Golden House

von Salman Rushdie 
4,1 Sterne bei18 Bewertungen
Golden House
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Positiv (16):
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Kluger und gesellschaftskritischer Roman. Streckenweise sehr anspruchsvoll.

Kritisch (1):
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Es fing eigentlich ganz gut an, dann wurde es stilistisch aber zu einem absoluten Mischmasch - katastrophal und großteils unlesbar.

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Inhaltsangabe zu "Golden House"

Seit "Fegefeuer der Eitelkeiten" gab es keinen Roman mehr, der unsere Zeit so treffend, unterhaltsam und weitsichtig erklärt.

Nero Golden kommt aus einem Land, dessen Namen er nie wieder hören wollte, seit er mit seinen drei erwachsenen Söhnen vor ein paar Jahren nach New York gezogen ist und sich eine junge Russin zur Frau genommen hat. Der junge Filmemacher René wohnt im Nachbarhaus und ist fasziniert von der Familie, die ihm besten Stoff für ein Drehbuch liefert: Aufstieg und Fall eines skrupellos ehrgeizigen, narzisstischen und mediengewandten Schurken, der Make-up trägt und sich die Haare färbt. René wird Zeuge und in einer folgenschweren Episode sogar Teilhaber des dekadenten Treibens im Golden House, dessen Besitzer nicht nur den Vornamen mit Kaiser Nero teilt ...
Salman Rushdie erfasst den irritierenden Zeitgeist und zeichnet mit größter Erzählkunst ein treffendes Bild unserer heutigen Welt. Dieser Roman beweist aufs Neue, dass er einer der besten Geschichtenerzähler unserer Tage ist.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783570103333
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:512 Seiten
Verlag:C. Bertelsmann
Erscheinungsdatum:05.09.2017
Das aktuelle Hörbuch ist am 12.09.2017 bei Der Hörverlag erschienen.

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    Insider2199s avatar
    Insider2199vor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Ein anspruchsvoller Roman, thematisch abwechslungsreich mit komplexer Figurenzeichnung und und interessantem Plot (*****)
    „Weil eine Welt ohne Mysterien wie ein Bild ohne Schatten ist“.

    "Weil eine Welt ohne Mysterien wie ein Bild ohne Schatten ist".

    Der 1947 in Bombay (heute Mumbai), Indien geborene Autor studierte in Cambridge Geschichte, arbeitete anschließend am Theater und als freier Journalist und schafft seinen Durchbruch 1981 mit „Mitternachtskinder“, das 2008 zum „Best of the Booker“ gekrönt, dem besten Buch, dass in den letzten 40 Jahren den „Booker Prize“ gewonnen hatte. Sein bekanntestes Werk sind die „Die satanischen Verse“, 1988, weil daraufhin Khomeini ein „Fatwa“ (Todesurteil) über den Autor verhängt hatte. Der vorliegende Roman ist mein erster (und sicher nicht mein letzter) von ihm.

    Inhalt (Klappentext): Nero Golden kommt aus einem Land, dessen Namen er nie wieder hören wollte, seit er mit seinen drei erwachsenen Söhnen vor ein paar Jahren nach New York gezogen ist und sich eine junge Russin zur Frau genommen hat. Der junge Filmemacher René wohnt im Nachbarhaus und ist fasziniert von der Familie, die ihm besten Stoff für ein Drehbuch liefert: Aufstieg und Fall eines skrupellos ehrgeizigen, narzisstischen und mediengewandten Schurken, der Make-up trägt und sich die Haare färbt. René wird Zeuge und in einer folgenschweren Episode sogar Teilhaber des dekadenten Treibens im Golden House, dessen Besitzer nicht nur den Vornamen mit Kaiser Nero teilt ... 

    Meine Meinung: Der Roman beginnt mit folgendem „Mannschen“ Endlossatz – und ich führe diesen hier als Kostprobe an, um zu veranschaulichen, welchen sprachlichen Lesegenuss das Buch verspricht:

    „Am Tag der Amtseinführung des neuen Präsidenten, als wir Sorge hatten, er könnte, während er Hand in Hand mit seiner außergewöhnlichen Frau durch die jubelnde Menschenmasse ging, ermordet werden, als so viele von uns wegen der geplatzten Hypothekenblase kurz vor dem wirtschaftlichen Ruin standen und als Isis noch eine ägyptische Göttin war, traf ein ungekrönter etwa siebzigjähriger König mit seinen drei mutterlosen Söhnen aus einem fernen Land in New York City ein, um seinen Palast im Exil zu beziehen, dabei verhielt er sich, als gäbe es an dem Land oder an der Welt oder an seiner eigenen Geschichte nichts auszusetzen, und begann wie ein gütiger Herrscher, seine Nachbarschaft zu regieren – doch trotz seines charmanten Lächelns und der Fähigkeit, seine Guadagnini-Geige von 1745 zu spielen, trug er ein schweres, billiges Parfüm, den unverkennbaren Geruch von krasser, despotischer Gefahr, diese Art Duft, der uns warnt, hüte dich vor diesem Kerl, denn er könnte jeden Augenblick deine Hinrichtung anordnen, wenn du zum Beispiel ein T-Shirt anhast, das ihm nicht gefällt, oder wenn er mit deiner Frau schlafen will.“

    Im Kern geht es bei dieser Story um das Thema „Identität“, denn Nero Golden lässt seine Vergangenheit hinter sich, um mit seinen Söhnen in NY ein neues Leben zu beginnen und dabei streift er sein altes Ich ab und hüllt sich in Schweigen. Der Autor verbindet dieses Thema mit einer Gesellschaftskritik, denn die USA besteht ja zum großen Teil auch aus einem Mischmasch unterschiedlicher Völker, die als „Amerikaner“ zusammenleben. Dabei kommt vor allem Donald Trump sehr schlecht weg, den Rushdie mit einem grünhaarigen Joker mit grellen, roten Lippen vergleicht (in Anlehnung an Batman mit einer Hillary Clinton als „Batwoman“):

    „Außerhalb des Hauses herrschte die Welt des Jokers, die Welt, deren Realität mittlerweile in Amerika so viel wie eine Art radikaler Unwahrheit bedeutete: Verlogenheit, Protz, Scheinheiligkeit, Vulgarität, Gewalt, Paranoia, und ein Wesen mit weißer Haut, grünen Haaren und grell, grell roten Lippen sah von seinem dunklen Tower auf all das herab.“

    Aber es geht thematisch auch um den Film – Rushdie bringt hier zahlreiche Anspielungen auf Filme! – , denn der Ich-Erzähler (René) ist ein Drehbuchautor, der beschließt, aus seinen Erlebnissen mit seinem Nachbarn, Nero Golden, einen Film zu machen, sprich ein Drehbuch zu schreiben. Irgendwann kann der Leser nicht mehr unterscheiden, was Wirklichkeit und was Fiktion ist – und gerade dies macht auch den Reiz des Romans aus!

    In diesem Roman wird es nie langweilig! Interessante Figuren, ein überaus unterhaltsamer Plot mit überraschenden Wendungen, gewürzt mit dem Film-Thema und angereicht mit beißender Gesellschaftskritik machen das Buch zu einem puren Lesevergnügen. Dass man dabei inhaltlich vielleicht nicht alles verstehen mag, das ist ein Umstand, über den man getrost hinwegsehen kann.

    Fazit: Ein anspruchsvoller Roman, thematisch abwechslungsreich (Realität vs. Fiktion, Film, Gesellschaftskritik) mit komplexer Figurenzeichnung und interessantem Plot. Auch wenn man inhaltlich nicht alles verstehen mag, ist das Buch sprachlich ein Hochgenuss und fesselt von der ersten bis zur letzten Seite. Ich werde sicher noch weitere Romane des Autors lesen, vergebe die vollen 5 Sterne und empfehle das Buch v.a. an Film- und NY-Liebhaber.

    Kommentare: 2
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    serendipity3012s avatar
    serendipity3012vor einem Jahr
    Vom Scheitern des Menschen

    „Zu Anfang gilt es immer, ein Leid zu mildern, eine Wunde zu heilen, ein Loch zu füllen. Und am Ende steht immer das Scheitern – das Leid ungelindert, die Wunde nicht verheilt, der Rest melancholische Leere.“ S. 102

    Im Golden House wohnt der betagte Nero Golden mit seinen drei erwachsenen Söhnen, Petya, Apu und Dionysos, genannt D. Dies sind nicht ihre echten Namen, sondern die, die sie sich selbst gaben, als sie in das New York des Obama-Amerikas kamen. Namen römischer Helden. Woher sie kamen und warum, das weiß in der Nachbarschaft zunächst niemand, ihre Spuren haben sie gründlich verwischt.

    Es ist der junge Dokumentarfilmer René, den Salman Rushdie in seinem soeben erschienenen Roman „Golden House“ die Geschichte um die Goldens erzählen lässt. René wohnt mit seinen Eltern in der Nachbarschaft der Familie, beobachtet sie zunächst fasziniert und findet in ihnen bald das Thema für seinen ersten großen Film. Zunächst ist es eine choral anmutende Wir-Perspektive, aus der er erzählt, die aber bald der Ich-Perspektive weicht, vielleicht schon deshalb weichen muss, weil René nach und nach selbst Teil der Geschehnisse um die Goldens werden wird.

    Die beiden ältesten Söhne des schwerreichen Geschäftsmannes Nero Golden trennt nur ca. ein Jahr, sie sind zu Beginn des Romans in ihren frühen Vierzigern. Petya, der Ältere, leidet unter einer autistischen Störung, fühlt sich im Freien nicht wohl und kann in bestimmten Situationen nicht aufhören, zu reden. Der zweite Sohn, Apu, ist Künstler und ein Freigeist. Sie sind die Söhne der ersten Frau des Familienoberhauptes, über deren Verbleib an ihrem neuen Wohnort New York erst einmal niemand etwas weiß. Der jüngste Sohn D. ist dagegen gerade einmal Anfang 20 und entstammt einer Affäre Neros. Das Verhältnis zu seinen Halbbrüdern war stets nicht einfach. Und dann ist da noch die junge und sehr attraktive Russin Vasilisa, die den alten Nero umgarnt und schließlich seine zweite Frau wird. René rätselt über ihre Motive, über ihren Charakter, jedoch lässt sie sich nur ungern in die Karten schauen.

    Rushdie siedelt seine Geschichte im Amerika der Obama-Präsidentschaft an: Als die Goldens nach New York kommen, ist er gerade Präsident geworden. Das gegenwärtige Amerika bleibt durch den Roman hinweg stets die Kulisse, vor der die Geschichte spielt und auf die Rushdie immer wieder Bezug nimmt, das Amerika, das er in all seiner Absurdität immer wieder teils mit einem Augenzwinkern, teils mit tiefem Sarkasmus, stets aber mit einem sehr scharfen Blick, seziert.

    Langsam spitzen sich die Ereignisse um die Goldens zu – unheilvolle Andeutungen gibt es von Beginn des Romans an, sie tragen dazu bei, dass die Geschichte stets spannend bleibt. René sammelt derweil weiter Material für seinen Dokumentarfilm, wobei wir Leser ihm über die Schulter schauen und Ausschnitte aus dem Drehbuch selbst zu lesen bekommen. Die Grenzen verschwimmen hier, und nie weiß man genau, was sich wirklich so abspielt und was der Phantasie Renés entstammt. Was ist Wirklichkeit, was nur Illusion?

    Dass Rushdie das Geschichtenerzählen beherrscht, das hat er zuletzt in seinem Roman „Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte“ bewiesen und auch hier zeigt er sich wieder in Hochform. Mit souveräner Leichtigkeit behält er stets alle Fäden in der Hand, springt hin und her, kehrt zu Charakteren zurück, die er vorher zurückließ, und nie wirkt das allzu konstruiert. Das Ganze in einer leichten, aber nicht simplen Sprache, in zuweilen verschachtelten Sätzen, die zu lesen es mir eine Freude war. Dass ich in den lebensklugen, erfahrenen Beobachtungen des sehr jungen Erzählers René oft den inzwischen 70jährigen Salman Rushdie durchscheinen sah, ist an dieser Stelle mein einziger kleiner Kritikpunkt. Zu vernachlässigen deshalb, weil gerade die Lektüre dieser scharfsinnigen Einschätzungen sowohl der Figuren in seiner Geschichte, als auch des gegenwärtigen Amerikas so erhellend waren und mir einfach Spaß machten.

    Es sind einige Themen, die der Autor wie nebenbei in seine Geschichte einflicht: Nicht nur die politische und gesellschaftliche Situation in den USA (auch Donald Trump bekommt sein Fett weg), auch der Stellenwert von Religionen ist wie in früheren Romanen des Autors Teil der Geschichte. Als eine seiner Figuren dann auch noch in Probleme mit ihrer sexuellen Identität geriet, fühlte ich mich kurz an seine Landsmännin Arundhati Roy und ihren neuesten Roman erinnert.

    Salman Rushdies „Golden House“ ist ein meisterhafter Roman von einem der besten Geschichtenerzähler, die wir zur Zeit haben, eines der Highlights meines Lesejahres. Sehr klug und sehr unterhaltsam, souverän erzählt, mit spürbarer Lust am Fabulieren. Eine Geschichte voller starker Bilder und Szenen. Letztlich liegt Rusdhies Fokus auf seinen Figuren und ihren Unzulänglichkeiten, ihren Abgründen, ihrem Scheitern – ihrer Menschlichkeit. So wird seine Geschichte universell.

    „Aber wäre die Natur des Menschen nicht ein Mysterium, bräuchten wir keine Dichter.“ S. 481

    Kommentare: 2
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    Snordbruchs avatar
    Snordbruchvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Kluger und gesellschaftskritischer Roman. Streckenweise sehr anspruchsvoll.
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    PhilippSchmidts avatar
    PhilippSchmidtvor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Sehr toll geschrieben, aber leider ist die Geschichte nicht besonders packend.
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    alascavor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Drama a la Gréque um Identität und Verrat; zu didaktisch, aber originelle Sicht der amerikanischen Gegenwart.
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    Arachn0phobiAs avatar
    Arachn0phobiAvor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Es fing eigentlich ganz gut an, dann wurde es stilistisch aber zu einem absoluten Mischmasch - katastrophal und großteils unlesbar.
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    papaverorossos avatar
    papaverorossovor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Sehr vielschichtiges Buch mit interessantem Aufbau und sehr gut gezeichneten Charakteren.
    Ro_Kes avatar
    Ro_Kevor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Herausragende Erzählkunst, die am Ende Perfektion gleichkommt. Mein eigener Verstand wird dem Inhalt aber gänzlich nicht gerecht.
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    Sassenach123s avatar
    Sassenach123vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Sehr gewagte Äußerungen, der Autor ist echt mutig und prangert einiges offen an. Ansonsten ist es harte Kost, sehr schwer zu lesen.
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    S
    Sylvia_Svor 3 Monaten

    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Insider2199s avatar

    Wir haben beschlossen in der INSIDER-Voting-Challenge zusammen "Golden House" von Salman Rushdie zu lesen. 

    Wir beginnen am  01.12.2017 und lassen uns bis zum Ende des Monats Zeit, um es zu beenden. Rezensieren ist keine Pflicht, aber bei der Challenge erhält man 1 Los dafür. 

    Jeder liest mit seinem eigenen Leseexemplar, es gibt kein Buch zu gewinnen! 


    Es kann natürlich jeder mitmachen, der Lust dazu hat, auch wenn er nicht bei der Challenge angemeldet ist.    


    Vielleicht könnt ihr ne kurze Info geben, wann ihr mit Lesen anfangen wollt. Danke. 

    Viel Spaß uns allen :)
    papaverorossos avatar
    Letzter Beitrag von  papaverorossovor 10 Monaten
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