Auf engstem Raum arbeiten, essen und schlafen sechs Astronaut*innen in einem Raumschiff, das sechzehn Mal am Tag die Erde umkreist. Was geschieht mit dem Körper und dem Geist, wenn man die Sonne so häufig innerhalb eines Tages auf- und wieder untergehen sieht, und welche Gedanken macht man sich, wenn man die Heimat ständig im Blick hat, sie aber so unendlich weit entfernt ist?
Samantha Harveys Roman „Umlaufbahnen“ wurde 2023 veröffentlicht und gewann 2024 den Booker Prize. Damit war es das erste im Weltall spielende Buch, das mit diesem renommierten Preis ausgezeichnet wurde. Die Jury beschreibt das Werk als „hoffnungsvoll, aktuell und zeitlos“, drei Punkte, mit denen ich absolut d’accord gehe. Allerdings konnte es mich insgesamt nur zum Teil überzeugen.
Die Autorin beschreibt einen Blickwinkel auf unsere Erde, den wir vermutlich niemals leibhaftig zu Gesicht bekommen werden. Dabei begeisterten mich besonders die sprachliche Gestaltung sowie die philosophischen Ansätze. Es sind Geschichten und Gedanken aus einem außergewöhnlichen Alltag, die mit einer beeindruckenden Authentizität beschrieben sind. Besonders ansprechend erschien mir das Nachsinnen der Besatzung darüber, was sie auf der Erde zurückgelassen haben und wer oder was sie dort, nach den Monaten im All, erwartet.
Leider fehlt es der Geschichte ein wenig an Handlung. Ein stetig anwachsender Taifun, den die Astronaut*innen von ihrem Schiff aus beobachten und dokumentieren, ist einer der wenigen angerissenen roten Fäden, die sich bis zum Ende halten. Abgesehen davon kam es mir ab knapp über der Hälfte des Buches so vor, als würde sich einiges wiederholen, was die Lektüre für mich stellenweise etwas eintönig machte.
Wenn ihr etwas gänzlich Neues und Erfrischendes sucht, mit einer interessanten und unverbrauchten Perspektive, die in einer poetischen, fließenden Sprache zu Papier gebracht wurde, könnte „Umlaufbahnen“ genau das Richtige für euch sein. Für meinen Geschmack hätte der Roman einen Ticken mehr Handlung vertragen können.






















