Sadriddin Aini

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DER TOD DES WUCHERERS

DER TOD DES WUCHERERS

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Erschienen am 01.01.1966

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Rezension zu "DER TOD DES WUCHERERS" von Sadriddin Aini

Rezension zu "DER TOD DES WUCHERERS" von Sadriddin Aini
Aldawenvor 8 Jahren

Auf der Suche nach einer neuen Unterkunft, um sein Studium in Buchara fortsetzen zu können, wird der Ich-Erzähler auf Kori-Ischkamba aufmerksam gemacht, an den er sich wenden solle. Zunächst versucht er, etwas über diesen Kori-Ischkamba herauszufinden und verfolgt ihn eine Weile auf dem Bazar, wobei er zu seinem Erstaunen feststellt, daß sich dieser Mann an jeder Ecke Dienstleistungen und vor allem etwas zu essen und zu trinken verschafft, ohne dafür zu bezahlen oder wenn, dann keinen angemessenen Preis. Durch Zufall geraten die beiden dann doch noch mal aneinander und Kori offeriert eine Unterkunft gegen tägliche Beköstigung mit Pilaw, was der Erzähler ablehnt. Daß Kori auch ein überaus sparsamer Mensch ist, zeigt sich, als der Erzähler einen Freund dorthin begleitet, der seine Schulden bezahlen will. Das ganze Haus ist weder beleuchtet noch beheizt, und zwischenzeitlich werden die beiden Freunde im Dunkeln zurückgelassen, weil sie sich ja auch so unterhalten könnten. Der Vater dieses Freundes erbittet eines Tages einen Dienst von dem Erzähler, den dieser zwar zunächst gerne ausführt, nur um hinterher festzustellen, daß er hier dazu beigetragen hat, eine arme Familie zu betrügen. Angewidert wendet sich er sich von diesen Kreisen ab. Unterdessen entwickelt Kori-Ischkamba neue Methoden, um sich auf den Dörfern eine zusätzliche Einnahmequelle zu erschließen, und viele Bauern verlieren ihr Land, weil die Schulden kurz vor der Ernte eingeklagt werden, wenn sie sie nicht bezahlen können und deshalb ihren Besitz unter Wert verkaufen müssen. Aber auch das Emirat und damit Buchara werden von den aktuellen Entwicklungen andernorts erfaßt, und die russische Revolution macht die Banken nicht sicherer ...

Aini, selbst nahe von Buchara (heute Usbekistan) geboren, gilt als Begründer der tadschikischen Literatur. Unter dem Emir von Buchara wurde er verfolgt, die Oktoberrevolution beendete seine Haft. Auf Grund seiner eigenen Erfahrungen mit dem Regime des Emirs stellte sich Aini auf die Seite der Revolution, als Autor und Publizist. Diese Nähe merkt man diesem Roman vor allem zum Ende hin auch deutlich an. Gleichwohl hat die Erzählung nicht den typischen sozialistischen Tonfall, den man meist nach zwei, drei Sätzen schon erkennt, dafür sind die orientalischen Erzähltraditionen zu stark, die hier streckenweise ein Tausendundeine-Nacht-Gefühl verbreiten – nur ist der Inhalt weniger märchenhaft als erschreckend.

Mit Kori-Ischkamba hat er einen Typ beschrieben, dem man permanent den Hals umdrehen könnte. Die Selbstverständlichkeit, mit der er sich selbst zum Essen einlädt, unter Mißachtung aller Höflichkeit den eigenen Magen vollstopft, so daß den übrigen Tischgenossen schlicht der Appetit vergeht, wäre allein schon Grund genug, ihn ekelhaft zu finden. Aber die Geschäftspraktiken, mit denen er Bauern um ihr Land und in die Leibeigenschaft bringt, die ist einfach nur widerwärtig. Es ist anzunehmen, daß daran im Grundsatz nicht einmal allzuviel erfunden ist, denn ich kann mir gut vorstellen, daß skrupellose Geschäftemacher mit den Analphabeten auf dem Land genauso umgegangen sind (und ob die Verhältnisse heute allerorten so viel anders geworden sind, ist dabei noch eine ganz andere Frage). So behält die Erzählung, wenngleich schon aus den 1930er Jahren, eine traurige Aktualität.

Daß man beim Lesen trotz allem nicht ständig vor Wut kocht, hat vor allem mit dem bereits erwähnten Erzählstil zu tun. Immer wieder werden kleinere Anekdoten und Randgeschichten eingestreut, die zum Schmunzeln einladen, und besonders natürlich dann, wenn die Reichen und Wichtigen ihr Fett abkriegen. Und so läßt dann auch das Ende (fast) keine Wünsche im Hinblick auf Koris Schicksal offen ...

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