Kinder der verlorenen Gesellschaft

von Safiye Can 
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Kinder der verlorenen Gesellschaft
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So großartig wie auf einem Kirchenschiff im Orgelsturm.

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Das ist für mich der schönste Gedichtband des Jahres 2017: Lyrik als Ausdruck von Identität, Zorn, Liebe, Kultur und Lebensfreude!

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Inhaltsangabe zu "Kinder der verlorenen Gesellschaft"

Safiye Cans Gedichte fragen nach dem Platz des Einzelnen in der Welt, nach Heimat, nach Zugehörigkeit. Sie halten Bilanz, vergewissern sich über Erfahrungen seit der Kindheit, werfen wilde Blicke in Unabgeschlossenes, träumen ohne selbstauferlegte Schranken der Vernunft. Entdeckerfreude spiegelt sich in ihnen, die auf ein Vertrauen baut, dass das Fremde nicht für immer fremd bleibt, vielleicht sogar ein selbstverständliches Zuhause wird.

Ich wundere mich

Ich wundere mich
wieso heute alle Menschen lächeln
sie lächeln in der Innenstadt
sie lächeln an der Hauptwache
sie lächeln beim Eisessen
sie lächeln auf der Rolltreppe
sie lächeln in der S-Bahn
sie lächeln an der Haltestelle
dann fällt mir aber auf
dass nicht sie es sind, die lächeln
ich bins, die lächelt
sie antworten (mir) nur.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783835330481
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:0 Seiten
Verlag:Wallstein
Erscheinungsdatum:27.02.2017

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    jamal_tuschickvor einem Monat
    Kurzmeinung: So großartig wie auf einem Kirchenschiff im Orgelsturm.
    Poetische Putzmittel im Goldstaubregen

    Sie steht „am Laufband Richtung Kasse“, während im Abspann der Assoziationen überall auf der Welt Menschen auf Laufbändern an ihrer Selbstoptimierung feilend scheitern. Sie scheitern schwitzend. Die Szene hallt vor Redundanz wie ein Kirchenschiff im Orgelsturm und eröffnet dem „Konservendosengefühl“ der Erzählerin einen weiten Raum. Das Ich schweift aus im Liebes-Du. Es erzählt eine Geschichte mit poetischen Putzmitteln. Die Laufbandgeräusche sind so oder so universell. Sie versichern eine Verliebte gegen Tod und Not im Überangebot.
    Safiye Can, „Kinder der verlorenen Gesellschaft“, Gedichte, Wallstein Verlag, 90 Seiten, 18,-
    So steht es geschrieben in den Linien „Deine(r) Archäologenhände“, einem Gedicht im Paarungsrausch mit seiner Nachbarin aus dem Can Weg 35, die weiter von der Liebe spricht. Nein, Safiye Can schreibt keine „Damit-verdienst-du-keinen-Cent-Gedichte“; so wie das Ich in „Aus dem Boden schießen Bäume“ wohl auch nicht; so verwandt erscheint es der Dichterin, die eine Liebesgeschichte lyrisch transformiert, indes keineswegs kommunardisch vom Ich zum Wir schreitend in einem überschaubaren Glückswinkel.
    Can erlebt Poesie als „unendlichen Prozess“. Sie hat auf ihrer Strecke die Grenzen der Zirkelprominenz gesprengt. In einem Seitenfach der Literatur avancierte sie zur Bestsellerautorin. Seit Nâzım Hikmet und Pablo Neruda könnte es diese Kombination nicht mehr gegeben haben.
    In einem Interview mit Türkân Kurt verkündete Can: „Alles kann als Inspiration dienen, um Worte zum Leben zu erwecken.“
    Sie sagt: „Wer sein Herz nicht bändigen kann, der lebt.“
    Sie sagt: Vielleicht ist Heimat das Hineinfallen ins eigene Bett …“
    Sie sagt: „Wann immer ich Solingen höre, brennt ein Haus vor meinen Augen.“
    Das sagt Can in den Tonfällen ihrer lyrischen Avatare.

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    Widmar-Puhls avatar
    Widmar-Puhlvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Das ist für mich der schönste Gedichtband des Jahres 2017: Lyrik als Ausdruck von Identität, Zorn, Liebe, Kultur und Lebensfreude!
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    Heysemausvor einem Jahr

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    Pressestimmen

    »Ohne Kitsch und mit einer verführerischen sprachlichen Leichtigkeit schreibt sie von Heimat, Liebe und Verlorenheit.«
    (Hannah Hanemann, aviva-berlin.de, 09.03.2017)

    »Sie wird immer besser!«
    (Uta Grossmann, Frankfurter Rundschau, 17.03.2017)

    »ein sehr facettenreiches Buch, das sich durch seinen wunderbaren Blick auf das Leben und durch seine schonungslose Ehrlichkeit auszeichnet«
    (Anna Kirschner, Offenbach Post, 20.03.2017)

    »Ein tiefgründiges, vielseitiges, hinterfragendes und nachhallendes Buch. Sehr empfehlenswert.«
    (Sandra Matteotti, denkzeiten.com, 02.05.2017)

    »sie schreibt brilliant«
    (Petra Manahl, www.capelluti.net, 05.05.2017)

    »Mit sprachlicher Präzision, Humor und Fantasie konstruiert die Dichterin rhythmische Lyrik von emotionaler Eindringlichkeit.«
    (Harald H. Richter, Offenbach Post, 06.05.2017)

    »Eine klare, einfache Sprache, die in ihrer Intensität, Mehrdeutigkeit und Durchdachtheit überrascht.«
    (Anna Kirschner, www.fixpoetry.com, 22.05.2017)

    »Eine starke Autorin mit Gegenwartsbezug, auch Humor, und dem Blick auf die Verschiedenheiten der Kulturen aus Orient und Okzident.«
    (Nils Jensen, Buchkultur, Juni/Juli 2017)

    »Safiye Can schafft es, den Platz eines Jeden lyrisch zu erschaffen und zugleich zu hinterfragen.«
    (www.doktorpeng.de, 13.06.2017)

    »in ihren besten Momenten verfügen diese Gedichte über eine poetische Energie, die tatsächlich ein vibrierendes Lesegefühl erzeugt.«
    (Andreas Wirthensohn, Wiener Zeitung, 22./23.07.2017)

    »Safiye Can verschafft der Lyrik in Deutschland ein neues Gehör.«
    (www.elbsalon.de, 11.09.2017)

    »Hingehen, Safiye Can live erleben, und: Selbst lesen!«
    (Carsten Schmidt, feuilletonscout.com, 09.10.2017)

    »es ist wunderbar, was sie mit der sprache anstellt.«
    (Tobias Bruns, philosophenstreik.tumblr.com, 21.10.2017)

    »Solch wunderbare Verse heilen.«
    (Jörg Siegert, graswurzelrevolution, november 2017)

    »Man hat den Eindruck, ihre Poesie nimmt die Wörter in Pflege, um ihnen wieder mehr Gehalt zu verleihen.«
    (Celina Imm, globaleblog.wordpress.com, Dezember 2017)

    »Can’s poems are youthful, modern and inviting.«
    (Nancy Wiechec, Arizona Caily Sun, 03.12.2017)

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