Salvador Plascencia

 4.1 Sterne bei 15 Bewertungen

Alle Bücher von Salvador Plascencia

Menschen aus Papier

Menschen aus Papier

 (14)
Erschienen am 25.02.2009
The People of Paper

The People of Paper

 (0)
Erschienen am 23.09.2011
La Gente De Papel

La Gente De Papel

 (0)
Erschienen am 28.02.2007

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Rezension zu "Menschen aus Papier" von Salvador Plascencia

Rezension zu "Menschen aus Papier" von Salvador Plascencia
Laxvor 8 Jahren

Der Kampf eines Autors gegen seine eigenen Romanfiguren ist eine wunderbare bildreiche Geschichte mit einer fast poetischen Sprache voller Wunder, Religion, Sex, obszöner, vulgärer Beschreibungen und jeder Menge Traurigkeit in manchmal unkonventioneller aber stets passender Aufbereitung. „Wir führen Krieg gegen eine Geschichte.“

Manche Geschichten sind etwas besonders, da sie anders sind. Sie öffnen dem Leser die Augen in einer Art und Weise, wie es vorher kein Buch schaffen konnte. „Menschen aus Papier“ von Salvador Plascencia ist solch eine Geschichte. Vom Beginn der Beschreibung eines Origami-Chirurgen, der Merced de Papel, seine erste Papierfrau, herstellt und an der sich viele Männer ihre Lippen beim Cunnilingus aufschneiden werden, entwickelt sich die Geschichte in eine für den Autor oft ungewollte Richtung und lässt so die schwarzen Buchstaben auf dem weißen Papier zu etwas besonderem werden .
In vielen Büchern verarbeitet der Autor eine gescheiterte Liebe, lässt die erfundenen Figuren dieselben Schmerzen erleiden, die er selbst erlebt hatte, als er eines Morgens aufwachte und sie plötzlich weg war. Federico de la Fe wird von seiner Frau verlassen und spürt das erste Mal die bedrohliche Existenz eines über ihm schwebenden Planten. Es ist Saturn, der in der Astrologie seit jeher für Melancholie, Sorgen und Unglück steht und es ist der Autor Plascencia. „Es war absurd, aber ich fürchtete mich vor einer über mir schwebenden Mach, die scheinbar alles über mich wusste...“ Federico versammelt eine Armee um sich, die alle nicht mit damit leben können, dass dieser obszönen Voyeurist Saturn in ihre Schlafzimmer eindringt, sie beim Sexspiel in allen Stellungen beobachtet und ihnen die Frauen stiehlt. „Saturn wollte nur zusehen, wollte nur wissen, wie die Geschichte weiterging.“
Saturns Geschichte ist voll von Traurigkeit. Traurigkeit, die ihn befallen hat, als eine Liebe ihn verlassen hatte. Eine Liebe, die zunächst auf der Widmungsseite vermerkte war, danach gestrichen wurde und die der Auto im Buch mit anderen Namen nennt. Sie hat einen neuen Mann gefunden, dessen Name niemals erwähnt wird, den Plascencia hasst.
Die Romanfiguren wollen nicht in ewiger Traurigkeit leben. Sie wollen einfach nur die Sonne genießen und sich nicht andauernd hinter Blei verstecken müssen. Sie erheben ihre Stimmen und der Roman verliert vollends seine Form. “Nach so vielen Seiten...lenkte schließlich unsere Stimme die Geschichte...“ Das eingesperrt sein in Zeilen und der Gang der Geschichte von links nach rechts wird gebrochen. Die Geschichte verwirrt sich, entwirrt sich, verdeckt Buchstaben, Sätze, Punkte. „Es ist ein Krieg gegen das Schicksal, das uns vorbestimmt ist.“
Somit zeigt der Roman eindrucksvoll den Kampf, den ein Autor mit seinem Werk führt, er liebt es, er hasst es, es stiehlt ihm seine Zeit, es nimmt ihm seine Frau und Saturn nimmt den Kampf schließlich an. „Saturn würde mit ungebremster Raserei gegen diese Menschen vorgehen...die dafür verantwortlich waren, dass sie ihn verlassen hatte.“
Doch nicht alle Figuren beteiligen sich an dem Kampf. Die kleinen, unbedeutenden Randfiguren wollen einen größeren Platz in der Geschichte haben und zudem haben sie Angst, dass der Autor vom Himmel stürzt. Ist dann nicht alles vorbei? „Ich dachte an meine eigene Existenz, an meinem Platz in diesem Roman.“
Die Geschichte verzaubert durch die Vermischung der vielen Gedanken, Ansichten, der überbrodelnden Phantasie voller mechanischer Schildkröten, limonensüchtiger Kinder und bettnässender, sowie blumenessender Menschen. Und es gibt gar Figuren, die mehr wissen als der Autor. Sie sind gefährlich, sie können die Geschichte zerstören. „...besaß die Macht, Saturns Autorität zu untergraben, indem er Informationen vorzeitig preisgab und damit den Roman insgesamt sabotierte.“
Doch nicht der Autor wird von dem Romanfiguren verachtet, auch der Leser ist Verachtenswert. Er ergötzt sich an der Traurigkeit, lacht an unpassenden Stellen, gibt altkluge Ratschläge, beschmutzt die weiße Seite mit Schokolade und vergisst schließlich die Figuren. „Allmählich empfand sie Verachtung nicht nur Saturn gegenüber, sondern auch für jene, die auf die Seite starrten...“
Am Ende bleibt nur ein Fazit: „Saturn ist ein Tyrann, der die Geschichte lenkt, wie er will.“
Salvador Plascencia wurde 1976 in Guadalajara/Mexico geboren. Als er acht Jahre alt war, zog seine Familie in die Nähe von Los Angeles. „Menschen aus Papier“ ist sein viel beachtetes Romandebüt.n

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S

Rezension zu "Menschen aus Papier" von Salvador Plascencia

Rezension zu "Menschen aus Papier" von Salvador Plascencia
suedlichderelbevor 9 Jahren

Keine leichte Kost. Wunderschön und verwirrend.

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schlumelines avatar

Rezension zu "Menschen aus Papier" von Salvador Plascencia

Rezension zu "Menschen aus Papier" von Salvador Plascencia
schlumelinevor 9 Jahren

Menschen aus Papier ist der erste Roman des Autors Salvador Plascencia, in Deutschland erschienen bei Edition Nautilus. Dieser Roman ist kein Roman im eigentlichen Sinne. Er ist vielmehr eine Hommage an die Sprache und an das Menschsein an sich.
Für dieses Buch braucht der Leser Ruhe und Zeit sich auf die Stimmung des Buches und die Wortwahl des Geschichtenerzählers einzulassen. Erst dann wird das Lesen dieses Buches zu einem Erlebnis. Salvador Plascencia erweckt Menschen aus Papier zum Leben und erzählt uns die Geschichte von Frederico de la Fe, der von seiner Frau verlassen wird, weil er regelmässig des Nachts einnässt.. Allein mit seiner Tochter Little Merced macht er sich auf die Reise, auf die Suche nach dem Glück. Im Nelkenpflückerort El Monte finden die beiden ihr neues Zuhause und machen sich dort auf, den Kampf gegen Saturn zu gewinnen.
Ein Buch und eine Geschichte, die sich entwickeln muss. Eine unbeschreibliche Reise an die Grenzen der Vorstellungskraft. Zu empfeheln für Leser mit ausgefallenem Geschmack und viel Liebe zur Sprache und ihren Details.

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