Feststellungen. Erstens zeichnet diese nicht überprüfbare Schilderung Sadhguru Jaggi Vasudev als etwas Besonderes aus. Und zweitens ist sie eine Art Verheißung, denn sie bedeutet nichts anderes als, dass es jeden treffen kann. Ob Sadhguru Jaggi Vasudev nämlich etwas dafür getan hat oder zufällig von diesem Erlebnis übermannt wurde, bleibt im Dunklen.
Wir sollten alle Yogis werden, liest man in diesem Buch, weil das die einzige Chance wäre, die Menschheit zu retten. Neben seinem Erleuchtungserlebnis ist das die zweite Stelle, an der man stutzen kann. Geht es nicht eine Nummer kleiner? Wollen wir nicht besser erst einmal bei uns anfangen? Vielleicht wäre das weiser und träfe den Kern von Yoga deutlich besser. Yogis gibt es schon seit tausenden von Jahren. Die Welt hat das jedoch nicht einmal in Ansätzen verändert. Und in Indien spielt Yoga heute überhaupt keine irgendwie bedeutende Rolle mehr. Allerdings trifft das, was Jaggi Vasudev zu sagen hat, gerade im Westen (und eigentlich nur dort) den Nerv einer von glühenden Welterrettungsphantasien angetriebenen nicht mehr ganz so kleinen Gruppe von Menschen.
Was findet man nun in diesem Buch? Es besteht aus zwei Teilen, einer Einführung, die auch gewisse Grenzpfähle setzt und der Erklärung von gewissen Techniken, den Türöffnern also. Leider muss man nun schon wieder auf die zahlreichen Widersprüche in diesem Text hinweisen, die gewisse Zweifel (jedenfalls in mir) wecken. Sadhguru möchte keine Doktrin lehren und keine Glaubenssätze propagieren. Er hält Yoga für eine Wissenschaft und nicht für eine Lehre (Was ist eigentlich der Unterschied?), um dann zu verkünden, dass er Techniken lehren möchte. Die Lehre "Sei ganz im Augenblick" hält er für irreführend, wie man ganz vorne im Buch nachlesen kann. Nur laufen einige seiner später erwähnten Techniken genau darauf hinaus. Wie kann das auch anders sein, denn das ist gerade der Kern von Yoga. Es geht darum, wieder Herr im eigenen Körper zu werden und seinen Geist dazu zu bringen, nicht zu machen, was ihm gerade einfällt, sondern dass, was man von ihm verlangt, und nichts anderes. Wenn man das kann, dann erst folgt alles andere.
Die einzige Lösung für "alle Übel, von denen die Menschheit geplagt wird", sei "die Transformation des Selbst", heißt es. Und: "Erlangt wird sie nicht durch Moral oder Ethik und auch nicht durch eine Veränderung unserer Einstellungen oder unseres Verhaltens, sondern indem wir die grenzenlose Natur dessen erfahren, wer wir sind. Selbst-Transformation bedeutet, dass nichts Altes mehr übrig bleibt. Sie bedeutet eine neue Dimension in der Art, wie wir das Leben wahrnehmen und erfahren." Alles klar? Nein, nichts ist klar. Und anders kann es auch nicht sein. Niemand, der eine solche Erfahrung noch nicht gemacht hat, kann verstehen, was damit gemeint ist. Das Lustige an solchen Texten ist nämlich, dass sie etwas intellektuell vermitteln wollen, was man so gar nicht vermitteln kann. Und das müsste ein Yogi eigentlich wissen.
Was man aber aus dem obigen Zitat auch herauslesen kann und sollte, ist, dass es dabei enorme Schwierigkeiten zu überwinden gilt. Denn zu unserer Kultur gehört, dass wir Veränderungen mit Moral und Ethik begründen und mit anderen Einstellungen erzwingen wollen. Unter Selbst-Transformation verstehen wir aus diesen Gründen stets eine Veränderung unserer Einstellungen. Mal angenommen, wir wollen Sadhguru folgen. Dann werden wir versuchen, seinen Worten mit religiöser Hingabe zu lauschen und seine Techniken mit besonderem Fleiß und großem Ehrgeiz zu üben. Und so werden wir mit Sicherheit scheitern. Wir laufen dabei nämlich komplett in die falsche Richtung. Aber anders haben wir es schließlich nicht gelernt. Etwas nur zu tun ohne es zu wollen, ist nicht unser Ding. Aber je mehr wir die Selbst-Transformation wollen, umso weiter wird sie sich entfernen.
Zen-Buddhismus und Yoga besitzen die gleiche Quelle, was man übrigens auch in diesem Buch nachlesen kann. Ein großer Zen-Meister kam einst in eine Versammlung seiner hoffnungsfrohen Schüler, um nur einen Satz zu sagen, nämlich: "Es gibt nichts zu übermitteln!" Man muss es üben, am besten unter der Anleitung eines Meisters und ohne viele Worte. Jaggi Vasudevs in diesem Buch vermittelte Techniken gestalten sich dagegen eher milde und für den westlichen Gebrauch zugeschnitten.
Was bleibt also von diesem Buch. Vermutlich nur die vielen weisen Worte von Jaggi Vasudev, sein Charme und Witz. In Wirklichkeit aber helfen sie nicht weiter, weil sie bestenfalls unserem Geist neue Nahrung geben. Damit aber geschieht noch lange keine Selbst-Transformation. Insofern trägt auch dieses Buch wie so viele andere ähnlich Geartete den Samen einer großen Illusion in sich. Man ist begeistert und inspiriert von Worten. Mehr aber nicht.
Der wirkliche Weg ist schwer und hart. Jaggi Vasudev deutet ihn lediglich an. Um es anders zu sagen: Dieses Buch vermittelt lediglich eine auf westliche Leser zugeschnittene, weichgespülte Variante von Yoga. Die Weisheit dieses Yogi besteht also insbesondere auch darin, dass er sehr genau weiß, was seine Leser und Anhänger hören wollen und verkraften können.  

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