Sam Byers

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Idiopathie

Idiopathie

 (7)
Erschienen am 24.05.2013
Idiopathy

Idiopathy

 (0)
Erschienen am 03.06.2014

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Rezension zu "Idiopathie" von Sam Byers

Rezension zu "Idiopathie" von Sam Byers
errichvor 5 Jahren

»Idiopathie« ist der erste Roman des britischen Schriftstellers Sam Byres, der sofort in mehreren Ländern erschien und sich auf der Waterstone-Liste der elf besten Debüts des Jahres 2013 befindet.
In einer nordenglischen Kleinstadt leiden die Kühe unter einer BSE-ähnlichen Erkrankung und starren immerzu ins Leere. Vor dem Hintergrund der Kühe, die ein Sinnbild für das Treiben, die Idiopathie, der drei Protagonisten darstellen, erzählt Sam Byres eine Geschichte über die Unmöglichkeit von Liebe in einer narzisstischen Gesellschaft.
Katherine, Daniel und Nathan befinden sich in ihren Dreißigern. Katherine ist extrem selbstbezogen und zynisch. Sie kann Nähe zu Männern nicht ertragen und hat sich von Daniel getrennt. Trotzdem schläft sie sich durch das gesamte Kollegium und wird vom größten Vollidioten schwanger. Daniel, empfindsam und zartbesaitet, sucht einen Ausgleich zur anstrengenden Katherine und geht eine Beziehung zu einer esoterischen Umweltschützerin ein, die ihn täglich mit Liebeschwüren überhäuft. Zusammen mit seiner neuen Freundin und ihrer Hippie-Clique setzt er sich für die kranken Kühe ein, obwohl er eigentlich Chemielaborant ist und Vegetarier hasst ...
Während Katherine sich in einem Selbstreflektions-Wahn befindet, indem sie nicht aufhören kann, sich mit Hilfe des Internets zu analysieren und Daniel sich selbst belügt, kommt plötzlich ihr gemeinsamer Freund Nathan aus der Psychiatrie zurück. Während eines Drogen-Trips verstümmelte er sich selbst. Nun zieht er wieder bei seinen Eltern ein, mit denen er allerdings auch einige Probleme hat.
Nathan führt Daniel und Katherine erneut zusammen und das Aufeinandertreffen weckt vergessene Konflikte auf.
Witzig und schockierend zugleich thematisiert Byres den grenzenlosen Narzissmus einer Generation. Durch einen Perspektivwechsel erhält man unterschiedliche Einblicke in die Gedankenwelt der drei Protagonisten. Obwohl ihre Selbstbezogenheit und Hysterie extrem überzeichnet und teilweise lächerlich dargestellt ist, erkennt man sich erschreckenderweise darin wieder. Keine der Figuren ist sympathisch, sondern wirkt  anstrengend und man möchte sie schütteln, doch mit ihren nie enden wollenden, absurden Streitgesprächen aufzuhören. Mit präziser Sprache und eigenem Stil ist Byres insgesamt ein bitterböser Roman über Kühe, Liebe und Narzissmus gelungen.

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thursdaynexts avatar

Rezension zu "Idiopathie" von Sam Byers

Fies, sezierend, entlarvend, schwarz und gut - Menschen in Trance
thursdaynextvor 5 Jahren

„Idiopathie – eine Krankheit die spontan auftritt, oder deren Ursache nicht bekannt ist.“

 

Etymologisch: Altgr. – idiopatheia von idios (eigen)  und pathos (Leiden)

 

 

Phatos in Sinne von Leiden ist bei den Protagonisten dieses Debütromans von Sam Byers in großem Stil zu finden. Sie leiden an sich selbst , wobei jeder sich sein eigenes Leiden selbst konstruiert hat, und sich darin einrichtet, ausgestattet mit bornierter Selbstgefälligkeit und Blindheit, unfähig auszuziehen, unglücklich selbstzentriert kreisend.

Normalerweise möchte man nichts über sie erfahren und sie freundlich aber bestimmt auf Sicherheitsabstand halten, denn sie sind anstrengend, mitleiderregend und lästig.

Byrne hat ihren Unterhaltungswert erkannt. Davon lebt dieser schwarzhumorige Roman.

Von Menschen die keine Freunde / Freude  haben, weil sie so intensiv mit ihrem kostbaren Ego, welches sie vor Leid zu schützen trachten, beschäftigt sind, dass sie andere gar nicht an sich heranlassen wollen/können denn dies könnte sie ja verändern.

Anteilnahme am Leben anderer oder gar Liebe und Nähe haben keinen Platz und würden eventuell ja Schmerz auslösen, Leid versursachen. Da sind sie doch lieber konsequent, im Grundtenor unglücklich und verharren in diesem Zustand für immer – so kann nichts passieren das sie nicht selbst beeinflussen können........

Dabei wählt jeder seine urpersönliche Form der Abwehr von Leid.

Katherine verletzt lieber andere, stellt sicher dass sie zuerst zuschlägt. Ihr Exlover Daniel, unbeteiligt intellektuell, zieht sich hypochondrisch sprachlos zurück, fühlt sich überfordert,

vereinnahmt von seiner Partnerin, und Nathan, beider Freund und vor seinem Verschwinden Publikum ihres Paarlebens,  verletzt sich selbst.

 

Sam Byers Kunst ist es dieses so brüllend komisch darzustellen, pathologisch zu observieren, dass dem Leser das Lachen nie ganz vergeht, nur ab und an entnervt stockt.

Sein lockerer authentischer Stil entlarvt diese seit der Pubertät nicht weitergewachsenen Mitdreissiger, mikroskopiert, seziert sie, dass es eine Freude ist.

 

Der „Roman über Liebe Narzissmus und kranke Kühe“ lebt nicht nur von den Protagonisten, auch ihr selbsgewähltes Umfeld, authentisch und charakterisierend,

übt eine morbide Faszination aus, verursacht gute Laune auch wenn man momentan traurig

ist. Sebastian der dauerrebellierende weltverbesernde demonstrierende Althippie, Keith, Katherines derzeitige Bürofickbeziehung, Angelica, Daniels  klammerndes positivdenkendes esoterisches Liebchen, und Nathans Mutter........

ENTZÜCKEND FIES UND HERRLICH BÖSE steht auf dem Klappentext.


YEP! Das trifft es.


 

Fazit:

Ein sehr britisches Buch, in bester britsatireTradition den Sinn des Lebens erforschend mit viel Spielraum für dessen absurden Unsinn.

 Synonym für die Protagonisten die in Trance erstarrten Kühe.

Vom Leben abgeschnittene, pubertär stehengebliebene Individuen deren Physignomie – stiff upper lip - dereinst im Alter geprägt sein wird von sehr trüben Augen und herabgezogenen Mundwinkeln die sich tief eingegraben haben werden, deren hochziehen wegen Muskelverkümmerung nicht mehr möglich ist, die  eindrucksvoll davon zeugen, dass sie es jedem unmöglicht gemacht haben sie zu lieben....

So ein Buch macht gute Laune ?

Ja , eindeutig, vielleicht muss man momentan traurig sein um es lesen zu können , ersatzweise tun es vielleicht die Musik und Stimme von Johnny Cash in Verbindung mit einem urdeutschen, günstig erworbenem, essigsaueren Rotwein.

 

 

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ina_kzeptabels avatar

Rezension zu "Idiopathie" von Sam Byers

Selbstzerstörerischer Narzismus
ina_kzeptabelvor 5 Jahren

Die Story: Weder Katherine, noch Daniel oder Nathan haben es
einfach - sie alle sind geplagt von Selbstzweifel und gleichzeitig einer
Art narzistischen Ader, die widerrum selbstzerstörerisch ans Werk geht.

Katherine und Daniel haben sich vor gut einem Jahr getrennt und seit dem
will Katherine auch keine feste Beziehung. Sie ist über Daniel hinweg.
Denkt sie. Doch eigentlich ist alles anders und der gelegentliche Sex
mit dem Kollegen erfüllt sie nicht wirklich... ein Schock für sie,
nachdem sie einen positiven Schwangerschaftstest in den Händen hält.
Doch was tun?

Daniel dagegen hat sich direkt in eine neue Beziehung gestürtzt. Die
macht ihn jedoch auch nicht glücklicher als die Beziehung zu Katherine.
Er fühlt sich unwohl, hat das Gefühl nicht mehr er selbst zu sein. Dazu
passend hat seine neue Freundin scheinbar nur merkwürdige Freunde, mit
denen Daniel nichts anfangen kann...

Plötzlich taucht in Katherines und Daniels Leben Nathan wieder auf.
Keiner der beiden hatte über Monate etwas von Nathan gehört, bis er bei
Katherine anruft. Was ist ihm in der Zwischenzeit passiert und warum
verhält sich Nathan so merkwürdig? Einer der Gründe ist Nathans Mutter,
welche über das was Nathan und seiner Familie passiert ist ein Buch
geschrieben hat und nun scheinbar die Karriereleiter erklimmt.

Und was zum Henker ist bloß mit diesen verdammten Kühen los?!



Der Stil: Eigen, sehr eigen. Aber nicht
schlecht! Die ersten Kapitel musste ich mich erst daran gewöhnen und war
schon ein wenig erleichtert mich in den Stil eingefunden zu haben. Doch
dann findet ein Wechsel des Handlungsstranges statt und somit auch des
Charakters. Sam Byers hat jedem Charakter seinen eigenen Stil verpasst,
auch wenn sie sich um Grunde doch sehr ähnlich sind.

Die Geschichte beginnt mit Katherine, man erfährt wie ihr bisheriges
Leben verlaufen ist und das sie damit nicht glücklich ist (auch wenn sie
anderen gegenüber dies behauptet). Frech, sarkastisch und ein wenig
vulgär - das ist Katherine.

Daniel ist eher der ruhige Typ, ein Businessman der sein neues Leben
geniessen möchte. Wären da nicht die Freunde seiner Freundin und das er
sich selbst seinem Glück im Weg steht. Denn die neue Beziehung läuft
gut, jedenfalls solange er keine Wünsche äußert und sich fügt.

Die Vergangenheit hat Nathan sehr verändert. Nach etlichen Jahren mit
Drogen, Feiern und ohne Zukunftsgedanken klinkt sich Nathan aus. Er will
und kann so nicht mehr weitermachen und sieht nur einen Ausweg: sich
selbst verletzen (ich gehe zwar eher von Selbstmord aus, aber Nathan
bestreitet dies). Und in dem Maße wie es Nathan getan hat, hat es nicht
nur bei ihm tiefe Narben hinterlassen. Auch seine Familie hat es sehr
getroffen, was seine Mutter zum Anlass nimmt sich selbst zu vermarkten.
Sie twittert, facebooked und ist überall im Internet unterwegs. Der
krönende Abschluss ist ihr Buch, in dem sie über die Situation zu Hause
schreibt (seit Nathans Kindheit an). Nathan bekommt von alldem
allerdings nicht viel mit, in dieser Zeit ist er in psychatrischer
Behandlung.

Für einen Debütroman ist das Buch doch schon sehr "fortgeschritten" was
den Stil und die Charaktere betrifft. Alle ähneln sich, sind aber
dennoch verschieden. Man erfährt in den jeweiligen Kapiteln was die
Charaktere denken. Besonders interessant wird es, wenn sie das erste mal
nach längerer Zeit wieder aufeinander treffen. Gerade diese Szenen fand
ich super beschrieben/geschrieben.

Die Kapitel sind teilweise nur wenige Zeilen lang oder auch mehrere
Seiten. Trotz der drei Handlungsstränge ist mit das Lesen nicht schwer
gefallen und ich bin auch nicht durch die Ereignisse durcheinander
gekommen.



Mein Fazit: Ein guter Roman, welcher zum Nachdenken anregt oder
aber auch einfach gut unterhält. Die Charaktere sind super aufeinander
abgestimmt, eine Verfilmung könnte ich mir hier sehr gut vorstellen! Die
Briten werden mir immer sympathischer :D

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